Australien 2016. Regie: Damien Power. Darsteller: Harriet Dyer, Ian Meadows, Stephen Hunter, Aaron Pedersen, Tiarnie Coupland, Maya Stange, Aaaron Glenane

Offizielle Synopsis: Ein Liebespaar ist auf dem Weg zu einem abgelegenen See. Als sie ankommen, steht dort bereits ein Zelt, dessen Besitzer spurlos verschwunden zu sein scheinen. Hat das womöglich mit den beiden gehirnlosen aber gewalttätigen Rednecks zu tun, die dort mit ihre Gewehren und ihrem Kampfhund umher streunen?

Kritik: Ich würde behaupten, dass der Backwoods-Slasher in seinen verschiedenen Ausformungen das zäheste Subgenre der Festivalgeschichte ist. Jedes Jahr gibt es zwei, drei Filme, deren Inhaltsangabe ungefähr so beginnt: Ein junges Paar / eine kleine Clique fährt zum Wochenende in den Wald. Sie haben keine Ahnung, dass dort brutale Rednecks / Satanisten / entlaufene Killer darauf warten, sie zu jagen / töten / vergewaltigen.

Der „Reiz“ dieser Filme für Filmemacher ist offensichtlich: Im Wald ist billig drehen, Cast und Requisiten sind begrenzt, zynische Gewalt zieht immer und wenn gar nichts mehr geht, lässt man eine misshandelte Frau drei Minuten lang schreiend durch die Pampa rennen. Es ist nicht nur technisch, sondern auch moralisch Filmemachen auf niedrigstem Niveau. Mikrowellen-Pommes.

Natürlich kann man auch das wieder gut und schlecht machen. Der Urvater „Deliverance“ von John Boorman hat Maßstab und Messlatte gesetzt, Filme wie der erste „Wolf Creek“ und „A lonely place to die“ waren sehr gut darin, den schieren Terror der Verfolgung durch die Wildnis zu illustrieren. Aber das gros dieser Filme ist billige Ausschussware von Nachwuchsregisseuren, die Leerplätze in Festivalprogrammplänen und in DVD Box Sets füllen wollen. Eine Rechnung, die oft genug aufgeht.

Ich tue mich deshalb schwer, „Killing Ground“ angemessen zu besprechen. Ja, er ist durchaus spannend, baut zwei Zeitebenen auf, die für Abwechslung und leichte Desorientierung sorgen, hat ein paar Schocks, die wirklich sitzen, und Darsteller, die sich mühen. Aber das ergibt in der Summe eben doch nur wieder einen Backwoods-Slasher ohne jeden Erkenntnisgewinn, ohne jeden Mehrwert für das Genre oder wenigstens das Subgenre. Die Mühe, seine Figuren plausibel zu motivieren oder eine Verbindung zwischen den Charakteren zu schaffen, macht sich das Drehbuch nicht. Was wir hier sehen, haben wir schon (zu) oft gesehen.

Und so ist die Empfehlung für oder die Warnung vor „Killing Ground“ komplett abhängig von der Neigung zu dieser Sorte Thriller. Wer gerne Normalos sieht, die ironiefrei im Wald verhackstückt werden, der kann schon mal das Popcorn warm stellen. Wer ein wenig mehr Einsatz und neue Ideen erwartet, geht für diese knapp 90 Minuten besser eine Pizza essen. It’s all relative.

Fazit: Ein in Ansätzen kompetent und kompromisslos umgesetzter Backwoods-Thriller, der aber auch nicht übertünchen kann, wie müde das gesamte Subgenre mittlerweile ist. Das kann nicht mehr als 5 von 10 Punkten einfahren.

Fragt Philipp: „Mal ein Hillbillies-und-co-sind-böse-Film ohne Schlachteplatte und Voyeurismus, sondern mit interessanten Figuren. Die noch dazu unter Stress sinnvoll und nachvollziehbar reagieren.

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