USA 2017. Regie: Adam Green. Darsteller: Kane Hodder, Parry Shen, Laura Ortiz, Dave Sheridan, Brian Quinn u.a.

Offizielle Synopsis: Ein romantischer Heiratsantrag im Ruderboot. Soeben hat die Braut in spe sabbernd vor Glück den Verlobungsring an den Finger bekommen, da erscheint der übel gelaunte Sumpfberserker Victor Crowley und – chop chop – werden ihr sämtliche Körperextremitäten mit der Axt streitig gemacht. Anderswo stellt sich der einzige Überlebende des HATCHET 3-Massakers den Medien, oder vielmehr seiner angepissten Exfrau – ihrerseits Show-Masterin – die seine frisch veröffentlichte Möchtegern-Bestsellerbiografie schamlos durch den Kakao zieht. Überhaupt gerät die ganze PR-Kampagne des Buchs zur Farce. Die Fans von heute haben keinen Stil mehr. Ein Autogramm auf wirklich jedes Körperteil? Im Ernst jetzt? Rettenderweise hat seine Agentin ein Exklusivinterview organisiert. Ausgerechnet am Originalschauplatz in den Sümpfen. Dort, wo den Traumatisierten eigentlich keine 10 Pferde mehr hinbekommen. Eine Million Dollar aber schon. Also ab in den kleinen Privatflieger, vollbesetzt mit irgendwelchen vage eingeführten Story-Charakteren (natürlich auch die Exfrau), die nach glorreichem Absturz nur einem dienen: den genussvollen Slashereinlagen von Schlitzerikone Crowley!

Kritik: Ich muss blank ziehen – ich habe keinen der Hatchet-Filme gesehen. Ich verweigere mich nach Kräften den modernen Horror-Franchises wie „Saw“ und bin ein Kind der „originalen“ Slasher-Generation, da fühle ich keinen Bedarf für moderne Rekonstruktionen. Nach dem, was man so hört, waren die Adam Green-Filme solide Zusammenfassungen der Jason/Mike Myers-Erkenntnisse mit einer gehörigen Portion Oldschool-Splatter und viel Ironie.

„Victor Crowley – Hatchet 4“ führt diese (mittlerweile nun auch eine) Tradition fort, wird aber wohl nicht als direktes Sequel geführt, sondern irgendwie als Meta-Kommentar zu den vorherigen Filmen. Vielleicht habe ich das aber auch falsch verstanden. Jedenfalls ist die Figur der beilschwingenden Ungestalt Crowley nun ein von den Medien ausgeschlachteter, aber immer auch angezweifelter Mythos. Eine Reise in den Sumpf, aus dem er kam, führt natürlich sofort zu neuen Schlachtereien.

Okay, das ist lustig. Und splatterig. Und so „self aware“, dass man sich entweder königlich amüsiert oder kotzen möchte. Ein Horrorfilm über Horrorfilme, in dem die Beteiligten sich ständig bewusst sind, wie horrorfilmig das alles ist. Die Fiktion hat ihre eigene Wirklichkeit erschaffen und diese wiederum zur Fiktion erklärt. Alles geht, weil es nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Wie Jason Vorhees ist Victor Crowley im wahrsten Sinne des Wortes eine „killing machine“, weil er von Menschen nicht zerstörbar ist, sondern nur von den Drehbuchautoren, wenn sie die Laufzeit für erreicht erklären. Keine Figur mehr, nur noch ein dramaturgisches Werkzeug zur Cast-Reduktion.

Der Rest sind launige, teilweise hysterische Gags, schräge Dialoge und Comic-Figuren, die auf das Beil warten und in Blutfontänen Gliedmaßen verlieren werden. It’s the hatchet way!

Ich verstehe jeden, der das doof und unaufrichtig findet. Ich fand’s knorke und als Midnight Movie perfekt zwischen Splatterfilm und der Parodie darauf pendelnd. Überrascht hat mich nur, wie billig dieser immerhin vierte Teil einer erfolgreichen Franchise runtergekurbelt wurde: mindestens 60 Prozent der Laufzeit spielen in der Kabine eines kleinen Flugzeugs, das noch dazu sehr offensichtlich nach Sperrholz aussieht.

Fazit: Eine rasante, blutspritzende Splatter-Comedy, die aus den bekannten Klischees auch keinen Saft mehr pressen kann, aber mit Liebe zum Genre noch für viel Gejohle im Saal sorgt. Dosenbier-Kino! 8 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Erfreulich beschwingt und mehr als nur Schlachtplatte. Positive Überraschung.“

Next up: Killing Grounds



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