War on Everyone

woe2England 2016. Regie: John Michael McDonagh. Darsteller: Michael Peña, Alexander Skarsgård, Theo James, Tessa Thompson, Caleb Landry Jones, Paul Reiser, Stephanie Sigman, Malcolm Barrett

Offizielle Synopsis: Alexander Skarsgård sieht nicht zufällig dem jungen Clint Eastwood ähnlich, und auch nicht von ungefähr wird ihm ein Latino als Partner zugeteilt. Der zu allem Überfluss ebenso verdorben ist wie der blonde Skarsgård. Zu zweit lässt es sich noch viel besser Ethnien und Randgruppen aller Art beleidigen. Es ist eben ein Krieg gegen alle. Zu Beginn nimmt das Duo einen Pantomimen auf die Hörner ihrer noblen Karosse – nur um herauszufinden, ob er einen Ton von sich gibt:

Kritik: „War on everyone“ empfiehlt sich mit einem extrem launigen und stylischen Trailer als Crowdpleaser – und ist angeblich sogar der diesjährige Favorit des Festival-Veranstalters. Eine hochkarätige Besetzung verspricht zynische Cop-Comedy im Retrolook.

Und DAS, meine Puddings, ist der Grund, warum man nicht alles glauben sollte, was man hört. Auch und gerade im Kino ist Skepsis angesagt, denn jeder Verleiher will letzten Ende auch nur euer Geld, da unterscheidet er sich nicht von einer osteuropäischen Prostituierten.

Ich habe das dumpfe Gefühl, dass die Brillanz von „War on everyone“ mit der Idee begann, ein moralisch verkommenes Buddy Cop-Team in New Mexico von der Leine zu lassen – und dass die Idee damit auch endete. Man hat dann haufenweise einzelne Ideen, Gags und Charaktere in eine Schüssel geworfen und durchgerührt. Handlung? We don’t need no stinkin’ Handlung!

So ist „War on everyone“ ein ziemlich frustrierendes Erlebnis, weil man permanent den Eindruck hat, dass alle Bestandteile eines großartigen Kultfilms da sind: Skarsgard und Pena bringen sich wirklich ein, der Chevy Bel Air ist ein echter Traumwagen, Albuquerque ein bislang noch unterforderter Schauplatz. Man sieht ja auch im Trailer, dass einige der Sprüche für sich genommen funktionieren. Aber all das hängt in der Luft. Es fehlt ein unterliegendes Konstrukt, weil der Plot nicht nur banal ist, sondern auf fahrig erzählt wird: Die Cops kommen ein paar Gangstern auf die Schliche, die bei einem Überfall eine Million Dollar erbeutet haben. Sie beschließen, den Oberbösewicht zur Strecke zu bringen – nicht um der Gerechtigkeit willen, sondern weil sie das Geld selber einsacken wollen.

Das ergibt keinen Sinn. Die beiden Bullen, Arschlöcher die sie auch sein mögen, haben keinerlei Geldprobleme. Ihre Karriere und das Leben ihrer Liebsten wegen der Million zu riskieren, ist Quatsch. Es handelt sich auch nicht um eine persönliche Vendetta, weil sie (im Gegensatz zu uns) bis ins letzte Drittel gar nicht wissen, wer im Hintergrund die Fäden zieht. Das Geld ist ein MacGuffin, der den Film am Laufen halten soll – was leider nicht funktioniert. Stattdessen werden permanent Umwege und Abkürzungen genommen, die teilweise und sehr begrenzt als humorige Einschübe funktionieren, aber öfter als selten auch schlicht im Sande verlaufen.

woe

Tonal ist der Film nicht weniger chaotisch – Humor wechselt sich brutalem Zynismus ab, der in der nächsten Szene in unpassende Sentimentalität mündet. Ich verstehe ja, dass man zeigen möchte, dass z.B. Jay hinter der harten Schale ein vereinsamter Außenseiter ist. Aber die plötzlichen Anflüge von Familiensehnsucht torpedieren die Plausibilität des Charakters, machen ihn weich, wo er cool sein müsste.

Ja, ich habe ein paar Mal grinsen müssen und der Film ist auch optisch schick anzuschauen. Dass ausgerechnet ein Abstecher nach Island eingelegt wird, sorgt für den sicherlich launigsten Moment. Aber wie schon erwähnt – es addiert sich an keiner Stelle zu einer zufrieden stellenden Handlung und für eine Nummernrevue hat es unter dem Strich zu wenig gute Gags und zu wenig mitreißende Action.

rotFazit: Ich will nicht ausschließen, dass man „War on everyone“ deutlich mehr abgewinnen kann, wenn man Shane Black für Gottes Geschenk an die Filmdramaturgie hält. Für mich ist der Film mit seinem Retro-Stil und der eierschaukelnd vorgetragenen Coolness der Protagonisten nur leere Pose.

Philipp meint: „War on Everyone“ erinnert sehr an „The Nice Guys“, ist aber deutlich schwächer. Kann sich nie entscheiden, ob es Komödie oder Thriller sein will und scheitert an diesem Spagat.



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Fake

Klingt nach der Filmversion der niederländischen „POPOZ“

https://de.wikipedia.org/wiki/Popoz

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Bilde ich mir das ein oder ist dieses FFF mit erschreckend vielen roten Ampeln versehen?

Jake
Jake

Ganz schwacher Film. Torstens Kritik bringt es auf den Punkt. Wirklich schade, dass Skarsgard und Pena, die super miteinander harmonieren und ihre Sache wirklich gut machen, so „verheizt“ werden. Da fehlt es einfach an einem soliden Handlungs-Gerüst.

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