Office

fullsizephoto617497Südkorea 2015

REGIE

Won-Chan Hong

DARSTELLER

Eui-Sung Kim, Sung-Woo Bae, Ah-Sung Ko, Sung-Woong Park

Offizielle Synopsis: Es war ein langer Arbeitstag in Seoul. Als Verkaufsmanager Kim heimkehrt, schlägt er mit einem Hammer seine Frau, seine Mutter und Sohn tot. Die Tragödie entsetzt alle Mitarbeiter, die am nächsten Morgen auf ihrer Büroetage von Kommissar Choi befragt werden. Empört stellen sie den Mörder als Psychopathen hin. Nur die Praktikantin Lee, die in dem geschäftigen Büro wie eine Sklavin behandelt wird, weiß es besser: Kim war der einzig nette Vorgesetzte in einem Laden voll giftiger Schlangen. Doch die Bosse verbieten ihr den Mund und behindern die Ermittlungen – der Ruf ihrer Firma geht für sie über Menschenleben. Deshalb merkt auch keiner, dass der verschwundene Kim sich im Gebäude versteckt hat und seine ehemaligen Kollegen wie ein Geist heimsucht.

Kritik: Mittlerweile kennt ihr das – ich beschwere mich gerne darüber, dass Filme mittlerweile von Haus aus einen hohen technischen und inszenatorischen Standard mitbringen, bei den Ideen und den Drehbüchern oft aber durchhängen. „The Office“ ist da anders. Das Problem ist nicht die depperte Grundidee. Das Problem ist, dass der Film sich sehr schnell entscheidet, eine an und für sich entzückende Grundidee ruckzuck aus dem Fenster zu schmeißen.

Consider this: Eine Bürodrohne im so grauen wie grausamen Office-Alltag der koreanischen Hauptstadt dreht durch, massakriert seine Familie und verschwindet. Die Polizei sucht ihn, die Ex-Kollegen fürchten ihn – und es mehren sich die Zeichen, dass sich der Rächer mit der Papierschere und dem Tacker irgendwo in den endlosen Fluren und Treppenhäusern der Firma herum treibt. Das klingt nach einem ziemlich geilen „Phantom of the Opera“-Update (gab es in Gestalt von „Phantom of the Mall“ ja auch schon).

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Eine halbe Stunde lang lässt uns Regisseur Won-Chan Hong auch glauben, dass er diesen Film erzählen will. Kim ist das Phantom, Lee ist seine Christine, es gibt den Kommissar und die neue Büromaus, die Lee den Platz streitig macht und dadurch auf der Abschussliste des Phantoms landet.

Und dann – ist Schluss mit lustig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Statt Suspense und Scares gibt es endlose gezischte Diskussionen über Feindseligkeiten unter Kollegen, über Quartalsberichte und Personalprobleme. Man giftet sich an, Lee heult auf dem Klo, es wird im Treppenhaus geraucht. Am Ende ist der Täter (soviel darf verraten werden) doch nicht so offensichtlich, wie es scheint – aber damit auch nicht plausibel. Und der eigentliche Plot wird in einer Wegwerf-Szene im Finale abgehakt, als wäre er eine tote Ratte, die es zu entsorgen gälte.

Damit könnte ich leben – wenn die Konflikte der Karrieristen untereinander spannend wären, existentiell. Wie bei „Kill your friends“ oder wenigstens „Glengarry Glen Ross“. Aber das ist alles so grau in grau, so banal, so mickrig. Ich habe bei ProSieben seinerzeit potentere Machtkämpfe um Firmenparkplätze erlebt. Will ich 110 Minuten lang sehen, wie eine Praktikantin auf eine Festanstellung hofft? Eher nicht.

„Office“ ist einer der Filme, die ich gerne neu für den deutschen Markt umsetzen würde – um eine halbe Stunde gekürzt und mit dem Fokus auf der eigentlichen Grundidee, dass ein geschundener Bürodackel durchdreht und zum Rächer zwischen Kopiergerät und Ablage wird.

Fazit: Eine faszinierende Grundidee für einen „Phantom of the office“-Thriller, die allerdings schon nach 20 Minute für elend langweilige Büro-Zwistigkeiten aufgegeben wird und sich nur müde zum Nachspann schleppt. Wo ist Michael Scott, wenn man ihn braucht? 3/10.

https://www.youtube.com/watch?v=Agg_f8VJlW4



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Goran
Goran

Und der klang so schön.

Dietmar

Wo ist Michael Scott, wenn man ihn braucht?

Mist – ich wollte beim Lesen ein Stromberg-Witzchen machen …

heino
heino

Ich fand sowohl das Thema wie auch das Ende des Films durchaus passend. Das Problem ist- wie du es auch ansprichst – meiner Meinung nach, dass er sich zu sehr in Kleinigkeiten verheddert und sich dadurch der Mittelteil zieht wie Kaugummi an der Schuhsohle. Insgesamt habe ich dieses Jahr aber deutlich schlechtere Filme gesehen. 6/10

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