Ava’s Possessions

avas-possessions-posterUSA 2015. Regie: Jordan Galland. Darsteller: Louisa Krause, Lou Taylor Pucci, Dan Fogler, William Sadler, Jemima Kirke, Alysia Reiner

Story: Es ist geschafft – Father Merrino hat den Dämon, der es sich in der attraktiven A&R-Managerin Ava bequem gemacht hat, erfolgreich exorziert. Das heißt aber noch lange nicht, dass ihre Probleme damit abgehakt sind. Es gilt, die vom Dämon hinterlassenen Trümmer wieder in ein halbwegs normales Leben zusammenzusetzen und, nicht ganz unverständlicherweise, ist das auch für Avas Eltern und ihre Schwester Jillian und ihren Verlobten Roger keine einfache Situation. Dazu kommt, dass Ava auch noch der Knast droht, denn „dämonische Bessessenheit“ ist nun mal keine anerkannte Verteidigungsstrategie für die zahlreichen Sachschaden- und Körperverletzungsklagen, die auf sie warten. Anwalt JJ stellt Ava zwei Alternativen vor – entweder sie kann sich in eine Nervenklinik einweisen lassen oder sie tritt einer offiziell kirchlich und staatlich autorisierten Selbsthilfegruppe für Bessessenheitsopfer bei. Letzteres klingt nach dem Weg des geringsten Widerstandes und auch das dicke Handbuch, das Ava vor dem ersten Meeting durchlesen soll, aber bestenfalls mal durchblättert, schreckt sie nicht ab.

Aber mit Tony, dem Leiter der Gruppe, ist nicht zu spaßen – locker durchschleifen ist nicht drin, denn Tony weiß: der Dämon wird versuchen, wiederzukommen, und so lange sein ehemaliges Opfer nicht willensstark genug ist, den Höllenboten nicht aus eigener Kraft wieder in den Orkus zu jagen, wird niemand als „geheilt“ aus der Gruppe entlassen werden. Zudem fordert Tony Ava auf, diejenigen, die sie unter dämonischem Einfluss geschädigt hat, aufzusuchen und Wiedergutmachung zu leisten. Dank der umfangreichen Klägerliste ist das relativ einfach, bis auf zwei Fälle – in ihrer Couch hat sie eine teure Uhr mit einer Gravur für „Conrad“ gefunden, hat aber nicht den geringsten Schimmer, wer oder was dieser Kerl sein könnte – und verklagt hat er sie auch nicht. Zum Glück ist die Uhr selten und ihr Exklusivverkäufer weiß, wem sie gehört: dem Vater des Galeristen Ben, der dann auch mal ein oder zwei Stielaugen auf Ava wirft. Fall Nummer 2 ist die Nutte Noelle, mit der Ava es wohl getrieben hat – als sie Noelle aufspürt, erfährt sie, dass es sogar ein wilder Dreier war, aber wer die dritte Person war, weiß auch Noelle nicht.

Zu allem Überfluss fand Avas Therapiegruppenkollegin Hazel es ganz super, einen Dämon in sich zu haben und möchte das schleunigst wiederholen, dafür müsste Ava doch nur einen ganz einfachen Zauberspruch von Okkultladenbetreiberin Talie besorgen. Klappt auch alles ganz vorzüglich und nachdem Hazel sich ein Weilchen ausgetobt hat, kann Merrino sie auch neu exorzieren, aber durch ihr Gedabbel in der schwarzen Magie hat Ava ein Zugangstor für die Rückkehr *ihres* Dämons eröffnet. Außerdem versucht sie jemand umzubringen…

Kritik: Der zweite Film aus unserer kleinen Reihe „was passiert eigentlich, nachdem der Nachspann gelaufen ist“ befasst sich also mit dem Thema „Exorzismus und wie gehe ich damit um“. Des Öfteren fragt man sich ja als Zuschauer von Genrefilmen, wie zum Geier die Protagonisten den Behörden erklären wollen, was eigentlich grad passiert ist – dass Regisseur Jordan Galland („AlterEgos“) diesen Gedanken endlich mal aufgreift, ist schon an und für sich sehr löblich.

Galland wählt dafür – im Gegensatz zum Seelenverwandten „Bound to Vengeance“, der als knallharter Thriller reüssierte – die Form der Komödie, was sich, zugegeben, bei der hiesigen subject matter auch eher anbietet als beim Revenge-Streifen. Die Idee ist dabei ebenso drollig wie eigentlich folgerichtig: vom Teufel oder einem seiner diversen Untergebenen bessessen, richtet man gemeinhin ja eine Menge körperlichen und Sachschaden an, und irgendwie muss das ja auch ebenso wieder gerichtet werden wie man die Rückkehr in den Job stemmen muß (was in Avas Fall von ihren werten Kollegen und Chefs nicht vereinfacht wird, wenn sie den von ihr gesignten Act als neue Single eine Exorzismus-Nummer aufnehmen lassen und dazu ein passendes Video drehen. Dass Ava dem Sänger da an die Gurgel geht, lässt sich irgendwie nachvollziehen). Wenn man dann auch noch voll enthusiasmisiert gerichtliche Auflagen erfüllen muss (wer geht schon gern hin, wenn der Richter meint, man solle seine Fahrt im Suff durch die Mitgliedschaft bei den Anonymen Alkoholikern sühnen). Eigentlich alles ganz nachvollziehbar – bis auf Avas Entscheidung, Hazel bei ihrer Re-Dämonisierung zu helfen, das ist ein glatter Charakterbruch, der nur kommt, weil das Script ihn halt braucht. So ganz happy bin ich auch nicht mit dem Schwenk zum Thriller hin in der zweiten Hälfte, da scheint Galland ein bisschen aus den Augen zu verlieren, was eigentlich die Prämisse seines Films ist, und verzettelt sich ein wenig in einer nicht immer logisch wirkenden Kriminalhandlung (dafür hat’s der Schlusstwist dann wieder in sich).

Was den Humor angeht, setzt das Script weniger auf Brüller denn auf subtilen Humor, der sich recht natürlich aus der Prämisse des Films heraus entwickelt. Wie reagieren die verschiedenen Charaktere, welche skurillen Entdeckungen macht Ava, die ja selbst keine Erinnerungen an ihre dämonisierte Zeit hat, über diesen Zeitraum, welche unerwarteten Probleme ergeben sich daraus? Das macht Galland ziemlich gut, und dass er hin und wieder auch mal auf echtes „Drama“ zurückgreift – speziell in der schwierigen Beziehung Avas zu ihren Eltern (immerhin hat Avas Mutter im Kampf mit dem Dämon ein Auge verloren. Da kann man schon mal die Mutterliebe sanft zurückfahren), hift darüber hinweg, dass der Film sich zwischendurch doch die ein oder andere Auszeit nimmt und den ein oder anderen Nebenplot nicht sauber auflöst.

Technisch ist das, wie es bei FFF-Beiträgen anno 2015 mittlerweile Ouzo ist, ansprechend gewerkelt. Die dezent eingesetzten FX sind annehmbar, wenn auch nicht herausragend, wobei „Ava’s Possessions“ auch auf die ganz großen Splattereien verzichtet und nur da und dort mal einen kleine blutigere Spitze setzt. Den sehr netten Score besorgt niemand geringeres als Beatles-Sohn Sean Lennon (!).

Auch die Darsteller fallen größtenteils nicht durch den Rost. Louisa Krause („Bluebird“, „King Kelly“) ist nicht nur eine weitere Anwärterin auf den hart umkämpften Titel des FFF-Babes 2015, sondern kann sowohl mit ihren komischen als auch dramatischeren Momenten einiges anfangen. Whitney Able ([[All the Boys Love Mandy Lane]], [[Monsters]]) verkauft sich – auch dank einer relativ undankbaren Rolle – etwas unter Wert, wie auch Zachary Booth („Der Biber“, „Damages“) eher blass bleibt. Dafür können in ihren relativ kleinen, aber prägnanten Rollen Dan Fogler („Balls of Fury“) als einfallsreicher Anwalt JJ und Routinier William Sadler („The Green Mile“, „Iron Man 3“, „Stirb langsam 2“) als Avas Papa überzeugen. Groß ist die Vorstellung von Selbsthilfegruppendämonenaustreiber Tony alias Wass Stevens („The Wrestler“, „House of Cards“) und der kurze Zwei-Szenen-Cameo-Auftritt von Carol Kane („Die Geister, die ich rief“, „Daddy’s Cadillac“, „Trees Lounge“), einer Spezialistin für durchgeknallte Charaktere, ist amüsant.

Toter Hund? Nope.

Fazit:Ava’s Possessions“ ist also eine vergleichsweise ruhige, manchmal auch ein wenig ernstere Grusel-Komödie, die recht lange konsequent von ihrer Prämisse lebt, im letzten Drittel dann aber scripttechnisch etwas aus dem Leim geht. Genügend witzige Momente für eine sanfte Empfehlung gibt’s dann aber doch. Allein schon die Idee muss man würdigen. 7/10

Doc Acula



avatar
1 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
0 Comment authors
Fantasy Filmfest Masterliste (1) | Wortvogel – 100 % Torsten Dewi Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
trackback

[…] ♣ ABCs of Superheroes ♥ Ava’s Possessions ♦ Backtrack ♦ Bite ♥ Bound to Vengeance ♦ Cop Car ♥ The Connection ♥ Deathgasm […]