Eine Frau wird vergewaltigt. Eine Ärztin verschreibt ihr die „Pille danach“, um einer daraus resultierenden möglichen Schwangerschaft vorzubeugen. Außerdem soll die Frau gynäkologisch untersucht werden. Zwei Krankenhäuser hintereinander weigern sich, die Frau aufzunehmen. Beides katholische Krankenhäuser. Beide argumentieren: die Verabreichung der „Pille danach“ sei mit ihren Leitsätzen nicht vereinbar.

Man muss es zweimal lesen: Krankenhäuser weisen eine vergewaltigte Frau, die panische Angst hat, von ihrem Peiniger womöglich auch noch schwanger zu werden, an der Pforte ab – im Namen Gottes.

Das Presseecho war entsprechend und angemessen.

Ich glaube, dass das, was Martin Lohmann (Chefredakteur des privaten kirchlichen Fernsehsenders K-TV) bei Jauch zum Thema „Keine Pille danach – auch nicht bei Vergewaltigung“ von sich gegeben hat, zum ekligsten, menschenfeindlichsten und in sich widersinnigsten Denkdünnpfiff gehört, den ich seit langem in einem seriösen Medium gehört habe.

Hier ein kompletter Zusammenschnitt:

https://www.youtube.com/watch?v=Tk64RmCKNLw

Offensichtlich hat Kardinal Meisner das also nicht so gemeint.

Andererseits habe ich Respekt vor dem Mann: er steht bedingungslos zu dem Unfug, den er glaubt. Er ist nicht wischiwaschi, will nicht ständig aus Bequemlichkeit ausweichen und relativieren. Man weiß bei Lohmann (im Gegensatz zu Meisner) genau, woran man ist. Er ist ein Vater, der seine Tochter nötigen würde, das Kind eines Vergewaltigers auszutragen.

Domian hat sich drüber aufgeregt und es gibt jetzt so etwas wie einen aufrechten Shitstorm gegen Lohmanns Unfassbarkeiten.

Dazu passt, dass ich mich neulich furchtbar über einen Beitrag im Deutschlandradio aufgeregt habe, in dem es um den „Dritten Weg“ geht – eine hübsch harmlose Umschreibung der Tatsache, dass sich die Kirche (als größter Arbeitgeber nach dem Staat) nicht an geltendes Arbeitsrecht zu halten braucht. Seit Jahren werden Mitarbeiter und externe Dienstleister nach Gutdünken ausgenutzt und mit Minimallöhnen abgespeist. Gestreikt werden darf dagegen nicht. Laut Kirchenoberen ziehen schließlich alle an einem Strang – ob der den Hals der Beschäftigten stranguliert, ist nicht von Belang. Sehr schön nachzulesen hier.

Und damit wir das Dreierpack vollmachen können noch eine echte Perle: die öffentlich-rechtliche Doku „Gott hat hohe Nebenkosten“. Wer schon immer mal wissen wollte, wie viel JEDER deutsche Steuerzahler für die Kirchen abdrückt und wie wenig sich diese um das Gemeinwohl und das gesellschaftliche Miteinander scheren, ist hier genau richtig:

Soviel zur Trennung von Kirche und Staat, zum menschlichen Umgang in der Kirche und zur skrupellosesten systematischen Abzocke dies- und jenseits des Solidaritätszuschlags.

Fragt sich immer noch jemand, warum ich die organisierten Kirchen nicht nur ablehne, sondern aus tiefstem Herzen verachte?



Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Hannah
Hannah

Ich bin mir nicht sicher, dass die Standhaftigkeit Lohmanns bei seinen kruden Ansichten etwas ist, worauf er stolz sein sollte…Fand es schwer erträglich, was er von sich gegeben hat.

John Lenin
John Lenin

Ich weise mal auf den Besuch von Sonneborn bei den Piusbrüdern hin: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=ighEoufzY3s – jemanden totschlagen ist also weniger schlimm als die Pille danach. Schön, dass das mal jemand so deutlich sagt.

perseus
perseus

Eine besonderen Geschmack bekommt das Ganze zudem im Hinblick auf die rechtliche Grundlage:

http://de.wikipedia.org/wiki/Reichskonkordat

Wortvogel
Wortvogel

@ Hannah: Natürlich sollte er darauf nicht stolz sein. Aber die Tatsache, dass er es ist, macht ihn leicht erkennbar als das, WAS er ist.

@ John Lennon: Bezaubernd und wahr.

@ perseus: Jau, die Altlasten aus der Nazizeit. Immer nur dann kein Thema, wenn es den aktuellen Rädchendrehern passt. Hatten wir ja auch zu diesem Bereich schon:

http://www.stop-kirchensubventionen.de/dotationen_bundeslaender.html

gerrit
gerrit

Was ich mir schon bei manchem B-Movie gedacht habe, hier mehr denn je: Dieser Wortvogel ist ein ganz harter. Der bringt für seine Leser Opfer. Nach 4-5 Minuten Laufzeit musste ich es abstellen. Unerträglich.

Die einzige Methode, es zu schauen, ist, Ton aus, den Jauch beobachten, als Entertainment. Aber das wird dem Thema nicht gerecht.

Respekt vor dem, was du dir für die Leser reinziehst.

Wortvogel
Wortvogel

@ gerrit: Ich gebe zu – der Lohmann war hart. Und auch der Bastard am Ende, der eine nicht-evangelische Putzfrau zwar als 1 Euro-Kraft bei sich wienern lässt, sie aber wegen des „falschen Glaubens“ nicht fest anstellen möchte. Und alles nur, weil er so barmherzig ist. Ich kann nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte.

gerrit
gerrit

Hmmtja. Den Knilch konnt ich wenigstens ansatzweise nachvollziehen. Find ich nicht gut, dass Leute so ticken, aber kann man nicht ändern. Wenn die Kleriker träumen, sie fänden unter ihren Schäfchen ne vernünftige Putze, sollen sie. Ich find KollegInnen, die in der eigenen Firma einkaufen, auch besser, als die, die zur Konkurrenz traben.

Wortvogel
Wortvogel

@ gerrit: Schon klar – aber die „fremdgläubige Frau“ für 1 Euro bei sich putzen zu lassen, DAS ist dann okay, oder? Nur wenn sie angestellt werden will, macht die Konfession den Unterschied. Und selbst wenn ich DAS schlucken würde – er verkauft dann die Ausbeutung per 1 Euro-Job als barmherzige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Uli
Uli

„Gott hat hohe Nebenkosten“ sollte man sich echt ansehen, nur noch mal kurz die Quintessenz: Kirchliche Kindergärten, Krankenhäuser oder Schulen werden fast komplett vom Steuerzahler getragen, nicht etwas von den Kirchen.

Trotzdem dürfen die Kirchen in diesen Einrichtungen quasi machen was sie wollen, also vorsintflutliche Regeln wie den Rausschmiss von Angestellten bei Scheidung oder Konfessionszwang durchsetzen. Betriebsräte oder ähnliches werden dabei genauso knallhart unterdrückt wie in einer beliebigen Heuschrecken Firma, von kirchlicher Nächstenliebe keine Spur.

Frank Böhmert
Frank Böhmert

Ich möchte, obwohl ich Atheist bin und die strikte Trennung zwischen Kirche und Staat befürworte, allerdings hinzufügen, dass die Vorwürfe gegen die beiden katholischen Kliniken in dem Vergewaltigungsfall anscheinend reichlich konstruiert gewesen sind.

Mehr hier: http://www.kath.net/detail.php?id=39796

Wortvogel
Wortvogel

@ Frank Böhmert: Kath.net? Als Quelle? Ehrlich?

Frank Böhmert
Frank Böhmert

Wortvogel, der Artikel ist die beste Zusammenfassung, die mir bekannt ist. Die behaupteten Fakten sollte man, so man will, ja gegenchecken können. Und verwechselst du nicht eventuell mit kreuz.net?

aCks
aCks

Ich freue mich schon darauf, dass dieser Eintrag bei Bildblog verlinkt wird. Dann gibt’s hier, wie beim letzten Mal, ne ordentliche Gaudi.

Ich muss morgen unbedingt meine Knabbervorräte auffüllen, sonst steh ich das Spektakel nicht durch.

DMJ
DMJ

Da die verdammt nochmal nachzuholende Trennung von Kirche und Staat ja auch eins meiner Steckenpferde ist (meine Hoffnung darauf aber mit dem Beschneidungsurteil noch weiter gesunken ist), habe ich hier wenig anzumerken, bin aber doch aufgrund der letzten Entwicklungen gespannt, ob der hiesige, für kath.net schreibende Leser etwas einzuwerfen hat. – Ich Troll, ich. 😉

Wortvogel
Wortvogel

@ Frank: Ich verwechsle das nicht – aber eine eindeutig parteiische Webseite ist mir als Quelle nicht seriös genug. Ich hatte den Beitrag auch gelesen und könnte ihn Stück für Stück auseinander nehmen, aber das war hier nicht mein Ansinnen.

@ aCks: Ich sehe keinen Grund, warum BILDblog das verlinkten sollte.

@ DMJ: Man wird sehen. Ich bin gar nicht auf Krawall aus. Es fiel mir nur heute morgen auf und dann wurde sehr schnell ein Artikel draus. Am Dienstag oder Mittwoch ist ein elend langer Beitrag dran, von dem ich mir kontroverse Diskussionen erhoffe.

Earonn
Earonn

Und meine einzige Hoffnung – dass nun mal ein paar Katholiken merken, was für einem Verein sie da angehören und dann austreten, wird sich wieder nicht erfüllen.
Earonn: blablabla…Vergewaltigung…Krankenhaus…abgewiesen..blabla
Kath: Ooooch, die Kirche tut aber so viel Gutes! Kindergärten und so..
Earonn: blablabla…Kosten…Steuerzahler…Bischofsgehälter…blabla…
Kath: Ooooch, ehrlich? Wusste ich gar nicht!
Earonn: Blablabla…Konsequenzen…blablabla
Kath: Nein, austreten möchte ich aber nicht. Ich will doch mal in der Kirche getraut werden/ beerdigt werden/ ist alles gar nicht so schlimm…
Kath: Übrigens, Earonn, schon gehört? Ein paar von uns sollen an Rosenmontag arbeiten kommen? Ist unsere Firma X nicht ein totaler Scheißverein? Echt, wie kann man nur…etc.pp..
Earonn: *facepalm*

Übrigens hatte ich nach der Vergewaltigungsgeschichte alle großen Parteien – SPD, FDP, CDU, Grüne – angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten.
Ich war keiner von ihnen auch nur eine Standardantwortmail wert (mehr hätte ja auch gar nicht sein gemusst – was sollen sie auch auf meine Mail hin machen? Aber so wie es aussieht, hätte ich meinen Wählerwillen auch gar nicht kundtun können. Und ich habe mich schon an meine Landesverbände gewandt. Freue mich jetzt direkt auf den nächsten Wahlkampf wenn irgendsoein Otto versucht, mir seine Partei schmackhaft zu machen…)

Uli
Uli

„Kath: Nein, austreten möchte ich aber nicht. Ich will doch mal in der Kirche getraut werden/ beerdigt werden/ ist alles gar nicht so schlimm…“

Bonus: Man muss sich vielleicht irgendwann bei einem der Krankenhäuser, Kindergärten oder Schulen bewerben und ohne Konfession dürfte es auch bei liberalen Einrichtungen schwer werden. Es ist nicht immer nur die vermeintliche Bequemlichkeit, weswegen viele in der Kirche bleiben.

Dr. Acula
Dr. Acula

Die Kölner Geschichte war nach langer Faulenzerei (musst ja extra zum Standesamt latschen, also mindestens einen halben Tag Urlaub nehmen, und dann koscht das ja auch noch Geld) Anlass genug, damit ich dem Verein endlich den Rücken gekehrt habe.

Peroy
Peroy

„Earonn: Blablablabla…“

Exverlobter
Exverlobter

Ich sehe die Sache etwas ambivalent. Ok, nicht die Sache mit den Vergewaltigern und Abtreibung, da ist die Sache klar (wobei BTW das eine extreme Minderheitenmeinung von einem Fundi-Spinner ist)

Aber bei der Causa mit der Kindergärtnerin sieht die Sache etwas anders aus. OK, zuallererst sei gesagt, dass ich nichts gegen Scheidungen habe. Das regt in der heutigen Gesellschaft ja keinen mehr auf. Ich erkenne aber den Kirchen ihr Recht zu, solches Verhalten zu sanktionieren.

Kurzer Vergleich zu einem aktuellen Beispiel. Annette Schavan hat ihren Ministerposten verloren, weil sie vor 30 Jahren etwas fahrlässig bei ihrer Doktorarbeit gearbeitet hat. Das kann man jetzt wieder mal als deutsche Korinthenkackerei betrachten,( über die sich Italienische Politiker wahrscheinlich ins Fäustchen lachen), weil der Rücktrittsgrund ja nicht während der Amtsperiode sondern lange davor zu suchen ist, und die ganze Geschichte deshalb eigentlich verjährt sein sollte.
Auch wenn der Rücktritt für Schavan persönlich natürlich tragisch ist, so ist er aber auch konsequent, weil gerade das Amt des Bildungsministers mit jemandem der am Sessel klebt, obwohl ihm sein Titel aberkannt wurde, erheblichen Schaden nehmen würde.

Ähnlich verhält es sich auch bei der Sache mit der Kindergärtnerin. Die Ansichten der katholischen Kirche zur Ehe mag ein Großteil der heutigen, modernen Gesellschaft für Ewiggestrig halten. Ich persönlich sehe das auch so.

Aber ich gestehe der Kirche ihr Recht zu, für ihre Prinzipien einzustehen. Wenn sie mit Kraft wieder die gute alte Zeit der Adenauer-Ära herzustellen versucht, nur zu. Ich ermutige sie sogar dazu, da die Kirche ihre Existenzberechtigung verlieren würde, wenn sie in dieser Causa mit dem Strom der Gesellschaft mit schwimmen würde. Ähnlich wie das Amt des Bildungsministers, würde die Kirche erheblichen Schaden von so einer Tolerierung davontragen, weil die Kirche irgendwann vom Rest der Gesellschaft nicht mehr zu unterscheiden ist.

Das ist irgendwie so wie wenn ein Jude Vorsitzender der NPD werden würde. Oder wenn ein Schwarzer dem Ku-Klux Klan beitritt. Und das in beiden Fällen von der Basis so akzeptiert wird, weil man sich dem Druck des gesellschaftlichen Mainstreams anpassen möchte. Dann könnte man sowohl der NPD als auch dem Ku-Klux-Klan mitteilen, dass ihre ganze Existenz fortan eine einzige Farce ist.

Und ähnlich ist es mit der Katholischen Kirche. Wir können uns als moderne Europäer über diese althergebrachten Traditionen noch so lustig machen, aber aus der Sicht der Kirchen ist irgendwann eine Rote Linie an Biegsamkeit erreicht, die irgendwann nicht mehr überschritten werden kann.

Wortvogel
Wortvogel

@ Acula: Wäre ich nicht schon 1997 ausgetreten, wäre es die Doku „Gott hat hohe Nebenkosten“ bei mir gewesen.

Wortvogel
Wortvogel

@ Exverlobter: Mit Verlaub, das ist Quatsch. Das sind Äpfel und Birnen. Dein Beispiel wäre stimmig, wenn wir von einem evangelischen oder konfessionslosen Bischof in der katholischen Kirche sprechen würde – natürlich geht das nicht. Aber wir reden hier von Putzfrauen, Hausmeisterinnen, Gärtnerinnen, die noch dazu in Einrichtungen arbeiten, die zu 90 Prozent eben STAATLICH finanziert sind und de facto nicht der Kirche „gehören“. Und da würde die Kirche ihre Rechtfertigung verlieren, wenn der Klempner nicht zur Beichte kommt?

DMJ
DMJ

Ich wollt’s grad sagen: Wenn die Kirchen wirklich ihre Einrichtungen selbst und vollständig bezahlen, dürfen sie da auch machen was sie wollen (also im Rahmen des Legalen, klar) und selbstverständlich jeden ausschließen, der kein Mitglied ist (wie ich finde, auch als Hausmeister oder Putzfrau). Aber solange da Kohle des (weltlichen) Staates drin steckt, hat es gefälligst nach dessen Regeln zu laufen – und die verbieten nun einmal religiöse Diskriminierung.

gerrit
gerrit

Was E-v schreibt, hab ich so ähnlich schon mal von „Kardinalmeisner“ (das ist wie „Bahnchefmehdorn“) vernommen. Diese Freaks glauben ernsthaft, es gibt in ihrem Verein ein paar, die austreten würden, wenn Personen der Kirche weniger Bullshit blafaseln würden äh… sich mehr Richtung „common sense“ orientieren würden…

Howie Munson
Howie Munson

Zum kath.net artikel: Irgendwie auffällig das man ausschliesslich auf die anonyme Spurensicherung verweist, die bis mitte letztes Jahre noch angeboten wurde. 1. Steht da nirgends, dass das Opfer sich unsicher wegen der Anzeige war, wenn es denn Beweise für eine Tat gab, eben DAS war ja das fragliche.
2. Gibt es die ASS in Köln erst seit Juli 2011.
3. Geht das bei besagten kath. Kliniken nur wegen der merkwürdigen vorbehalten gegen die Pille danach nicht mehr.

und zusammengefasst wurde da nicht der Fall, sondern nur die Aussage von Professor Dietmar Pennig vom Kölner Vinzenzhospital und der ist nunmal pateiisch. Die „technischen Möglichkeiten, um einen sicheren Nachweis zu führen, ob eine Gewalttat vorliegt“ haben aber wohl kaum damit zu tun, ob man die Untersuchungsergebnisse anonym verwalten darf.
Er sagt also selbst, dass sie keine Vergewaltigungen nachweisen und genau das war der ursprüngliche Vorwurf.

Wortvogel
Wortvogel

@ Howie: Man kann dem Artikel noch weit mehr Nebelkerzen vorwerfen, aber wie gesagt – ist nicht meine Aufgabe.

In meinen Augen müssten Krankenhäuser verpflichtet sein, die medizinischen Hilfeleistungen zu erbringen, die gesetzlich erlaubt ist. Es macht mich fassungslos, dass ein Krankenhaus die Behandlung eines Kranken mit dem Argument ablehnen kann: „Das steht so nicht in unserem alten Buch, dass das okay ist“.

Übrigens ist Lohmanns Heuchelei faszinierend – NATÜRLICH dürfen Frauen frei entscheiden, ob sie schwanger werden wollen. Natürlich? Da hätte er die Kirche mal vor 20, 30 Jahren fragen sollen. Aber was geht ihn sein Geschwätz von gestern an, gelle? Sollte die Kirche sich entscheiden, die „Pille danach“ zu erlauben, wird Lohmann in fünf Jahren in Talkshows sitzen und krähen: „NATÜRLICH ist die Pille danach okay – nur die Abtreibung des Fötus ab dem zweiten Monat ist für uns nicht verhandelbar.“

Marcus
Marcus

Ich musste bei der Jauch-Sendung nach 30 Minuten abschalten, bevor mir die kalte Kotze hochkommt.

Um meinen FB-Post dazu zu zitieren:

Die KK gibt sich wie gehabt so heuchlerisch, so selbstherrlich, so gnadenlos gegenüber Andersdenkenden – man möchte fast sagen: so unchristlich -, dass ich manchmal denke:
Die haben zwar aufgehört, Kreuzzüge anzuzetteln und Ketzer zu verbrennen wie früher – aber nicht aus Einsicht, sondern nur, weil wir, die normalen, geistig gesunden Menschen, sie nicht mehr lassen.

Jesus. Literally.

Marcus
Marcus

Und „KK“ steht für „katholische Kirche“, nicht „kalte Kotze“.

Obwohl… 😉

Wortvogel
Wortvogel

@ Marcus: Und ich fragte mich schon, was du gegen Kurt Krömer hast…

Frank Böhmert
Frank Böhmert

Howie Munson und Wortvogel: Für mich ist das mit der Spurensicherung der casus knackus. Wenn ein Krankenhaus kein rape kit oder Vergleichbares hat (das Amerika, das es besser hat, ist da ja wieder mal viel weiter), dann sollte es auch keine mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer aufnehmen. Aus welchen irren, vielleicht religionsdogmatischen Gründen eine Klinik so etwas nicht im Angebot führt, ist mir wurscht.

Ich wäre als Arzt nie auf die Idee gekommen, ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer ausgerechnet an eine katholische Klinik überweisen zu wollen.

Trantor
Trantor

… oder Kreditkarten

Wortvogel
Wortvogel

@ Frank: Es geht nicht um das „rape kit“ – so möchte das kath.net nur gerne darstellen. Es geht um die „Pille danach“.

„Vom „Netzwerk der anonymen Spurensicherung“ sei das Vinzenzkrankenhaus seit September abgemeldet gewesen, „wir haben uns nicht abgemeldet, wir sind abgemeldet worden“, betonte Pennig ausdrücklich, „weil wir die ‚Pille danach‘ nicht verschreiben dürfen, das war einer der Gründe – so dass uns die technischen Möglichkeiten, um einen sicheren Nachweis zu führen, ob eine Gewalttat vorliegt, überhaupt nicht zur Verfügung standen“.“

„Weil wir die Pille danach nicht verschreiben dürfen“? Natürlich dürfen sie – rechtlich. Die Kirche weigert sich lediglich. Und mit dem Verweis auf diese Weigerung habe die Ärzte das von der betreuenden Notärztin bereits angeordnete Medikament nicht verabreichen wollen.

Wichtiger noch: es stünde der Klinik frei, in so einem Fall einen freien Arzt hinzu zu ziehen, der kein Problem mit der „Pille danach“ hat. Aber auch das wird abgelehnt.

Und schließlich: HÄTTE die Klinik die Ausrüstung gehabt, die sie angeblich nicht hat, hätten sie die Frau DENNOCH abgewiesen, weil sie die „Pille danach“ brauchte und wollte. Es ist ein Scheingefecht.

Sorry, die Argumentation von kath.net ist durchsichtig und heuchlerisch.

G
G

Falls es jemanden interessiert, wie es dazu kam, dass die Kliniken die Pille danach nicht verschreiben wollten:

http://www.kathpress.at/site/nachrichten/database/51978.html

Da kam es dann zu einer „missverstandenen Interpretation der Richtlinien“:

http://www.kathpress.at/site/nachrichten/database/51951.html

Ich denke, man sollte erstmal untersuchen, wer hier genau Scheiße gebaut hat, bevor man gleich die gesamte katholische Kirche verurteilt.

G
G

BTW, zum ersten Artikel wollte ich noch den Satz „Dennziation ist doch was feines, oder?“ schreiben. 😉

G
G

Und bevor hier irgendwelche Verwechslungen aufkommen: „Kathpress“ (für die ich auch immer wieder arbeite) ist etwas völlig anderes als „kath.net“.

G
G

Zu dem typen von K-TV und der Doku äußere ich mich späer noch. (Sorry für die vielen Postings hinereinander).

Howie Munson
Howie Munson

@Frank: ein Jahr lang hatten die beiden Krankenhäuser ja bei ASS mitgemacht und im übrigen widersprechen sich da die verschiedenen Zitate eh:

Die diensthabende Ärztin, „die sich zwischen mehreren Geburten befand“, habe empfohlen, „ein städtisches Haus aufzusuchen, das der anonymen Spurensicherung angeschlossen ist“. Denn sonst hätte die Patientin im Fall von [b]„Anzeichen dieser Gewalttat“ „ihre Geschichte in einem anderen Krankenhaus“ noch „ein drittes Mal erzählen müssen“.[/b] Doch sei dies der diensthabenden Gynäkologin als „eine zu große Belastung für die Frau“ erschienen.

Wenn das Zitat stimmt KANN man dort Anzeichen „technisch“ nachweisen… kurios, dass derselbe Mensch, der die „diensthabene Ärztin“ so zitiert dann folgendes raushaut.

Vom „Netzwerk der anonymen Spurensicherung“ sei das Vinzenzkrankenhaus seit September abgemeldet gewesen, „wir haben uns nicht abgemeldet, wir sind abgemeldet worden“, betonte Pennig ausdrücklich, „weil wir die ‚Pille danach‘ nicht verschreiben dürfen, das war einer der Gründe – so dass uns die technischen Möglichkeiten, um einen sicheren Nachweis zu führen, ob eine Gewalttat vorliegt, überhaupt nicht zur Verfügung standen“.

Er sagt nicht „wir haben unsere Ausrüstung geändert“ er spricht nur von einer „Abmeldung“ von der anonymen Verwaltungsnetzwerk, die rein passiv stattfand.

@Wortvogel: sorry, für die Redundanz, aber ich wollte darstellen wie ich zu meiner Schlussfolgerung gelangt bin.

Earonn
Earonn

Und ob da nun ein Krankenhaus irgendwo an- oder abgemeldet ist – was kann denn ein Opfer dafür? In Köln mag es genug Ausweichmöglichkeiten geben, aber was ist denn auf dem platten Land? Soll da das Opfer einer Straftat weinend und blutend erst mal durch die Gegend fahren?

Und es muss ja keine Straftat sein – was ist denn mit ganz normalen Maßnahmen, die bloß dem kirchlichen Träger nicht in den Kram passen?

Es bleibt dabei: wenn die Träger eines Krankenhauses öffentliche Gelder nehmen, dann sollen sie, verdammt noch mal, auch alle dazugehörigen Leistungen zur Verfügung stellen! Und nix mit „hier nur katholische Putzfrauen“ – so lange denen mein Heidengeld gut genug ist, wird’s ein heidnischer Pfleger ja wohl auch sein.
Ach, was kotzt mich diese Doppelmoral an.

@Uli Ich hatte diese Leute nicht vergessen, wollte sie aber nicht angreifen, weil ich deren Standpunkt verstehen kann. Der Fehler liegt hier beim kirchlichen Träger – da sind wir wieder bei „sich von Heiden bezahlen lassen, aber keine einstellen wollen“…

Teleprompter
Teleprompter

Ich kann nicht hundertprozentig nachvollziehen, was da genau in der Klinik passiert ist. Ich will das auch nicht grundsätzlich verteidigen, schon gar nicht die Äußerungen von dem Typen bei Jauch, aber wieso will man ausgerechnet die katholische Kirche dazu verpflichten, Abtreibungspillen auszugeben ? Hallo, wir sind doch zumindest in einer insoweit freien Gesellschaft, als jeder sich aussuchen kann, was er vertreibt/verkauft/vergibt. Ich kann keinem Bio-Laden vorschreiben, Massentierfleisch zu verkaufen, keinem Frauenbuchshop Sadosex-Bücher usw usw. Und wenn jetzt jemand „Notfall“ ruft – ich glaube nicht, dass es bei der Verabreichung einer Pille danach auf jede Minute ankommt, das ist wie die Pille „davor“ ein apothekenpflichtiges Medikament wie andere auch.

Und klar, fast jeder meint (ich auch), dass nach einer Vergewaltigung auch eine „echte“ Abtreibung völlig legitim ist. Kein vernünftiger Mensch würde das aber ausgerechnet in einer katholischen Klinik durchführen lassen wollen, geschweige denn verlangen, dass die grundsätzlich dazu verpflichtet wären.

VideoRaider
VideoRaider

Das Wort Abtreibungspille ist in diesem Zusammenhang falsch. Die „Pille danach“ treibt nicht ab. Sie verhindert die Empfängnisverhütung.

Sie ist somit auf einem Level wie ein Kondom oder eben die Pille. Sie ist ein Verhütungsmittel. Mehr nicht. Hier wird nichts abgetrieben, weil nichts zum abtreiben da ist.

Es gibt eine „Abtreibungspille“: http://de.wikipedia.org/wiki/Mifepriston

Aber um diese ging es in diesem Fall eben nicht.

Das Vergewaltigungsopfer wollte die Empfängnis verhüten, kein Kind abtreiben. Von daher ist es Irrsin ihr dieses zu verbieten, selbst wenn man der felsenfesten Überzeugung wäre, dass das Leben in der Sekunde der Empfängins (Befruchtung) beginnt.

Entgegen landläufiger Meinung kommt es nämlich nach dem Samenerguß innerhalb der Vagina nicht sofort innerhalb von Milisekunden zur Schwangerschaft. Die weißen Jungs müssen sich erstmal vorkämpfen und das dauert etwas.

Wortvogel
Wortvogel

@ VideoRaider: Genau das bestreitet Herr Lohmann ja. Die Pille treibt auch ab – zumindest nach seinem Verständnis.

@ Teleprompter: Auch das katholische Krankenhaus wird primär staatlich finanziert (wie auch kirchliche Kindergärten, Schulen, sonstige Hilfseinrichtungen – siehe die Doku am Schluss des Artikels). Und damit haben sie nicht mehr das Recht, Hilfestellungen nach Gutdünken abzulehnen. Sobald die Kirche Krankenhäuser wirklich SELBST betreibt und draußen klar dran schreibt „Hier drinnen wird nur gemacht, was nach unserem ollen Buch erlaubt ist“, DANN folge ich deiner Argumentation.

VideoRaider
VideoRaider

EDIT: Das war natürlich Käse.

Ich schrieb: „Sie verhindert die Empfängnisverhütung“

Genau andersrum. Sie verhindert die Empfängnis.

PabloD
PabloD

Na toll, der Wortvogel geht einmal Sonntags nicht in die Kirche und schon tritt der Papst zurück. Wo hast DU denn überall die Finger drin?Die Illuminaten sind ja ein Sch****dreck gegen dich 😀

Wortvogel
Wortvogel

@ PabloD: Jau, so hatte ich das auch geplant – es musste halt mal einer aufstehen und was sagen. Blieb wieder an mir hängen, typisch…

Ratzinger hat vor 20 Jahren auch noch die „Pille davor“ als nicht vereinbar mit dem katholischen Glauben bezeichnet.

AlphaOrange
AlphaOrange

Nu sieh dir an, was du angerichtet hast. Wieder so ein Hetzbeitrag von dir und nun muss der Papst zurücktreten. Als wären die Politikerrücktritte der letzten Monate nicht schon genug.
Rücktritte scheinen bei den Deutschen gerade in zu sein.

Teleprompter
Teleprompter

@Wortvogel. War mir klar, dass das pekuniäre Argument noch kommt. Mit wieviel Geld die katholischen Kliniken (und auch Schulen, Kinderkärten etc) tatsächlich querfinanziert werden, müsste man noch mal genau verifizieren, der eine verlinkte Beitrag reicht mir da sicher nicht. Wenn es denn so viel wäre, dass das einer Vollfinanzierung gleichkommt, müsste sich der Staat natürlich schon fragen lassen, warum er das nicht selbst macht. Aber – siehe „Helios und Co“ man kann mit Kliniken auch ein Geschäft machen, reine Subventionsempfänger können das eigentlich nicht sein.

Davon völlig abgesehen: Der Staat gibt an unzähligen Stellen Geld, ohne gleich immer eine bis ins Detail gehende ideologische Richtung vorzugeben (Forschung, Leere pardon Lehre, Landwirtschaft etc, wobei es – bin ja nicht blind – Einflussnahmen natürlich immer geben wird). Ansonsten wäre das ja auch ziemlich tragisch, da sich selbige Richtung so alle 4-8 Jahre ja mal deutlich bis grundlegend ändert.

Wortvogel
Wortvogel

@ Teleprompter: Es geht nicht darum, eine ideologische Richtung vorzugeben – es geht darum, Gesetze zu beachten und Menschen in Not zu helfen (was ja nun eigentlich auch Aufgabe der Kirche sein sollte). Schau dir bitte die Doku „Gott hat hohe Nebenkosten“ an, da sind die Fakten drin.

Und auch den Link zum Reichskonkordat könntest du mal lesen – es ist nicht hilfreich, hier einen Mangel an Informationen einzuwerfen, wenn es an dir liegt, die Informationen einfach mal einzuholen. Ist alles da.

Ein staatlich (mit)finanziertes Krankenhaus hat nicht das Recht, einer vergewaltigten Frau aus religiösen Gründen die legale „Pille danach“ vorzuenthalten. Ganz einfach.

Exverlobter
Exverlobter

Jetzt sind wir nicht mehr Papst.

DMJ
DMJ

@ G #35
„Und bevor hier irgendwelche Verwechslungen aufkommen: “Kathpress” (für die ich auch immer wieder arbeite) ist etwas völlig anderes als “kath.net”.“
Jetzt bin ich enttäuscht. 🙁
Aber auf welche Denunziation beziehst du dich?

@Teleprompter, #39:
Wie gesagt, solange sie sich vollkommen selbst finanzieren, also ein reines zusätzliches Angebot und nicht Teil des staatlichen sind, dürfen sie verweigern, was sie wollen und wenn es Kopfschmerztabletten sind. Solange sie aber zum Großteil von Steuergeldern finanziert, entsprechend vom Staat in die Verteilung von Krankenhäusern übers Land einkalkuliert werden, haben sie aber auch die ganze Leistung erbringen zu können.

Zum Papstrücktritt wurden ja leider schon alle naheliegenden Witze gemacht, so dass ich nicht wie geplant mit einem solchen schließen kann. Ein trauriger Tag. 🙁

Exverlobter
Exverlobter

Der Kontrast könnte nicht größer sein. Der Vorgänger stirbt gefühlte 20 Jahre so vor sich hin, und kriegte auch jahrelang keinen geraden Satz mehr raus. Und jetzt gibt der Nachfolger einfach auf. Also wenn einer aus krankheitsgründen hätte zurücktreten müssen, dann wohl eher Johannes Paul II. Und nach dem jahrelangen Dahinsiechen von Johanes Paul war ich mir sicher, dass er den neuen Goldstandard für das Prinzip „Als Papst bleibt du bis zum Tod im Amt“ für seine Nachfolger vorgelegt hatte.
Nur wollte Benedikt das Spiel anscheinend nicht so spielen.

wpDiscuz