06
Jun 2009

Nachgefragt: Ist Pornografie Prostitution?

Themen: Neues |

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Auf den ersten Blick haben Prostitution und Pornographie viele Schnittmengen: Menschen werden bezahlt, Sex miteinander zu haben. Die Partner können nicht frei gewählt werden. In einigen Ländern ist beides illegal. Man spricht nicht gerne darüber. Beide Industrien machen Milliardenumsätze.

Auch für die Beteiligten sind die Grenzen oft fließend: So manches Filmsternchen landet über den Hardcore-Porno in der Prostitution (Sibylle Rauch, Holly Sampson). Besonders im Großraum Los Angeles / Las Vegas oszillieren junge Damen gerne zwischen Porno, Strip-Engagements, und "Escort-Service". Man sieht einen Feger in der neuen Ausgabe des "Hustler" – und kann ihn gleich für drei Stunden mieten: Carmella Bing, Dru Berrymore (eigentlich: die Deutsche Nicole Hilbig). Oder die Ladys lassen sich als "Freundin auf Zeit" mit Rockstars sehen: Aria Giovanni, Janine Lindemulder. Im Zweifelsfall kann man es ja auch in der Politik (Mary Carey, Stormy Daniels), oder im Reality-TV (Miley Dior, Penny Flame) versuchen.

Doch gibt es einen signifikanten Unterschied: Porno-Darstellerinnen werden fuchsteufelswild, wenn man sie Prostituierte oder gar Nutten nennt.

Das ist nicht etwa nur in Einzelfällen so: Die ganze Porno-Branche verwehrt sich massiv gegen die Unterstellung, Prostitution zu betreiben, und Produzenten werden auch nicht gerne Pimps genannt (obwohl sie weitgehend die gleichen Funktionen übernehmen). In den USA kann man zumindest argumentieren, dass die Porno-Branche den Unterschied betont, um nicht (wie die Prostitution) in den meisten Bundesstaaten verboten zu werden.

Aber in Deutschland ist es nicht anders. Ich kann jedem meiner Leser das Experiment mal empfehlen, bei einer Premiere oder einem Empfang Gina Wild oder Dolly Buster drauf anzusprechen, dass sie früher als Nutten gearbeitet haben. Wenn man sich von der Ohrfeige erholt hat, kann man gerne nachhaken: "Wieso? Du hattest Sex mit Männern für Geld, oder?". Wenn man Glück hat, schafft man die Frage komplett, bevor die Security einen unsanft raus schmeißt.

Und das ist mein Problem: wo ist der Unterschied zwischen Pornographie und Prostitution, der hier so empört verteidigt wird? Ich sehe ihn nicht. Im Gegenteil: Während Prostitution wenigstens noch in einer privaten Sphäre stattfindet, kopulieren Pornodarstellerin kommerziell mit wechselnden Partnern für ein (stattliches) weltweites Publikum. Es ist Prostitution mit Zuschauern, die öffentlich zelebrierte Version der Rumhurerei.

Es geht mir dabei nicht um eine Wertung. Wer’s mag, soll’s mögen.

Die einzige Erklärung, die ich mir vorstellen kann, ist gerade die exponierte Stellung einer Pornodarstellerin: man kennt sie, im Ausnahmefall kann sie sogar so etwas wie eine kleine Berühmtheit werden. Im Licht der Scheinwerfer macht es sich nicht gut, eine Nutte zu sein. Das wäre ein Stigma. Porno-Aktricen sehen sich lieber als "Schauspielerinnen" – nur halt mit Reinstecken. Die "gewöhnliche" Prostituierte kann hingegen darauf bauen, dass ihr außerhalb ihres rot beleuchteten Milieus niemand den Beruf ansieht.

Aber das sind doch nur Scheinargumente, die am Kern der Sache vorbeigehen.

Kurzum: Könnt ihr mir erklären, warum eine Porno-Darstellerin etwas Besseres ist als eine Prostituierte?

Und bitte: sachlich bleiben.



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Tom
Tom
6. Juni, 2009 23:21

Nicht böse sein, aber … das war nicht Dein bester Samstagabend, oder? 😉

Wortvogel
Wortvogel
6. Juni, 2009 23:23

@ Tom: mitnichten. Wie kommst du darauf? Ich hatte das Thema seit Wochen in meiner Liste, und heute kam ich auf die Idee, es mal umzusetzen.

Michael
Michael
6. Juni, 2009 23:29

Ganz klarer Unterschied: bei der Prostitution bezahlt der eine die andere, in der Pornobranche werden beide bezahlt.

Wortvogel
Wortvogel
6. Juni, 2009 23:33

@ Michael: das ist zwar ein Unterschied zwischen Pornographie und Prostitution, beantwortet aber die titelgebende (und abschließende) Frage nicht.

Alph
6. Juni, 2009 23:52

Ich weiß nicht wirklich worauf du hinaus willst. Wer will schon WIRKLICH 'Prostituierte' genannt werden? Prostituierte sind nun mal am Rande der Gesellschaft.

Da ists nur klar dass sich Pornodarsteller davon abgrenzen möchten, um ihre Branche irgendwo auch sozial und medial akzeptabel zu machen.

Außerdem hat Prostitution den Hang, heftig in die Kriminalität abzugleiten, sei es zwecks Drogenbeschaffung oder dem Zwang der Freier und der oft auftretenden Gewalt.

In der Pornobranche ist das ja ganz ganz selten der Fall, die Frauen machen alles freiwillig und die ganze Sache als 'Job'. Klar, der Druck gewisse Sachen zu machen ist natürlich da, aber Konsequenzen sind höchstens der Verlust des Arbeitsplatzes, und nicht etwa Gewalt.

Wortvogel
Wortvogel
6. Juni, 2009 23:59

@ Alph: Da stimmt jetzt aber sehr vieles nicht:
– Prostituierte haben für gewöhnlich kein Problem damit, Prostituierte genannt zu werden.
– Wieso ist Pornographie weniger am Rande der Gesellschaft als Prostitution?
– Drogen sind in der Porno-Branche ein größeres Problem als in der Prostitution. Und Gewalt gibt es da auch zur Genüge. Mal "Wonderland" oder "Boogie Nights" gesehen?
– Die Prostitution läuft in weiten Teilen auch nicht sehr gewalttätig ab – im letzten SPIEGEL war ein guter Bericht dazu. Es ist nicht alles "Pretty Woman", aber auch nicht Sodom & Gomorrha.

Und wenn sich Pornodarsteller "absetzen" wollen – dann sollten sie vielleicht nicht für Geld Sex haben. Genau um diese Gleichsetzung geht es mir hier: wenn Prostitution Sex für Geld ist – warum ist Pornographie dann keine Prostitution?

Nochmal: ich verurteile es nicht, ich wiege es nicht gegeneinander auf. Ich stelle nur die Frage.

PabloD
PabloD
7. Juni, 2009 00:00

Ich glaube die Pornomiezen (ist das noch sachlich?) halten sich für etwas Besseres, weil sie sich eben nicht für jeden darhergelaufenen [hier jetzt diverse körperliche Zustände, Äußerlichkeiten oder Berufsgruppen eintragen] Typen hinlegen müssen, sondern meistens für irgendwelche bodybuildesken Superstecher. Zumindest in den (amerikanischen) Hochglanzstreifen scheint das an der Tagesordnung zu sein und Darstellerinnen aus anderen Film(ch)en werden sich vermutlich sowieso eher nicht so stark gegen den Vergleich mit den Prostituierten wehren. Eine Nutte muss im Zweifelsfall wirklich jeden an den eigenen Köper ranlassen, eine Pornomieze lässt sich dagegen nur von jedem anschauen und kennt die Zahl der virtuellen Freier nicht einmal.

Wortvogel
Wortvogel
7. Juni, 2009 00:02

@ Pablo: Ich glaube gerne, dass eine Porno-Aktrice den Akt mit einem gutgebauten Kollegen angenehmer und professioneller empfindet, als die Nummer mit einem Freier. Die Wahl haben aber beide: so wie eine Porno-Schauspielerin durchaus sagen kann "mit dem nicht", kann die Hure einen Freier ablehnen. In beiden Fällen ist es (im wahrsten Sinne des Wortes) eine Frage, inwieweit sie sich das leisten kann oder will.

xanos
xanos
7. Juni, 2009 00:04

Die Pornodarstellerinnen sind eine Schande für ehrlich arbeitende Prostituierte.

Wortvogel
Wortvogel
7. Juni, 2009 00:07

@ xanos: Keine Ahnung, ob du das ernst meinst – aber da ist tatsächlich was dran.

Christian H.
Christian H.
7. Juni, 2009 00:28

Die Frage kann ich natürlich auch nicht zufriedenstellend beantworten. Aus meiner Sicht sind Pornodarsteller(innen) jedoch in der Tat Prostituierte. Ich glaube, was die Beteiligten hier in erster Linie stört ist die Konnotation des Wortes "Prostituierte"… das klingt nach Straße, das klingt billig. So ziemlich jede Pornodarstellerin (btw, endlich ein Thema wo ich mich hervorragend auskenne) bezeichnet sich selber jedoch als Whore/Hure. Und das kommt etymologisch soweit ich weiß von niederländischen "verhuren" (dt. verleihen).
Der Unterschied zwischen Prostitution und Pornographie für mich: Das erstere ist gesellschaftlich nicht so akzeptiert wie das zweite. Aber auch diverse US-Pornodarstellerinnen wehren sich dagegen, dass bekannt wird dass sie im Eskort-Service arbeiten. Was auch nur ein Euphemismus für Prostitution ist. Nur kostet der Abend hier ab 1000$ aufwärts… weil man den "Star"-Status dazukauft.
Die amerikanischen und westeuropäischen Pornodarstellerinnen haben es aber gut. Insbesondere die osteuropäischen und russischen Newcomer machen für Geld ALLES. Etwas, dass sich eine Prostituierte nicht gefallen lassen (muss).
Du musst lange gesucht haben, bis du ein DVD-Cover hattest, dass nicht FSK18 war 😉
Courtney Cummz hat inzwischen übrigens Brüste der Größe ihres Kopfes. Haben Prostituierte nicht. Also ist der Unterschied vielleicht die Höhe der Bezahlung 😉

Niklas
7. Juni, 2009 00:34

Der Unterschied liegt darin das Pornodarsteller vertraglich gebunden sind und auch mehr Gage bekommen. Es gibt in den USA sogar Gewerkschaften.

Lutz
Lutz
7. Juni, 2009 01:01

Meiner Meinung nach ist die Definition von Prostitution, dass Sex gegen Bezahlung erfolgt. In sofern sind Pornodarsteller/innen für mich auch Prostituierte. Ich meine das gar nicht abwertend und bin auch nicht der Meinung, dass das eine besser oder schlechter als das andere sei. Aber weitere Abstufungen halte ich da für Augenwischerei.

Ich denke, Pornodarsteller/Innen haben für sich irgendwie den Anspruch, dass das, was sie da tun, im Weitesten Sinne Kunst wäre und nicht nur das schnöde Handwerk, dass "gewöhnliche Nutten" betreiben. Und außerdem heben sie sich auf dieses Podest, dass sie ja nicht mit dem gewöhnlichen Kerl von der Straße ins Bett gehen, sondern mit anderen Pornodarstellern (die erstaunlicherweise trotzdem oft nichts anderes sind).

Ich denke, bei Menschen, die im Porno mitspielen gehört, anders als bei den üblichen Prostituierten, noch eine hohe Portion Eitelkeit dazu. Diese Menschen wollen bewundert werden für ihren Körper. Dass sie dabei Wichsvorlagen sind, sehen sie als Kompliment an, aber sie fühlen sich nicht benutzt, wie sie es bei den üblichen Prostituierten sehen.

Das ist ein bisschen Psychologisiererei und nicht wirklich fundiert, aber das ist so das Bild, dass ich mir von Pornodarstellern gemacht habe. Wie gesagt, für mich ist das alles eins, am Ende bleibt, dass die Menschen Sex gegen Geld haben.

Ich meine, der Satz "Sie prostituiert sich" trifft doch in jedem Falle auch bei Pornodarstellerinnen zu. Also muss man es doch auch Prostitution nennen dürfen. Wenn sie sich dadurch für was besseres halten wollen, sollen sie das gerne tun. Fakt ist ja, dass auch unter Prostituierten ein Drang dazu besteht, etwas besseres zu sein. "Edel-Hure" klingt ja auch schonmal gleich stilvoller…

Rhayader
Rhayader
7. Juni, 2009 01:02

Es ist einfach eine Sache der Moral.
Sex ist böse. Bezahlter Sex ist richtig böse. Eine Prostituierte ist selten richtig berühmt, die Pornodarstellerin schon. Darum will (oder muss) Letztere ihre Image verbessern.
Die Frage ist also eher: Warum gilt bezahlter Sex als böse und schmutzig? Dabei ist er eine Dienstleistung, ein Job wie viele andere auch. Ich z.B verprostituiere mich, in dem ich im Rewe jobbe, verkaufe meinen Körper, um damit Leergut zu sortieren. Andere schreiben Drehbücher für Geld, wieder andere behandeln Patienten, löschen Brände oder putzen Schuhe. Tun für Geld Dinge, die sie (un- oder vielleicht sogar sehr) gerne tun.
Die Moral, die uns sagt, dass bezahlter Sex böse ist, ist also unbegründet. Irrational. Doch weil viele ihr trotzdem hörig sind, gilt die Prostituierte als schmutzig. Und darum will sich die Pornodarstellerin aufgrund ihrer größeren Bekanntheit von ihr abgrenzen.

Christian H.
Christian H.
7. Juni, 2009 01:14

Ha! Ich wusste, dass ich mal irgendwo einen Thread dazu gelesen hatte. Hier ein Zitat von Tricia Devereaux, nachdem sie ein "Troll" im Forum als Prostituierte bezeichnet hatte:

"I never was delusional about the fact that I fucked for money. And was making more money than the people I was going to med school with. The difference is that the troll thinks I should think that porn is an embarassing job, whereas I wasn’t embarassed by it. I used to be offended by people comparing a porn chick to a prostitute not because I thought that the jobs were all that different, but because in my mind, I thought that a lot of prostitutes had to have sex with anyone and everyone who was willing to pay; whereas a porn chick could say no to a job if she didn’t want to do it."

Howie Munson
Howie Munson
7. Juni, 2009 01:59

hmmm, ich denke ein Callgirl der "gehobenen" Klasse kann sich öfter ein nein leisten als oben angesprochene osteuropäische Neulinge… es liegt also nicht daran ob der Körper mit oder ohne Kamera verkauft wird, sondern daran wie sehr man auf das Geld (oder "Vorgesetzten") angewiesen ist…

Und der Unterschied für die "breite Masse" ist halt, dass man mehr erfolgreiche Darstellerinnen und Damen an der Strasse wahrnimmt als ausgenutzte Darstellerinnen und Edel-Callgirls…

Marcel
Marcel
7. Juni, 2009 02:51

Ein weiterer nennenswerter Unterschied ist vielleicht noch, dass Pornodarstellerinnen nicht direkt mit dem "Endkunden" kopulieren.
Im Gegensatz zu Prostituierten geben sie sich nicht Männern hin um _deren_ Triebe zu befriedigen, sonder performen viel mehr mit anderen Profis um Filme zu produzieren, welche dann wiederum diesem Zweck dienen. Mag zwar letztendlich auf selbe hinauslaufen, aber der Ansatz ist etwas indirekter.

dLTexid
dLTexid
7. Juni, 2009 03:53

ficken ist ficken ist ficken

Philip
7. Juni, 2009 04:12

Naja, das eine ist eine Dienstleistung am Kunden, dass andere ist eine Inszenierung für den Kunden, einen Unterschied sehe ich also durchaus.

Philip
7. Juni, 2009 04:14

Ich möchte noch anmerken, dass ich den Titel "Arschatem" für nicht sonderlich erotisierend halte und entschuldige mich in aller Form für den Doppelpost

Simon Johnson
Simon Johnson
7. Juni, 2009 05:16

Beim 2. Teil legen sie noch eine Schippe drauf: Arschhusten.

Wortvogel
Wortvogel
7. Juni, 2009 10:22

@ alle: Ich glaube, ich habe immer noch nicht klar genug gemacht, worum es mir geht: natürlich gibt es UNTERSCHIEDE zwischen Pornographie und Prostitution. Ich stelle aber die Frage, ob Porno-Darsteller sich gerechtfertigt für was Besseres halten als Prostituierte. Ich weiß, warum sie das BEHAUPTEN – aber seht ihr das auch so? Bisher habe ich kein Argument gehört, demnach ein Porno-Darsteller sagen könnte: "Also bitte – mit Prostitution können Sie das wirklich nicht vergleichen!"

Es scheint mir, als läge der Grund tatsächlich am ehesten in der exponierten Situation der Pornobranche – und letztlich ist das eine Schutzbehauptung.

mistermoe
7. Juni, 2009 11:26

Die Frage ist meiner Meinung einfach zu beantworten: Nach Deiner Auslegung ist Pornographie Prostitution? Eindeutig! Alle Parameter, die Du anlegst treffen auch auf beide Branchen zu.
Wenn man aber eine gewisse Arbeitsatmosphäre und ein gewisses Umfeld, das Kennen der Sexualpartner (Nagut, in Puffs soll es ja auch Stammgäste geben) und das gesellschaftliche Ansehen anlegt, dann stimmt die Rechnung nicht mehr so ganz. Zudem muss man auch, um hier mal kulturwissenschaftlich zu argumentieren, die gesellschaftliche Bedeutung der Rollen (Porno-Sternchen und Hure) einbeziehen. Das Porno-Sternchen ist bis zu einem gewissen Grad gesellschaftlich akzeptiert und der Star in ihren Produktionen, der sogar zumeist mehr verdient als der Mann. Die Hure ist gesellchaftlicher "Abschaum", der zumeist nicht nur nicht viel Geld verdient, sondern auch geseschaftlich ausgeschlossen wird. Der Beruf Hure ist pejorativ belegt, daher kann man dadurch auch andere Begriffe in den Schmutz ziehen. Porno kann ja deutlich bessere Arbeitsbedingung, bessere Bezahlung, Freiwilligkeit noch und nöcher besitzen, durch Deinen Vergleich, wird das eine durch das andere herabgewürdigt. Es ist also kein wirklicher Vergleich, da man es grundsätzlich von der Bedeutung nicht mit gleichen Begriffspaaren zu tun hat.

Aber sorry, bin gerade aufgewacht und dachte mir, da hat doch jemand zu häufig die Emma gelesen. Außerdem muss man bei solchen Vergleichen immer fragen: Sind jetzt Carla Bruni und Katie Holmes auch Huren? Sie machen Geld durch Sexappeal, schlafen mit Männern, deren Anziehungskraft ich mir nur durch Geld erklären kann.
Oder die schönen Frauen in Moskau, die neben den fetten Millionären in der Limosine mitfahren?
Man kommt schnell in einen Vergleich in dem man auch viele andere Frauen beleidigt.

Aber jetzt erstmal Kaffee!

PhilipS
PhilipS
7. Juni, 2009 11:48

Lutz hat für mich bereits das entscheidene Argument angeführt: Es ist Kunst.
In Pornofilmen wird nicht einfach nur Sex praktiziert, die Befriedigung beider Partner ist vollkommen zweitrangig, es geht allein um die Befriedigung des Zuschauers.
"Sex" in Pornofilmen ist nicht einfach normaler Sex er ist inszeniert. Sex gut zu praktizieren ist eine Sache, ihn gut ausehen zu lassen eine ganz andere.

Natürlich bleiben es sexuelle Handlungen für ein Entgelt, das heißt es ist Prostitution (zur Schau stellen), nur verleiht die Kamera den Darstellern eine Art Absolution.

Pornos sind das Ergebniss freier schöpferischer Gestaltung und wie bescheuert das auch klingen mag, es wird damit etwas jenseits des flüchtigen Moments des Orgasmus geschaffen. Etwas bleibendes, etwas das weltweit Männer immer und immer wieder in Ekstase versetzt, Beziehungen erhält und ich würde sogar sagen den Weltfrieden sichert (irgendwie). Deswegen dürfen sich diese tapferen Männer und Frauen auch mal gerne für was besseres als Prostituierte halten, bedenkt man wie sie nur mit so wenig Sex, so vielen Menschen helfen!

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
7. Juni, 2009 11:50

Laut der Defintion bei der Wiki gibt es keinen Unterschied zwischen dem Pornosternchen und der Prostituierten. Beide machens für Kohle.

Was mir hier aber auffällt, dass hier nur von den Frauen gesprochen wird, während den männlichen Darstellern der Status einer Prostituierten nicht anzuhängen scheint.

Persönlich denke ich, dass zumindest bei den Frauen der Unterschied schwimmend ist.
Zu vergleichen mit einem Lohnschreiber (Wird auf Wort oder Ansachlag bezahlt) und einem mehr oder weniger erfolgreichem Autor wie Terry Pratchett oder W. Hohlbein, die es sicih leisten können auch mal ne Auszeit zu nehmen und der Namen schon für einen gewissen Erfolg steht. Was glaubst du was passiert wenn ich den Wortvogel als Tintenkleckser bezeichen würde? Ich würde hier hochkant herausfliegen, vollkommen unabhängig ob er einer ist oder nicht. Niemand läßt sich gerne mit einem negative behafteten Begriff titulieren.

Vielleicht sollte man einen etwas älteren Begriff benutzen "Hübschlerinnen" wäre da vielleicht eine Alternative.

Also in gewisserweise hat es was mit Stolz und Status zutun.

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
7. Juni, 2009 11:55

@PhilipS: Porno und Kunst sind eigentlich zwei Dinge die sich heute ehr ausschließen. Es gibt Tonnen von sogenannten "Amateuer"-Filmen in denen wirklich nichts anderes als der Akt dagestellt wird. Nix mit gut aussehenlassen oder etwas höhren Ansprüchen. Selbst die Kamera ist amateuerhaft (niefrige Picelanzahl, schlechtes Bild, usw). Porno mit Anspruch/Kunst ist in etwa so selten wie ein Schneeball in der Hölle.

PhilipS
PhilipS
7. Juni, 2009 12:15

@GrnisikleinPo Für mich ist Qualität ist kein Kriterium für Kunst. Das gilt für Bilder wie für Filme, von daher sind selbst diese Billigproduktionen Kunst.

dunkel
dunkel
7. Juni, 2009 12:20

Ich nehme an der Wortvogel hat die Definition gelesen.

Prostitution (von lateinisch pro-stituere aus pro und statuere – nach vorn stellen, zur Schau stellen, preisgeben)

Porno-Darsteller werden wahrscheinlich nur den Grad der Slebstbestimmung als Abgrenzungsgrund aufführen können – und der ist wahrscheinlich fließend.

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
7. Juni, 2009 14:20

@dunkel: Natürlich hat der Vogel die Definition gelesen, ist er doch kein Tintenkleckser wie ich.

Mathias
Mathias
7. Juni, 2009 18:46

Mir ist die Fragestellung ehrlich gesagt relativ egal. Für mich persönlich ist beides nicht verwerflich und keines von beiden besser oder schlechter.

Maxon
Maxon
7. Juni, 2009 19:40

Nee, ist nicht dasselbe. Warum? Ganz einfach, weil es tatsächlich etwas anderes ist. Ist Roger Moore dadurch, dass er James Bond gespielt hat, ein Geheimagent? Ist ein Schauspieler, der einen Fußballer spielt (mit Spielszenen) dadurch ein richtiger Fußballer? Ganz sicher nicht- er bleibt ein Schauspieler. Es gibt zuviele Unterschiede zwischen Porno und Prostitution: das Motiv, der Cashflow, die Arbeitsbedingungen, die Partnerauswahl etc. Das Kriterium "Sex für Geld" ist zu grob- dann wäre auch die Frau, die nen reichen, aber abscheulichen Kerl heiratet, eine Nutte. OK, moralisch-umgangssprachlich vielleicht, aber eindeutig nicht im Sinne der Fragestellung.

PhilipS
PhilipS
7. Juni, 2009 19:51

@Maxon Der Bond ist leider ein sehr schlechtes Beispiel…im Gegensatz zu Moore haben die Menschen in Pornofilmen tatsächlich Sex, auch für Geld, nur dass sie das nicht vom Partner erhalten sondern vom Produzenten.

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
7. Juni, 2009 20:43

@Maxon:
Ich glaube du würdest eine Menge Schwierigkeiten bekommen wenn du eine Prostituierte offen ins Gesicht Nutte nennen würdest. Da sind die Damen und Herren des Gewerbes etwas eigen. Ebenso wie Pornodarsteller mit dem Begriff Prostituierte(r).
Der Unterschied ist fein, nicht immer klar definierbar, aber auf jedenfall vorhanden.

realstar
realstar
7. Juni, 2009 22:20

Ich denke Pornodarsteller legen irgendwo Wert darauf, Teil der Filmbranche zu sein, wenn auch am äussersten Rand. Letzlich ist der Porno ein Filmgenre auch wenn es einen sehr trivialen Zweck hat aber die Darsteller bauen eben auf den Vergleich "Hollywood Stars werden fürs ernsthafte Acting bezahlt und wir halt fürs vögeln". Wenn man jetzt wohlwollend sagt das Beine breit machen ist eine recht anspruchslose schauspielerische Leistung für die man eben bezahlt wird ist das irgendwo ok, dort einen Unterschied zu zeichnen. Gäbe es ein Theaterstück wo auf der Bühne auf ausdrücklichen Wunsch eines exzentrischen Regisseurs echter GV stattfindet wären die Darsteller dann Prostituierte ?

Interessanter ist die Frage warum sich die Gesellschaft so von Prostitution abgrenzt obwohl es Tendenzen gibt die im Ähnlichkeit mit diesem Prinzip haben.

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
7. Juni, 2009 22:37

Fragen über Fragen und das alles wegen ein paar verklempten gesellschaftlichen Taboos und schwer gestörten Vorstellung über die menschliche Kultur und wem haben wir das zu verdanken? Na, ist doch klar der Kirche. Im Altertum (Griechen und Römer) war das Hetärentum eine hochangesehene, fast schon Kunst zu nennene, gesellschaftlich anerkannte Dienstleistung. Im Mittelalter war der Beruf der Hübschlerinn ebenfalls kein gesellschaftlich geächteter Erwerbszweig. Erst die Kirche ließ Sex und Sexualität zu etwas werden über das man nicht sprach und das man nicht zeigte.

Heute nun befinden sich diese gesellschaftlichen Bilder in Auflösung. Das sich eine realtiv gute bezahlte Pornodarstellerinn nicht als einfache Prostituierte bezeichnet sehen will, ist daher recht verständlich. Wie schon oben gesagt geht es ehr um Abgrenzung nach unten denn wirklich um eine Ausgrenzung. Ich denke jeder Beruf kennt sowas. Ich verstehe daher auch nicht die Frage vom Wortvogel um das Besser oder weniger Besser.

Die Antwort ist in meinen Augen recht einfach. Es mag der Pronodarstellerinn gut tun sich als etwas besseres zu sehen. Mag sie doch tief im Inneren wissen oder ahnen, dass sie es eigentlich nicht ist oder nicht immer sein wird.

Wortvogel
Wortvogel
7. Juni, 2009 23:19

@ alle: danke für die rege Beteiligung. Wenn ich das richtig sehe, sind wir uns relativ einig, dass die Grundvoraussetzungen für die Verwendung des Begriffes Prostitution in beiden Fällen gegeben sind. Die Produktion eines Films setzt diese Tatsache aber in einen Kontext, der dem Glauben einiger Kommentatoren nach durchaus eine Abgrenzung von Pornographie und Prostitution erlaubt, zumindest aus moralischer Sicht.

Paddy-o
Paddy-o
7. Juni, 2009 23:39

Finde die krasse Abgrenzung, gesellschaftlich, wie von den Betroffenen, auch recht merkwürdig.
Die Tabuisierung ebenfalls. Hat aber vielleicht auch seine guten Seiten….

@Vogel: Hatte das Ganze eigentlich jetzt was mit
dem Gedenktag unlängst (http://tinyurl.com/m3ch8e) zu tun?

Oder kamste durch den Spiegelartikel drauf?
Hatte den auch mit großem Interesse (und Abscheu vorm 'Highlander') gelesen.
Wer auch mag: http://tinyurl.com/p7lqqj

Paddy-o
Paddy-o
7. Juni, 2009 23:40

Määäh.. doofer Link.
Ich will endlich die Vorschau-Funktion!!! ^^

Wortvogel
Wortvogel
7. Juni, 2009 23:45

@ Paddy: Es gab keinen konkreten Anlass – der "Hurentag" hätte aber einer sein können, wenn ich davon gewusst hätte. Es war mir einfach danach.

Earonn
Earonn
8. Juni, 2009 07:16

Ich würde sagen, es liegt wirklich nur am schlechten Image des Begriffes "Nutte"/ "Prostituierte". Etikettenschwindel, wenn man so will.
Letztenendes machen beide dasselbe, aber 'Nutte' ist doch ein Schimpfwort, pfuiiii, nein, sowas ist man schlichtweg nicht.

Schlichte Doppelmoral.
Ich kann auch an keinem der beiden Berufe etwas Falsches finden.
Ist halt ein Erbe unserer frauen- und freudenfeindlichen Sexualmoral.
Oder des modernen Hangs zum Etiketten-Euphemismus. ^^

Dietmar
Dietmar
8. Juni, 2009 10:14

,,Ich kann auch an keinem der beiden Berufe etwas Falsches finden."

Ich kann da schon etwas finden: Die Ausbeutung von Frauen durch Gewalt oder durch Ausnutzen ihrer Notlagen. Dass junge, schöne Mädchen sich einfach mal so sagen, hach, werde ich doch mal Prostituierte oder Porno-Darstellerin, kommt das so oft vor, das beide Branchen diesen Nachwuchs haben?

Die Berufe an sich stören mich nicht, und ich halte sie auch nicht für verwerflich. Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass Frauen das aus Eigeninteresse tun; schön für alle Beteiligten. Mir tut nur leid, wenn Menschen dabei im Grunde vernichtet werden.

Dietmar
Dietmar
8. Juni, 2009 11:10

Zur eigentlichen Frage:

Das ist einerseits eine Frage des Informationswertes: Wenn mir eine Frau sagt, sie sei Porno-Darstellerin, stelle ich mir konkret etwas Anderes vor, als sagte sie, sie sei Prostituierte.

Dieser Unterschied scheint für die Darstellerinnen so groß zu sein, dass sie diese Bezeichnung für sich als beleidigend empfinden. Das finde ich wiederum gegenüber den Prostituierten diskriminierend.

Oder aber die Darstellerinnen reagieren so, weil sie denken, dass dies als Beleidigung gemeint ist.

Peroy
Peroy
8. Juni, 2009 11:22

"Kurzum: Könnt ihr mir erklären, warum eine Porno-Darstellerin etwas Besseres ist als eine Prostituierte?"

Nutten haben keine Fan-Clubs…

Peroy
Peroy
8. Juni, 2009 12:38

By the way: "Ass Breath" ? Wirklich ? Das klingt wie der Name einer untalentierten tschechischen Grindcore-Band, aber doch kein Stück sexy…

GrnisiKleinPo
GrnisiKleinPo
8. Juni, 2009 17:36

@Peroy:
Damit wären sie ja nicht alleine. So manch ein Filmtitel (Noporn) ist eben so schrecklich zu lesen.

Peroy
Peroy
8. Juni, 2009 17:45

Ich dachte ja immer "Schneeballsystem" wäre ein guter Titel für einen Porno, aber ich befürchte, die meisten Leute kapieren den Witz daran nicht…

Felix
Felix
8. Juni, 2009 21:18

Hallo, werter Wortvogel.

Zuerst nur ganz kurz zu deinem Artikel: Der hat mir ziemlich zu denken gegeben, allerdings erstaunt mich, welch wertende Klänge du deinen Sätzen gegeben hast, obwohl du doch den Anspruch erhebst, nicht werten und nicht urteilen zu wollen. Aber das nur am Rande.

Ich denke, dass ein großer Unterschied zwischen Prostituierten und Porno-DarstellerInnen in der Ausgangslage der "Anfänger" besteht, sozusagen in ihrer Motivation. Während Prostitution meist eines der letzten, halbwegs legalen Mittel ist, um nicht zu verarmen, suchen in meinen Augen gerade viele amerikanische Porno-Darstellerinnen die Chance, im Gegenteil vielleicht doch einen gewissen Bekanntheits- und damit Wohlstandsgrad zu erreichen. (Natürlich kann ich in der Argumentation hier nicht auf alle Fälle von Prostitution und Teilnahmen an Filmproduktionen sexueller Natur eingehen, und natürlich wird es sowohl Prostituierte geben, die das Ganze aus Spaß an der Freude, innerlichem Zwang oder ähnlichem veranstalten, als es auch Porno-DarstellerInnen geben wird, die an Drehs teilnehmen, um etwas zu essen zu haben,… Ich möchte mich aber auf das beschränken, was ich aus Hauptgruppe ansehe.) Wenn man bspw. Michaela Schaffrath (Gina Wild), Katja-Nora Baumberger (Dolly Buster) oder Stasia Micula (Samantha Fox) betrachtet, kann man sagen, dass diese zumindest in die Ränge der B-Promis aufgestiegen sind.

Ein zweiter Punkt, den es nicht zu vernachlässigen gilt, ist die damit zu erreichende Zielgruppe. (In diesen Punkt spielt auch die Anrüchigkeit der Prostitution und die weitgehende "Salonfähigkeit" von Pornographie hinein.) Während das Verkaufen des eigenen Körpers an Freier immer noch anrüchig ist, werden die einzelnen Freier (Gruppensex-Parties usw. bleiben aus Platzgründen außen vor) den "Konsum der Ware Körper" mehr oder weniger heimlich und im Verborgenen vollziehen. Ich kann mir vorstellen, dass der Besuch eines/r Prostituierten eine ganze Menge Mut (oder Alkohol?) erfordert, während es – auch durch die wachsenden Möglichkeiten, die moderne Kommunikationsmittel bieten – immer einfacher wird, Pornographie zu konsumieren. Pornographie (und damit ihre Darsteller) versucht also, einen völlig anderen Personenkreis zu erreichen als Prostituierte das tun.
Damit eng verbunden ist der Punkt der Bedürfnisbefriedigung. Freier suchen Prostituierte auf, um dort ihre Sexualität auszuleben, Abenteuer (oder zumindest etwas außer der Norm liegendes) zu erleben, etwas durchzuführen, das der eigene Partner nicht akzeptiert usw. Die Darsteller der Pornoindustrie hingegen suchen beim Dreh solcher Filme sicher nicht ihre persönliche Befriedigung, sondern arbeiten, wie andere Menschen auch. (Hier könnte man vorbringen, dass nach den gängigen Definitionen auch etwa Models Prostitution vorgeworfen werden könnte, da diese gewissermaßen auch ihre Körper verkaufen.)

Des weiteren ist Pornographie bei weitem nicht nur Mittel zur persönlichen Bedürfnisbefriedigung des Betrachters, sondern findet durchaus auch im Liebesleben von Paaren ihren Platz, was Prostituierten wahrscheinlich ungleich schwerer gelingen dürfte.

Dietmar
Dietmar
8. Juni, 2009 22:48

Da kennt sich jemand aber aus …

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 01:17

@ Felix: Ich glaube, du hast mich genau falsch herum verstanden – ich versuche, der Prostitution den Respekt zu zu gestehen, dass jemand, der praktisch dasselbe macht, nicht sagen sollte: "Das hat aber mit Prostitution nichts zu tun!". Eine Pornodarstellerin, die sich gegen den Vorwurf der Prostitution wehrt, wertet damit die Prostitution ab, und sich auf. Das finde ich nicht legitim.

Meine generelle Meinung zu Prostitution und Pornographie ist deckungsgleich: es wäre schön, wenn der Mensch zu edel und gut wäre, um sie brauchen. Aber er ist es nun mal nicht, also sollte man pragmatisch und ausgeglichen damit umgehen.

Earonn
Earonn
9. Juni, 2009 08:21

@Dietmar
was Zwangsprostitution etc. hast Du natürlich Recht. Ich bezog mich allein auf die Tätigkeit.
Dachte, es wäre klar, dass niemand die (möglichen) ekelhaften Umstände von Prostitution gutheißt.

Dietmar
Dietmar
9. Juni, 2009 08:30

@Earonn:

Ich wollte Dir auch nicht widersprechen, sondern nur diesen Aspekt auch ausgesprochen haben. (Im Übrigen denke ich wie Du, dass das, was ich da geschrieben habe, auf diesem Blog eigentlich sowieso ein Allgemeinplatz ist, der von den Meisten so gesehen wird.)

Armin
Armin
9. Juni, 2009 09:38

Frag doch einfach eine vom Fach (Strich)
http://streetgirl.twoday.net/
was die davon hält.

Benni
Benni
9. Juni, 2009 11:57

Liegt der Unterschied nicht darin, dass eine umgangssprachliche Prostituierte, eher eine Dienstleisterin ist, während die Pornodarstellerin wirklich eine Prostituierte ist?
Ich beziehe mich hierbei auf die Definition des Wortes Prostitution, was übersetzt soviel wie zur Schau stellen bedeutet. Meiner Meinung nach tut dies eine Prostituierte auf der Straße in der Regel weniger, da es ihr eher um den Kundenkontakt geht (muss nicht immer Sex sein, manchmal brauchen die Kunden auch nur jemanden zum anlehnen, ausheulen etc. ) oder zumindest nicht in dem Maße wie es ein(e) Pornodarsteller/in tut, welche ihren Körper und den Geschlechtsakt offen zur Schau stellt.

Die Definition dass Prostitution Sex für Geld ist, trifft also für die Momente des Zuhörens (hab ich irgendwo mal gelesen) nicht zu, während in der Pornographie, nur darauf hingearbeitet wird.

Wortvogel
Wortvogel
9. Juni, 2009 12:02

@ Benni: Nach dieser Definition von Prostitution hast du Recht, aber es ging mir mehr um den Vorgang als um den Terminus. Du kannst es auch einfach als "Frau, die Sex für Geld hat" bezeichnen.

Marko
9. Juni, 2009 14:56

@ Peroy: Was vermutlich daran liegt, daß die meisten Leute nur Reinraus-Pornos kennen. Ich mag "Schneebälle" …

Gruß,
Marko

Felix
Felix
9. Juni, 2009 21:29

Hallo,

genau das ist aber mein Punkt: Prostitution und Pornographie sind in ihrer Ausrichtung, Orientierung, Strukturierung usw. doch so völlig verschieden, dass ich sie nicht vergleichen möchte. Das ist in meinen Augen dann auch keine Frage des Respekts, denn Respekt sollte man – zumindest in meinen Augen – grundsätzlich vor jeder Person und Profession haben, wobei ich auch nicht glaube, dass sich da anders als irgendwie subjektiv gewichten ließe.

Und was die Bezeichnungen angeht: Ein Broker würde sich wahrscheinlich auch ungern als Kaufmann bzw. eine Metzgerin ungern als Bäckerin bezeichnen lassen, obwohl die Aufgaben im Grunde dieselben sind.

Was die Notwendigkeit von Prostitution und Pornographie angeht… Prostitution ist sprichwörtlich das älteste Gewerbe der Welt, und ich vermute, dass es auch de facto ziemlich gut hinkommt. Ich persönlich finde daran nichts verwerfliches, solange man diese "Betätigung" aus freien Stücken wählen kann. Und irgendwo meine ich, einmal gelesen zu haben, dass Prostitution durchaus ihren Sinn hat, weil dadurch die Zahl der sexuellen Übergriffe reduziert wird. Obwohl wir immer gerne behaupten, es nicht zu sein, sind die Menschen in ihrer Mehrheit wohl doch eher triebgesteuerte Wesen und keine rationalen Akteure.

Pornographie (gerade durch den Hype der neuen Kommunikationsmedien) mag zwar, wie immer wieder gerne behauptet, eine negative Auswirkung gerade auf die Jugend haben, allerdings erstarkt gerade wieder eine neue Bewegung, die auf sexueller Enthaltsamkeit, Emotionen und Treue beruht. Ob dazwischen ein Zusammenhang besteht, müssen leider andere Leute klären.
In diesem Zusammenhang gehe ich auch davon aus, dass Pornographie zur sexuellen Aufklärung und Befreiung beiträgt, und ja, auch zur Emanzipation der Frauen, auch wenn andere mir da widersprechen mögen.
Ein letzter Punkt (ich möchte das jetzt kurz halten, die Diskussion scheint mir ziemlich abgeschlossen) ist, dass es auch Pornographie wahrscheinlich schon immer gab. Menschen sind erregbar durch freizügige Anblicke, und die Definition von Pornographie hat sich im Lauf der Zeiten wohl auch sehr gewandelt. Die Römer und Griechen bildeten sowohl nackte Frauen als auch nackte Männer – diese sogar mit erigiertem Glied – ab, die Menschen der Steinzeit fertigten nackte Frauenbüsten, im Mittelalter wurden unter dem Schutz der Kirche nackte Engel und Heilige gemalt, und und und… Die Erregungsgrenzen haben sich sicherlich verschoben, und der Anblick einer nackten Wade wird die wenigsten von uns noch aufheizen. Persönlich betrachte ich das also schon als künstlerische Errungenschaft, und bin gespannt, was als nächstes kommen wird.

Grüße,

Felix

Lutz
Lutz
15. Juni, 2009 23:43

Ich bin gerade beim Durchzappen bei RTL hängen geblieben. Bei "Extra" hatten sie einen Beitrag zu genau diesem Thema. Offenbar geht es der deutschen Porno-Branche alles andere als gut und immer mehr Pornodarstellerinnen verkaufen sich als "Escorts" (das Wort "Prostituierte" wurde erstaunlicherweise von der Sprecherin des Beitrages nur selten benutzt). Eigentlich finde ich den Beitrag eher formal interessant, weil ich es bemerkenswert finde, wie hier Bilder, die sonst in Beiträgen über die Pornobranche genau so wie hier gezeigt werden, hier konsequent umgedeutet werden, besispielsweise der Umkleideraum der Stripperinnen in einem Stripclub.

Aber hier gehts ja ums Inhaltliche:

Vanessa Eden, die wohl selbst Pornodarstellerin war (kenne mich in der Branche nicht so aus), betreibt einen Escort-Service, in dem sie speziell Pornodarstellerinnen an Kunden vermie… vermittelt.

Sie sagt zu dem Thema Folgendes:

– 90 % der Pornodarstellerinnen haben schon immer nebenbei als Prostituierte gearbeitet, dann jedoch meistens mit anderem Namen und mit anderer Aufmachung, da Prostitution in der Branche negativ gesehen beurteilt wird. Dennoch ist dies ein offenes Geheimnis und damit wohl (meiner Meinung nach) ein weiterer Beleg für die Doppelmoral der Branche. Der Anteil der Darstellerinnen, die als Escort arbeiten, hat sich wohl nicht verändert, aber um den Wert eines Sexerlebnisses hochzutreiben, arbeiten jetzt mehr Mädels unter ihrem Pornonamen.

– Vanessa Eden selbst differenziert zwischen Porno und Prostitution in der Form, dass sie sagt, dass Darsteller in Pornos nach eigenem Empfinden keinen Sex haben. Sie distanzieren sich von dem, was dort geschieht und sehen es als eine Darstellung von etwas, aber nicht als wirklichen Sex. Bei der Prostitution ist es dagegen richtiger Sex, vermutlich schon allein deshalb, weil der Kunde das als solchen wahrnimmt.

– Was für mich erstaunlich war: Auch viele Fans hören es nicht gerne, wenn Porno-Darstellerinnen als Prostituierte arbeiten. Offenbar genießen es viele Männer, Pornodarstellerinnen auf den Rang einer Traumfrau zu erheben, die sie bewundern und von der sie davon träumen, mit ihr Sex zu haben. Wenn diese Darstellerin allerdings wirklich mit anderen Männern außerhalb es Filmbereichs sex hat, fällt sie dadurch vom Sockel, weil sie nur eine "Gewöhnliche" ist, wie alle anderen Frauen (?), Prostituierten (?) auch. Dieser Faktor der Unerreichbarkeit scheint wohl stark maßgeblich für den Erfolg zu sein, so dass viele Pornodarstellerinnen sich immer bemüht haben, durch Distanzierung von der Prostitution, diesen Status aufrechtzuerhalten.

Wortvogel
Wortvogel
16. Juni, 2009 16:01

@ Lutz: sehr interessante Infos, danke! Es erscheint mit plausibel, dass in Deutschland viele Porno-Sternchen auch als Prostituierte arbeiten, einfach weil es kein Porno-Business gibt, dass "vollzeit" beschäftigt. Hier können allenfalls drei oder vier Damen davon leben (z.B. Tyra Misoux).

gwildor
gwildor
24. Juni, 2009 21:47

Grad gelesen: Interview mit Sasha Grey über neuen Soderbergh "The Girlfriend Experience":
Gibt es auch Unterschiede?

Es gibt sogar sehr große Unterschiede. Chelsea hat zum Beispiel keinerlei Sinn für Kunst, ich aber sehe die Schauspielerei, auch meine Pornos, als künstlerischen Akt. Die Kunst ist mein Leben. Chelsea dagegen ist eine eingebildete und oberflächliche junge Frau, die nur vom Geld getrieben ist.

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/478984

Joris
Joris
17. September, 2020 22:13

Stormy Daniels! Ich flippe aus. Dein Archiv ist echt ne Goldgrube für aktuelle Themen.