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Feb 2009

Abenteuer mit Artwork (3) -Die "Sherilyn Fenn und ich"-Edition

Themen: Film, TV & Presse |

Es war 1992. Twin Peaks war gerade in Deutschland gelaufen, hatte mächtig PR-Wirbel verursacht – und ich war frisch verliebt.

fenn3Sherilyn Fenn. Schwer zu sagen, was mich an ihr so begeistert, vor allem, weil sie rein äußerlich gar nicht mein Typ ist. Rote Haare, wenig Makeup, mädchenhaft – eher so. Ich hatte aber wider alle Vernunft den Eindruck, dass hinter dem Glamour-Look einer klassisch-sinnlichen Hollywood-Jungdiva eine ziemlich nette junge Frau steckt, die sicher toll lachen kann. Das sollte sich Jahre später in der phänomenalen, aber bis heute kriminell unterbewerteten Showtime-Sitcom "Rude Awakening" beweisen:

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Eines Tages sah ich irgendwo klein in einer Zeitschrift ein Poster von ihr abgebildet: schwarzweiß, weißes Kleid, auf Knien, ganz züchtig. In meinem Kopf gingen sämtliche Lichter an: haben wollen! Ach was: haben müssen!

Klar, heutzutage wäre das einfach: Internet, Postershop, Kreditkarte. Aber damals ging die Suche noch analog: ich durchstreifte Kaufhäuser, Posterläden, Filmshops. Alles vergebens – was mich verwunderte, denn als offizielles "Twin Peaks"-Promo musste es das Teil doch irgendwo zu kaufen geben!

Es trug sich zu, dass ich in dieser Zeit beruflich nach London musste, um von der "Scarlett"-Pressekonferenz zu berichten – Ex-Bond Timothy Dalton war gerade als neuer Rhett Butler gecastet worden, und mit weltweiten Fake-Shows hatten die Produzenten so getan, als wäre die Hauptrolle der "Scarlett" tatsächlich einem Nobody offen. Am Ende wurde es Joanne Whalley-Kilmer, und KEINER in der Presse hakte mal nach, was diese ganze Augenwischerei eigentlich sollte. Für mich ist das einer der ganz großen TV-Skandale, der bis heute unkritisiert geblieben ist.

Aber ich komme vom Thema ab. Sherilyn Fenn. Die Suche nach dem Poster hatte mittlerweile obsessive Formen angenommen. Wann immer ich in einem Laden war, in dem es auch nur potentiell Poster zu kaufen war, ging ich auf die Jagd. London sollte dafür eigentlich ideales Gebiet sein, gibt es in der englischen Metropole doch genügend Läden für Filmfans, die Obskuritäten suchen. Aber nein: weder "Cinema Store", noch "Forbidden Planet", noch dieser heruntergekommene zweigeschossige Laden auf der Rückseite des Trocadero konnte mir helfen.

Unwillig, gelangweilt im Hotelzimmer zu hocken, machte ich am Abend vor meinem Rückflug einen Spaziergang durch die Innenstadt. Ich war begeistert von der Lebendigkeit und der Vielfalt Londons. West End geht ja quasi nahtlos in Chinatown über, Chinatown in Soho, und so weiter.

Soho. Kannte ich aus Edgar Wallace-Filmen. Nicht gerade eine seriöse Ecke. War es auch Anfang der 90er nicht. Sex-Shop neben Sex-Shop, Nackt-Bars, Telefonzellen vollgepflastert mit Kleinanzeigen von Prostituierten, und bullige Türsteher, die einen zu den Damen der Nacht locken wollten. Absolut faszinierend, wenn man aus München kommt.

Ich ging durch einen Torbogen, und warf nur noch Seitenblicke in die potthässlich dekorierten Sex-Schaufenster: Poppers, Magazines, Videos. Immer wieder, immer gleich.

Und dann sah ich Sherilyn!

Nicht die echte Sherilyn, das wäre schön und verstörend zugleich gewesen. Das Poster! Da war es – im Schaufenster eines miesen, siffigen Pornoladens in London!

Ich betrat das erste Mal in meinem Leben ein Sexgeschäft, schaute nicht links und nicht rechts, sondern steuerte direkt auf den gelangweilt aussehenden Typen hinter dem Tresen zu:

"Das Poster im Schaufenster – was kostet das?"

"Im Schaufenster?"

"Das von Sherilyn Fenn – schwarzweiß"

"Das ist Deko."

"Mag sein, ist mir aber egal – was kostet es?"

(schulterzuckend) "Das ist eigentlich nicht zum Verkauf gedacht."

"Nochmal: mir egal. Ich will es haben. Wieviel?"

"Öhhhmm… sage ich mal: 5 Pfund."

Zack! Gekauft!

fenn

Jahrelang hing das Bild in meinem Schlafzimmer an der Wand, und auch meinen Freundinnen war keine Kritik daran erlaubt. Beim Umzug in mein Haus packte ich es weg, weil mein Dachgeschoss keine gerade Wandfläche hat. Aber die Rümpel-Aktion neulich brachte es wieder zum Vorschein, und auf der neuen Kommode fand es einen (vorübergehenden) Platz.

Egal, wie sehr ich meinen Hausstand reduzieren muss – Sherilyn Fenn bleibt auf ewig, und auf ewig jung.

Und wenn wir gerade bei Sherilyn sind – ein oder zwei Jahre nach dem London-Trip flog ich erstmals in meinen Leben nach New York. In einem Comic-Laden in Lower Manhattan stieß ich auf eine Ausgabe des US-Playboy, die mir den Atem stocken ließ:

fenncover

Klasse – jede doofe Sitcom-Schnepfe übernimmt der deutsche Playboy, aber wenn sich eine derartige Traumfrau auszieht, schlafen die Bildredakteure in München! Satte 10 Dollar kostete mich die Ausgabe, aber sie hat sich wirklich gelohnt:

fenn2

Solche Suchaktionen waren lustig, und haben in der Internet-Ära jeden Wert verloren. Heute wirft  man Google Image Search an, und bekommt alles frei Haus. Die Euphorie, nach langer fruchtloser Suche endlich fündig zu werden, ist dahin. Eigentlich schade.

Ende der 90er arbeitete ich dann übrigens mit zwei Regisseuren (Timothy Bond und John Harrison), die schon mit Sherilyn gedreht hatten, und natürlich konnte ich mir die Frage nicht verkneifen: "Wie ist die denn so?". Ich bekam in beiden Fällen die denkbar niederschmetterndste Anwort:  "Sherilyn ist total nett, super süß, und wirklich grundanständig – unglaublich, dass die einfach nicht den richtigen Mann findet."

AAAAAARRRRGGGGHHHH!!!!!



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Tornhill
Tornhill
15. Februar, 2009 12:37

Ich frage mich auch schon immer, ob es ein Fluch oder Segen ist, auf "spezielle" (also nicht dem Sharon Stone/Heidi Klum/groß-blond-ausladend-Typ) Frauen zu stehen. Einerseits findet man natürlich weniger Material, was den eigenen Geschmack trifft, andererseits hat es was exklusives.

– Wenn ich meine Fairuza Balk-Vorliebe kund tue, rücken die Leute immer von mir ab, so sie sie überhaupt kennen.

Wortvogel
Wortvogel
15. Februar, 2009 12:54

Fairuza ist klasse, und auch sehr sexy, wenn man auf den "bad girl"-Typ steht…

Dirk
15. Februar, 2009 13:28

Aber denk jetzt ja nicht, du wärest der einzige, der auf Sherilyn Fenn steht. Ich fand die schon bei Twin Peaks die interessanteste, Rude Awakening fand ich auch grossartig, allerdings hab ich kein Poster, und den Playboy auch nicht. Schade eigentlich. 🙂

Grinsi KleinPo
Grinsi KleinPo
15. Februar, 2009 15:32

@Tornhill: Wer hat dir erzählt, das Heidi Klum ausladend ist? Anziehpuppen (Barbie) gibt es wie Sand am mehr und genauso werden sie behandelt. Wenn sie mal weg vom Fenster sind, spricht keiner mehr von ihnen. Anders sieht es mit Persönlichkeiten aus. Hepburn (beide) sind so ein Fall. Zeitlose Schönheiten in Wort, Körper und Geist.

btw Heidi Klum und Sharon Stone sind kein Frischfleisch mehr und man weis ja was der Schlachter mit nicht mehr so ganz frischem Fleisch macht, gelle?

dunkel
dunkel
15. Februar, 2009 15:41

…oh Audrey, oh Audrey – so entzückend.
Selbst in Boxing Helena war sie einfach … hmmm.

Grinsi KleinPo
Grinsi KleinPo
15. Februar, 2009 15:46

Leider wir sowas wie Audrey in Hollywood nicht mehr produziert. Alles Vollpfosten da.

Lari
Lari
15. Februar, 2009 16:01

Ist das Ding rechts neben dem Poster ein Schwert? 😯

Wortvogel
Wortvogel
15. Februar, 2009 16:15

@ Lari: Das ist ein komplettes Geschirr mit Schwert, Scheide, Schulterschnallen, und Degen – aus Uwe Bolls "Schwerter des Königs".

Lari
Lari
15. Februar, 2009 16:40

Das macht es nicht besser. Eher im Gegenteil. :mrgreen:

Wortvogel
Wortvogel
15. Februar, 2009 17:01

Und was sagt dir das?

Lite
Lite
15. Februar, 2009 17:03

Rude Awakening lief um 2001 oder so herum mal hier in Berlin auf TVB, für mich ist das eine der besten Sitcoms ever. Wo sonst hat sich in einer Sitcom jemals eine Frau Luft gespritzt, weil die Sucht so stark ist und sie damit nicht klarkommt. Und eigentlich hat jeder Darsteller in dieser Serie ein massives Suchtproblem (Alk, Sex, H). Höchst politisch unkorrekt das ganze.
Wortvogel, hast du ne Ahnung wo ich ne DVD von dieser genialen Sitcom bekommen kann?

Wortvogel
Wortvogel
15. Februar, 2009 17:05

Leider wurde "Rude Awakening" (lief auch auf Premiere Comedy vor vielen Jahren) meines Wissens nie auf DVD veröffentlicht. Ich würde mir das Set kaufen, obwohl ich alle Folgen aus den USA auf DVD-R habe.

Tornhill
Tornhill
15. Februar, 2009 17:06

@Grinsi:
Stimmt, ausladend ist Frau Klumpen trotz anders vermutend lassendem Nachnamen nicht. Da hab ich sie einfach mal über den Mainstream-Schönheiten-Kamm geschert. 😉

@Lari:
Die Coolheitsfrage ist hier keine einfache…Requisiten aus guten Filmen sind natürlich eine Sache für sich, aber irgendwie haben Boll-Waren doch schon wieder eine ganz eigene Berechtigung. Nur die qualitative Mitte ist hier zu meiden.

Peroy
Peroy
15. Februar, 2009 18:16

"Schwerter des Königs" war okay, jedenfalls besser als der scheissige "Eragon"…

Tinitus
15. Februar, 2009 18:34

Ich hasse es wenn ich Peroy recht geben muss. 😀
Und ein komplettes Kampfgeschirr haben is immer cool. Bei mir hängt auch eines. Alerdings nich aus nem Boll-Film. Dafür mit Schild und Dolch. Ausserdem ein Indie-Fedora, Indie-Peitsche und Indie-Jacke.

Wortvogel
Wortvogel
15. Februar, 2009 18:42

Ich habe mittlerweile eine ganze Kiste voll mit Props und Kostümen, die ich sicher beizeiten mal vorstellen werde. Leider passte das Schwert nicht rein, darum hängt es (wie weiland der Pferdehalfter) an der Wand…

theNerd
theNerd
15. Februar, 2009 19:05

Mit solchen Obsessionen kann man ja noch recht gut leben. Ich war war 97 in die Hauptdarstellerin der Serie "Blossom" verknallt!!

Und Darlene aus "Roseanne" hat mir auch immer recht gut gefallen….

The Riddler
The Riddler
15. Februar, 2009 20:31

Bei mir heisst die Obsession Rachael Leigh Cook. Aber Fairuza ist natürlich auch ein Göttin!

Asmodeus
Asmodeus
16. Februar, 2009 11:28

Die Story ist….hach…einfach wunderschön zu lesen 🙂

Tinitus
16. Februar, 2009 13:06

@Wortvogel: Sowas is auch zu schade um in einer Kiste zu vergammeln.

comicfreak
comicfreak
16. Februar, 2009 13:42

..und ich dachte, das sei eine Aufnahme des Sex-Shops, in dem du das Poster gefunden hast, und dachte

"..Naja, Soho hätte ich mir schlimmer vorgestellt!"

🙂

DvL
DvL
11. März, 2011 14:08

Toll ist aber, dass noch jemand Rude Awakening kennt! Ich liebe diese Sitcom und es ist tottraurig, dass man an Folgen heute nicht mehr rankommt!

Dietmar
Dietmar
12. März, 2011 10:48

Hast Du denn in der neuen Wohnung gerade Wände zum Aufhängen?

Wortvogel
Wortvogel
12. März, 2011 11:17

Jau – endlich!!!

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[…] Fleisch für die männlichen Zuschauer. Und obwohl Sherilyn Fenn sich 1991 für den Playboy ausgezogen hatte, war sie nicht bereit, Promotioninteressen mit Nacktszenen zu bedienen. Also wurde kurzerhand eine […]

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