08
Dez 2008

Die Revolütion des Kinos!

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

3D? Imax? Digitale Projektion? Ach was!

Der Trend in Deutschland geht zum… türkischen Nischenkino.

In den Top 5 der Kinocharts vom Wochenende: die Science Fiction-Komödie "AROG". In den Top 10: "Tal der Wölfe 2: Muro".

arogFast schleichend hat sich ein Markt für ein ganz spezielles Publikum gebildet – türkische Teenager mit Bitch und Posse im Schlepptau. Diese Zielgruppe ist augenscheinlich groß genug, um erstaunlich breite Starts zu rechtfertigen. So hat "AROG" (ein Film, von dem ich noch nie gehört hatte) fast soviel Zuschauer erreicht wie der neue Woody Allen-Streifen (immerhin mit Scarlett Johannsson).

Die Trailer verkaufen "AROG" als so eine Art "Atze Schröder meets Epic Movie", und auch ohne türkische Sprachkenntnisse wird klar, dass hier kaum großes Kino zu erwarten ist:

http://www.youtube.com/watch?v=YvMorhcFgV0

Für den 17jährigen ohne Hauptschulabschluss, aber mit Goldkettchen, drei Handys, und großer Fresse, mag das der perfekte Zeitvertreib am Samstagabend sein.

(Disclaimer: Der Autor distanziert sich ausdrücklich von den chauvinistischen Klischees der vorherigen Absätze, die ausschließlich auf traumatische Erlebnisse der eigenen Jugend in einer Arbeiterklasse-Gesamtschule zurückzuführen sind)

muro"Tal der Wölfe 2 – Muro", der zweite türkische Neueinstieg der Woche, ist nicht weniger bizarr: Eine Komödie, die dem Plakatmotiv nach an "Go, Trabbi, Go" erinnert, wird durch den deutschen Titel an den knallharten, semi-authentischen Kriegsfilm "Tal der Wölfe" angetackert, mit dem sie nun wirklich gar nichts zu tun hat. Inwieweit durch diesen Kunstgriff türkische Patrioten in die Kinos getrieben werden, vermag ich nicht zu sagen. Zuschauer ohne türkischen kulturellen Hintergrund dürften sich vermutlich nur wenige finden.

Ach ja: Soweit ich das überblicke, gab es in den Top 10 der Kinocharts diese Woche genau keinen deutschen Film.

Nach diesen sauren Zeilen mag es seltsam klingen, aber ich finde die Entwicklung sehr erfreulich. Kino braucht Zuschauer, und es macht keinen Unterschied, welchen Background der Kartenkäufer mitbringt. Ein breiter gestreutes Programm ist mir allemal lieber als die US-Blockbuster-Monokultur ("Madagascar 2" startete diese Woche mit 1,5 Millionen Besuchern). Ich werde momentan an die 80er erinnert, als nicht nur deutsche Wichtig-Filme, und US-Kinoschlager liefen, sondern zuverlässig auch die neusten Werke mit Adriano Celentano, Alain Delon, Spencer & Hill, und Jean-Paul Belmondo.

Kleinere Filme für spezifische Zielgruppen bieten auch wieder Raum für kleinere Kinos, für eine Kino-Kultur, die z.B. hier in München fast völlig verschwunden ist. Gerade die Digitalisierung ebnet den Weg: Selbst auf einer mittelgroßen Leinwand sieht eine Bluray-Produktion absolut überzeugend aus. Es würde mich wundern, wenn sich da nicht in absehbarer Zeit eine Subkultur auftut.

Mich erstaunt aber, wie wenig die gesamte Branche von dieser Entwicklung Notiz nimmt. Oder der Zuschauer. Schläft die Presse, oder habe ich die entsprechenden Beiträge und Diskussionen nur verpasst? Hätte ich doch regelmäßiger "Die Zeit" lesen sollen? Schließlich gibt es eine Menge Fragen, die diskutiert werden sollten: Lohnt sich eine Synchronisierung, oder sollte man angesichts der Zielgruppe bei Untertiteln bleiben? Tut sich hier ein Markt für Koproduktionen auf? Wie und wo findet die Diskussion über fragwürdige Inhalte (wie im Fall von "Tal der Wölfe") statt? Ist der Erfolg einzelner türkischer Filme Zeichen einer Aufspaltung der kulturellen Interessen in der Jugend?

Spannend, das. Sehr spannend.

P.S.: Die Firma Rat Pack dreht die dritte Staffel "Märchenstunde" übrigens gerade in der Türkei. Diesmal geht es um arabische Fabeln.



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Reptile
Reptile
8. Dezember, 2008 15:01

Ohja, hier in Hannover hatten wir schon oft Gespräche darüber. Es gibt zwei Cinemaxx Kinos. Raschplatz und die ehrwürdige Nikolaistraße(Damals das erste Cinemaxx) Das Kino Nikolaistraße zeigt öfter türkische Filme und nimmt auch Action und Gangstertitel ins Spätprogramm. Diese laufen am Rachplatz meistens gar nicht. Der Unterschied liegt in der Lage. Die Nikolaistrasse ist eher im Multikulti Stadtteil. Und wie ich hörte laufen dort knapp am Direct to DVD Release vorbeigekomme Actionkröten und Gangster Hip Hop Filme wie
"Get Rich or Die trying" in den 23 Uhr Vorstellungen mit sehr guten Besucherzahlen. Die Zuschauer sollen allerdingst zu 99% aus dem von dir beschriebenen Klientel bestehen.

Wortvogel
Wortvogel
8. Dezember, 2008 15:05

@ Reptile: Sehr interessant – der Markt passt sich überall an…

OnkelFilmi
8. Dezember, 2008 15:27

Der grosse Unterschied ist der, daß Filme mit Delon, Belmondo, Hill/Spencer in den 80ern für die breite Masse vermarktet wurden, und diese auch ansprachen. Sie waren "westlich", wurden synchronisiert, boten Stoffe und Figuren mit denen sich Otto Normalbürger anfreunden bzw identifizieren konnte.

Der Löwenanteil des türkischen Filmes jedoch passt nicht in diese Schemata, da er einzig und allein auf seine "Heimklientel", die Türken zielt. Die Filme sind zum einen auf das türkische Publikum hin konzipiert, sprich mit türkischem Humor, türkischen "Personalitys" und einer grossen Schüppe türkischen Nationalgefühls (und auch oft in nicht gerade geringem Maße böse Seitenhiebe [man könnte es auch Beleidigungen nennen] auf den Westen). Also nicht unbedingt Dinge, die eine breite Masse ausserhalb der türkischen Peer Group ansprechen dürften (sieht man mal von den korreggt-krassen "Isch mach disch Messa" Gangstas die lieber auch Türke statt "Kartoffel" wären). Obendrein kommt auch nur ein verschwindend geringer Teil dieser Filme mit einer deutschen Synchronisation hierzulande raus, selbst der Anteil mit deutschen Untertiteln ist minimal, die meisten Filme werden einfach auf türkisch in die Kinos gepusht (von in der Türkei ansässigen Verleihfirmen). Man will ja schliesslich nicht, daß sich das "eigene Volk" hierzulande "assimiliert.

Und wenn ich mir so bei den Besuchen im Bochumer UCI das Publikum ansehe, trifft dort das von Dir angesprochene Klischee über die Klientel voll und ganz zu. Als "Tal der Wölfe" lief, war das kein angenehmer Ort…

flippah
flippah
8. Dezember, 2008 15:29

Ich war in Arog – wahrscheinlich als einziger nicht-Türke im ganzen Saal. Und ich habe diesen Film genossen. Natürlich ist das keine hohe Filmkunst, aber die habe ich auch nicht erwartet.
Was ich wollte – und bekam – war eine alberne Klamotte. Tatsächlich habe ich manchmal garnicht mehr auf die Untertitel geachtet, denn der Humor übertrug sich auch ohne sehr gut.

In meinen Augen ist Arog ein gelungener Film, denn er ist das, was er sein will: lustig.

Wortvogel
Wortvogel
8. Dezember, 2008 15:30

@ Filmi: Mir schon klar, dass die aktuelle "türkische Welle" nicht mit den Celentano-Filmen vergleichbar ist – es ging mir nur darum, dass damals ebenfalls Filme von anderen Märkten als D und USA in die Kinos kamen, weil die Kinobesitzer noch mehr Möglichkeiten hatten, auszuwählen. Der Independent-Markt ist in den USA fast zeitgleich mit Deutschland verreckt.

Wortvogel
Wortvogel
8. Dezember, 2008 15:31

@ flippah: Danke – ich werde mir den Film auf DVD sicher auch mal anschauen.

Dr. Acula
8. Dezember, 2008 15:32

Danke vor allem für den Hinweis, dass Tal der Wölfe 2 nix mit Tal der Wölfe zu tun hat (sonst wäre ich da vielleicht noch mal zu einem versehentlichen DVD-Kauf veranlasst worden…) 🙂

Zum Thema – prinzipiell ist es natürlich gut, wenn Nischenfilme ins Kino kommen, aber es besteht freilich die Gefahr der Ghettoisierung der Kinokultur, sozusagen eine kinematische Parallelgesellschaft (Tal der Wölfe 1 lief bleistifts-, äh, sorry, der Vogel mag das ja nicht…, beispielsweise in einem Multiplex in Berlin-Neukölln. Ich wäre gern reingegangen, aber das Publikum war teilweise schon in "normalen" Filmen in diesem Kino unter aller Kanone… das war purer Selbstschutz (man stelle vor, ich hätte an der falschen Stelle gelacht…). Ähnliches galt für "Türken im Weltall"…

Wortvogel
Wortvogel
8. Dezember, 2008 15:35

@ Acula: Das Problem sehe ich mich – und wundere mich genau deshalb, dass es da keinerlei Diskussion drüber gibt, die mir bekannt wäre.

Dr. Acula
8. Dezember, 2008 15:40

@Vogel

In der Tat sehr wunderlich. Ich denke, wichtig wäre, dass solche Filme (ggf. *auch*) in deutsch synchronisierten Fassungen laufen, auch für ein nicht-türkisches Publikum beworben werden, damit einfach eine gewisse Durchmischung des Publikums stattfindet (wobei ich durchaus auch anmerken möchte, dass ich in gewissen Gegenden auch nicht in einen Werner-Film gehen würde, das deutsche Proll-Publikum ist auch nicht viel besser…).

PabloD
PabloD
8. Dezember, 2008 15:51

"wobei ich durchaus auch anmerken möchte, dass ich in gewissen Gegenden auch nicht in einen Werner-Film gehen würde, das deutsche Proll-Publikum ist auch nicht viel besse"

Oh, da fühle ich mich direkt angesprochen. Den habe ich als "mitgenommener kleiner Bruder" in meiner allerersten Spätvorstellung (also geschätzte 19:30 Uhr) durch altersgerechtes Benehmen wohl gründlichst gestört. Der damalige Freund meiner Schwester hat mich dann wochenlang ignoriert 🙂

OnkelFilmi
8. Dezember, 2008 15:52

@Doc: Selbstschutz? Lass es mich mal so ausdrücken, wenn man in der Lobby war, nachdem "Tal der Wölfe" vorbei war, kam man sich teilweise vor, als wäre man aus Versehen in eine Versammlung von Hisbollah, Hamas und Al Qaida geschliddert. Da wurde ganz ungeniert – und auf deutsch! – darüber geredet, daß man doch alle Juden und Amerikaner umbringen sollte.

@Torsten: Naja, in den Staaten tragen am Ende der (wirklichen) Independent-Kultur Miramax und Steven Seagal die Schuld. Miramax produzierte "Indiefilme" für ein Major-Studio (Disney), und durch Seagal wurde der B-Actionfilm endgültig studiotauglich. Wenn Studios anfangen B-Filme zu drehen, ist klar daß der kleinere Fisch gefressen wird. Daß der französische Film nach und nach aus den deutschen Kinos verschwand, lag wohl daran, daß die grossen Stars wie Belmondo und Delon verschwanden, und Depardieu die Lücke nicht schliessen konnte.

Und was bei uns letztenendes ja auch den Untergang des breitgestreuten Kinoprogrammes besiegelte, war der Aufstieg der Multiplexe. Bahnhofskinos, Einraumkinos und Filmpaläste mussten leider weichen. Ich hab die Tage noch einen Stapel alter "Kinohit" Ausgaben von 1990 und 1991 durchgesehen, da sah die Sache noch ganz anders aus… 🙁

Dr. Acula
8. Dezember, 2008 15:59

@Filmi

Ich bin auch ein großer Freund der "alten" Kinos und, obwohl ich schon den Komfort eines Multiplex-Saales schätze, froh, dass in Nürnberg (gerade, weil sie dem örtlichen Plex-Betreiber gehören) noch eine Handvoll Programmkinos mit dem rustikalen Charme von Vorkriegs-Projektoren und vergilbten Leinwänden überlebt haben (in Berlin, zumindest nach meinem Kenntnisstand 2006, auch)…

Tal der Wölfe – ich *kann’s* mir lebhaft vorstellen.

@Pablo
Ich hab ja auch wirklich nix dagegen, wenn z.B. bei "Werner" im Kino auch a bissl Party gemacht wird (ich erkläre mich schließlich auch schuldig, bei "Hannibal" hemmungslos und zum Bewilderment des Restpublikums gelacht zu haben), sind schließlich keine "stillsitz-und-zukuck"-Filme, aber es scheint mir halt der Anteil Popcornwerfer, Handytelefonierer und Dauerdurchsabbler deutlich anzusteigen.

OnkelFilmi
8. Dezember, 2008 16:02

"Popcornwerfer, Handytelefonierer und Dauerdurchsabbler deutlich anzusteigen."

Es geht auch noch schlimmer. "King Kong", "2 Fast 2 Furious" – zwei Filme von vielen, bei denen ich handgreiflich werden musste…

Dr. Acula
8. Dezember, 2008 16:05

Details!!!

Reptile
Reptile
8. Dezember, 2008 16:08

Erzähl!!

Peroy
Peroy
8. Dezember, 2008 16:10

"ich erkläre mich schließlich auch schuldig, bei “Hannibal” hemmungslos und zum Bewilderment des Restpublikums gelacht zu haben"

Ich habe mehrmals applaudiert… 8)

Reptile
Reptile
8. Dezember, 2008 16:15

Ein Kumpel von mir hat bei "Der Soldat James Ryan" fast die Hose nass gemacht…;-) Kranker Typ!

Peroy
Peroy
8. Dezember, 2008 16:21

"Ein Kumpel von mir hat bei “Der Soldat James Ryan” fast die Hose nass gemacht…;-) Kranker Typ!"

In dem wahren wir zu zwölft (Schulklassen-Kinogang). Wir haben uns totgelacht. Ab einer bestimmten Zahl von Leuten wird alles lustig…

Peroy
Peroy
8. Dezember, 2008 16:51

Wobei der Film zugegebenermaßen nicht besonders gut und eh unfreiwillig komisch war…

milan8888
milan8888
8. Dezember, 2008 17:12

Willkommen bei den Sch’tis lief doch auch grad

Dr. Acula
8. Dezember, 2008 17:26

Den wollte ich juxigerweise grade als Beispiel dafür, dass alle heilige Zeit ein Verleiher noch mal ein Experiment mit französischem Komödienkino macht, anbringen. Aber ich denke, der läuft eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit (hat da jemand Zahlen?). Mich stimmte bedenklich, dass man, weil der Hauptdarsteller ein bissl aussieht wie Stromberg, den gleich vom Herbst synchronisieren liess…

HerrSalami
8. Dezember, 2008 17:31

Auch hier im Cinemaxx Krefeld laufen mindestens ein bis maximal drei türkische "Nischenfilme" pro Wochenende…

Peroy
Peroy
8. Dezember, 2008 17:47

"Den wollte ich juxigerweise grade als Beispiel dafür, dass alle heilige Zeit ein Verleiher noch mal ein Experiment mit französischem Komödienkino macht, anbringen. Aber ich denke, der läuft eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit (hat da jemand Zahlen?). Mich stimmte bedenklich, dass man, weil der Hauptdarsteller ein bissl aussieht wie Stromberg, den gleich vom Herbst synchronisieren liess…"

Bei dem dürfte geholfen haben, dass das in Frankreich der erfolgreichste Film aller Zeiten war, mit was um die 20000000 Zuschauer. Blöderweise lässt sich der Witz des Films nicht umsynchronisieren, weil der nur auf Französisch funzt, wegen dem Dialekt. Pech…

Wortvogel
Wortvogel
8. Dezember, 2008 18:16

Interessanterweise ist der Sch’tis ein richtiger Erfolg. Keine Ahnung, wieso.

@ Filmi: Glaub mir, ich kenne die Gründe, warum der Independent-Kinomarkt draufging. Ich habe Bücher dazu gelesen, und Dutzende Interviews geführt. Es ist eine Schande. Absoluter Lesetipp für Filmfreaks: das schwer zu bekommende "Hollywood a go go" über die Hoch-Zeit von Cannon:
http://www.amazon.de/Hollywood-Go-Go-Account-Cannon-Phenomenon/dp/0722193890

In meiner Jugend gab es in Düsseldorf mehr als 20 einzelne Kinos. In den 90ern machte das erste Multiplex am Hauptbahnhof auf. Seither zwei weitere. Es gibt jetzt noch zwei (glaube ich) einzelne Kinos. Danke.

Reptile
Reptile
8. Dezember, 2008 18:33

In Hannover gab es mal 5 Kinos. 2003 hat das letzte, das Palast Kino Center dicht gemacht. Cinemaxx hat jetzt das Monopol in Hannover. Es gibt etwas ausserhalb noch ein Cinestar und ein Utopia aber wer fährt schon freiwillig raus? Aber es gibt noch das Apollo. Dort laufen überwiegend Arthousefilme und kleine Exoten. Das Kino "gehört" aber auch Ex-Cinemaxx Vorstand Flebbe, weil er dort mal als Kassierer angefangen hat.

Dr. Acula
8. Dezember, 2008 19:07

@Peroy
Das mit den 20 Mille Zuschauern steht ja sogar auf dem Plakat: "20 Millionen Franzosen können nicht irren!" (Doc says: Wohl könn' die…).

Aber das Ding läuft hier auch gut? Sauber. Hätte ich nicht gedacht.

@Kinosituation
Nürnberg hat’s, wie gesagt, vergleichsweise gut. Wir haben das Cinecitta' Multiplex (unabhängig, kann sich daher auch leisten, ein paar Säle für Arthouse, Dokus etc. zu reservieren), das Admiral (gehört, soviel ich weiß, zur ehemaligen (?) UFA-Gruppe), fünf Säle im Multiplex-Standard, vier Programmkinos, die dem Cinecitta'-Betreiber gehören, ein kleineres Erstaufführungskino, in dem "mittelgroße" Filme laufen, das Filmhaus-Kino (ehemals KOMM-Kino), das reines Spartenprogramm und Retrospektiven macht, und ein Fremdsprachenkino (leider JWD). Zugemacht haben in letzter Zeit "nur" das Atlantik (70er-Schuhkarton-Kino in einem Einkaufszentrum über vier Etagen verteilt. Vermisst niemand wirklich) und ein kleineres Programmkino, von dem ich mich aber eh immer gefragt habe, wie sich das rechnen konnte (die spielten aber meist Frauenprogramm, wenn ich das mal so nennen darf. RomComs und solches Zeuch, gerne als Zweitauswertung). Mit so 35 Leinwänden stehen wir für ’ne 500.000-Leute-Stadt noch recht gut da (zumal’s um die Ecke in Fürth auch noch mal ein Dutzend Leinwände gibt; und vor allem – wir sind CineStar- und CineMaxx-frei… das nächste CineStar ist in Erlangen).

hilti
hilti
8. Dezember, 2008 19:57

@Reptile
Das Apollo gehört auch dem Felbbe? Bist du sicher?

Dann hat er mit dem Hochhaus-Kino jetzt alle Kinos in Hannover. Das hat er nämlich Ende November übernommen.

Dass sich die Klientel in den Kinos Raschplatz und Nikolaistraße so stark unterscheidet, wie du in deinem ersten Kommentar schreibtst, finde ich erstaunlich. Die stehen schließlich keinen Kilometer voneinander entfernt.

Ali
Ali
8. Dezember, 2008 22:35

A.R.O.G ist der zweite teil von G.O.R.A. von und mit Cem Yilmaz (die drehbücher stammen von ihm)
eigentlich ein Stand Up komiker der auch im Kino sehr erfolgreich ist.
MURO ist ein ableger von der serie Tal der Wölfe der Charaktar Muro ist so beliebt das sie ihm ein eigenen Film spendiert haben.

milan8888
milan8888
8. Dezember, 2008 22:50

Aber in München siehts ja noch nicht so schlimm aus – hier gibt´s ja noch knapp 30 Kinos

Reptile
Reptile
9. Dezember, 2008 07:22

@hilti
Ob er der tatsächliche Besitzer ist weiss ich nicht genau. Nur hat er da eine Hand drauf weil er da wie gesagt als ganz junger Stöpke als Kassierer seine Kinokarriere begonnen hat.
Raschplatz/Nikolaistr: Ja, die Niko liegt ja quasi hinter dem Steintor. Das Klientel ist ja nicht generell anders. In der Niko wird aber speziell das Programm etwas angepasst. Tatsache ist aber dass das Cinemaxx Raschplatz viel beliebter ist und als eines der Besucherstärksten Kinos der Kette gilt. In die Niko gehen die meisten nur wenn man muss, also dort ein Film läuft der am Raschplatz nicht im Programm ist.

Lutz
Lutz
9. Dezember, 2008 10:23

Es tut mir leid, aber ich kann den Enthusiasmus für dieses Marketing nicht teilen. Es wundert mich, dass dir die türkische Welle von Schwachsinns-Filmen jetzt erst auffällt. Ich lebe nicht in einer deutschen Großstadt und kriege hier so was gar nicht zu sehen, aber durch Lesen von einschlägigen Kino-Magazinen ist mir schon seit Jahren aufgefallen, was da so in immer stärkerem Maße auf den deutschen Markt zurollt.

Ich verstehe, dass Film-Produktionen Geld machen wollen. Ich will auch den türkischen Jugendlichen zugestehen, dass sie genau denselben Mist schauen dürfen wie deutsche Jugendliche. Aber das hier finde ich dennoch verantwortungslos und auch teilweise gefährlich.

Denn es ist ja bereits jetzt so, dass die türkischen Jugendlichen genau denselben Mist schauen, den auch deutsche Jugendliche schauen. Eine vollkommen integrative Maßnahme. Jetzt jedoch schauen sie noch zusätzlichen Mist, den deutsche Jugendliche sich nicht anschauen können, weil diese Produktionen in Deutschland nie synchronisiert und oft auch nicht mal untertitelt in den Kinos laufen und dadurch Deutsche konsequent ausgeschlossen werden.

Bitte glaub mir, ich bin kein Mensch, der eine totale Verwandlung von Türken, die in Deutschland leben in Deutsche fordert. Aber es stößt mir dennoch sauer auf, dass, wenn schon eine vernünftige Form der Integration in den meisten Städten nicht funktioniert, eine weitere Form der Spaltung, und noch dazu mit diesem "Unterschichts-Kino", passiert.

Dazu kommt, dass es ja nicht nur die platten Sinnlos-Komödien sind, die auf diese Weise nach Deutschland kommen. Es wird jede türkische Produktion, die irgendwie brachial genug ist, dass man meint, sie der dummen türkischen Unterschicht vorspielen zu können, nach Deutschland exportiert (und, wenig überraschend, türkische Qualitätsproduktionen werden konsequent vernachlässigt). Auf diese Weise werden auch jede Menge Filme mit aus deutscher Sicht fragwürdigen moralischen und religiösen Botschaften vermarktet. Es tut mir leid, dass mir gerade kein Titel einfällt, aber ich habe zwar immer die Filmbesprechungen zu den Filmen gelesen, mich jedoch nicht weiter damit beschäftigt, da ich sie hier ja eh nicht sehen könnte. Diese Filme konsequent einer Gruppe der Bevölkerung vorzuspielen und ebenso konsequent alle anderen Gruppen auszuschließen, halte ich für wenig förderlich. Und es ist ja nicht so, dass nur die türkischen Jugendlichen diese Filme sehen. Sicher ist dies die Hauptzielgruppe, aber dennoch ist es oft so, dass hier ganze Familien ins Kino gehen, weil hier endlich mal die Chance besteht, die Heimatsprache zu hören und so auch die Mama und andere, die nie deutsch gelernt haben oder lernen sollen, mal ins Kino können und ebenso mit diesen Botschaften gefüttert werden.

Und zu guter Letzt finde ich es demütigend für die in Deutschland lebenden Türken, dass hier ein reines Unterschichts-Kino stattfindet. Wie schon gesagt, es gibt eine gute Menge von türkischen Qualitätsproduktionen, die ihren Weg nicht in das deutsche Kino schaffen. Und da hier von den Filmverleihern konsequent angenommen wird, dass Türken in Deutschland allesamt goldkettchentragende Assis sind, wird ebenso konsequent eben nur der Müll gebracht und nichts Anderes.

Wortvogel
Wortvogel
9. Dezember, 2008 11:17

@ Lutz: Es mag dich wundern, aber kaum jemand hier wird dir widersprechen. Ich habe ja explizit gesagt, dass es mich freut, wenn die Kinokultur neue Nischen findet – die Nische selbst finde ich eher bedenklich. Ich sprach außerdem von der "Aufspaltung der kulturellen Interessen der Jugend". Genau DAS ist der Punkt: Warum wird darüber nicht diskutiert? Warum findet diese Entwicklungen keinen Widerhall in der Presse?
Was dein "erst jetzt"-Argument angeht: Für mich war diese Woche einfach eine Grenze erreicht, als gleich zwei türkische Filme in die Top10 einzogen.

Peroy
Peroy
9. Dezember, 2008 11:40

Sollte nicht jeder sehen dürfen, was er will… auch wenn’s türkischer Unterschichten-Proleten-Asi-Scheiss ist ? Das Argument von wegen "Deutsche werden ausgeschlossen" zieht auch nicht so richtig, erstmal kann man sich irgendwann ja alles auf DVD ansehen, und außerdem könnte man mit ein bisschen Ummodelei auch gegen die elenden Kinos wettern, die ausländische Filme in der Originalfassung zeigen, denn die schließen gerade mal jeden aus, der die entsprechende Sprache nicht kann (und/oder nich lesen… ja, 74 Millionen Leute können nicht lesen, das weiß ich aus der Betroffenheits-Werbung mit dem Zimmermädchen)…

Nun ja…

Dr. Acula
9. Dezember, 2008 12:54

@Peroy
Wenn wir schon polemisieren wollen… der Unterschied zwischen anderweitigen OV-Vorführungen ist, dass es bei praktisch allen in Originalfassungskinos gezeigten Filmen problemlos möglich ist, sie in synchronisierter Form in "normalen" Kinos zu sehen. "A.R.O.G." oder "Mora" kann ich wohl nicht auf Deutsch sehen, wenn ich das wollte.

Wie handhabt das eigentlich die FSK? Die Dinger müssen ja wohl ’ne Freigabe haben. Beschäftigen die Türkischsprachler?

Dr. Acula
9. Dezember, 2008 12:55

"Muro", nicht "Mora", natürlich. Wenn man sich von jetzt auf gleich nix mehr merken kann… *seufz*

Wortvogel
Wortvogel
9. Dezember, 2008 12:57

@ Acula: Gute Fragen. Die scheinbar weder gestellt, noch beantwortet werden.

Dr. Acula
9. Dezember, 2008 13:38

@Vogel

Vielleicht sollte man mal die FSK anschreiben. Die können ja schlecht nur anhand der Bilder beurteilen, ob da ggf. (was ich an dieser Stelle nicht unterstellen will) strafrechtlich Bedenkliches im Dialog stattfindet (Tal der Wölfe hatte ja, wenn ich mich recht entsinne, eine KJ-Freigabe).

Die automatische "18" für ungeprüftes Fremdsprachiges sollte im Kino ja nicht funktionieren (und würde ja auch die Zielgruppe ausschließen).

Dr. Acula
9. Dezember, 2008 13:48

Ich war mal so frei, die FSK anzumailen, wie sie das grundsätzlich bei Filmen, die nur in OV oder mit Untertiteln laufen, handhaben. Sobald oder sofern ich Antwort erhalte, werde ich berichten.

Wortvogel
Wortvogel
9. Dezember, 2008 13:59

"Cool Beans, Speed!"

Dr. Acula
10. Dezember, 2008 21:11

Mir liegt jetzt die Antwort der FSK auf meine Anfrage vor, und so wirklich *begeistert* bin ich davon nicht.

Entscheidend sind für die Prüfung die §§ 23-25 der FSK-Grundsätze. Demnach sind bei Filmen, die fremdsprachig aufgeführt werden sollen, Inhaltsangaben in deutscher Sprache vorzulegen (wie auch bei Filmen, die auf Deutsch gezeigt werden sollen, zum Prüfungszeitpunkt eine deutsche Synchronfassung noch nicht vorliegt – in diesem Fall hat das Prüfungsgremium kurioserweise die Möglichkeit, wenn zwei – im Hauptausschuss – drei Prüfer sich außerstande sehen, anhand Originalfassung und Inhaltsangabe die synchronisierte Fassung zu bewerten, eine Freigabe von der nochmaligen Sichtung einer synchronisierten Fassung abhängig zu machen). Abs. (3) des § 23 spricht zwar davon, dass "im übrigen" die Regelungen von (1) + (2), die zu synchronisierende Filme betreffen, gelten, aber wie man von einem Film, der nie synchronisiert laufen soll, eine Synchronfassung heranschaffen und bewerten soll (es sei denn, der Verleiher lässt schnell eine "übersprochene" Version herstellen), bleibt für mich zweifelhaft.

Bedenklich finde ich insbesondere eine Sonderregelung, wonach Filme, "die überwiegend Angehörigen einer in Deutschland lebenden fremdsprachigen Bevölkerungsgruppe" vorgeführt werden sollen (und das ist, wovon wir letztlich hier reden), nach § 24 vom "kleinen" 3er-Ausschuss geprüft werden (wie Dokumentationen), und dieser Ausschuss KANN sogar auf die Vorlage von Inhaltsangaben verzichten und hat lediglich die Option, einen mit den "Zielen des Jugendschutzes" vertrauten Fremdsprachler beratend hinzuzuziehen.

Letztlich scheint mir das auf viel Gottvertrauen in die Ehrlichkeit des einreichenden Verleihers hinauszulaufen, dass schon nix schlimmes in Dialogen und Kontext des Films drin sein wird. Vergleicht man das mit der Paranoia, die unsere Jugendschützer im Umgang mit "härteren" Filmen generell manchmal umtreibt, erscheint mir das eine ziemliche larifari-Regelung zu sein. Ich denke, ich muss dahingehend noch mal nachhaken. Die Regelung, wie sie jetzt steht, scheint mir der Bildung einer Parallelkultur mit eigenen Richtwerten, die nicht notwendigerweise mit "westlichen" Werten deckungsgleich sind, eher förderlich zu sein.

Wortvogel
Wortvogel
10. Dezember, 2008 21:27

Super Info, gut gemacht! Hak' weiter nach, und wir machen beizeiten noch ein eigenes Thema draus. Ist ja durchaus wichtig.

Dr. Acula
10. Dezember, 2008 21:33

Ich werde wieder berichten 🙂

OnkelFilmi
10. Dezember, 2008 23:04

Das erklärt dann auch mehr oder weniger, warum "Tal der Wölfe" erst nach leichten Protesten auf FSK18 hochgestuft wurde…

Mai
Mai
11. Dezember, 2008 17:16

Kleine Anmerkung: "Tal der Wölfe" wurde, als er in die deutschen Kinos kam, im FAZ-Feuilleton breit und sehr, sehr kritisch besprochen.

Wortvogel
Wortvogel
11. Dezember, 2008 17:27

@ Mai: Ich erinnere mich. Aber hier geht es eben nicht mehr um einen Einzelfall, sondern um einen Trend. Und wir wüssten halt gerne, wie "die Staatsmacht" damit umgeht.

TheWatcher
TheWatcher
1. Februar, 2009 01:14

Naja ich glaube das Problem sind weniger die Türkischen Filme sondern eher die US und D Filme. Ich habe A.R.O.G mit untertitel gesehen und muss sagen war gut gemacht. Es ist keine typische Produktion in dem man alles zuvor gesehene in den Witzkasten wirft und dann ein Drehbuch schreibt (siehe Bully Filme). Die Idee des Films ist nunmal sehr interessant. Es geht um einen Kerl der unfreiwillig in die Steinzeit gesickt wurde und wieder zurück will. Einzige Lösung? Naja den Technischen Fortschritt vorantreiben. Das hat mein interesse geweckt. Die Türkischen Filme haben in den letzten Jahren vermehrt den Weg nach Europa gefunden. Tal der Wölfe sollte nicht als der Überfilm gesehen werden. Ich glaube es fing damals bei Eskiya (Der Bandit) an, das ich mich für deren filme interessiert habe. Die Art geschichten zu erzählen sind nunmal anders als bei uns. Sie verkaufen neuer dings auch serien konzepte und Drehbücher ins Ausland. Auch hier macht sie das bemerkbar durch Leute wie Fatih Akin die natürlich auch eine ähnliche art der Erzählung pflegen wie die Filme aus der Türkei. In Deutschland liegt das Problem darin das wir oft Kopien ins Kino bringen von US filmen. Außerdem ist die Filmförderung zu einem Geschäftverkommen in der das Wort Förderung fehl am platz ist. Man investiert lieber in US/Boll filme die zwar kurzzeitig Geld einbringen aber die Filmbranche hemmen. Auch Filme wie das Leben der anderen oder DBMK waren jetzt nicht großartige Filme. Es gibt halt einfach nichts anderes. Ich dachte eigentlich mit Lola rennt damals würde es wieder Bergauf gehen aber wie sind zu einem DDR-Movie Land geworden….