11
Aug 2007

Bück dich, Flash, das Fernsehen ist da!

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

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Es gibt Träume, die besser nicht wahr werden sollten. Seit Jahren habe ich darauf gehofft, dass mal wieder jemand die knackige Weltraumabenteuer-Saga "Flash Gordon" aufbereitet. Kein pseudophilosophischer Unsinn wie in den neuen Star Wars-Filmen, keine ikonenlastige Athritis wie Star Trek, und schon gar keine Dauerdepression wie "Battlestar Galactica". Einfach knallbunter Spass mit bösen Bösewichtern, vielen Feuergefechten, und Raketen, die rückwärts fliegen können.

Und nun hat der amerikanische SciFi-Channel eine neue "Flash Gordon"-Serie produziert:

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Ich würde gerne sagen: Mir fehlen die Worte. Aber das wäre gelogen.

Scheiße. Dreck. Müll. Kacke. Langweilig. Dumm. Schlecht. Widerlich. Armselig. Ekelhaft. Amateurhaft. Lachhaft. Grauenhaft. Übel. Fade. Kastriert. Unkomisch. Grau.

Und doch – damit treffe ich immer noch nicht den Kern, es fehlt das Verständnis, genau wie schlecht "Flash Gordon" ist.

Fangen wir mal kurz bei der Story an, denn da diese nichts mit der Vorlage (oder den bisherigen Verfilmungen) zu tun hat, muss man sie tatsächlich erklären: Stephen "Flash" Gordon ist ein erfolgreicher Marathon-Läufer, der noch bei seiner Mama lebt. Von seiner Freundin, der Fernsehreporterin Dale, hat er sich getrennt – sie ist nun mit einem Cop verlobt. Flash vermißt immer noch seinen Vater, der vor Jahren angeblich bei einem Laborbrand umkam. Eines Tages tun sich an diversen Orten kleine Risse im Raum/Zeit-Gefüge auf, durch die außerirdische Sonden und Roboter auf die Erde kommen. Alle suchen das "Imex", was auch immer das sein mag. Flash und Dale stolpern durch ein solches Dimensionstor, und landen auf dem Planeten Mongo, wo der mürrische Ming herrscht (in dem er das Wasser für die verschiedenen Kantone rationiert). Flash und Dale gelingt die Flucht zurück zur Erde, und dabei nehmen sie eine Mongo-Bewohnerin mit, die sich als Mings Tochter Aura entpuppt. Ebenfalls auf der Erde landet so eine Art Kopfgeldjägerin des Imperators, die Aura zurückholen soll..

Okay, scheißer kann die Story eines Pilotfilms wohl nicht klingen. Kein Weltraum, keine Raketen, keine Lasergefechte, keine Falkenmänner, kein gar nix – bis auf ein paar Figurennamen hat die Serie NICHTS mit der Vorlage gemeinsam.

Wie entsetzlich banal und freudlos die Neuauflage ist, läßt sich schon prima an der Besetzung ablesen, insbesondere im Vergleich um glorreich durchgeknallten Film von 1980.

Flash, wenn ich Sie mit Flash bekannt machen dürfte?

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Wir präsentieren: Ming den Gnadenlosen und Tochter Aura:

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Und hier kommt Ming, der Angestellte im mittleren nicht- technischen Postdienst, samt Tochter, 9live-Moderatorin Aura:

mingauraneu.jpg

Auch Mongo hat beim Sprung auf den kleinen Bildschirm schwer gelitten: Zwei halbwegs nette digitale Matte Painting, dazu noch zwei dunkle Gänge, drei dunkle Räume, und ein paar Bahnen Stoffe an der Wand. Imperien habe ich mir anders vorgestellt. Ein Freund bezeichnete die Sets korrekterweise als "irgendwo zwischen 'Babylon 5' und dem 'Glücksrad'".

Banale Figuren, die banale Dialoge daher plappern, und sich meistenteils mehr über ihre Ex-Freunde und verstorbenen Verwandten sorgen als um das Schicksal der Erde – "Flash Gordon" ist das GEGENTEIL dessen, was es sein sollte. Die Serie stinkt nach kanadischer Billigproduktion, als hätte sich das Genre seit "Time Trax" und "Krieg der Welten: Die Serie" keinen Schritt weiterentwickelt. Als hätte es "Farscape" nie gegeben. Oder "Kampfstern Galactica". Oder wenigstens "Mission: Erde".

Für den Mangel an Vision und Spielfreude darf man neben dem mangelnden Budget vermutlich Peter Hume danken, der vorher schon so Perlen wie "Charmed" und "Relic Hunter" produziert hat (zu beiden Serien habe ich Bücher geschrieben, hoffentlich bleibt mir das hier erspart). Diese Shows hatten wenigstens sympa- thische Darsteller, und pissten nicht auf eine legendäre Vorlage.

Leider ist "Flash Gordon" weit mehr als eine billige, schlechte TV-Serie, die es hier vermutlich allenfalls in den Samstag- Nachmittag auf ProSieben schafft (wenn überhaupt). "Flash Gordon" ist ein weiteres Indiz für den qualitativen Bankrott des Sci Fi-Channels.

"Farscape" abgesetzt, "Battlestar Galactica" abgesetzt, "Stargate SG-1" abgesetzt – aber dafür Shows wie "Painkiller Jane" und eben "Flash Gordon" ins Programm gehoben. In nur zwei Jahren hat der Sender die TV-SF um 20 Jahre zurückgeworfen. Zu diesem Masterplan (denn so konsequent, wie Sci Fi das macht, kann es eigentlich kein Zufall sein) gehören auch die strunzdummen, schlecht gemachten, und immer gleichen Monsterfilme, die der Sender im Dutzendpack für den Samstag Abend produzieren läßt. Und ja, eine Wrestling-Show hat Sci Fi mit "ECW" mittlerweile auch.

Science Fiction für Dosenbier-Trinker und Allesgucker – der Sci Fi-Channel zieht sich eine eigene Zielgruppe heran. Jeder Versuch, etwas mehr Tiefe oder Reflektion zu produzieren, wird nicht nur ignoriert, sondern aktiv bekämpft. Qualität ist ein Risiko, Fließband ein Bonus.

"Flash Gordon" ist als Produkt schlecht – und als Stellvertreter des neuen Kurses des Sci Fi-Channels eine Katastrophe.

Und kann ich bitte ein Moratorium auf Dimensionstore bekommen? Es wird langsam lächerlich.



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Joe
Joe
11. August, 2007 18:25

Tja, da hier der kompetente Autor von "Das Babylon 5 – Universum" (jenes Buch habe ich seinerzeit "verschlungen") spricht, erübrigt sich wohl jede Hoffnung, die Sache könnte schlimmer aussehen als sie ist.
Schade. Ich wähnte dieFernseh-SF seit Battlestar Galactica auf guten innovativen Wegen.

Perry
Perry
11. August, 2007 18:48

Hm, ich dachte LOST CITY RAIDERS sollte auch für den Sci-Fi-Channel entstehen?! Wird der dann die Trendwende bringen?

Wortvogel
Wortvogel
11. August, 2007 18:51

Schwer zu sagen – zumal ein einzelner Film kaum eine Trendwende bringen kann. Das wäre dann eher das blinde Huhn mit dem Korn.

Tornhill
11. August, 2007 19:37

Oh NEEEEEEEE ! ! !

Verdammt, dabei hatte ich wirklich große Hoffnungen in die Serie gesetzt…Als ich letztens irgendwie im Netz ein kurzes Featurette über die Serie sah, versuchte ich mir einzureden, ich habe etwas falsch verstanden und jene fade Gestalt sei gar nicht Ming, aber…Angestellter im mittleren nicht- technischen Postdienst…das trifft es schmerzlich genau!
Wissen die denn nicht, dass "Flash Gordon" nun einmal eine schräge, höchst unseriöse Sache ist, an die man nur mit überbreitem Grinsen und ungezügelter Spielfreude herangehen sollte?
Ach Menno…

Und dann haben sie auch noch "Battlestar Galactica" abgesetzt? Wusste ich noch gar nicht…welch elende Lumpen.

Wortvogel
Wortvogel
11. August, 2007 19:42

Bei "Galactica" ist nach der nächsten Staffel Schluß.

Man muss sich auch mal vorstellen, wie identitätslos die Produktion von "Flash Gordon" ist, wenn man sich die Kostüme und die Sets problemlos mit einer anderen Serie teilen kann (Titel ist mir gerade entfallen, läuft aber noch nicht).

Flash ist eine Flasche, und Abenteuer gibt’s in dieser Serie auch nicht – was soll’s also?

spa
11. August, 2007 20:23

Die einzig wahre Flash Gordon Verfilmung stellt wohl "Flesh Gordon" dar. Eine wahre Perle. Und sehr liebevoll umgesetzt. Mit tollen Darstellern, einer tollen Geschichte… und Vogelmenschen.

Ansonsten war aber auch der "normale" Flash lustig. Schade, dass daraus so ein "aktueller" und unkreativer Flash wurde. Warum muss sowas immer in bierernstem Müll enden? Warum nicht mal wieder schön überzeichnete Fratzen? Wo die Guten gut aussehen und die Bösen böse gucken und nen bösen Haarschnitt haben?

Naja. Schade drum. Kann man wohl getrost vergessen, diese "Neuauflage".

comicfreak
comicfreak
12. August, 2007 09:04

..Painkiller Jane? Ich liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiebe Painkiller Jane! Die Comics.

Von der Serie wusste ich bisher nix (selektive Blindheit).

Bitte sag, dass sie nicht sooo schlecht ist, wie ich mir das jetzt denke..

*zitter*

Tornhill
12. August, 2007 14:36

@Comicfreak:

Zumindest die ersten Bilder bei der IMDB sehen ja schon mal nicht sehr ermutigend aus:

http://www.imdb.com/title/tt0866432/

– Die übliche schwarze Leder-Standartcoolness. Von bunten Farben und Verbänden an der Heldin keine Spur.

lindwurm
12. August, 2007 14:45

Und alles nur, weil die Mongos das IMAX nicht finden…

comicfreak
comicfreak
12. August, 2007 16:01

*Bilder_betracht_und_bitterlich_wein*

Sax Rohmer
Sax Rohmer
12. August, 2007 17:12

Hey, ich hab heute morgen (zu grauenhaft nachtschlafender Zeit) das Finale von Lotta gesehen. Wie wär’s mal mit einer Nachklappe zur Serie, Highlights, Siege und Niederlagen, etc.

Wortvogel
Wortvogel
12. August, 2007 17:22

@ Sax: Gedankenleser – ich habe gerade 33 Manuskriptseiten zu dem Thema geschrieben. Gehen als Fortsetzungsgeschichte ab heute online…

Perry
Perry
12. August, 2007 22:55

Ich wollte mich mal mehr über LOST CITY RAIDERS schlau machen und bin dabei über dieses Interview mit Brent Friedman gestoßen: http://www.comicon.com/cgi-bin/ultimatebb.cgi?ubb=get_topic;f=36;t=005945

Ganz am Schluss spricht er von LOST CITY RAIDERS. Schreibt der jetzt wirklich mit. und wird das echt ne Fernsehserie?

Wortvogel
Wortvogel
12. August, 2007 23:02

Brent hat das Skript übernommen, weil ich mich nach fünf Jahren und sechs Fassungen einfach ausgepumpt fühle. Ich habe meine vertraglichen Verpflichtungen erfüllt, mein Name wird im Vorspann stehen – den Rest machen jetzt andere. Ich hatte Brent selber vorgeschlagen, weil ich ihn für einen exzellenten und völlig unterbewerteten Genreautor halte. Außerdem ist er ein cooler Typ. Bisher war von einer TV-Serie allerdings nie die Rede (ich denke, Brent will sich da ein Hintertürchen offen lassen).

Perry
Perry
12. August, 2007 23:19

Ist ja interessant. Dann ist das Drehbuch in der ersten Variante ja noch vor Sumuru entstanden, oder? Ermüdung, Erschmüdung. Schenkt man da nicht Geld ab oder gibt’s nicht pro Fassung Piepen?

Is übrigens sehr interessant, mal mit einem echten Autoren zu kommunizieren.

Wortvogel
Wortvogel
12. August, 2007 23:24

Im Vertrag ist eine Summe festgelegt, und auch, wieviele Fassungen man dafür machen muss. Ich bin wahrlich über die vereinbarte Menge hinausgegangen, und irgendwann kann man da auch nicht mehr. Ich bekomme allerdings nochmal Geld, wenn der Film tatsächlich in Produktion geht.

Das Skript für "Sumuru" ist deutlich älter (danach kam noch "Post Impact"). "Lost City Raiders" hatte ich zeitweise komplett aus den Augen verloren (es hat in Deutschland zwischenzeitlich auch den Sender gewechselt). Mehr kann ich dazu aus vertraglichen Gründen leider nicht sagen.

Perry
Perry
12. August, 2007 23:35

Über Geld spricht man ja normalerweise nicht, aber scheiß drauf. Wie muss man sich das denn vorstellen? Man wird zur Hälfe bei Vertragsabschluss und zur Hälfte bei Ausstrahlung bezahlt oder wie? Und gibt’s da Unterschiede zwischen US-Markt und deutschem Markt. Muss ja doch recht schwer sein, für US-Produktionen Skripte zu schreiben.

Wortvogel
Wortvogel
12. August, 2007 23:42

Das führt jetzt thematisch ein bißchen arg weit weg – vielleicht mache ich in ein paar Wochen mal einen eigenen Eintrag zu dem Thema. Grundsätzlich: Man bekommt einen soliden Teil des Honorars für die Arbeit, und einen Bonus bei Drehstart (oder Ausstrahlung, das variiert).

Bei den Öffentlich-Rechtlichen ist es manchmal noch etwas anders – da fällt zwar der Drehbonus (der einem "total buyout" entspricht) weg, dafür bekommt man bei jeder Wiederholung erneut das Honorar gezahlt, was sich in der Regel rechnet.

Ansonsten bitte ich auch darum, mir eine gewisse Diskretion zu zu gestehen, was Geschäftliches angeht…

Perry
Perry
12. August, 2007 23:46

Danke für die Offenheit. Und klar verstehe ich, dass man da auch diskret sein muss. Freue mich schon, wenn du in einem deiner künftigen Blogs mal über das Thema sprichst.

Peroy
Peroy
13. August, 2007 20:43

"Brent hat das Skript übernommen, weil ich mich nach fünf Jahren und sechs Fassungen einfach ausgepumpt fühle. Ich habe meine vertraglichen Verpflichtungen erfüllt, mein Name wird im Vorspann stehen – den Rest machen jetzt andere. Ich hatte Brent selber vorgeschlagen, weil ich ihn für einen exzellenten und völlig unterbewerteten Genreautor halte. Außerdem ist er ein cooler Typ."

Wahhhh, du kennst sie alle ! Sogar den Autor von "Syngenor"… !!! *durchdrehsmiley*

Wortvogel
Wortvogel
13. August, 2007 20:46

Und von "Pet Shop". Und "Mortal Combat". Und "Prehysteria". Und vor allem – "Dark Skies"!!!

Jau, der Dewi hatte sie alle….

Peroy
Peroy
13. August, 2007 21:04

Scheiss' auf "Dark Skies" !

"SYNGENOR", MANN !!!

Wortvogel
Wortvogel
13. August, 2007 21:08

Meister, ich habe Syngenor gesehen, als der auf Video rauskam – so scheiße alt bin ich schon. Verdammt nochmal, ich habe Halloween gesehen, als er auf Video rauskam. Das ist Geschichte. Lange her. Geht mein Blutdruck nicht mehr wegen hoch. Komm du erstmal in mein Alter…

Peroy
Peroy
13. August, 2007 21:42

"Meister, ich habe Syngenor gesehen, als der auf Video rauskam – so scheiße alt bin ich schon."

Und ich hab' das Poster im Schaufenster gesehen… das war besser als der Film… 8)

Hendy
17. August, 2007 21:24

"Dark Skies" hat gerockt, aber hatte ja wie viele gute Serien nur eine Staffel.

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[…] Ausgenommen habe ich von diesem Beitrag “Flash Gordon” – weil ich die Serie anderweitig bereits in Grund und Boden getreten […]

Name
Name
21. September, 2009 21:59

Du bist einfach ein unflexibler jugendromatischer verknöcherter konservativer Hohlkopf, der hier abkotzt ohne dass seine Kritik an all den Serien irgendwie fundiert wäre. Lass das schreiben, auch im Internet!

PabloD
PabloD
21. September, 2009 22:36

Immerhin scheint die Allianz Google+Wortvogel einigermaßen zu funktionieren.

Dietmar
Dietmar
21. September, 2009 23:18

@Name: Du bist einfach ein wendehalsiger, altbarocker, osteoporotischer, pseudo-revolutionärer Knallkopf, der nichts auf die Reihe kriegt, als in einem Blog zu versuchen, jemanden, der etwas auf die Reihe kriegt, ans Bein zu pinkeln, ohne dass das gehässige Geschreibsel irgendeinen Informationswert hätte. Lass das Pöseln, verpiss Dich, und quake Leute in der Kneipe so an. Dann kriegst Du, was Du verdienst: Was auf´s Maul.

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[…] “Akte X” als auf die Zielgruppe von “Star Trek”. Billiger Schund wie “Flash Gordon“, “The Phantom” und “Painkiller Jane” trug dazu bei, das eigentlich […]