Wo ich wohn, da wird viel gedreht. Nicht am Rad, nicht an der Uhr – die Leut‘ vom Film, die schaffen in meinem Viertel fleißig. Früher mal (so spricht der Nachbar) für „Dr. Stefan Frank“, in den 80ern gar für den „Pumuckl“. Noch 2006 kurbelte Rat Pack fleißig Außenszenen meiner Telenovela vor meiner Haustür, und Anfang diesen Jahres drehte Nissan einen neuen Werbespot.

Was macht meine Gegend so sexy? Ich vermute einen prosaischen Hintergrund – über die Landstraße ist es keine zehn Minuten zum Bavaria-Filmgelände. Da muss das Equipment nicht so weit rumgekarrt werden. Und viel los ist in diesen Straßen auch nicht, da kann man prima sperren.

Anfang letzter Woche lag mal wieder ein Zettel im Kasten:

film0.jpg

Friedrich Ani kenn‘ ich – wir wohnen unter der gleichen Postleitzahl. Ich habe ihm eine Email geschrieben, und er antwortete, dass er dieser Tage selber schon einen kleinen Statistenauftritt in der Produktion hatte.

Freitag war es also dann soweit:

film1.JPG

Hier sieht man schön das Zelt, unter dem der Regisseur hockt. Und wie man es sich so vorstellt: Von 12 Stunden stand das Team 11 1/2 dumm rum. Beschäftigt waren allein die Hiwis, die mit Funkgeräten die Gegend abriegelten, und freundlich versuchten, Fußgänger umzuleiten (gar nicht so einfach, denn es gibt ja keine rechtliche Handhabe).

film2.JPG

Im schön renovierten Haus meines Nachbarn (Vordergrund) wurde dann auch gedreht, soweit ich das erkennen konnte. Übrigens führt die Einfahrt neben dem roten Werbeplakat direkt zur Werkstatt vom „Meister Eder“, auf die ich aus meinem Dachfenster spucken kann.

Wegen einiger Regengüsse zogen sich die Dreharbeiten tatsächlich bis in die Nacht:

film3.jpg
Kamerakran, fette Beleuchtung – die Profis hatten alles dabei. Als ich von einer Einkaufstour zurück kam, bat man mich höflich, ich möge meinen Roller doch wieder exakt so hinstellen, wie er schon diverse Male im Bild gewesen war. Schon klar – ICH racker mich seit Jahren ab, und ER kommt ins Fernsehen!

Natürlich war da der Reiz, mich im Feinripp-Unterhemd aus meinem Fenster zu lehnen, und jedes „bitte!“ des Regisseurs mit einem krakeelten „Was machen Sie’n da? Ist das angemeldet?“ zu beantworten. Dann dachte ich daran, dass ich sowas bei meinen eigenen Filmen auch nicht doll fände, und hab’s gelassen.

Gucken werde ich den Film natürlich – schon wegen des Rollers…



avatar
12 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
7 Comment authors
Fundstücke, Diverses, Vermischtes | Wortvogel – 100 % Torsten DewicomicfreakTorstenStephanSkee Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Julian

Das beste ist der Punkt, daß die Leute 11 1/2 von 12 Stunden tatenlos rumstehen! Ich hab früher viel als Produktionsassistent gearbeitet, weil ich auf die HFF wollte – natürlich alles unbezahlt – und daher ist mir das mehr als bekannt… 🙂 Ist unterm Strich ein unbefriedigender Job, finde ich.

mad

Ist auch in der Schweiz alles andere als einfach, mit Filmjobs Geld zu verdienen. 90 Prozent der Jobs sind (ausser Spesen) unbezahlt und es gibt wohl nicht wenige, die sich mit den Entschädigungen für Essen und Unterkunft durch magere Zeiten kämpfen.

Trotzdem ists eine faszinierende Welt und es gab bisher in meinem kurzen Leben noch nicht viel, was mich mit Leuten derart verschweisst hat wie eine zweiwöchige Drehzeit bei Wind, Wetter und Widrigkeiten (oder ein schleppende Postproduction mit blankliegenden Nerven). 🙂

Julian

Die Grenzgänge, die man teilweilse bei Filmdrehs erlebt (wer föhnt sonst schon ein Stück Sommerrodelbahn mitten in der Nacht trocken oder bewacht einen Generator für Stunden und Stunden, ganz allein und mitten im Nirgendwo, während die Gegend total unwirklich beleuchtet ist?), dürften nur wenigen anderen Erfahrungen gleichkommen, da hast Du recht.

Aber sich von egozentrischen Regisseuren, Produzenten, Produktions- und Aufnahmeleitern tagaus, tagein anbrüllen lassen zu müssen, ständig passiv zu rauchen oder zu den abgefahrendesten Uhrzeiten Kaffee oder (bzw. und) Alkoholika zu sich zu nehmen, nicht mal mehr zum Wäschewaschen oder zum Einkaufen (damals war um 18:30 Ladenschluß) zu kommen oder nachts rausgeklinigelt zu werden, weil sich irgendeine windige Kleinigkeit in der Dispo geändert hat und man deshalb vorsichtshalber alle Crewmitglieder vier Stunden früher abzuholen hätte (was natürlich nichts brachte), das ergibt meiner Meinung nach mehr Last als Lohn für die Arbeit beim Film.

Ich hab auch mal bei Das Werk gearbeitet, in der digitalen Retusche (Scanning & Recording), das war schon ein tolles Praktikum mit viel Verantwortung und einem prima Team, gar keine Frage. Doch daß dabei immer nur aufgedrehte Regisseure auf den letzten Metern ihrer Produktion vor Ort waren und mit glänzenden Augen irgendwie erwarteten, daß man ausgerechnet ihrem Projekt jegliche Freizeit zu opfern hatte, und daß das sich dann natürlich bei jeder anderen Produktion wieder genauso abspielt, das fand ich dann doch zuviel des Guten. Ich will ja mein eigenes Rentenalter noch erleben!

mad

Hm ja, das kann ich nachvollziehen. Mein Glück war dann wohl, dass ich bis jetzt mehrheitlich (mit ein, zwei bitteren Ausnahmen) an Film- oder Fernsehproduktionen beteiligt war, in denen auch ein Teil meines Herzblutes steckte.

Da verkraftet man dann auch leichter Tobsuchtsanfälle von Produzenten oder völlig betrunkene Schauspieler 🙂

Ach so, Julian, ich les bei dir drüben auch mal ein wenig mit, wenns recht ist.

Julian

Ja klar, immer gern!

Schaps

Haha! Nicht schlecht, nicht schlecht!

Skee
Skee

Wäre es möglich, zu erfahren, wo genau die Strasse ist?
Ich hab mir schon sooo oft gedacht, ich würde gerne mal die originale Meister-Eder-Werkstatt angucken^^

Also, über Infos wäre ich sehr dankbar

Grüße aus Giesing nach Giesing 😉

Stephan
Stephan

Und ich dachte, der Pumuckl wäre im Lehel gedreht worden und das Haus mit der Eder-Werkstatt schon vor einer ganzen Weile abgerissen worden? Welche Teile der Serie sind denn in Obergiesing gedreht worden?

comicfreak
comicfreak

..bin ich froh, dass meine (lang zurückliegenden) schlecht bezahlten Drehtage als Statist 17 für den SüdWestFunk waren; durch das knappe Budget kam dort alles schnell auf den Punkt, und fertig!

:o)

trackback

[…] meiner Leser wissen, dass in Obergiesing vor meinem Haus relativ oft gedreht wird. Neulich wurde ein Beitrag für “Gallileo” über klassische Motorroller aus den […]