8
September 2009

FFF 2009: District 9

districtposterUSA Neuseeland 2009. Regie: Neill Blomkamp. Darsteller: Sharlto Copley, Jason Cope, Nathalie Boltt, Sylvaine Strike u.a.

Story: Anfang der 80er Jahre erscheint ein riesiges Raumschiff über Johannesburg. Die 1 Million Aliens an Bord sind verstört, siech, und ängstlich. Sie werden in ein Lager verbracht, aus dem sich schließlich das Ghetto “District 9″ entwickelt. Als nach über 20 Jahren die Kontrolle über D9 immer schwieriger wird, und die Geduld der Menschen mit den “Garnelen” nachlässt, will man die Aliens in ein neues Lager umsiedeln, weit weg von der irdischen Bevölkerung. Der kleine Beamte Wikus soll die Aktion leiten – ein geschickter Schachzug, um am Ende einen Sündenbock für die brutale und inhumane Vorgehensweise zu haben. Doch Mikus infiziert sich mit einer Biochemikalie außerirdischen Ursprungs, und macht eine erstaunliche Wandlung durch, nicht nur körperlich…

Kritik: Manchmal ist es schwer, einen Film anzuschauen, ohne sich von den vorab verbreiteten Informationen beeinflussen zu lassen. Als ich für diesen Film im Kino saß, wusste ich natürlich, dass er in Amerika schwer abgeräumt hatte, und dass er von der Kritik in den Himmel gelobt wurde (80 Prozent bei Metacritic sind kein Klacks). Die Erwartungen waren entsprechend hoch.

Andererseits: mein Kumpel Doc Acula von Badmovies hatte sich gerade eher zurückhaltend zum Film geäußert, und Florian Breitsameter von SF-Film.de auch. Das sind zwei Stimmen, die für mich durchaus Gewicht haben.

Wenigstens war es mir gelungen, Trailer und Inhaltsangaben weitestgehend zu meiden – was Story und Stil angeht, war ich also eher unbeleckt.

Trotzdem: Hype nervt, und deshalb hatte “District 9″ zuerst einmal Überzeugungsarbeit zu leisten.

Er leistete. Und wie er leistete.

district

“District 9″ nimmt das exakte Grundkonzept von “Alien Nation” (was als Krimi konzipiert wurde), und erfindet es als Rassendrama im knallharten Doku-Stil neu – angereichert mit spektakulären Effekten und einem Gefühl für Action, das ich seit langem nicht mehr gesehen habe. Seit dem ersten “Matrix” habe ich keinen Film mehr gesehen, der so souverän und innovativ neue Wege für die Inszenierung von Action aufzeigt. In der eleganten Beiläufigkeit, in der “District 9″ seine Science Fiction-Elemente (Raumschiffe, Waffen, Aliens) in das visuelle Gesamtbild einfügt, wie er Effekte eben nicht aufmerksamkeitsheischend in den Fokus bringt, sondern als selbstverständlich hin nimmt, begeistert er vielleicht nicht die Technik-Nerds – aber er macht den SF-Film schlagartig erwachsen. Ich habe diese Technik bisher nur in sehr rudimentären Ansätzen in “The Host” gesehen.

Neill Blomkamps Beherrschung nicht nur der Technik, sondern auch der Narrative ist geradezu erschütternd offensichtlich – hier ist ein Nachwuchsregisseur, der nichts mehr lernen braucht, dem niemand mehr etwas beibringen muss. Seine Erzählsprache ist voll ausgeformt, reif, und dynamisch. Wenn er am Schluss in beinharte Action geht, dann zeigt er nicht nur, wie man mit viel weniger Geld großflächig Radau macht – er zeigt auch beinahe schulterzuckend, was für ein Stümper Michael Bay ist. Wer nach “District 9″ behauptet, für einen Film wie “Transformers 2″ müssten 200 Millionen Dollar verpulvert werden, der ist von Hollywood verseucht. Zumal Blomkamps Roboter-Action deutlich packender inszeniert ist. Es geht anders, es geht besser, es geht billiger.

Trotzdem war “Moon” für mich der bessere Film des Festivals.

Warum? “District 9″ ist ein über weite Strecken nihilistischer und depressiver Film, der von Menschen wie Aliens nur die hässlichen Seiten zeigt. Es ist kein Science Fiction-Film, der Spass macht – im Gegenteil: er macht den Sense of Wonder, der uns als Kinder für die SF begeisterte, mit dem Holzhammer zunichte. Die Aliens sind eben nicht weise und freundlich, wir Menschen begegnen ihnen nicht mit Respekt und Neugier.

Auch Wikus und das Alien Christopher sind egoistisch, skrupellos, und geradezu hysterisch auf den eigenen Vorteil bedacht. Für meinen Geschmack dauert es einfach viel zu lange, bis endlich mal wenigstens die Möglichkeit in Betracht gezogen wird, dass nicht alle Menschen rassistische und blutrünstige Drecksäue sind.

Kurzum: Das Welt- und Menschenbild von “District 9″ stößt mir auf. Vielleicht, weil ich von Filmen mehr “spirit” erwarte. Vielleicht, weil ich naiv bin. Aber ich möchte an das Gute im Menschen glauben. Und dieser Film lässt mich da sehr lange zappeln. Man kommt nicht gerade mit Knallerlaune aus dem Kino…

Die paar Logikfehler und Unstimmigkeiten, die sich in die Story geschlichen haben, verzeihe ich aber locker – die werden in der großartigen Action ertränkt, dass man gar nicht zum Nachdenken kommt.

So ist “District 9″ sicher einer der besten Science Fiction-Filme der letzten Jahre – und wegweisend. Wir sehen hier die Geburt eines neuen Star-Regisseurs, das kann man jetzt schon sagen. Aber es ist auch ein harter Brocken, und nicht gerade Fun für die ganze Familie.

Ab ins Kino – ab Freitag will ich eure Meinung dazu hören!

YouTube Preview Image

Wortvogels pantomimisches Urteil:

attack

Trackback-URL 58 Kommentare
  1. 1
    Dietmar

    Das sieht ja super aus!

  2. 2
    Lari

    SPOILER voraus…

    Ob man nun D9 oder dem ebenfalls grandiosen Moon den Vorzug gibt, ist Geschmacksache, aber ich hatte nicht den Eindruck, begrimmt und hoffnungslos aus dem Kino gefegt zu werden, im Gegenteil.
    In District 9 ist die Welt schlecht und die Menschheit scheiße, aber umso mitreißender und erlösender ist dann Wikus’ Opfergang – die Menschen können sich ändern, die Welt lässt sich ändern. Dass am Ende beileibe nicht alles gut ist – nun ja, was Anderes hätte ich dem Film auch nicht abgenommen.
    Die Verbindung zu Matrix hatte ich auch gezogen. Matrix ist 1999 hinsichtlich der verhandelten Diskurse – Virtualität, Realitätskonstruktion – genau am Puls der Zeit gewesen und hat schon bekannte Elemente zu einem völlig neuen Look zusammengesetzt. Genau das trifft auch auf D9 zu, der als Themen den vielbeschworenen Culture Clash und die Gefahren eines inhumanen Kapitalismus anreißt und die in den letzten Jahren verschwommene Grenze zwischen Doku und Fiktion nutzt, um optisch etwas Neues zu machen, sprich: der Film ist das Archetypischste, was diese Dekade an SciFi hervorgebracht hat. Man kann sicher darüber streiten, ob District 9 der beste Science Fiction des Jahrzehnts ist, der Science Fiction des Jahrzehnts ist er allerdings mit Sicherheit.

  3. 3

    Interessant übrigens, dass der US-Trailer (zu sehen z.B. hier: http://www.metacritic.com/film/titles/district9 ) den Zuschauer bewusst zuerst auf eine falsche Fährte lockt: Es beginnt wie eine Doku über Flüchtlingsprobleme. Erst nach 50 Sekunden wird aufgelöst, dass es hier nicht um Ghettoisierung von Menschen sondern von Aliens geht.

    Der deutsche Verleih hingegen wollte den Zuschauern wohl keine so lange Zeit mit ungelösten Fragen zumuten und präsentiert als allererstes die Raumschiffbilder, um gleich klarzustellen, in welchem Genre wir uns bewegen.

    Halten die Filmverleiher die Leute hierzulande schon genauso sehr für dumm, wie es die TV-Verantwortlichen tun?

  4. 4
    Lari

    Na ja… Fällt Dir auch nur EIN Film aus den letzten Jahren ein, bei dem der deutsche Verleih nicht entweder einen neuen Titel gewählt oder einen Untertitel hinzugefügt hat, aus dem unzweifelhaft das Genre hervorgeht?

  5. 5
    Dietmar

    Besonders schön ist immer, wenn englische Titel durch ebenfalls englische ersetzt werden, wie etwa ,,Taken” zu ,,96 Hours” wird. Vollkommen ohne Informationswert.

  6. 6
    juegos como ogame

    nice film i love it

  7. 7
    GrinsiKleinPo

    Werde wohl ehr Moon den Vorzug geben, ja wenn er denn in Deutschland ins Kino kommen würde. Manchmal könnte man an den Verleihern verzweifeln.

    Was ich mich aber wirklich frage ist, gegen wen oder was will der Wortvogel da kämpfen? Oder soll es ein Hinweise darauf sein, den Film in der 4. Reihe zum mitkampfen anzuschauen? Egal. Möge dem Wortvogel die Ammo nie ausgehen und seine Reloadtime unter 0.1 sec liegen. :))

  8. 8
    Peroy

    “Kurzum: Das Welt- und Menschenbild von “District 9″ stößt mir auf. Vielleicht, weil ich von Filmen mehr “spirit” erwarte. Vielleicht, weil ich naiv bin. Aber ich möchte an das Gute im Menschen glauben. Und dieser Film lässt mich da sehr lange zappeln. Man kommt nicht gerade mit Knallerlaune aus dem Kino…”

    Aber dann einem Dreck wie “Shuttle” 8/10 geben…

  9. 9
    Wortvogel

    @ Peroy: Auf das mir aufgestoßene nihilistische Ende von “Shuttle” bin ich durchaus eingegangen, du August!

  10. 10
    GrinsiKleinPo

    @Wortvogel: Könntest du den Bogen zwischen Mr. Bay und Transformer 2 zu District 9 etwas genauer ausformen bzw. generalisieren? Mich würde schon etwas mehr interessieren worin der Unterschied zwischen beiden liegt. Was hat D9 denn gekostet? Beide scheinen ja auf die eine oder andere Art und Weise die selbe Thematik zu bearbeiten, oberflächlich betrachtet.

  11. 11
    reptile

    District 9 cirka 30 Millionen, Transformers 2 wohl um die 200.
    Ich bin wirklich horny auf den Film*sabber*

  12. 12
    Peroy

    “@ Peroy: Auf das mir aufgestoßene nihilistische Ende von “Shuttle” bin ich durchaus eingegangen, du August!”

    Abr du hast den Film trotzdem empfohlen… böser Dewi ! Böse !

  13. 13
    Wortvogel

    @ Peroy: Den hier empfehle ich ja auch – your point being?

  14. 14
    Michael

    Ich habe den Film während meines US-Urlaubs vor ein paar Wochen gesehen. Die Kritik trifft’s ziemlich gut!

    Als wir im Kino waren, fing drüben gerade das Semester an, und der Saal war rappelvoll mit Collegestudenten. Die Actionszenen wurden vom Publikum mit lautem Jubel aufgenommen. Allerdings hat sich die ungeduldige Jugend mit dem Doku-Stil des ersten Drittels etwas schwer getan.
    Insgesamt ein wirklich sehenswerter Film. Die düstere Grundhaltung hat meiner Meinung nach zu der schmuddeligen Umgebung, in der die Handlung spielt, prima gepasst.

  15. 15
    Just_Jack

    Von der innovativen Action hab ich schon an anderer Stelle gelesen. Sind die coolen Momente denn im Trailer verpulvert oder kommt da noch was?

  16. 16
    Wortvogel

    @ Jack: Nö, der Film hat noch tonnenweise mehr zu bieten. Und man muss auch mal fair sein: Der deutsche Trailer verrät erstaunlich wenig.

  17. 17
    Tornhill

    Puh, da bin ich erleichtert – das leider sehr stimmig und begründet klingende Genöle des Dottore hatte mich in meiner Gier auf den Film schon etwas wanken lassen, aber nun dürfte er erstmal neutralisiert sein.

  18. 18
    Heino

    Und wieder sind wir einer Meinung. Das wird langsam zum Trend:-))
    Wobei ich den Nihilismus angesichts der noch nicht sehr langen Aufhebung der Rassentrennung und den daraus resultierenden Problemen, die der Film ja letztlich wiederspiegelt, äußerst passend fand. Davon abgesehen mag ich Filme mit eher negativer Weltsicht. Happy-go-lucky-Streife gibt es eh genug.
    Und ich würde District 9 nicht mit Moon vergleichen, die bilden letztlich im SF-Genre absolute Gegenpole. Das wäre so, als wollte man Blade Runner an Terminator Salvation messen, da kann nichts rundes bei rauskommen.

    @Grinsi:schau dir den Film einfach an und vergleich ihn mit Transformers. In District 9 sind die Menschen/Aliens echte Charaktere mit wirklichen Problemen, in Transformers sind sie Klischees auf dem Niveau eines mageren Comics. District 9 hat die intelligentere Handlung, ist spannender, bewegender und hat mit lächerlich wenig Geld mindestens ebenso gute Effekte zu bieten, die nicht zum Selbstzweck verkommen. Bay sollte sich wirklich schämen.

  19. 19
    Lari

    @Tornhill: Mann, ich hab Dir gesagt, dass der grundgut ist, was soll also die Zweifelei?

  20. 20
    Thies

    Unbedingte Anschau-Empfehlung auch von mir. Beim FFF in Hamburg gab es zum Schluss sehr langen Applaus. Ich hatte zwar vorher schon auf vielen Film-Seiten die Werbe-Banner gesehen, aber zum Glück auch noch keine ausführliche Inhaltsangabe gelesen. So konnte ich den Film Spoiler-frei geniessen und wurde von den Wendungen vollkommen mitgerissen. Ich denke, der Regisseur hat noch eine glänzende Karriere vor sich – es sei denn er verbockt es mit “Disctrict 10″ (der bestimmt schon in den Startlöchern steht) ähnlich krass, wie Russel Mulcahy mit “Highlander 2″.

    P.S. Den Vorwurf des Rassismus gegenüber den mit Waffen und Drogen handelnden Nigerianern, den ich in einer Kritik gelesen hatte, ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Innerhalb des Films war mir derren Darstellung garnicht so sauer aufgestoßen; das erinnerte mich eher an die Jamaikaner aus “Marked for death”, die ihr Böse-sein auch noch dadurch unterstrichen, dass sie an Voodoo-Zauberei glauben. Und ein paar Cartoon-Schurken kann auch ein auch ansonsten differenziert entwickelter Film vertragen. Aber nachdenklich stimmt es im Nachhinein schon, dass ein Film der sich eigentlich die Bekämpfung von Ausgrenzung und Rassismus auf die Flaggen geschrieben hat in dieser Richtung nicht zu knapp austeilt. Vielleicht sollte man sie aber auch nur als einen Teil des von Torsten angesprochenen Nihilismus betrachten, der den Menschen allgemein nicht allzuviel positive Eigenschaften zuordnete.

  21. 21
    Tornhill

    @Lari:
    Na bislang hatte ich eine Pro-Stimme von dir und eine Contra-Stimme vom Doc zur Meisterwerks-These gehört, das war Gleichstand. Jetzt stets 2:1.

  22. 22

    So, gerade aus der ersten Vorstellung hier gekommen (~10 Leute, war aber auch 17:30). Bin echt froh, dass der dt. Kinostart nach dem internationalen Erfolg vorverlegt wurde – echt ein Knaller!

    Der Doku-Einstieg ist schon super und zeichnet nüchtern ein düsteres Bild. Die SFX sind super. Ich weiß nicht ob ich intelligente Aliens aus dem Kino kenne, die ähnlich exotisch UND glaubwürdig sind wie die “Shrimps”.
    Besonders gelungen finde ich die Vielzahl verschiedener Emotionen, die der Film weckt: Mal ziemlich niederschmetternd, dann wieder lustig bis makaber, sehr ernste Momente und gegen Ende echt absolute (nicht unblutige) Krawallaction genau wie man es sich als “Nerd” wünscht.

    Ich hoffe, es wird kein District 10 oder so geben (AKA Matrix-Schicksal), denn so steht der Film hervorragend für sich.

    PS: Bei den Nigerianern sehe ich es wie Thies. Und zwei, drei Logikbrüche gibt’s in der Tat, wobei ich einen aufs Budget schiebe. Stören tun die nicht wirklich, weil am Ende alles stimmt.

    PPS: Verliert der Film durch die dt. Synchro? Die Stimme des Hauptdarstellers fand ich zunächst gewöhnungsbedürftig, passt aber perfekt zur Entwicklung des Charakters.

  23. 23
    Just_Jack

    @Wortvogel, danke für die Auskunft. Hoffe, dass ich das Ding auch im Original sehen kann, da mir die Trailerstimmen im Dokuteil schon wieder so arg bekannt /deutsch vorkommen.
    Ist aber schon krass, was seit ID4 an Entwicklung abgegangen ist und ich hoffe, dass in Zukunft weniger Bays Fünftelmilliarden in den Hintern geblasen bekommen um Actionpornos zu drehen, denn es ist scheinbar möglich (und das beurteile ich anhand des Traiers) schöne Effekte (das Raumschiff via Helicopter gefilmt) zu zeigen und dafür “wenig” auszugeben.
    Naja, “2012” kommt ja auch noch…wieder so ein CGI angetriebener Müll.

  24. 24
    Nardon

    Ich fand den Film auch Klasse. Den Lobpreisungen möchte ich auch keine weitere hin zu fügen, aber bin ich der einzige der wärend dieses Films stellenweise an “Enemy Mine” denken musste?

  25. 25
    Dietmar

    (@Nardon: Ah, ,,Enemy mine”! Der hat mir gefallen.)

  26. 26
    Heino

    @HomiSite:ob der Film durch die Synchro verliert, kann ich leider noch nicht sagen. Aber der südafrikanische Akzent ist echt witzig und gut verständlich

  27. 27
    Dietmar

    Der Film ist klasse! Lange Zeit ist man interessierter Beobachter, weil Identifikations-Figuren fehlen. Vikus möchte man über die meiste Laufzeit eigentlich nur sagen, was für eine Pfeife er ist. Er ist eher die Karikatur eines Verwaltungsangestellten.

    Leider finde ich die Charakterzeichnungen auf deprimierende Weise realistisch. Selbst die Stellungnahmen seiner Eltern waren so erbärmlich ichbezogen, das es einem graust.

    Die Tricktechnik war super, die Choreographie der Kampfszenen und das Timing ausgezeichnet.

    Das Kino war kaum besucht, vielleicht so um 30 Besucher. Dies war schon bei dem letzten Star-Trek so; ,,Watchmen” lief gar nicht erst. Es gibt wohl kein Publikum hier auf dem platten Lande für die wirklich guten Sachen.

  28. 28
    Sir Richfield

    Weiß nicht, ob ich das Spoilerfrei schaffe, also grundsätzliche Warnung und so… bla

    Hatte mich auf den Film gefreut wie ein Schneekönig, versprachen doch die Infos, die man vor dem Film bekam endlich mal wieder einen “anderen” SF Film.

    Und einen anderen SF Film wir bekamen. Meiner Treu, ich dachte schon solche Filme werden nicht mehr gemacht. Filme in denen wirklich jede, aber auch jede Partei eine riesen Drecksau ist. Keine heile Welt Star Trek SF, sondern ein “was wäre wenn JETZT…” Die Erdbewohner sind deutlich die unmenschlicheren.

    Plotholes – und davon gibt es eine Menge – kann man getrost ignorieren. Wie der Doc wunderte auch mich über die Besetzung des Schiffes und das war nur der Anfang. (So scheinen die Aliens bei aller Verzweiflung wohl nie was von Beschaffungskriminalität gehört zu haben. Die Ausrede “keiner von denen kann mit dem Ding umgehen” zählt auch nicht, immerhin hat der Mensch das sehr schnell sehr effektiv gekonnt. Und Skrupel können auch nicht der Grund gewesen sein.)
    Aber dafür hat man ja seine suspension of disbelieve.

    Ich fand auch den stilistischen Bruch des Filmes nicht schlecht, von der mockumetary zum “normalen” Film zur Mockumentary zurück. Aber ich lese auch gern Ciaphas Cain Novels ;)

    Inhaltlich kann man über den Film viel diskutieren, aber das sollte man lassen, er bietet genug Raum für eigene Gedanken und das finde ich auch sehr gut so. Endlich mal wieder ein Film, der einem nicht alles vorkaut.

    Aktschun:
    Ich schließe mich an: GEH ZU HAUSE, MICHAEL BAY!!
    Wenn D-9 das Ergebnis von 30Mio Dollar ist – gebt Blomkamp 50 für ein wenig mehr polish und lasst ihn frei.
    Es krachte, es zischte, es war jedesmal nachvollziehbar und man wußte, was da gerade warum passiert. So muss das sein. Auch und gerade weil die Effekte so genial in das visuelle Konzept gepasst haben.
    Auch wenn es ca. eine Stunde gebraucht hat, bis die Aliens nicht mehr ganz so gerendert aussahen. Anfangs fiel das noch schwer, weil sie halt so fremd sind, dass man weiß, dass sie aus dem Rechner kömmen müssen. Interessanterweise ist das spätestens ab der Hälfte nicht mehr wichtig. Man hat sich an die Wesen gewöhnt und erkennt langsam Details, z.B. welche “Kleidung” sie tragen. Ich müßte ihn noch mal sehen, um zu erkennen, ob die Details später erst kamen oder ob sie mir erst später auffielen.
    – Das war zudem auch mal das süßeste rotzhäßliche alien, das ich bisher sah. ;)

    Am Schluss bleibt mir nur zu sagen:
    BLOß KEINEN ZWEITEN TEIL!!!!!!
    Ein zweiter Teil wird auf jeden Fall 100% alles kaputt machen, was District 9 aufgebaut hat.

  29. 29
    Heino

    @Sir Richfield:das haben die Leute auch bei “Aliens” gesagt und der ist heute ein Klassiker. Im Film wurden ja schon in einem Nebensatz 3 mögliche Szenarien in den Raum geworfen, die man in einem eventuellen zweiten Teil angehen könnte. Und ich finde, in den richtigen Händen kann das durchaus interessant werden.

  30. 30
    Dietmar

    Ich fand die Aliens hervorragend gemacht. Sie waren alle individuell verschieden und waren ausgezeichnet in das Umfeld eingepasst. Auch ihre Bewegungen wirkten auf mich nicht ,,gerechnet” sondern natürlich.

    Allerdings muss ich sagen, dass ich eher jemand bin, der einen Film zweimal sehen muss, um Mängel zu entdecken. Über Plotholes komme ich jedenfalls meistens gut gefedert hinweg. ;-)

  31. 31
    Dietmar

    Ach ja: Es lief unter anderem der Trailer zu ,,Avatar”. Ich bin gespannt! Es sah nämlich sehr, sehr schön aus.

  32. 32

    Avatar sieht in der Tat nach einer Menge Krawall aus (das beste am Trailer war aber die Musik), jedoch alles andere als realistisch! Eher wie ein CGI-Film…

    Im Rückblick hat D9 übrigens eine Menge mögliche Plotholes, aber der Film zerfällt deswegen nachträglich nicht (im Gegensatz zu bspw. Indy 4). Auch zwei andere Bekannte fanden D9 toll, zwei weitere jedoch – die generell wenig SF-affin sind, wurden nicht recht warm, eben weil er doch recht düster war und keine starke, vollends gute Identifikationsfigur bot (was den Film aber gerade interessant macht).

  33. 33
    Dietmar

    @HomiSite: Ich stimme fast vollkommen überein. Allerdings sah mir der ,,Avatar”-Trailer eher poetisch/romantisch aus; nicht realistisch und nach CGI, aber eben phantastisch. Das hat mir gefallen; eine komplett andere Phantasie-Welt.

    D9 ist düster und es gibt wirklich keine starke Identifikations-Figur. Während Emmerich seinen ,,Independence Day” mit Sympathieträgern zu fluten versucht, verweigert sich dieser Film an dieser Stelle und spielt seine Sozialkritik aus. Ich finde das großartig. Das Ergebnis in unserem Kino ist aber, dass der Film kaum anspricht. Wie das deutschlandweit sein wird, muss man wohl noch abwarten, und ich hoffe, da ist das anders.

  34. 34
    Peroy
  35. 35
    Heino

    @Peroy:dieser ADS-geschädigte Hysteriker hat da so manches falsch verstanden. Unter anderem sind die Aliens keinesfalls freiwillig zu Slum-Bewohnern geworden und es ist auch nicht die Regierung hinter dem Protagonisten her (die haben längst aufgegeben), sondern der eigene Arbeitgeber.

  36. 36
    Sir Richfield

    Heino, ohne dass ich mir den Chester A Bum Review jetzt angesehen habe, würde ich sagen, Du hast den nicht recht verstanden. *g*

    Aliens rettet sich dadurch, dass man eben nicht versucht hat Alien 2 zu machen, wenn Du verstehst, was ich meine. Es ist ein komplett anderer Film, mehr ein Actionspektakel als ein Thriller.
    (Der -jaja- komplett auf dem Ersten aufbaut, etc. pp. Aliens braucht auch Alien, damit dem Zuschauer schon vorher klar ist, wie im Arsch die Marines jetzt sind. Dennoch sind die Unterschiede so groß (und der Film an sich so gut) dass Aliens Alien nicht kaputt gemacht hat. Alien 3 hingegen….)

    D9 ist aber irgendwie schon alles. Und gerade weil es mehrere mögliche Szenarien gibt, sollte man es unterlassen, eines als “das richtige” darzustellen. Diese Offenheit mochte ich ja gerade an D9. Jeder male sich für sich selbst aus, was jetzt passiert.

    Ich sehe das eher so wie die Matrix. Der Film an sich war gut und das Ende relativ offen. Neo ist der Einäugige unter den Blinden und jeder überlege für sich, wie das ausgeht.
    Und dann kamen noch zwei Filme, deren Action nicht zu unterschätzen ist, aber die für die Matrix total unnötig waren und den ganzen Mythos nur kaputt gemacht haben.

  37. 37
    Dietmar

    @Sir Richfield: Die Kritik am Kritiker ist nicht der Vergleich zwischen den verschiedenen Filmen, sondern dass er den D9 missinterpretiert. Ich würde mal vermuten, das tut er bewusst, um seine Gags zu landen.

  38. 38
    Heino

    @Sir Richfield:ich fürchte eher, dass du mich missverstanden hast. Zunächst einmal sind Aliens und Alien 2 derselbe Film (der erste heisst nur Alien) und ich habe da nichts anderes gesagt als du. Und was District 9 angeht, habe ich überhaupt nichts überd en Ausgang oder Interpretationsmöglichkeiten gesagt, sondern konkrete Beispiele genannt, wo der Typ einfach Quatsch redet. Ob er das absichtlich macht oder nicht, sei dahin gestellt. Falsch ist es trotzdem.

  39. 39
    Sir Richfield

    Dietmar – eben dies vermute ich auch. Ich kenne That guy with the glasses, was ich durch die korrekte Schreibweise des “Bum” reviewers deutlich machen wollte. Gerade der Bum ist sehr “frei” in der Interpretation eines Filmes.

    Heino, ist mir bekannt. Lies den Satz noch mal in Ruhe: “Aliens rettet sich dadurch, dass man eben nicht versucht hat Alien 2 zu machen, wenn Du verstehst, was ich meine.”
    Alien ist Alien, Aliens ist Aliens. Aber Aliens ist nicht Alien 2, was nicht geklappt hätte.
    Ich weiß halt nur nicht, wie man was völlig anderes aus D9 machen soll, dass noch funktioniert. Naja, vielleicht noch einen Film nur auf der Shrimps Heimatwelt, bei dem Christopher versucht, eben keine Invasion starten zu lassen.

    Es gibt einen Unterschied zwischen falsch weil keine Ahnung und absichtlich falsch. Beim Bum gehe ich von absichtlich falsch aus, das war alles.

  40. 40
    Peroy

    Können wir uns nicht einfach darauf einigen, dass der Film scheisse ist und das war’s… ?

  41. 41
    Dietmar

    @Peroy: Nein, denn der Film ist gut.

  42. 42
    Dietmar

    @Sir Richfield: Verstehe.

    Ich kann mir eine Fortsetzung auch nicht gut vorstellen. Ähnlich wie bei ,,Planet der Affen”, für mich der Prototyp des Durch-Fortsetzungen-in-den-Sand-setzen-Syndroms, sollte man diesen Film für sich stehen lassen. Das ist eine atmosphärisch dichte Story und gut is´.

  43. 43
    Peroy

    “@Peroy: Nein, denn der Film ist gut.”

    Glaub ich nicht…

  44. 44
    Wortvogel

    @ Peroy: Guck ihn, oder halt die Schnauze.

  45. 45
    Heino

    @Sir Richfield:

    1) ich hielt das für einen Rechtschreibfehler

    2) Zitat:”Es gibt einen Unterschied zwischen falsch weil keine Ahnung und absichtlich falsch. Beim Bum gehe ich von absichtlich falsch aus, das war alles.”

    Sicher gibt es den. Aber eine Kritik, die sich auf falsche Aussagen stützt – auch, wenn diese absichtlich getätigt werden – ist in meinen Augen nichts wert. Und wer auf so eine Kritik hört, ohne sich selbst von der Richtigkeit zu überzeugen, ist selbst schuld, wenn ihm was Gutes entgeht.

  46. 46
    Peroy

    “@ Peroy: Guck ihn, oder halt die Schnauze.”

    Aber der Bum sagt der suckt…

  47. 47
    Dietmar

    ,,Aber der Bum sagt der suckt…”

    Ich habe die Stelle, an der er etwas sagt, nicht gefunden …

  48. 48
    Peroy

    Dann sperr die Ohren auf und hör’ zu… HÖR GENAU ZU !!!!!1111EINSELF

  49. 49
    Dietmar

    Es ist so lustig hier! :-D

  50. 50

    [...] das Alles noch nicht überzeugt hat, sich den Film reinzuziehen, der sollte sich mal bei Thorsten oder Marcus [...]

  51. 51
    xanos

    Setting: grandios. Ich mag diesen Dokustil eigentlich kein Stück, aber die erste halbe Stunde hat mich total in den Film gezogen und einfach nur begeistert.
    Kritik: Das ist Science Fiction, wie sie sein sollte. Ein Spiegel. Auch das fand ich sehr beeindruckend gemacht und ich weiß gerade nicht, wann ein Film derartig auf mich gewirkt hat.
    Action: eat shit, Michael Bay!
    Plot: … ähm … Kann mit allem anderen nicht mithalten. Der war ganz klassisch aufgemacht, von vorne bis hinten. Da war also nichts daran, was man nicht schon ewig oft gesehen hat – nur in Scifi. Das hat mich dann im Laufe des Films mehrmals aus dem Film wieder in die Metaebene gedrückt. Deshalb blieb der Hauptcharakter für mich auch die ganze Zeit unglaubwürdig, trotz dass er Sympathie durch seinen Zustand schinden konnte. Identifikation war halt ziemlich genau 0 und der Charaktertwist dann unglaubwürdig, gezwungen und als Mittel so unglaublich alt, dass ich Laute der Frustration von mir gegeben habe.

    Unterm Strich ein Film, den man unbedingt sehen sollte. Setting, Kritik, Action, Visualisierung, alles außer Plot und Charakteren ist grandios. Wenn sie diese beiden Punkte noch hinbekommen hätten …

    Ach ja, ich hab übrigens nichts gegen einen zweiten Teil.

  52. 52
    Dietmar

    @xanos: Ich möchte Dich nicht nerven, wenn ich Deinen Kommentar kommentiere, aber da habe ich doch endlich mal einen Film zeitnah gesehen … *freufreufreu*:

    Mir kam Vikus auch merkwürdig überzeichnet vor. Der Pullover über dem mit Krawatte getragenem Hemd, das streng gescheitelte Haar, dazu der ungepflegte Bart, dazu aber die tolle Frau, das war alles so eigenartig gegen den Strich. Aber das war sicher Absicht und hatte Wirkung. Nämlich, dass man wohl Schwierigkeiten haben sollte, sich mit diesem Charakter zu identifizieren und sofort Sympathien aufzubauen. Durch diese eigenartige Typisierung ist er eine Figur, die sich mir sehr stark eingeprägt hat.

  53. 53
    Heino

    @Dietmar:bin absolut deiner Meinung. Übrigens – trotz des Genre-Unterschieds – ist das bei “Willkommen bei den Sch`tiis” ganz genauso gehandhabt worden, da ist die Hauptfigur auch ein absolut überzogen gezeichneter Bürohengst, der am Anfang lächerlich und unsympathisch wirkt

  54. 54

    Ich hab den Film vor ein paar Wochen gesehen und war absolut begeistert. So sehr hat mich schon lange kein Film mehr umgehauen im Kino! Sicher hatte der auch seine Schwächen, aber er war so mitreißend gemacht, dass man im Kino nicht schon anfing, in Gedanken die Handlung zu zerpflücken.

    Vom Stil her ist der Film einfach sehr intensiv, was sicher nicht jedem gefällt. In der zweiten Hälfte geht es dann auch actionmäßig ordentlich zu Werke.

    Die deutsche Synchro habe ich noch gar nicht gehört, aber hat man da denn die Akzente der Darsteller irgendwie rüberretten können? Als Südafrikaner sprechen die im Original nämlich alle mit einem niederländisch klingenden Akzent.

    Wickus Van De Merwe hat mich übrigens anfangs sehr stark an Stromberg erinnert. Ging das noch jemandem so?!

    Alles in allem: Absolut empfehlenswert, wenn man diese Art intensiver Filme ab kann. ;-)

  55. 55
    Dietmar

    @Heino: ,,Sch`tiis” habe ich trotz aller Empfehlungen verpasst; ist jetzt aber auf DVD raus und wird nachgeholt.

  56. 56
    xanos

    Auch wenns immer mehr ins OT abdriftet: ich finde allein die Synchro von Sch`tiis hat einen Haufen Auszeichnungen verdient! Ich war sehr positiv überrascht, da diese Themenkomödien bei mir noch nie gezündet haben. Bei dem hatte ich Spaß.

  57. […] mittlerweile vier Jahren schrieb ich über Neill Blomkamps Erstling “District 9“: “Neill Blomkamps Beherrschung nicht nur der Technik, sondern auch der Narrative ist […]

  58. 58

    […] Dynamite ♦ Bronson ♥ Carriers ♥ Case 39 ♥ District 9 ♥ Doghouse ♦ Final Destination 3D ♣ Giallo ♣ I sell the Dead ♣ In the Electric Mist […]

Kommentar

Name und eMail-Adresse werden benötigt (die eMail-Adresse wird nicht angezeigt), die URL ist optional.