Ich sitze im Rilano-Hotel in München, erstmals musste ich eine Reportage wetterbedingt absagen. Nun habe ich zwar Zeit, aber absurderweise ist das Surfvolumen hier stark beschränkt (auf alberne 100Mb in 24 Stunden). Ich sehe mal zu, ob ich innerhalb dieses Rahmens die wichtigsten Aufgaben erledigt bekomme.

1993, man kann es sich kaum vorstellen, war Fox noch ein junger und aggressiver Sender, der gerade die Vormachtstellung der „großen 3“ ABC, NBC und CBS gebrochen und mit den „Simpsons“ und „Eine schrecklich nette Familie“ diverse goldene Regeln des US-Fernsehens auf den Kopf gestellt hatte.

Im Bemühen, etablierten Serienkonzepten eine lange Nase zu drehen, begab man sich in der Sommersaison 1993 dann auf sehr dünnes Eis – Parodien sind im US-Fernsehen eine ganz hakelige Geschichte. Der beste Beweis ist „Police Squad“, eine Parodie klassischer Polizeiserien der 50er und 60er Jahre, die gnadenlos floppte – als Kinoreihe „Die nackte Kanone“ danach aber mehrere hundert Millionen Dollar einspielte. Das klassische TV-Publikum bevorzugt Klischees und ist Parodien seiner Lieblinge von jeher eher abgeneigt.

Wie dem auch sei, im Juli 1993 probierte es Fox mit dem halbstündigen

Danger Theatre

1993_Press_Photo_TV_showAn Veteranen, die sich selbst auf die Schippe nahmen, mangelte es der Serie nicht: Robert Vaughn, immerhin „The Man from U.N.C.L.E.“, gab den realitätsfremden Gastgeber der beiden 10minütigen Parodie-Episoden „Tropical Punch“ mit Adam „Batman“ West und „The Searcher“. In der letzten Folge wurde „Tropical Punch“ durch „357 Marina del Rey“ ersetzt.

„The Searcher“, eine Mischung aus „Then came Bronson“ und „Dr. Kimble auf der Flucht„, entpuppte sich schnell als das beliebtere Segment der Serie und es ist anzunehmen, dass man bei einer Verlängerung der Serie komplett auf Diedrich Bader als namenlosen Fremden gesetzt hätte:

Allerdings stellte Fox die Serie nach sieben Episoden ein.

Ich erinnere mich daran, „Danger Theatre“ damals gesehen zu haben – begeistert hat mich die Serie, die meines Wissens nach nie in Deutschland lief, nicht. Das war alles ganz launig, aber die Gags zielten grundsätzlich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und wiederholten sich schnell.

Das Hauptproblem von Fox und dem „Danger Theatre“ war, dass der junge hungrige Sender in diesem Fall hoffnungslos hinterher hinkte – ABC selbst hatte 1988 das Polizeiserien-Genre mit „Sledge Hammer!“ brillant durch den Kakao gezogen. Gegen die satirische Schärfe und die genaue Beobachtungsgabe von Alan Spencers Serie konnte „Danger Theatre“ an keiner Stelle anstinken, war nur eine müde Nummernrevue.

Es ist eine sympathische Fußnote der Fernsehgeschichte, dass dem „Searcher“ zwar nur ein kurzes Leben vergönnt war, das Konzept allerdings – bierernst – zu einem der größten Syndicationhits der 90er wurde:

Morgen zückt ein B Movie-Held den Stern des Gesetzes.



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michbech
michbech

„zu einem der größten Syndicationhits der 80er wurde“

Lief Renegade nicht in den 90ern?

sven
sven

Die Vorgängerserie der „Nackten Kanone“-Filme hiess „Police Squad!“, nicht „Naked Gun“.

Shah
Shah

DANKE. Ich hab mich seit Ewigkeiten gefragt, wie diese Kurzserien hießen. Endlich!!!

sven
sven

Kein Problem, war mir auch nur bekannt da ich neulich eine Linksammlung auf alle Folgen bei youtube fand.

Aber warum funktionierte Sledgehammer wo Police Squad! floppte, wo doch „Das klassische TV-Publikum bevorzugt Klischees und ist Parodien seiner Lieblinge von jeher eher abgeneigt.“? Das Argument spräche doch genau so gegen Sledgehammer?