Es ist nicht die verachtenswerte Form von Geiz, die andere Leute benachteiligt. In Restaurants gebe ich sehr gutes Trinkgeld, bei Blumensträußen und dem Weihnachtsbaum wird auch nicht geknausert. Ich kaufe gutes Fleisch, weil das Leben zu kostbar ist für schlechtes Fleisch. Ich kaufe keine Eier aus Käfighaltung, auch wenn das billiger wäre. Ich gönne mir was, ich gönne aber auch anderen was. Die Jungs vom FFF, dem WWF und dem ASB sind meine Zeugen: der Wortvogel ist nicht knickerig.

Und trotzdem. Ich bin geizig, albern geizig. Anders kann man das kaum nennen, wenn jemand unnötige Mühen auf sich nimmt, um Kleinstbeträge zu sparen – wohl wissend, dass der Aufwand in keinem Vergleich zur Ersparnis steht.

Beispiel 1: Ich wollte Cablox haben, um meine diversen Kabel aufhängen zu können. So verknoten sie nicht immer hoffnungslos in der Schublade. Bei Amazon 7,50 Euro. Leider nicht über Prime verfügbar, daher noch 3 Euro Versandkosten. Macht 10,50. Bei Conrad Electronic 8,45 Euro. Was mache ich? Beim nächsten Einkaufe FAHRE ich in zum Olympia-Einkaufszentrum. Mindestens eine halbe Stunde Aufwand plus Benzin, um 1,55 Euro zu sparen. Warum 1,55 und nicht 2,05? Weil bei Conrad der Parkplatz gebührenpflichtig ist.

Beispiel 2: Nachdem ich der LvA den Kobo gekauft habe, gehe ich noch zum Supermarkt im selben Zentrum. Blauschimmel-Käse, Spinat, Joghurt, alles da – aber der Bresaola-Schinken kostet hier 5,65 Euro für 100 Gramm. Ich weiß, dass er bei Lidl nur 2,99 für 80 Gramm kostet. Macht 3,74 für 100 Gramm. Was mache ich? Ich lasse den Schinken stehen und fahre auf dem Heimweg noch bei Lidl vorbei.

Beispiel 3: Heute habe ich meinen Mobilfunkvertrag gekündigt. Im Internet fand ich eine Seite, auf der ich das entsprechende Schreiben einfach durch meine persönlichen Angaben ergänzen musste. Dann bot mir die Seite noch an, das Schreiben gleich zu faxen. Für 1,49 Euro. Was mache ich? Ich gehe in die Internet-Bude hier um die Ecke, weil ich mich zu erinnern meine, dass ein Fax da nur 30 Cent kostet. Leider nein: 1,20 Euro. Raus in den Schneeregen, um insgesamt 29 Cent zu sparen.

Und das sind nur die Beispiele EINER beliebigen Woche!

Kleinvieh mag auch Mist machen, aber das ist hirnverbrannt.

Was zur Hölle ist los mir? Ist es ein Kindheitstrauma aus der Zeit, als ich mit 8 Mark im Monat auskommen musste und nicht mal John Sinclair-Hörspielkassetten kaufen konnte? Schlechte Organisation? Wieso habe ich kein Problem damit, dass ich am Sonntag Geld für die FAS ausgegeben habe, ohne sie zu lesen? Wieso höre ich nicht auf meinen Verstand, wenn er mir sagt: „Alter, dein Zeigefinger schwebt schon über dem Bestellknopf – und nu willst du wegen 2 Euro echt auf den Roller steigen und ans andere Ende der Stadt fahren?“

Ich muss was dagegen tun. Das geht so nicht. Es ist okay, wenn mich die Leute für einen Spinner halten. Hier halte ich mich selbst für einen.



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