18
Jul 2008

Willkürliche Gedanken beim Zapping (1)

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Dank Internet, DVD und Kabel Deutschland Digital habe ich mit Fernsehwerbung nicht viel am Hut. In den letzten zwei Tagen ist mir aber einiges unter die Augen gekommen – und hat zu mehr Fragen und Verwirrung geführt als zu echtem Produktinteresse:

  • Wieso klebt die Oma ihrer singenden Hippie-Bauernschar bei der Rügenwalder Mühle vor dem Verzehr noch ein Label auf die Wurst?
  • Wie kann ein läppischer Tagesablauf mit "Arbeit, Mittagessen mit Freunden, zweiter Termin, Abendessen mit Kai" als so anstrengend ("1 Woche in 1 Tag gepackt!") verkauft werden, dass man Actimel braucht, um ihn zu überstehen?
  • Verstehe ich "Airwick" richtig – eine Pinguindame und ein Bär bringen kleine Schweinchen zur Welt? Weiß Darwin davon?
  • Okay, Beichtzeit: Ich finde den "Nessun Dorma"-Spot sensationell.
  • "Vanish" mag jeden Fleck aus den Klamotten entfernen – zuerst einmal gehört aber den Bratzen eins hinter die Löffel gegeben, deren erklärtes Ziel es ist, teure Kleidung zu ruinieren!
  • Wenn ich das richtig verstehe, ist die "Dr. Best Zwischenraum" besonders nützlich, wenn man Zähne hat, die sich wie eine Ziehharmonika auseinander ziehen lassen.
  • Jan und Franka von Arcor spielen Strip Poker, brauchen aber (im Gegensatz zu normalen Menschen, die ein Kartenspiel haben) dafür gleich zwei Computer samt Internet-Anschluss. Und sie spielen in verschiedenen Zimmern, aber in Sichtweite voneinander. Eine erstaunlich dysfunktionale Beziehung, die da als Argument für eine Flatrate herhalten soll…
  • Die Zwillinge aus der "Leerdamer Lightlife"-Werbung hatten wir damals auch für "Lotta in Love" gecastet, weil wir wissen wollten, ob wir die Doppelrolle nicht einfacher von zwei Darstellerinnen spielen lassen können
  • Huk-Coburg wirbt mit Mickey Hardt, dem Karate-Kämpfer aus "Max Havoc" (Albert Pyun!), "Vampire Effect" (Jackie Chan!), und "Der Puma – Kämpfer mit Herz" (RTL!)
  • Die Süße bei "Andalusische Träume von Cremissimo" sieht ja aus wie Liv Tyler!
  • Mein persönlicher Favorit ist die WWK-Werbung mit der "bösen" Lehrerin, die wie Angela Merkel aussieht. Da stimmt gar nichts: Wieso ist es strafbar, die Lehrerin als Strichgesicht an die Tafel zu malen? Wieso ist es akzeptabel, scheinbar strafbares Verhalten durch Solidarisierung mit dem Mitschüler zu edeln? Wieso findet es die Lehrerin auf einmal selber toll, dass sich alle Schüler ihr widersetzen? Kurz gesagt: WTF?!


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Dr. Acula
18. Juli, 2008 23:11

Und was hat ein hässlicher britischer Casting-Show-Sieger-Opernsänger mit der Telekom zu tun?

Wortvogel
Wortvogel
18. Juli, 2008 23:13

Klar, der Doc hat’s wieder nicht verstanden 😉

Dr. Acula
18. Juli, 2008 23:45

Wenn "Britain’s Got Talent" von der Teledoof über Handys verbreitet worden wäre, täte ich es ja noch einsehen…

Christian H.
Christian H.
18. Juli, 2008 23:56

Ich verstehe das Argument nicht, dass der Telekom-Spot blöd ist, weil man keine Verbindung zum Produkt herstellen kann… Interessiert doch keinen! Hauptsache man fällt auf und die Leute erinnern sich daran.
Für mich einer der effektivsten Spots an die ich mich erinnern kann. Ich kannte den Auftritt schon vorher aus YouTube und bekomme nach wie vor leichte Gänsehaut wenn ich den Spot (in dieser gekürzten Version) im Fernsehen sehe. Man könnte fast sagen ich freue mich darauf… Und wann kann man das über Werbung schon behaupten?

Dummvogel
Dummvogel
19. Juli, 2008 00:28

Ich hab mir den WWK-Spot grad mal bei YT angeschaut.

Bin mir unsicher ob du den wirklich nicht verstanden hast, aber es geht darum dass der Täter nicht zu ermitteln ist, weil alle aufstehen. Dadurch stellt sich die Klasse quasi hinter den Mitschüler und beweist dadurch eine starke Klassengemeinschaft. Das funktioniert bei weitem nicht in jeder Schule so. Und da freut sich die Lehrerin halt drüber, auch wenn sie wohl nicht gerne an die Tafel gemalt wird.

Die Szene kommt doch so ähnlich in fast jedem Highschool-Drama vor.

Julian
19. Juli, 2008 01:58

Ich find den Telekom-Spot auch nicht besonders. Den Originalauftritt dahingegen schon: http://de.youtube.com/watch?v=1k08yxu57NA (28 Mio. Klicks)

Der Auftritt ist authentisch, die Reaktionen im Publikum ehrlich. Bei der Telekom sieht man sofort, wie und wo manipuliert wurde. Hätte es den Potts-Auftritt nicht gegeben, wäre es ein toller Spot, super gespielt und alles, aber gerade dadurch, dass man den Auftritt kennt, verliert der Spot an Authentizität und alle Zusatzszenen wirken schlecht gestellt. Und dass dann auch noch die Telekom irgendwelche Weisheiten drüberschreibt und man deswegen Handies kaufen soll, zerstört das Feeling noch weiter. Sorry, aber für mich ist der Spot nicht so ein Bringer.

milhouse
milhouse
19. Juli, 2008 03:20

Sorry Julian, aber das ist Unsinn in mehrfacher Hinsicht.

"… aber gerade dadurch, dass man den Auftritt kennt, verliert der Spot an Authentizität …"
Was schätzt du, wieviele Deutsche diesen Auftritt kannten, vor der Werbung? Ein Bruchteil derer, die ihn jetzt kennen. Oder warum meinst du, dass P. Potts erst jetzt in den deutschen Charts einschlägt. Solche Werbung wird nicht für Info-Junkies wie unsereins gemacht.

"Der Auftritt ist authentisch, die Reaktionen im Publikum ehrlich. Bei der Telekom sieht man sofort, wie und wo manipuliert wurde."
Der Original-Auftritt ist aus dem Lehrbuch für Cutter. Natürlich sind die Reaktionen im Großen und Ganzen echt, aber erst die vorzügliche Montage macht daraus den Gänsehautauftritt für den Fernsehzuschauer. (Guck mal die deutsche Version vom Supertalent, dann siehst du, wie gut die englische geschnitten ist. RTL dachte offensichtlich, dass es reicht, wild zwischen Auftretendem, Jury und Pulikum hin- und herzuschneiden und schon hat man Emotionen im Sack.)
Außerdem ist die Nummer, da steht ein Handyverkäufer auf der Bühne und niemand im Saal ahnt, was er drauf hat, natürlich ebenso Fake. Da gibt es natürlich auch ein Vorcasting, nicht jedes Möchtegern-Talent Cardiffs durfte mal eben ein paar Minuten auf die Bühne des vollgepackten Theaters und dem recht beschäftigten Herrn Cowell die Zeit stehlen.

"… alle Zusatzszenen wirken schlecht gestellt …"
Wunschdenken von jemanden, der das "Original" auf einen Sockel stellt. Guck dir den Spot nochmal in Ruhe an, was ist da schlecht gestellt? Ja, es sind fiktive Situationen, anders als beim Original, aber niemand behauptet das Gegenteil. Und ja, der Look ist ein anderer, coolerer, aber das unterstreicht nur die verschiedenen Erzählebenen. Die (simulierten) Emotionen sind absolut state of the art inszeniert, mit vielen kleinen Gesichtszuckungen, minimalen Gesten, die dadurch umso stärker wirken. Dazu ist das Timing wirklich saugut, ebenfalls ein Meisterstück der Schnittkunst.

Neben der Theorie ist da noch der Beweis in der Praxis, auch ich als abgebrühte Vielguckersau hab beim ersten Mal ne Gänsehaut bekommen (obwohl ich den Originalauftritt kannte). Und ich bin in meinem Umfeld nicht der einzige.

Ich glaube dir, dass der Spot dir nicht gefällt. Das liegt aber nicht unbedingt am Spot.

milhouse
milhouse
19. Juli, 2008 03:24

Ach ja, und danke für die Anregung, jetzt hab ich endlich mal den Spot gegoogelt, der mir immer Kopfzerbrechen macht. Nämlich der komische Kinder-Pingui-Spot mit den tanzenden Pinguin-Gören. Ich bin offensichtlich nicht der einzige, der ihn nicht versteht.
http://blog.magix.com/de/archives/368-Kinder-Pingui-und-die-vergessene-Pointe.html
Hier hat jemand sogar extra bei der Werbeagentur nachgefragt und siehe da, er macht wirklich keinen Sinn. Aber die Agentur findet ihn trotzdem super. Kinder vielleicht auch. Und ich ess weiter "Maxi King", für den wird wenigsten richtig gangsterstylish gerappt.

Wortvogel
Wortvogel
19. Juli, 2008 10:03

@ Dummvogel (sehr einfallsreich, btw): Ich habe schon verstanden, was die WWK-Werbung aussagen WOLLTE. Nur leider funktioniert der Message-Transfer nicht, weil a) kein wirkliches Vergehen vorliegt, b) der erste aufgestandene Junge ja tatsächlich der "Übeltäter" sein muss, c) die Lehrerin auch die ganze Klasse bestrafen könnte, d) der Schluss impliziert, die Lehrerin sei von der Solidarität beeindruckt. Etc. pp. Wie willst du dieses "Moralstück" auf eine Versicherung übertragen? Wenn ich das Auto meines Nachbarn kaputt fahre, sollen andere Nachbarn behaupten, sie wären es selbst gewesen ("Und meine Frau ist auch Brian!")? Verantwortung wird vertuscht, dann ist das okay? Widerspricht das nicht genau dem Anspruch JEDER Versicherung? Da fand ich die alten Allianz-Spots treffender ("Ich kurvte durch Neapel…").

@ Julian/Milhouse: Ich muss in diesem Fall Milhouse zustimmen. Fernsehwerbung trifft immer noch zu 90 Prozent nicht die YouTube-Crowd, die immer gleich schreit: "Kenn ich doch schon aus dem Internet!". Und dass Werbung manipulativ ist, dürfte allenfalls für ein "d’uh!" reichen – das ist ihre Funktion. Mich beeindruckt an dem Spot, dass er mich ergreift, OBWOHL ich exakt sehen kann, wann und wie ich manipuliert werde.

Wortvogel
Wortvogel
19. Juli, 2008 10:09

@ Milhouse (II): Absurderweise hätte der Pingui-Spot ja funktioniert, wenn man nach 22 Sekunden Schluss gemacht hätte: Kinder erfinden Tanz, legen Mama rein, Mama merkt es, gönnt sich selber was Gutes. Aber die Sache mit "Papa" geht halt gar nicht.

Ich verstehe ja auch nicht, warum eine typische "gut draufe" Tussi Weizen, Milch und Honig in den Kühlschrank stellen muss, um eine kühle Milchschnitte zu bekommen.

Ebenso nervt: Kalorien werden jetzt "pro Löffel" gezählt (was für eine Maßeinheit das auch immer sein mag). Wenn das Mädel nicht so süß wäre, würde ich mich darüber viel mehr aufregen…

Lukas
19. Juli, 2008 12:05

Die Telekom-Werbung hat das gleiche Problem wie viele andere dieser tollen, langen Werbungen mit schönen Bildern und stimmungsvoller Musik: ich weiß hinterher nicht, wofür geworben wurde.

Ansonsten: Hast Du dich schon mal als Endredakteur bei Werbeagenturen beworben?

Tornhill
Tornhill
19. Juli, 2008 12:54

Der WWK-Spot STINKT!

ENORM!

Auch aus den vom Wortvogel genannten Gründen, für mich aber speziell, weil es mir so schien, als wenn er sich verlogen irgendein Ideal vor die geldgierige Fratze zieht. – Ist ja in der Werbung an und für sich okay, eine Versicherung, DARF so tun, als ob sie nicht nur das Geld ihrer Kunden wolle, aber wie gesagt…das geheuchelte Ideal muss schon passen und die Unstimmigkeiten des Spots bleiben eh.

Ich habe ihn schon immer gehasst und hoffe, der Verantwortliche wird möglichst bald von Murmeltieren gefressen.

Wortvogel
Wortvogel
19. Juli, 2008 13:01

@ Tornhill – ganz genau. Man darf durchaus mal fragen, inwiefern eine Versicherung was mit Solidarität zu tun hat. Wenn mein Dach einstürzt, hoffe ich eben NICHT darauf, dass meine Nachbarn mir helfen, sondern dass gefälligst die Versicherung zahlt, bei der ich seit Jahren meine Kohle für genau so einen Fall lasse.

mkda
mkda
19. Juli, 2008 18:14

Weiß eigentlich einer, wie viel die Werbekampagne der Telekom kostet? Der Spot ist doch gefühlte 2 Minuten lang.

viewer
viewer
19. Juli, 2008 18:55

WWK und Arcor seh ich genauso – prima Kritik! Ich mach das übrigens genau wie Du – nur leider immer live in Wort und meine Freundin nervt es zu Tode, dass ich zu fast jedem Spot eine Kritische Anmerkung habe 😉

gerne mehr, da fühl ich mich endlich verstanden!

Verwegenberg
Verwegenberg
19. Juli, 2008 19:01

@Wortvogel

Nun ja, eine Versicherung hat schon was mit Solidarität zu tun. Wenn Dein dach einstürzt, dann zahlt die Versicherung den Schaden ja nicht aus Deinen Beiträgen allein (außer Deine Hausrat ist echt viel zu teuer 😉 ) sondern mit Hilfe der Beiträge aller Mitglieder. Ist halt das Prinzip einer Versicherung.

Trotzdem ne total blöde Werbung, denn
1. ist es den anderen Versicherten im echten Leben scheissegal, was mit Deinem Dach ist.
2. fusst jede andere Versicherung ja auf dem gleichen Prinzip, ist also kein Vorteil gegenüber Konkurrenz. Ist ungefähr wie ein Werbeslogan von McDoof "Jetzt Burger mit Fleisch drin"… so what?

Bluescreen
Bluescreen
19. Juli, 2008 19:10

Zum Operettenspot… ich kenn die YouTube-Vorlage nicht, werde sie mir aber anschauen, muss aber sagen: Doch. Der zieht auch im Rahmen der Telekom. Ein nicht wirklich Popstar-Kompatibler Kandidat sagt, er will eine Oper singen, wird erstmals begrinst, fesselt dann aber Online über alle Medientypen die Zuschauer und hat deren Begeisterung als wenn sie eben den YouTube-Clip kennen würden.
Übertragen wird das per ISDN, DSL, Handy… <- Telekom.

@Doc: Was gibts daran nicht zu verstehen? Die Message ist so einfach. Einer will gross raus kommen und schafft das mit seiner Stimme UND der Telekom die sie verbreitet.

Zudem finde ich persönlich den Clip wesentlich besser und bodenständiger als viele andere weil er zeigt, dass Unterhaltung einfach nur von einer Firma weitergegeben wird. Und damit hat es sich.

Im Gegensatz dazu die ganzen Autowerbungen. Wo bei mir hängenblieb: "Geniessen sie die neue Dieseltechnologie". Wie geht das? Muss ich meine Genussrezeptoren jetzt an euren Dieselmotor koppeln?
Oder "Autobild, oder fahren sie kein Auto?". Nein, ich habe kein Auto und will auch keines. Bin ich jetzt der Untermensch in euren Augen?

Das kann man auch, wie im ersten Post dargelegt, (fast) alles in die Tonne treten. Warum? Weil man auf die blödeste oder penetranteste Art Kohle machen will.
Da gab es mal einen Versichrungsspot, da hat die Frau in der Familie den Tod ihres Mannes quasi herbeigewünscht um die Aussage zu treffen.
Mann: "Ich glaub, wir sind überversichert". Kennt ihr bestimmt…
Mittlerweile wurde der Spot abgeändert in seichteres Gelager und es kommt nicht mehr rüber wie "wenn du dann endlich abkratzt bekommen wir die Kohle".

Was soll man davon denn noch halten und wie weit darf man der Werbung dann noch trauen?

Für mich allein gesprochen ist die Werbung nur noch die Entlassung zum "pissen gehen" oder eine peinliche Nummer um überflüssigen Kram anzubieten.

Tante Clementine, wo bist du? Auf dich konnte man sich noch freuen. Du hast wenigstens schlicht und ergreifend auf den Punkt gebracht warum ein Fleckenmittel wirkt. Heutzutage müssen minderbemittelte Eltern, die jeden Scheiss kaufen, sich auf der Nase herumtanzen lassen von ihren verzogenen Gören, die man damals in den Arsch getreten hätte aber nun als Helden herauskommen. Saublagen ohne Erziehung.

Oder ist es einfach die Arschlosigkeit der Eltern und Konsumenten, die sich denken "ach ja, Kinder sind nunmal so, dann mal schön die Probleme rauswaschen anstatt… den Blagen mal was für ihre Aktion auf den Arsch zu hauen".

Fününününüüüüüh

Boah komm, Werbefernsehen ist für mich eh unterste Schublade im Geschäft.

Wortvogel
Wortvogel
19. Juli, 2008 19:34

@ viewer: Da habe ich einen Vorteil – meine Freundin sagt, ohne mich macht ihr das Fernsehen keinen Spass mehr, weil sie meine Kommentare so klasse findet 🙂

@ Verwegenberg: Ich sehe das etwas anders – Solidarität wäre in meinen Augen, wenn die Versicherung nach einem Schaden an meinem Haus mit einem Hut bei den anderen Versicherten vorbeischaut, und sammelt. Da aber jeder für seinen eigenen Schutz einzahlt, und die "Solidarität" letztlich nicht eingefordert wird, ist es nur ein Geschäftsmodell. Und eins, an dem die Versicherungen sich dusselig verdienen – und bei dem sie um jede Auszahlung feilschen. Keine sympathische Branche…

@ Bluescreen: Einer meiner Favoriten war eine Tankstellen-Werbung, die irgendwie auf den Spruch rauslief "Noch mehr Spaß beim tanken". Fakt ist: Im BESTEN Fall ist tanken nicht nervig, und geht fix. Wer beim tanken Spaß hat, hat offensichtlich auch irgendeinen widerlichen Benzin-Fetisch…

PabloD
PabloD
19. Juli, 2008 19:50

"Die Szene kommt doch so ähnlich in fast jedem Highschool-Drama vor."

Übrigens das gleiche Szenario in der Simpsons-Folge mit den "25 kleinen Boris Becker". Und genau DAS hab ich noch nie verstanden (natürlich auch nicht in der Versicherungs-Werbung): meistens ist es doch so, dass dann keiner bestraft wird, weil die Lehrerin (oder Mr. Burns oder wer auch immer) den Übeltäter nicht mehr herauskristallisieren kann, schließlich sind ja ALLE in der Klasse aufgestanden. Ich als Lehrer würde mir aber doch einfach den Ersten schnappen, der aufgestanden ist, weil doch nun wirklich keiner so blöde ist für die Fehler der anderen einzustehen. Diejenigen, die danach aufstehen tun dies ja nur aus Solidarität mit dem armen Schwein, das gerade erwischt wurde. Dieser ist aber auch in 99,99% der Fälle derjenige, der die Tat begangen hat. Und falls es doch mal der Falsche sein sollte, hat er die Bestrafung ja auch nicht anderes gewollt.

Wortvogel
Wortvogel
19. Juli, 2008 19:59

@ Pablo: Wie ich oben schon sagte: "… der erste aufgestandene Junge ja tatsächlich der “Übeltäter” sein muss…"

Bluescreen
Bluescreen
19. Juli, 2008 20:02

“Noch mehr Spaß beim tanken”.

Da kann man doch schön bei tanzen und rumträllern. Es ist ja nicht nur die Autogeschichte, die mir nicht gefällt. Ist ja auch Wurst. Es ist einfach das Drumherum, dass man in der Werbung nicht mehr die Fakten bringt warum ein Produkt gut ist. Nein, man spielt mit den Erwartungen, die man selten bereit ist zu erfüllen. Man muss es auch nicht, weil in zwei Monaten ist eh das neuere und bessere Produkt auf dem Markt. Wer jetzt zugreift ist eh der Depp an der Angel. da kann er ein Auto haben oder auch nicht.

Das ist schlimmer als im Kino. Da geben die Leute ein paar Euro, fuffzig aus und dann wars. Gut, vielleicht kaufen sie hinterher auch noch die DVD und singen Lapaloma.
Ich sehe gerade "Hancock" und frage mich, warum muss man einer Superheldengeschichte noch eine weitere "Superheldinengeschichte" aufdrängen um da einen Background zu schaffen der nicht nötig ist? Und warum muss man mir im dann… im "kostenlosen Werbefernsehen"… kunstvoll gemachte Werbefilme, oder solche mit einer dollen Pseudoaussage um die Fresse klatschen wenn da eh nur Schwachsinn mit leeren Versprechungen rauskommt?

Ja, ich glaube die Antwort zu kennen. Glücklich macht sie mich aber nicht.

Julian
19. Juli, 2008 20:20

@milhouse: Klar, Deine Argumentation hat Hand und Fuß. Nachdem ich aber Superstars und ähnliche Sendungen überhaupt nicht gucke, hab ich mir auch keine besondere Mühe bei der Evaluierung der Ausgangs- und Zuschauersituation gemacht. Ich leugne also alle eventuell in meinen Kommentar hineingedeuteten Aussagen, bleibe aber bei meiner Meinung, dass ich den Spot nicht besonders finde.

jo
19. Juli, 2008 22:54

Der “Nessun Dorma”-Spot hat primär das Problem, dass die heavy rotation, auf die er gebucht wurde, dem Ereignis seine fraglos bewegenden Einmaligkeit nimmt. Er funktioniert einmal, vielleicht auch zwei- oder dreimal.

Spätestens am dritten Tag der Dauerpenetration ist es einfach nur ein dicklicher Mensch, der vielleicht aussergewöhnlich gut singen kann, mir aber alle paar Minuten in einem überlangen TV-Spot meine Freizeit raubt. Und das hat Paul Potts nun wirklich nicht verdient.

Wortvogel
Wortvogel
19. Juli, 2008 22:57

@ Jo: Da stimme ich zu – auch angesichts der Länge mag der Spot sich schnell "verbrauchen". Aber bei mir ist das nicht der Fall, weil ich eben kaum Werbung schaue.

Florian
Florian
20. Juli, 2008 13:48

Zu Jan und Franka:

Schonmal zu zweit Poker gespielt? Ich kenn nichts langweiligeres. (vom Heads Up mal abgesehen)
Da hat es schon eine berechtigung das sie über Internet spielen, und zu zweit an einem PC geht schlecht.

Wortvogel
Wortvogel
20. Juli, 2008 13:55

@ Florian: Schon mal zu zweit Strip Poker gespielt? Ich kenn nichts spannenderes (außer, es ist mit meinem Koautor). Und wenn man Strip Poker spielt, sollte man sich vielleicht ansehen, und nicht auf Monitore glotzen. Bei Franka und Jan fehlte jegliches Gefühl, dass die beiden sich tatsächlich mögen.

Wer mehr zum Thema Strip Poker wissen will: In sechs Tagen erscheint die neue "TV Sünde", für die ich einen großen Artikel zum Thema verfasst habe.

Ingo
Ingo
21. Juli, 2008 07:35

Das tollste an den Pingui-nen ist ja, dass die im Spot Bauchnabel haben 🙂 DAS sollte man Darwin mal erzählen.

Spirou
Spirou
21. Juli, 2008 12:43

@ Ingo: LOL, ROFL! :o)

Zu Paul Potts/Telekom: Ich habe damals in England die Live-Sendung (Erst-Sendung) im TV mit Freunden gesehen – und wir waren alle völlig von den Socken, manche haben sogar geweint (ja, ich hatte auch eine Träne im Knopfloch …).

Umso schlimmer finde ich es nun, dass sich die von Skandalen, kriminellen(!) Aktivitäten und unterirdischem Service gezeichnete "Krake" Telekom nun gerade dieses eine, wirklich echte und gänsehautmachende TV-Ereignis der letzten Jahre "krallt", um damit das eigene ramponierte Image aufzupolieren!

Wer mal drauf achtet – (und neulich lief der Spot in 4(!) Sendern gleichzeitig(!) -, der sieht, dass hier keine "Handys" o.ä. verkauft werden. Es ist ein reiner Image-Spot, um Deutschland mit der T-Mafia zu versöhnen ….!

Und das Schlimme ist, dass es funktioniert. Ich wette, bei einer Mafo-Umfrage würde die Telekom heute besser dastehen als noch vor 2 Wochen. Eine perfidere Art des "Image-Transfers" kann man sich kaum noch vorstellen. Das ist so ähnlich, als würde die Camorra einen Imagefilm mit kleinen süßen italienischen Kindern zeigen, die fröhlich auf der Straße spielen, weil die Camorra für "Ruhe auf den Straßen" sorgt ….

Einfach nur pervers.

Wortvogel
Wortvogel
21. Juli, 2008 12:50

@ Spirou: Nun mal ein bisschen langsam! Die Telekom ist nicht die Mafia, sondern ein seriöses Unternehmen, dem seine Vergangenheit als Staatseigentum schwer auf den Schultern lastet. Die haben viel und gerne daneben gelegen in den letzten Jahren, und die wegbrechenden Umsätze sind das Ergebnis. Ich bezweifle, dass die Telekom "krimineller" ist als irgendein anderes Großunternehmen (VW, Siemens, Deutsche Bank). Und man kann dem Unternehmen auch nicht vorwerfen, wenn es erfolgreich Image-Politur betreibt.

Ich würde übrigens bestreiten, dass es sich bei dem Potts-Film um reinen Image-Transfer handelt: Es geht auch darum, das Interesse des Konsumenten an mobilem TV–Konsum zu wecken, weg vom Fernseher, hin zu Handy und Notebook. Sicher nicht in erster Linie, aber auch…

Spirou
Spirou
21. Juli, 2008 13:01

Ach ja, noch was zu den Ferrero-Spots. Seit wann machen Spots von Ferroro Sinn? Und seit wann, umgotteswillen, machen sich vernünftige Menschen Gedanken über diese Spots??!!

Ich zitiere: "Es war eine junge Frau aus Herle …" (Duplo) – unerträglicher geht’s doch wirklich nicht mehr, oder?!

Der alte Signore Ferrero hatte eine gute Erfindung hinbekommen: Nutella (Nuß-Nugat-Creme). Daraus macht diese Firma seit Jahrzehnten die verschiedensten Süßigkeiten. Und die schmecken. DESHALB verkauft sich das Zeug – und nicht wegen der Werbung. Die Ferreroistas der firmeneigenen Marketing-Abteilung sind – nach verifizierten Aussagen von Freunden und Bekannten, die für diese schon arbeiten durften – in etwa so gepolt wie Tom Cruise …

"Ice, ice, Pigui!" ….??? Hallo, geht’s noch? Wer das italienische Fernsehen kennt, der weiß, woher diese dreiste Dummheit (oder diese dumme Dreistigkeit?) kommt. Die Italiener sind übrigens Weltmeister(!) im Fernsehgucken – und denen kann man wirklich jeden Scheiß vorsetzen, sie glotzen einfach dämlich (leider …!) weiter. (Analogie: Wer hat Berlusconi wieder! gewählt …? I rest my case! ;o)

Aber: Warum lassen WIR uns mit sowas verarschen?!! Maxi King, Pingui, Schokobons – das alles waren und sind Spots, die an Schwachsinn und Volksverarschung schlichtweg nicht mehr zu unterbieten sind. Aus diesem Grund boykottiere ich Ferrero auch bereits seit Jahren – es gibt genug andere leckere Süßigkeiten, mit denen man seinen "Jiper" (sic!) befriedigen kann!

Ich finde, irgendwo muß doch mal Schluß sein, oder?!

Spirou
Spirou
21. Juli, 2008 13:08

@ Wortvogel: Ich versteh' ja, dass Du wenig Werbung schaust durch all die exklusiven Medien-Zugänge, die Du hast (keine Kritik, reine Feststellung). Aber so ein bißchen was vom aktuellen Geschehen solltest Du doch noch mitbekommen, oder? Hast Du nichts von der eindeutig kriminellen (d.h. gegen bestehende Gesetze verstoßenden) Abhör- und Spitzel-Affäre der Telekom der letzten Wochen, Monate und wahrscheinlich Jahre mitgekriegt, die gerade aufgedeckt wurde? Ist Dir der Name Zumwinkel im Zusammenhang damit (als Aufsichtsrat der Telekom) kein Begriff?

Was meinst Du, warum die Telekom jetzt plötzlich "out of the blue" eine solche millionenschwere reine Image-Kampagne startet? Und das in der Sommerzeit, wo ein großer Teil der Deutschen im Urlaub ist? Eigentlich keine(!) Zeit, in der man eine solche Kampagne startet ….!

Aber vielleicht gilt ja auch das Motto: "Don’t think twice, it’s alright …!" ;o)

Olsen
Olsen
21. Juli, 2008 13:58

Die aufstehenden Kinder in der WWK-Werbung (und dementsprechend auch die Szene aus den Simpsons) sind eine Anspielung an "Spartacus" von Stanley Kubrick. Ganz berühmte Szene.

Wortvogel
Wortvogel
21. Juli, 2008 14:06

@ Olsen: Wow – Spartacus hat seine Lehrerin verarscht? 🙂

@ Spirou

Italien – gebe ich dir Recht
Ferrero – sowieso. Die Welt, in der die Ferrero-Tussen lachend im Sonnenschein ihre Schokolade futtern (und zwei Minuten später wieder auskotzen), kann es locker mit Tolkien aufnehmen. Genauso unrealistisch, nur nicht so spannend.

"Ich versteh’ ja, dass Du wenig Werbung schaust durch all die exklusiven Medien-Zugänge, die Du hast (keine Kritik, reine Feststellung). Aber so ein bißchen was vom aktuellen Geschehen solltest Du doch noch mitbekommen, oder?" – Das ist natürlich 1a-Quatsch. Gerade weil ich WENIG Werbung schaue, kann ich mich auf das Tages- und Weltgeschehen konzentrieren. Ich halte mich für überdurchschnittlich informiert. Zumwinkel hat versucht, Profite an der Steuer vorbei im Ausland anzulegen – das macht ihn zu einem moralisch unglaubwürdigen Wirtschaftskriminellen. Aber es macht die Telekom nicht zur Mafia. Das gilt auch für die Abhöraffäre. Ebenso Siemens mit der Korruption. Oder VW mit Nutten und gekauften Betriebsräten. Eine Organisation mit kriminellen Elementen ist eben keine kriminelle Organisation. Hunderttausende von Menschen arbeiten für den Laden, und ich schätze mal, die meisten davon hängen sich rein. Das sollte man nicht diskreditieren.

Ich bin kein Fan der Telekom, und schon vor zehn Jahren zu anderen Anbietern geflohen, aber man sollte das nicht zur Herzensangelegenheit erklären. Das ist den Ärger nicht wert.

Spirou
Spirou
23. Juli, 2008 12:45

@Wortvogel: Ad.1: Du hast mich falsch verstanden, ich glaube Dir durchaus, dass Du hervorragend informiert bist. Umso mehr wundert(e) mich Deine etwas "blauäugige" Sicht auf die Telekom.

Ad.2: Natürlich arbeiten tausende rechtschaffende Menschen für die Telekom, die nie etwas Kriminelles getan oder auch nur gedacht haben. Dass ist in jedem korrupten System so. Der Fisch fängt vom Kopf aus an zu stinken – und auch, wenn Herr Müller in Abteilung 3.VII./B nichts Böses im Sinn hat, können seine Vorgesetzten durchaus kriminell sein und sich kriminell betätigen. DAS meine ich mit "krimineller Telekom".

Ad.3: "Eine Organisation mit kriminellen Elementen ist eben keine kriminelle Organisation". Stimmt – wenn Herr Müller kriminell ist, ist es die Telekom noch lange nicht. Wenn Herr Obermann kriminelle Aktivitäten genehmigt oder unterstützt, dann ist sie es aber sehr wohl. Dafür kann Herr Müller nichts – aber nicht umsonst gibt Herr Obermann die "Marschrichtung" des Unternehmens vor (inkl. ethischer Verhaltensweisen).

Ad.4: Herr Zumwinkel hat – und das hast Du scheinbar doch nicht mitbekommen – nicht nur Steuern hinterzogen, sondern war offenbar auch ganz genau über die gesetzeswidrigen Aktivitäten, welche von der Führungsebene der Telekom in Auftrag gegeben wurden, informiert (wenn er sie nicht sogar selbst mit veranlasst hat).

Ad.5: Dass Siemens, VW u.a. ähnlich kriminell (d.h.: gesetzeswidrig!) vorgegangen sind, entschuldigt doch das Vorgehen der Telekom-Führung nicht!

Ad.6: Ich "diskreditiere" keinesfalls die ehrlichen (und ahnungslosen) Mitarbeiter dieser Konzerne – sondern kritisiere ganz klar die Führungsebenen dieser Firmen, die sich kriminell betätigt haben! Der Konzern Telekom hat 100.000de von Mitarbeitern – doch geführt(!) wird er von eindeutig gesetzesbrecherischen Personen – den sogenannten "Entscheidern". In jeder Organisation (ob politisch, geschäftlich oder sozial) gibt es die "Führer", die "Handlanger", die "Mitläufer" und die "Ahnungslosen". Das ist in Diktaturen übrigens nicht anders. Auch dort sind die "armen" Mitläufer und Ahnungslosen nach dem Zusammenbruch meist freigesprochen worden. Doch dennoch wird von "der so-und-so-Diktatur" gesprochen – die eben von einigen wenigen Entscheidern geführt und verantwortet wurden. Dass Herr Müller nichts wußte, ist kein Argument dafür, dass die gesamte Organisation "unschuldig" war oder ist.

Ad.7: "Das ist den Ärger nicht wert". Oh doch, das ist jedes Quentchen Ärger wert! Denn wenn wir aufhören, uns aufzuregen, ist der nächste Schritt, dass Menschen wie Obermann, Pierer, Zumwinkel, Hartz & Co. in Deutschland machen können, was sie wollen – und alle sagen: "Ach, das ist den Ärger doch nicht wert". Na prima, wofür haben wir denn dann überhaupt noch ein Rechtssystem?! Ein Rechtssystem übrigens, dass auch Dich – und uns alle – vor solchen Menschen, die glauben, über eben diesem System zu stehen, schützt (bzw. schützen sollte)?!

Ich bin – auch wenn ich mich hier etwas echauffiere – wirklich kein "Fanatiker" oder "Hau-drauf", sondern ein liberal und sozial denkender Mensch. Leben und leben lassen kann ich nur unterschreiben. Aber wenn schon jemand wie Du, der doch eigentlich (schon des Berufes nach) "kritisch" sein sollte, bereits so weit ist, "Ach, macht doch nichts" zu sagen, werde ich bang, was das für die Zukunft (auch und vor allem unserer Kinder) bedeutet.

Heute hat die Mafia (d.h. das organisierte Verbrechen) magenta-farbene (o.a.) Logos, schaltet millionenteuere Spots im TV, sponsort Sport-Teams und setzt sich ebenso über die Gesetze hinweg, wie ihre Namensvettern aus Italien – mit einem Grinsen im Gesicht und einem Victory-Zeichen für die Kameras. Und ebenso wie die Jungs in Neapel im Kleinen, haben die Jungs im 34. Stock die Politik dabei bereits in der Tasche und brauchen sich selbst bei schwersten (persönlichen!) Vergehen, keine großen Sorgen machen. Oder glaubt jemand wirklich, dass Herr Zumwinkel (nur als Beispiel) jemals im Knast landet?! (Was andere Steuerhinterzieher, die weniger hinterzogen haben, durchaus tun).

Nein, lieber Wortvogel, die Angestellten von Telekom, Siemens, VW & Co. sind sicherlich unschuldig. Aber eben auch unwichtig. Ob nun ein Herr Pooth mit 30 Mitarbeitern kriminell wird oder ein Herr Obermann mit 300.000 – die Entscheidungsgewalt – und damit die Schuld – liegt bei diesen Herren! Der Fisch fängt vom Kopf aus an zu stinken – und in Deutschland stinkt es z.Z. an allen Ecken und Enden.

Wortvogel
Wortvogel
23. Juli, 2008 13:56

@ Spirou: Meine Meinung ist nicht "blauäugig", ich lasse mich von meiner Empörung nur nicht zur Pauschalisierung verleiten. Viele der von dir erhobenen Vorwürfe sind noch (noch!) nur das – Vorwürfe. Und was davon stimmt, ist nicht notwendigerweise kriminell (eher sittlich verkommen, was schlimm genug ist). Und auch wenn es die Konzernspitze ist, macht es "die Firma" nicht kriminell.

"in Deutschland stinkt es z.Z. an allen Ecken und Enden" – das ist BILD-Polemik, und faktisch wie statistisch falsch. Schau dir einfach mal den Korruptionsindex an – Deutschland (wenn man das denn über einen Kamm scheren MUSS) ist ein immer noch extrem korrektes und sauberes Land. Die Tatsache, dass über die Ausnahmen von der Regel berichtet wird, ist kein Anzeichen von "system rot", sondern von funktionierenden Kontrollmechanismen in einem demokratischen Staat.

Spirou
Spirou
24. Juli, 2008 13:43

@Wortvogel: Ich will Dich ja hier nicht in tiefere politische Diskussionen verwickeln (falsche Plattform dafür, denke ich). Allerdings kann ich den Vorwurf ("Beleidigung" nenne ich es mal nicht …) einer "BILD-Polemik" nicht einfach so auf mir sitzen lassen.

Zum einen geht es bei der Telekom nicht um Korruption, sondern um die eklatante Verletzung von Datenschutz-Gesetzen! Und dieses kriminelle Verhalten ist sehr wohl bewiesen – nur nicht, WER es tatsächlich in Auftrag gegeben hat. DASS der Auftrag, bzw. das "Zulassen" jedoch aus den oberen Etagen der Telekom kam, ist wohl kaum von der Hand zu weisen.

Du selbst brachtest Siemens und VW ins Spiel, hinzu kommen die Post/Zumwinkel, dann war da noch die Deutsche Bank, Mannesmann/Arcor, und natürlich Maxfield (die Spitze eines Eisberges, sicherlich) etc. Dass der "Korruptionsindex" Deutschland noch einigermaßen gut dastehen lässt, liegt einzig am allergrößtenteils korrekten und fairen Mittelstand (denn es wird nicht zwischen Großunternehmen und Mittelstand gewichtet).

Es mag also "statistisch falsch" sein, dass es in Deutschland an allen Ecken und Enden stinkt. Aber Du weißt sicherlich auch, was man über Statistiken sagt …

Davon einmal abgesehen, wiegt für mich (und für die Öffentlichkeit, die Bürger ganz allgemein, ebenso wie für die Wirtschaft und die Politik) eine Telekom-Affäre, eine Post-Affäre, eine VW-Affäre, eine Siemens-Affäre, eine Deutsche Bank-Affäre … doch um einiges mehr, als z.B. ein Maier’s-Bäckerei-"Affäre". Diese Großunternehmen machen die deutsche Wirtschaft aus! Und sie sind alle(!) mit illegalen Aktivitäten aufgefallen. Fehlt eigentlich nur noch Mercedes (mit Einschränkungen), BMW und Porsche – und das Team wäre komplett …!

DAS nennst Du "Ausnahmen von der Regel"?! Ausnahmen sind vielmehr Porsche und BMW, der überwiegende Teil der größten DAX-Unternehmen ist hingegen in der einen oder anderen Weise in Mauscheleien verwickelt. Und das ist nur das, was bisher – auch dank SPIEGEL, SZ, u.a. – bekannt ist!

"Ein extrem korrektes und sauberes Land" ist Deutschland durchaus – im Mittelstand, bei den Einzelhändlern und Selbständigen, die sich redlich mühen, ordentlich Steuern zahlen und sich an die Gesetze halten. Die sogenannte "Führungselite", die Großunternehmen hingegen, die Deutschland (auch in der Welt) wirtschaftlich und image-mäßig ausmachen, sind jedoch fast alle (!) in Betrug, Korruption, Gesetzesverletzungen und/oder Verschleierungen verwickelt. DAS ist "faktisch" richtig – und traurig.

Nach Deinem letzten Kommentar, für den ich Dir danke, muß ich leider meine Ansicht, dass Du in dieser Hinsicht "blauäugig" bist, nach wie vor aufrecht erhalten.

"Sittlich verkommen" ist NICHT "schlimm genug" sondern schon schlimmer, als alles, was man durchgehen lassen sollte (und eigentlich auch durchgehen lässt, von Gesetzesseite aus). Es ist jedoch nicht "sittliche Verkommenheit", sondern es sind eindeutig ungesetzliche Aktivitäten, die hier zutage treten.

Und nur, weil Dich das persönlich nicht betrifft (zumindest dem Anschein nach), scheinst Du Dir darüber auch keine größeren Sorgen zu machen. Selbst WENN es "nur" der "moralische Verfall" in den Großunternehmen unseres Landes wäre, der hier auftaucht (und es ist, wie gesagt, viel mehr als das, denn es werden Menschen konkret geschädigt!), sollte man sich doch ein wenig mehr Gedanken – und auch Sorgen – machen, und nicht mit dem Argument "Ausnahmen von der Regel" sein Gewissen beruhigen.

Die "Kontrollmechanismen" des Staates funktionieren nämlich auch nur so lange, wie es Menschen gibt, die eben SO nicht denken – sondern ihr moralisches Verständnis und ihre Gesetzeskenntnis und -treue einsetzen, um Obermann, Zumwinkel und Co. eben nicht als "Ausnahmen von der Regel" abtun. Und genau auf diese Menschen verlässt DU Dich, ohne deren rigorose (und richtige) Einstellung eigentlich wirklich zu teilen.

So kann ein "demokratischer Staat" mit "funktionierenden Kontrollmechanismen" aber auf Dauer nicht funktionieren. Denn wenn die Bürger selbst kein Interesse daran haben, dass Gesetzesbrecher wie Zumwinkel, Ackermann, Obermann (noch! nicht sicher), Hartz u.a. wirklich rigoros verfolgt werden, dann werden irgendwann auch die von Dir benannten "Kontrollmechanismen" nur noch eine "stumpfe Waffe" sein.

Sich auf diese "Kontrollmechanismen" berufen und verlassen – aber selbst alles "locker" sehen und sich auf den "Korruptionsindex" berufen (wo D bei weiten nicht auf Platz 1 steht!) – das funktioniert nicht. Nicht wirklich. D’accord?!

Wortvogel
Wortvogel
24. Juli, 2008 14:05

@ Spirou: In der Tat – es ist eine Diskussion, die ich nicht führen möchte. Nicht des Themas wegen, sondern weil deine Argumentation hauptsächlich emotional und von Empörung gespeist ist. Wir streiten ja nicht über die Fakten – Korruption ist schlecht, Korruption gibt es, sie muss verfolgt und bestraft werden.

Aber du verallgemeinerst, pauschalisierst, und nimmst in Sippenhaft. Nur mal ein paar Beispiele:

– Selbst wenn alle von dir genannten Vorwürfe wahr wären, beträfen sie immer noch nur einen kleineren Teil der deutschen Großunternehmen
– Der Mittelstand ist nicht weniger korrupt, es wird nur nicht so groß darüber berichtet (siehe Baubranche)
– Der "kleine Bürger" hat keinen Fatzen mehr Moral als die Großkopferten, klaut im Laden, bescheißt bei der Steuer, und hebt die Hundekacke nicht auf

Ich bleibe dabei: Nicht nur wegen Platz 16 auf dem KI (von 180!) ist Deutschland gesamt gesehen ein faires, anständiges, und ausnehmend demokratisches Land. Vergehen müssen hart bestraft werden, aber es bringt nichts, in misstrauische Paranoia zu verfallen.

"Es stinkt in Deutschland an allen Ecken und Enden"? Das ist nicht die Aussage eines "wachsamen Bürgers", das ist "wir hier unten, die da oben"-Hysterie. Ich bin sehr dafür, ein ausgewogenes Weltbild zu haben, und nicht alles schwarzweiß zu sehen.

Wenn du da anderer Meinung bist, bitte. Aber verkauf das nicht als "Fakten, die sich nicht bestreiten lassen".

Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich nicht um den Schlaf gebracht…

Jim
Jim
1. August, 2008 21:43

@Wortvogel: Sauber beobachtet, die Werbefilmchen, ich persönlich kriege mein Gucken derselben fast Risse in den Augen vor lauter wie-können-die-sowas-wagen-Gedanken..

@Wortvogel und Spirou: Endlich mal Telefonnummern ausgetauscht? 😉

Caroline
Caroline
30. August, 2008 13:14

Der Actimel-Spot ist mir auch ein wahres Rätsel. Zwei Termine und dazwischen und danach essen. Gut, man kann sich natürlich noch weniger vorstellen, aber überzeugend ist die Zusammenstellung wirklich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Werbeschaffenden nur den Tagesablauf kennen, der nach durchzechter Nacht gegen 14:00 Nachmittags mit den unterm Bett hervorgeangelten Pizzaresten beginnt und allenfalls in einem kleinen Brainstorming per Mail zum Thema Actimel gipfelt (vom Bett aus, versteht sich). Anders kann ich mir eine derartige Phantasielosigkeit beim Schildern eines ausgefüllten Tages nicht vorstellen – was schon einiges heißes will, schließlich bin ich Student.
Kurz: Danke für diese Feststellung.