Fantasy Filmfest 2007: The Signal
THE SIGNAL (USA 2007, ca 100 min, englische OV)
REGIE: David Bruckner, Dan Bush, Jacob Gentry
DARSTELLER: AJ Bowen, Tracy Martin, Scott Poythress, Anessa Ramsey, Robert Sterling, Steve Warren
DREHBUCH: David Bruckner, Dan Bush, Jacob Gentry
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Story:
Maja hat sich in Ben verliebt. Das Problem: verheiratet ist sie mit Lewis. Als sie eines abends von einem Schäferstündchen heimkommt, fallen ihr seltsame gewalttätige Ausraster überall in der Stadt auf. Und auch Lewis scheint sich verändert zu haben, seit Fernsehen, Radio und Telefon nur noch ein wirres Signal ausstrahlen: Er schlägt einem seiner besten Freunde mit dem Baseballschläger den Schädel ein. Am nächsten Morgen ist die Apokalypse da: Landesweit (weltweit?) sind die Menschen durchgedreht, und haben in paranoidem Wahn Massaker angerichtet. Maja beschließt, sich mit Ben zu treffen, um mit ihm zu fliehen – auch wenn sie nicht weiß, wohin. Erzählt wird die Flucht in drei teilweise zeitlich parallel verlaufenden Akten aus den Perspektiven von Maja, Ben, und dem freundlichen Clark.
Kritik:
Meine Damen und Herren, ich präsentiere stolz und mit Begeisterung den dritten 6 Bela-Film des Festivals!
„The Signal“ ist einer dieser Filme, die aus dem Nichts kommen, das Publikum begeistern, und über die man noch in einigen Jahren beim FFF reden wird. Er ist eine singuläre Erfahrung, voll roher Kraft, die jedes technische und budgetäre Problem einfach durchstößt. Ein Film mit Vorwärtsdrang, schnell und hart, dabei durch und durch menschlich. Ein Film, der das Kino plötzlich taghell macht, weil über 200 Köpfen die Lichter angehen: „Ach, DARUM bin ich Horrorfilm-Fan!“.
„The Signal“ liest sich auf dem Papier wie ein Bastard aus Stephen Kings Roman „The Cell“ und Danny Boyles „28 days later“. Aber diese Kategorisierung, auch wenn sie schmeichelnd klingt, wird dem Film nicht gerecht: „The Signal“ erreicht mit weniger Mitteln deutlich mehr als die Vorbilder. Dazu trägt vor allem die ingeniöse Entscheidung bei, die drei Akte von drei verschiedenen Autoren und Regisseuren erstellen zu lassen. Wir sehen drei Aspekte der selben Geschichte, die sich nicht nur von der Erzählperspektive unterscheiden, sondern auch von der technischen Umsetzung, der Tonaliät, und der Schauspielerführung. Vereinfacht gesagt: Teil 1 ist ein Hardcore-Actiondrama wie „28 days later“; Teil 2 ist eine absurde Farce, eine Art Gewalt-Sitcom, bei der selbst die Jungs von Monty Python bleich werden würden; Teil 3 ist ein Mindfuck als Kammerspiel. Und auch wenn es schwer vorstellbar erscheint: alle drei Teile greifen perfekt ineinander.

Natürlich sieht „The Signal“ auf Grund des Videolooks nicht nach Blockbuster aus, und „Schauspielerei“ hat hier viel mit „Hysterie“ zu tun. Aber der Film saugt einen derart in seine apokalyptisch- perverse Welt, dass sowas komplett irrelevant bleibt.
Erste kleine Bemerkung am Rande: Wie viele andere Zuschauer war ich eine Weile lang überzeugt, dass „The Signal“ ein englischer Film ist. Erst als nach einer Stunde ein Pickup-Truck mit Linkslenkung im Bild erscheint, wird klar, dass es sich um eine amerikanische Produktion handelt.
Zweite kleine Bemerkung am Rande: Gekostet haben kann „The Signal“ nicht viel. Warum genau kann man so etwas nicht in Deutschland produzieren?!
Dritte kleine Bemerkung am Rande: Um „The Signal“ für einen breiteren Release fit zu machen, wurde der Streifen aus der Verleihplanung genommen. Er wird noch einmal eine völlig neue Mischung bekommen, einen neuen Soundtrack, und neue Songs. Die Gelegenheit, ihn in der ursprünglichen Fassung zu sehen, gibt es demnach nur auf dem Fantasy Filmfest. Ich habe so eine ganz üble Vorahnung, dass man beim amerikanischen Release die letzten zehn Sekunden rausschneiden wird (siehe auch „The Descent“ und „Brazil“).
Positiv:
Hohe Dynamik, kompromisslose Erzählweise, harter Humor
Negativ:
Dritter Akt etwas überdehnt, Videolook nervt mitunter

Hört nicht auf mich:
“Dripping with satire and surprising originality, THE SIGNAL is a lesson in genre deconstruction. It teaches as much as it entertains. Nearly singular in its intelligence, [this] is a fresh example of imagination winning over budget.” – Efilmcritic.com