• Dietmars Mama: Eine Erinnerung an die, die es schwerer hatten als wir


    Ich weiß, das ist eine verallgemeinernde und vielleicht polarisierende Überschrift. Aber ich denke in letzter Zeit oft darüber nach, wie gut es uns eigentlich geht. Nicht nur hier in Deutschland, nicht nur in dieser Generation. Wie haben es als Spezies so unfassbar weit gebracht: Wir werden 80 statt 20 Jahre alt, können Krebs ebenso behandeln wie Karies, haben das ganze Jahr Essen, Wärme, Strom, Wasser. Das angehäufte Weltwissen gehört nicht mehr nur den Eliten, die aufgeklärten Gesellschaften haben die irrigen Annahmen überwunden, Menschen könnten aufgrund ihrer Rasse, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung minderwertig sein…

  • Der Roger Willemsen, von dem ich zuviel bekam und doch nie genug kriegen konnte


    Roger Willemsen ist tot. Der Talkmaster, Moderator und Autor starb im Alter von 60 Jahren an Krebs. Das ist die Meldung.

    Und hier ist meine kleine Geschichte dazu.

    Vor zehn Jahren habe ich bekanntermaßen für 13th Street die "Böse Nacht Geschichten" betreut. Ich habe Autoren kontaktiert, mit ihnen verhandelt, die Kurzgeschichten lektoriert und dann fernsehtauglich aufgearbeitet. Wahrlich nicht immer eine leichte Aufgabe – Promis sind Diven -, aber eine furchtbar spannende. Wie oft hat man schon die Gelegenheit, mit Andreas Eschbach zu arbeiten, mit Burkhard Driest, mit Friedrich Ani, Katja Riemann, Frank Schätzing…

  • Der Schnitter schiebt Sonderschicht: Ein ausweichender Nachruf auf eine unbekannte Person


    Über Johannes Heesters habe ich immer scherzend gesagt: "Der ist so alt, der hat das Sterben vergessen. Den werden wir nie los". Er starb am Heiligabend 2011, im Alter von 108 Jahren.

    Mit Frau C. ging es mir immer ähnlich. Als wir hier in Schwabing einzogen, war sie bereits 103. Eine kleine, zerbrechliche, aber vom Leben augenscheinlich nicht zerbrochene Frau, die nicht mehr gut hören und nicht mehr gut sehen konnte, aber mit wachem Geist und ungetrübter Freundlichkeit regierte, wenn ich sie im Treppenhaus sah…

  • It’s no Abby Sunday: Gone, baby, gone


    Am Mittwoch Abend hatte Abby einen schweren Anfall. Es wurde auch über Nacht und am nächsten Morgen nicht besser. Donnerstag brachte ich sie zum Arzt, wo sie eine Beruhigungsspritze bekam, damit man ihr Blut abnehmen konnte. Die Ergebnisse sollten binnen 48 Stunden vorliegen. Daran sollte sich entscheiden, ob wir die Dosis anpassen oder auf ein anderen Mittel ausweichen. Zusätzlich bekam ich Valium ausgehändigt, um die Katze bis dahin in akuten Fällen etwas dämpfen zu können.

    Es half nur nicht.

    Die Nacht auf Freitag war der Horror…

  • Dying is easy, comedy is hard: Dirk Bach, du wurdest noch gebraucht!


    Ich kannte Dirk Bach nicht, hatte in meinen 20 Jahren in der Branche auch keinen peripheren Kontakt zu dem Schauspieler und Comedian, der gestern im Alter von 51 Jahren überraschen verstorben ist.

    Es liegt nicht daran, dass ich es nicht versucht hätte.

    Dying is easy, comedy is hard, sagt man. Darum scheitern auch viele große Schauspieler, wenn sie rollen-untypisch komisch sein sollen. Andersrum wird leichter ein Schuh draus: in vielen Komikern schlummert erstaunliches dramatisches Talent. Bei Dirk Bach sowieso, der hat ja weltweit Theater gespielt…

  • Silvia Seidel 1969 – 2012: Das Wenige, was ich erzählen kann


    Silvia Seidel ist tot. Es ist gerade in den Nachrichten vermeldet worden und mein Blog mag auf den ersten Blick ein unpassender Ort zu sein, der Schauspielerin zu gedenken. Aber wie so oft: es gibt eine kleine Geschichte dazu zu erzählen.

    Ich fand "Anna" doof. 1987 war ich 19, hatte andere Sachen im Kopf als ZDF-Mehrteiler über Mädchen, die Ballerina werden wollen. Zumal ich diese Silvia Seidel arg knochig fand. Nicht meine Serie, nicht mein Typ. Über ihr Folgeprojekt "Faith" habe ich an anderer Stelle ja mal geschrieben…

  • So was wie ein Meme: Prost, Mr. Hitchens


    Eher beiläufig ist mir in den letzten Tagen aufgefallen, dass viele Leute in Gedenken an Christopher Hitchens einen letzten Scotch als Salut heben – da will ich nicht nachstehen:

    Keine Ahnung, ob er Johnnie Walker getrunken oder überhaupt mit mir angestossen hätte, aber trotzdem: Der ist für Sie, Mr. Hitchens. Danke.

  • Christopher Hitchens: 1949-2011


    Das Drecksjahr 2011 lässt auch auf der Zielgeraden nicht locker.

    "The only position that leaves me with no cognitive dissonance is atheism. It is not a creed. Death is certain, replacing both the siren-song of Paradise and the dread of Hell. Life on this earth, with all its mystery and beauty and pain, is then to be lived far more intensely: we stumble and get up, we are sad, confident, insecure, feel loneliness and joy and love. There is nothing more; but I want nothing more"…

  • Loriot 1923-2011: "Mutter, wir danken dir!"


    Eine erwartbare, nichtsdestotrotz erschütternde Nachricht: Vicco von Bülow ist im Alter von 87 Jahren verstorben.
    Wie kein Zweiter konnte er den deutschen Kleinbürger in seiner vollständigen Hilflosigkeit, Ignoranz und Liebenswürdigkeit darstellen. Er entlarvte uns nicht – im Gegenteil: Er lehrte uns, dass es in Ordnung ist, in Ordnung sein zu wollen. Das Streben vergoldet auch das unvermeidliche Scheitern.

    Das Volk mit der eigenen Spießigkeit zu versöhnen: Loriot hat vielleicht mehr für das Selbstverständnis in diesem Land getan als Grass, Adenauer und Boris Becker zusammen.

    Nun ist er wenigstens wieder mit Evelyn zusammen…