Thema: Corona
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Es ist eine bedrückende Zeit. Nicht so bedrückend wie ein Weltkrieg – ich kann wahrlich einen Zwangsaufenthalt auf unserer Dachterrasse nicht mit Dauerbeschuss im Schützengraben vor Stalingrad vergleichen. Wie Gutsch im SPIEGEL neulich schrieb: ich gehöre zur Home Office-Elite und mir geht es schlicht zu gut, um zu jammern.
Das gibt mir auch die Zeit, ein wenig über das "danach" der Krise zu sinnieren. Das ist ja momentan auch so etwas wie ein Volkssport. Wird der ganze niedere Mittelstand mit ein paar Angestellten zusammen brechen, während sich die Mega-Konzerne mit Staatsknete aus der Scheiße ziehen lassen…
Es fällt mir momentan schwer, die Ruhe zu bewahren. Nicht wegen des Virus an sich, sondern wegen der Reaktionen darauf. Und damit meine ich – wie neulich schon – nicht die Hamsterkäufer oder Parkplatzcliquen, die vereinzelt immer noch den Schuss nicht gehört haben. Wir sind ein Land von 80 Millionen Menschen mit so vielen Idioten, dass die AfD in einigen Ländern eine Mehrheit besitzt. Da sind solche Ausfälle nicht nur zu erwarten – es wäre verdächtig, wenn es sie nicht gäbe. Noch dazu in einer Ausnahmesituation, denn wie heißt es so schön…
Ich spüre so ein Kratzen im Hals. Da steckt was drin. Da will was raus. Kein Virus. Ich kenne das schon. Es ist eine Widerrede – meine unangenehme Angewohnheit, gerade besonders vernünftigen und nachvollziehbaren Aussagen entgegen zu treten, sie zu packen, in der Hand zu drehen und zu denken "was kann ich denn damit NOCH anfangen?". Manche nennen das blanken Opportunismus, ich sehe es als rhetorische und intellektuelle Fingerübung. Und es ist mal wieder an der Zeit.
Momentan teilt sich die Welt, so scheint’s mir, in zwei Lager auf: Die hysterischen Hamsterkäufer – und wir, die wir uns in unendlich vielen Facebook-Postings und Memes über sie lustig machen und/oder sie verteufeln…
Es ist die erste wirkliche Pandemie, die ich miterlebe. Veranstaltungen abgesagt, in anderen Ländern bleiben die Schulen zu, Grenzen werden abgeschottet. Die Menschen horten Klopapier und Nudeln, in Arztpraxen wird das Desinfektionsmittel geklaut.
Was vor sechs Wochen noch nach einem Exotenproblem klang, das uns nur betrifft, weil wir über das Internet vom Weltgeschehen erfahren, ist angekommen. Ich komme mir vor wie im Vorspann der englischen Serie SURVIVORS von 1975, in der ein Ausbruch und die Verbreitung der Seuche perfekt in sparsame Bilder gepackt wurde:
Wir schauen uns die Webcams an vom Markusplatz in Venedig, von der Spanischen Treppe in Rom – gespenstische, fast postapokalyptische Leere…
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