Wortvogel vs. The World: Showdown im ICE


Es wird sich viel beschwert über die Bahn. Unpünktlich, kein Bordbistro, schmutzige Toiletten, kaputte Klimaanlagen. Mein Facebook-Feed ist voll von seufzenden, am Bahnsteig missgelaunt in ihr Handy tippenden Bekannten.

Mir ist das relativ wurscht. Ich fahre sehr selten Bahn. Und wenn ich Bahn fahre, ist die Bahn meist überraschend pünktlich, sauber und ungetümmelt. Um einen Blogbeitrag zu rechtfertigen, muss schon etwas wirklich, wirklich, WIRKLICH Bizarres passieren…

In diesem Sinne…

Es heißt ja oft, dass die meisten Konflikte auf Missverständnissen beruhen.

Zwei Menschen haben unterschiedliche Informationen, unterschiedliche Erwartungen, unterschiedliche Perspektiven. Im Idealfall redet man miteinander, klärt die Sache, schüttelt sich die Hand und geht seiner Wege. Eine erstaunlich robuste Methode, die sich über Jahrtausende bewährt hat.

Und dann gibt es die Deutsche Bahn.

Ihr erinnert euch vielleicht. Im April 2026 stand ich nach dem Ende der Fantasy Filmfest Nights mit einem Super Sparpreis-Ticket am Berliner Hauptbahnhof. Mittagszeit. Mein ICE Sprinter nach München sollte erst um 15.36 Uhr fahren. Es regnete, es war knapp über dem Gefrierpunkt, und ich hatte weder eine dicke Jacke noch Lust, drei weitere Stunden in der Hauptstadt rumzulungern.

Ich weiß, wie Sparpreis-Tickets funktionieren. Diese Fahrkarten sind gemeinhin so flexibel wie ein Betonpfeiler. Aber ich weiß auch, dass es Ermessensspielraum gibt und dass man mit Charme und Ehrlichkeit oft noch was drehen kann. Ehrlich bin ich. Also sprach ich im Reisezentrum des Hauptbahnhofs eine junge Dame an, die gerade wenig zu tun zu haben schien. Ich legte meine Karten auf den Tisch:

"Hallo. Vorab: ich weiß, dass ein Super Sparpreis-Ticket nicht umgebucht werden kann. Aber mir ist kalt, ich möchte heim zu meiner Frau, und alternativ muss ich sonst drei Stunden hier auf dem Bahnsteig frieren. Können Sie mir da vielleicht helfen?"

Die Mitarbeiterin war freundlich, hilfsbereit und verfügte über jene seltene Eigenschaft, die bei Großkonzernen gelegentlich wie ein Naturwunder wirkt: Empathie. Sie schaute kurz auf ihren Bildschirm und vermeldete, dass der nächste ICE kaum ausgelastet sei. Dann nahm sie mein Ticket, stempelte "Zugbindung aufgehoben" darauf und wünschte mir lächelnd eine gute Reise.

Bis hierhin also eine erfreuliche Geschichte. Man sollte sie sich einrahmen.

Ich fand im fast leeren Wagen des ICE einen Platz an einem freien Tisch und freute mich, jetzt vier Stunden Zeit für ein paar Blogbeiträge zu haben. Eternal sunshine in my spotless mind. Sollte man meinen.

Ich bin ja eher so der Typ:

Etwa eine halbe Stunde später kam die Fahrscheinkontrolle. Die Zugbegleiterin wirkte von Beginn an so, als hätte sie bereits entschieden, dass dieser Tag nicht ihr Freund werden würde. Sie schaute auf mein Ticket, scannte es aber gar nicht erst. Sie stellte mir auch keine Frage, prüfte nichts nach. Sie war sichtlich angefasst.

Dann erklärte sie mir, mein Ticket sei ungültig. Ein Super Sparpreis-Ticket könne man überhaupt nicht freigeben.

Ich schilderte ihr freundlich die Situation und dass die Kollegin in Berlin so nett gewesen war, eine Ausnahme zu machen. Ich verwies auf den Stempel, der die Zugfreigabe verbindlich bestätigte.

Das beeindruckte die Zugbegleiterin ungefähr so sehr, als hätte ich behauptet, 1982 eine Nummer 1 in den Country-Charts von Timbuktu gehabt zu haben. Stattdessen wurde sie zunehmend aggressiver und erklärte mir erneut, mein Ticket sei ungültig. Ich wurde etwas renitenter und verwies darauf, dass das ein Problem sei, das sie mit dem Reisezentrum in Berlin klären müsse.

Es lag Aggression in der Luft. Ich konnte deutlich spüren, dass die Zugbegleiterin mich nicht so einfach davon kommen lassen wollte. Sie wollte mich bestrafen, ihre Autorität ausspielen. Sie fand nur nicht den richtigen Hebel.

Weil mir die Sache zu dumm wurde und ich mich nicht auf einen Streit einlassen wollte, sagte ich es der Zugbegleiterin genau so: sie möge das intern klären, aber mich angesichts meines gültigen Fahrscheins nun bitte nicht weiter belästigen.

Sie entschied sich, meinen ausgedruckten Fahrschein zu nehmen und damit irgendwo hin zu verschwinden – vermutlich, um irgendeinen Kollegen zu finden, der ihr verraten konnte, wie sie mich dafür dran kriegen könne. Ein an sich schon unerhörter und in seiner Kleinlichkeit absurder Vorgang.

Nennt mich paranoid, aber ich hielt es für keine gute Idee, mir den einzigen Nachweis meines gültigen Fahrscheins wegnehmen zu lassen. Also erklärte ich ihr, dass ich das nicht akzeptieren könne. Sie bestand aber darauf, meinen Fahrschein für nicht weiter erklärte Prüfungen einzuziehen.

Daraufhin sagte ich ihr, dass ich in diesem Fall ein Foto von ihr machen würde, um zu dokumentieren, wer sich mein Ticket angeeignet hat.

Damit händigte ich ihr den Hebel aus, nach dem sie gesucht hatte. Die gesamte Situation bog scharf links ab und raste mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Irrenhaus. Als ich mein Handy hervorholte, um ihr Verhalten zu dokumentieren, reagierte die Zugbegleiterin, als hätte ich angekündigt, ihren Hund zu treten.

Lautstark erklärte sie, ich dürfe sie nicht fotografieren. Das sei verboten, strafbar, ausgeschlossen. Ihre Stimme kippte ins Hysterische, ihr Gesichtsausdruck vollends in die Feindseligkeit. Das bestärkte meinen Drang, den Vorfall sicherheitshalber zu dokumentieren. Retrospektiv unterstellt man ja immer, der Reisende sei der Arsch und der Zugbegleiter das arme Opfer.

Ich nahm also mein Smartphone und machte ein fixes Foto von ihr.

Sie holte mit ihrem eigenen Handy aus und schlug nach mir.

Nicht im übertragenen Sinne. Nicht gefühlt. Nicht metaphorisch.

Ich bin viel gereist. Ich habe Verspätungen erlebt, Zugausfälle, kaputte Klimaanlagen, verschwundene Reservierungen und Toiletten, die aussahen, als wäre dort kurz zuvor eine kleine Biomüll-Tonne explodiert.

Aber "Zugbegleiterin versucht Fahrgast mit Mobiltelefon zu hauen" war neu. Ich war trotz meiner Überforderung sehr froh, dass mein Handy in dem Augenblick ein zweites Foto machte, das ich nun als Beweismittel betrachten musste.

Was macht man in so einer Situation? Wie kann man das klären, de-eskalieren, oder wenigstens beenden? Wie entzieht man sich einem so absurden Konflikt?!

Die Zugbegleiterin drehte nun völlig am Rad und kreischte förmlich, ich solle die Fotos sofort löschen oder sie würde die Polizei rufen. Ich habe das dumpfe Gefühl, es ging ihr dabei nicht nur um ihr "Recht am eigenen Bild" – sie wurde langsam der Tatsache gewahr, dass sie gerade gewaltig Mist gebaut hatte.

Auch deshalb erschien mir die Polizei als die vernünftigste Option in diesem Konflikt und ich empfahl ihr, diese zu kontaktieren.

Die Zugbegleiterin verschwand. Wenig später erschien sie mit einem männlichen Kollegen, der leider auch keine Absicht zeigte, die Situation zu klären. Stattdessen erklärte man mir lediglich, dass ich aus dem Zug entfernt würde, falls ich die Bilder nicht sofort lösche. Im konkreten Moment wäre ich für eine Entschuldigung der Zugbegleiterin dazu sogar bereit gewesen, aber es war schmerzhaft offensichtlich, dass sie nicht zurückzustecken fähig war.

Ich weigerte mich, die Bilder zu löschen, denn sie zeigten exakt den Moment, in dem die Zugbegleiterin mit ihrem Handy nach mir geschlagen hatte. Mit anderen Worten: Die Bilder waren mittlerweile Beweismittel. Das Deutsche Bahn-Duo verschwand.

Nach ca. 15 Minuten, in denen ich mich selbst erstmal mühsam runterkochen musste, fuhr der ICE in Halle/Saale ein. Drei Polizisten betragen den Wagen – ein eindeutiger "Chef" und zwei Nachwuchs-Uniformträger. Sie baten mich, mit ihnen den Zug zu verlassen, was ich auch widerstandslos tat. Ich hatte kein Interesse, Stress zu machen oder den Zug an der Weiterfahrt zu hindern.

Mir war klar, dass ich mich in einer Verlierer-Position befand. Die Zugbegleiterin hatte der Polizei bestimmt eine ganz eigene Version der Geschichte gemeldet. Und wie ich weiter oben bereits schrieb: im Zweifelsfall glaubt man tendenziell, dass der Zuggast der Arsch ist und nicht die Zugbegleiterin. Ich musste also erstmal gegen die zu erwartenden Vorbehalte der Polizei anreden.

Am Bahnsteig schilderte ich deshalb bewusst ruhig und detailliert den Vorfall und zeigte die Bilder. Ich konnte außerdem den gültigen Fahrschein vorzeigen und belegen, dass es schlicht keinen Grund für einen Konflikt gegeben hatte.

Die Reaktion der Beamten lässt sich mit "sichtlich verwirrt" zusammenfassen. Die von den Bahnbediensteten verlangte Anzeige wurde "mangels ersichtlichem Tathergang" für nichtig erklärt. Nach Rücksprache mit ihrem Revier erklärte mir der leitende Polizist, dass kaum erkennbar sei, welche Straftat ich überhaupt begangen haben sollte. Er verstand auch, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt die Bilder nicht hatte löschen wollen, weil sie womöglich Beweismittel waren.

Gleichzeitig zeigte er mir eine Fahrpreisnachforderung über 130,80 Euro, die man ihm für mich in die Hand gedrückt hatte. Für einen Fahrgast mit gültigem Ticket.

Die Beamten nahmen nun sichtlich freundlicher meine Bilder als Beweismittel für ihr Protokoll auf und baten mich anschließend, sie zu löschen. Ich kam dieser Bitte nach, wohl wissend, dass ich im Zweifelsfall bei der Polizei wieder Zugriff darauf haben würde. Dann standen wir alle etwas unentschlossen beieinander.

Ich fragte die Polizisten, wie ich nun fortfahren sollte. Klar konnte ich den nächsten ICE nehmen, aber würde man dann wieder mein Ticket monieren? Hatte die Dame im Zug es vielleicht schon digital für "ungültig" erklärt? Die Polizisten erwiesen sich als sehr hilfreich und boten an, mich nicht nur zum Reisezentrum im Bahnhof zu führen, sondern dem Mitarbeiter dort auch meine Situation zu erklären.

Dem Leiter des Reisezentrums war ebenfalls völlig schleierhaft, was seine Kollegin im Zug geritten hatte. Er entschuldigte sich mehrfach. "Die muss einen sehr schlechten Tag gehabt haben", meinte er. Davon konnte ich mir allerdings auch keinen Keks kaufen.

Er bestätigte, dass die Mitarbeiterin im Berliner Reisezentrum selbstverständlich die Befugnis hatte, mein Ticket von der Zugbindung zu befreien. Mein Fahrschein sei gültig gewesen. Vollkommen eindeutig.

Dann stempelte er ihn erneut frei. Zum zweiten Mal. Innerhalb weniger Stunden.

Die Fahrpreisnachforderung erklärte er für gegenstandslos und bedauerte, dass ich dafür bei einem Online-Portal Einspruch einlegen müsse.

Damit war für den Tag erstmal alles geklärt und ich verabschiedete mich bei den Polizisten und den Bediensteten im Reisezentrum. Ich ließ angesichts der wilden Aktion eine Runde edles Gebäck vom Hotel Adlon springen.

Ich nahm den nächsten ICE nach München und entschied mich, der LvA die Geschichte erst beim Abendessen zu berichten. Why does it always rain on me?

Andererseits: Ich kann eine diebische Freude nicht leugnen, mit der ich in den nächsten Tagen Freunden und Familie die Story "Auf der Rückfahrt von Berlin haben mich übrigens die Cops aus dem ICE geholt" erzählt habe…

Zwei Tage später legte ich eine Beschwerde gegen die Fahrpreisnachforderung beim entsprechenden Online-Portal ein. Diesen Teil der Story habe ich euch ja schon erzählt. An das Ergebnis erinnert ihr euch vielleicht:

"Wir haben den Sachverhalt geprüft. Ihre Fahrkarte war für diese Fahrt doch gültig. Bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten. Der Vorgang ist damit abgeschlossen."

Ich mag die Formulierung "Unannehmlichkeiten". Sie hat etwas Beruhigendes. Abgeschlossen war die Geschichte für mich danach allerdings nicht.

Was mich bis heute fassungslos macht, ist nicht einmal die ursprüngliche Eskalation. Menschen haben schlechte Tage. Menschen machen Fehler. Menschen reagieren manchmal irrational. Das kommt vor.

Was mich fassungslos macht, ist die Kette von Fehlentscheidungen danach. Ein gültiges Ticket wurde ignoriert. Eine offensichtlich falsche Behauptung wurde verteidigt. Ein Fahrgast wurde aus dem Zug entfernt. Eine Fahrpreisnachforderung wurde erstellt. Und das alles mit einem gültigen Ticket in der Hand.

Der Kollege der Zugbegleiterin, die Polizisten – sie alle hätten auf die Bremse treten und dem Spuk ein Ende machen können, in dem sie die alberne Überreaktion der Zugbegleiterin als solche erkannt und abgehakt hätten. Alle notwendigen Beweise und Aussagen dafür lagen vor.

Ich habe schon in Firmen gearbeitet, die sehr strikte Regeln im Umgang mit Kunden gelehrt haben. Dazu gehört nicht "poche auf dein Recht". Die oberste Regel ist immer: Konflikte nicht ausarten lassen, Ruhe bewahren, den geordneten Ablauf nicht gefährden. Ich bin sicher, dass die Zugbegleiter das ebenfalls gelernt haben. Jemandem einen derartigen Ausfall nicht nur zu gestatten, sondern diesen auch noch zu befördern, ist ein persönliches Versagen an gleich mehreren Stellen.

Ich gab der Bahn einen Monat Zeit, mich entweder anzuzeigen oder sich für die Angelegenheit zu entschuldigen. Beides passierte nicht. Mein Instinkt sagte mir, ich solle die Sache auf sich beruhen lassen. Allerdings sagten mir mehrere Bekannte aus dem Umfeld der Bahn, ich dürfe die Zugbegleiterin mit diesem Verhalten nicht davonkommen lassen. So jemand müsse aus dem Kundenkontakt abgezogen werden.

Also setzte ich mich Anfang Juni doch noch mal hin und schrieb eine ausführliche Beschwerde an die Deutsche Bahn – was gar nicht so einfach war, denn ein explizites Portal für eine solche gibt es nicht. Mein Schreiben ging zuerst an die Compliance-Abteilung, die es netterweise intern weiterreichte.

Eine Woche später bekam ich per Email eine Antwort, die ich euch in den relevanten Ausschnitten nicht vorenthalten möchte:

Wir bedauern außerordentlich, wie Sie den Kontakt mit der Zugbegleiterin des ICE 1009 auf der Fahrt von Berlin nach München erlebt haben. Für das Auftreten der Mitarbeiterin bitten wir Sie ausdrücklich um Entschuldigung.

Wir haben Ihre Hinweise für eine interne Auswertung aufgenommen und können Ihnen versichern, dass wir Beschwerden sorgfältig auswerten und, wenn wir es für geboten halten, auch disziplinarische Maßnahmen einleiten. Allerdings bitten wir um Verständnis, dass wir uns dazu gegenüber Dritten nicht äußern, da die Regelungen zum Schutz personenbezogener Daten auch für unsere Mitarbeitenden gelten.

Darüber hinaus möchten wir festhalten, dass wir großen Wert auf ein freundliches und konstruktives Auftreten unserer Mitarbeitenden legen und ein solches Verhalten unter keinen Umständen geduldet wird.

Als Zeichen unserer Wertschätzung senden wir Ihnen Ihnen im Folgenden einen Reisegutschein im Wert von 100,00 EUR zu.

Wir hoffen, dass künftige Kontakte mit unseren Mitarbeitenden sowohl Ihren als auch unseren Ansprüchen gerecht werden, und wünschen Ihnen alles Gute.

Ich sage mal so: das machte den hässlichen Vorfall nicht vergessen, aber es ist die vermutlich beste Beilegung des Streits, die man ohne Zuhilfenahme von Anwälten erhoffen und erreichen konnte. Die nächste Tour nach Berlin zahlt die DB.

Es ärgert mich natürlich ein bisschen, dass ich nie erfahren werde, ob die Zugbegleiterin für ihre Schikanen abgemahnt wurde. Das würde mich sehr freuen. Aber ich verstehe auch das Argument des Schutzes persönlicher Daten. Es muss in diesem Fall reichen, dass ich mich nicht habe drangsalieren lassen.

Die LvA hat mir zu meiner Beruhigung bestätigt, dass ich nichts falsch gemacht habe und dass ich in diesem Fall nicht der Streithahn war. Das ist mir wichtig. Ich glaube nämlich, in den letzten Jahren massive Fortschritte gemacht zu haben, was meine Affektkontrolle angeht. Darauf bin ich stolz.

Schade finde ich, dass das eigentlich sehr positive Erlebnis mit den Mitarbeitern in den Reisezentren komplett von der Zugbegleiterin gesprengt wurde.

Wenn die Deutsche Bahn ein positives Image haben will – so wird das nichts.

P.S.: Letzte Woche bin ich wieder mit dem ICE Sprinter von Berlin nach München zurück. Wieder habe ich im Reisezentrum gefragt, ob ich die Fahrt vorziehen kann. Man hat mich stressfrei von der Zugbindung enthoben. Bei der Ticketkontrolle in Erfurt schaute die Zugbegleiterin kurz auf den Ausdruck. Kein Problem. Geht doch.

P.P.S.: Es klingt angesichts dieses Erlebnisses fast wie Hohn:



45 Kommentare

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heino
15. September, 2026 10:11

Ich habe 2 unerquickliche Jahre als Fahrkartenkontrolleur bei der Bahn (allerdings bei der DB Regio, nicht im Fernverkehr, was ein erheblicher Unterschied ist) gearbeitet und kann dir sagen, dass viele Zugbegleiter und Kontrolleure prinzipiell im Fahrgast den Schuldigen sehen und so einige auch bei ihrem Versuch, bei Polizei/Ordnungsamt zu landen, gescheitert sind und ihren Frust gerne an den Fahrgästen auslassen. Zwar hatte die Dame mit dem Foto prinzipiell Recht, aber da die Bahnbediensteten von ihren Chefs angehalten werden, auf ihren Namensschildern falsche Namen als Schutz gegen Vergeltungsversuche zu führen, hattest du kaum eine andere Möglichkeit. Die Polizei hätte das theoretisch im Zug klären können, da die Züge aber keine Verspätung aufbauen sollen und die Beamten bei einem ICE erst weit von ihrer Dienststelle entfernt hätten aussteigen können, konnten sie wohl nicht anders handeln

heino
15. September, 2026 13:52
Reply to  Torsten Dewi

Das mag dir widersinnig vorkommen, ist aber Tatsache. Erst die gewalttätige Eskalation hat das geändert, bis dahin wäre sie juristisch im Recht gewesen. Dass ihr Verhalten grundsätzlich dämlich und kundenfeindlich war, ist unbestritten

Schuhbidu
15. September, 2026 15:11
Reply to  Torsten Dewi

Ich denke, er meint, dass sie im Recht war, als sie sich nicht fotografieren lassen wollte. Und ja, da war sie im Recht.

Es ist immer wieder toll, was du hier so alles Spannendes erlebst. Und wie oft du mit irgendwelchen Menschen aneindergerätst, mir geschieht so gut wie nie irgendwas in der Art, und schon gar nicht so krass.

Zufälle gibt’s 😉

heino
15. September, 2026 16:57
Reply to  Torsten Dewi

Ich habe bei meiner Arbeit für die DB Regio sehr oft Situationen erlebt, in denen solche Fotos gemacht wurden und die wurden ausnahmslos von der Polizei als rechtswidrig eingestuft. Aber gut, ich bin kein Rechtsanwalt, da werde ich mich nicht darauf versteifen, im Recht zu sein

Daniel
16. September, 2026 08:52
Reply to  Torsten Dewi

Ich hab die Stellen jetzt zwei Mal gelesen und es nicht verstanden: Warum musstest du jetzt unbedingt zu genau dem Zeitpunkt ein Foto von ihr machen? Hatte sie schon deinen Fahrschein in der Hand und war im Begriff sich umzudrehen?
Falls das nicht der Fall war, verstehe ich nicht, warum du "fix" ein Foto von ihr machen musstest?

andreas
15. September, 2026 10:33

Nicht zu viel versprochen – ein großes WTF? Nicht.Zu.Glauben.
Es ist mir nur so denkbar: Zugbegleiter IST ein echter Schmerzjob. Offenbar die letzten Jahre immer zunehmender. Ich habe keine Zahlen, aber bin mir fast sicher, dass de Mitarbeiter tatsächlich öfter mit Arschlöchern zu tun haben, als umgekehrt. Und du warst dann der eine, der all dies stellvertretend abbekommen sollte. Tragisch nur, dass man offenbar soviel Balast mit sich trägt, dass man dann nicht mehr in der Lage ist, die eigentlich gute, weil richtige und normale Situation auch so einzuschätzen. Kurz innezuhalten – und runter kommen.

andreas
15. September, 2026 11:06
Reply to  Torsten Dewi

Ja sie wird ja wissen, dass dieser Stempel gültig ist – rätselhaft, was da der Gedankengang war. Was dachte sie, wie es ausgehen würde? Ich wäre froh, über jeden Kunden, an den ich ohne weitere Worte vorbeigehen kann.

Marcus
15. September, 2026 10:36

Bravo, da hast du dich gut im Griff gehabt.

Ich gestehe, mich hätte es gewurnt nicht zu wissen, ob es für die Trulla Konsequenzen gehabt hat, dass sie nach Fahrgästen schlägt. Deshalb hätte es mich in den Fingern gejuckt, das mit Anzeige und Anwalt zu eskalieren, nur um Auskunftsrecht zu haben. Wohl wissend, dass das a) vergeudete Lebenszeit und b) kleinliche Rachsucht und damit dem Meltdown meiner neuen "Freundin" gar nicht so unähnlich wäre.

15. September, 2026 11:59

😒 Mich würde an dieser Stelle schon ein bisschen das Privatleben dieser Dame interessieren. So richtig glücklich scheint sie mit ihrem Beruf und ihrem Leben ja nicht zu sein.
Ich habe in meinem jungen Leben auch schon einige dieser ständig auf Krawall gebürsteten Kampfemanzen erlebt. Denen geht es einfach nur darum, Recht zu haben und das letzte Wort haben zu müssen.
Alternativ hätte sie bei unklarer Sachlage einfach die Personalien des Fahrgastes samt Foto des Tickets aufnehmen, den Fahrgast erstmal in Ruhe weiterfahren – und später ggf. bei tatsächlicher Ungültigkeit immer noch eine Nachforderung per Post schicken können.
So wäre ich vorgegangen 🤷

McCluskey
15. September, 2026 12:23

"Letzte Woche bin ich wieder mit dem ICE Sprinter von Berlin nach München zurück. Wieder habe ich im Reisezentrum gefragt, ob ich die Fahrt vorziehen kann."

Pah, das hast du doch extra gemacht, um wieder Blogfutter zu provozieren oder gar Miss "Schlagende Argumente" wiederzusehen!!!!1!111

archivfreak
15. September, 2026 12:31

Der Stress auf deiner Fahrt tut mir leid. Dein Bericht ist allerdings wirklich herausragend geschrieben. Zur Ehrenrettung der Bahn: Ich habe zum Glück bisher nie annähernd Vergleichbares bei der Bahn erlebt. Eigentlich nur höfliches und kulantes Verhalten. Die Dame hatte wohl einen extrem schlechten Tag und hat die Chancen, die Situation aufzulösen, mehrfach nicht genutzt. Deine Selbstreflexion finde ich toll, ich werde erinnert, wie wichtig "Ruhe bewahren" ist…

15. September, 2026 12:58

Ja puh. Hab sowas zum Glück noch nicht erlebt, aber ich fahre auch wirklich selten mit der Bahn. Meine Erfahrung (ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit) dazu: Die Bahn ist nie pünktlich. Wirklich nie. Ich hatte keine einzige Bahnfahrt, die zeitlich passierte wie vorgegeben. Dafür waren alle Bahnmitarbeiter immer nett und freundlich. Immer. Aber wie gesagt, ich fahre selten mit der Bahn und hatte wohl einfach nur Pech mit den Zeiten und Glück mit den Menschen.

Flossensauger
15. September, 2026 17:46

Meine Bahn-Robo-Cops-Geschichte: Ich pendel mit dem Nahverkehr 20 Jahre lang, immer die selbe Strecke. Die netten Zugbegleiter kontrollieren während der Fahrt, mittlerweile kennt man sich. Ich sitze im Zug, der nicht abfährt, man hat keine Information warum. Ein sehr, sehr alter Bahnmensch, noch nie gesehen, in akkurater Uniform steigt ein, brüllt: "Fahrscheine!" Ich in ganz normaler Lautstärke, eher belustigt: "Wohl eher Stehscheine. Wann geht’s denn los?" "Fahrschein!" Ich halte ihm meine Brieftasche mit meinem Deutschland-Ticket hin. "Rausnehmen!" Musste ich in den Jahren seit der Einführung nicht ein einziges Mal. Verlängerung funktioniert automatisch, habe das Ticket einmal in das Fach hinter die Folie geschoben und seit her nie herausgenommen. Wollte auch nie ein Zugbegleiter von mir. Personalausweis steckt daneben, zur Identifikation. Der geht auch 'raus, ist auch 2mm kleiner.

Und, war klar: Ich bekam das D-Ticket nicht heraus. Steckte fest. Probiert, gebastelt, getan. Dem Bahnmensch die gesamte Breiftasche gegeben. Eine junge Frau gegenüber erbot sich: "Ich habe lange Fingernägel, soll ich mal?" Klappte nicht. Ich sollte also den Zug verlassen, der immer noch stand. Ich, immer noch höflich: "Kontrollieren sie doch erst mal den Rest vom Zug, notfalls schneide ich den noch 'raus." Da ist er explodiert und hat mit hysterischer, überschlagender Stimme in sein Handy gebrüllt, so das sich zwei ältere, ganz seriöse Mitfahrer böse erschreckten und beschwerten. Welchen Terrorcode er da benutzt hat weiss ich nicht: Vier komplett gepanzerte Riotcops kamen schnaufend die Treppe hoch und in den Zug, wussten aber nicht wohin. Als ich ihnen von dem Zugbegleiter gezeigt wurde fragte der erste: "Ernsthaft? Dafür?" Ich bin dann mit 'raus, Teile der Fahrgäste beschwerten sich noch. Dann stand ich mit den vier Robocops auf dem Bahngleis und plötzlich konnte der Zug abfahren. Ich fragte sie ob das ein übliches Vorgehen wäre, was sie kopfschüttelnd verneinten. "Hoffentlich geht der endlich in Rente" war noch zu hören, und die sind dann ab.

Ich hatte nun Zeit, zum Kundenbüro hoch, beschwert, sollte 60€ wegen "Fahrterschleichung" zahlen. Habe ich nicht und die 7€ wegen "vergessener, aber gültiger Fahrkarte" nur unter Protest und mit Vorbehalt bezahlt (wg. der kurzen Frist).

Nächste Bahn fiel komplett aus (Hydraulik der Bremsen zeigte Signale), also noch eine Stunde gewartet. In der Bahn dann brauchte ich meinen Ausweis gar nicht zeigen, wurde so abgenickt, da Stammkunde.

Zuhause Beschwerde geschrieben, 7€ zurück und vorformuliertes Entschuldigungsschreiben erhalten.

16. September, 2026 12:28
Reply to  Flossensauger

Jessas

15. September, 2026 17:57

Wie ich mich kenne, hätte ich bei den Polizisten Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gestellt. Selbst wenn man sich im Recht fühlt, kann man doch nicht einfach auf einen Fahrgast einschlagen. Warum du das nicht gemacht hast, ist mir nicht ganz klar.

S-Man
15. September, 2026 18:25

Ich bleibe dabei. Ich hätte die Frau definitiv angezeigt. Denn tatsächlich ist die Gefahr, dass das Ding in den Compliance-Zentren verbleibt, leider sehr hoch (reine Vermutung, Erfahrung aus anderen Unternehmen).

Aber Chapeau: "Verhaftet werden (im Idealfall unschuldig)" steht noch auf meiner Bucket List. Und das hier kommt dem ziemlich nahe.

15. September, 2026 18:42

Das ist ja unfassbar. Als jemand, der selbst nicht selten in absurde Situationen gerät, bin ich beeindruckt davon, wie souverän du geblieben bist. Und freue mich auf die Verfilmung mit Jason Statham.

A.A.R.G.U.S.
15. September, 2026 20:58

Wart Ihr Beiden denn ganz alleine im Waggon? Und wenn nicht, haben denn die anderen Fahrgäste irgendwie reagiert, sich beschwert o. ä. Oder haben die alle weggeschaut?

A.A.R.G.U.S.
16. September, 2026 20:04
Reply to  Torsten Dewi

OK! Das ist krass!

Raphael
16. September, 2026 00:57

Ich bin gerade etwas überrascht: auf welcher Basis sollte denn das Fotografieren der Zugbegleiterin verboten sein?

§201a StGB betrifft nur den geschützten persönlichen Bereich, das KunstUrhG untersagt nur die Veröffentlichung ohne Erlaubnis. DSGVO greift wegen berechtigtem Interesse nicht. Steht da was in den Beförderungsbedingungen?

Volker
16. September, 2026 09:29
Reply to  Torsten Dewi

Also intuitiv würde ich schon sagen, dass das erste Foto ein Geschmäckle hat. Sagen wir mal, die Kontrolleurin wäre freundlich aber unerfahren und hätte gesagt „warten Sie bitte einen kurzen Moment, ich muss hierzu einen Kollegen etwas fragen.“ und der Fahrgast hätte mit „Klar doch, ich mache nur schnell ein Foto von ihrem Gesicht.“ reagiert. Da würden sich glaub ich die wenigsten auf die Seite des Fahrgastes stellen. Hier wäre meiner Meinung nach Feintuning in Sachen Deeskalation möglich gewesen.

So oder so hätte es am Ausgang der Situation vermutlich wenig geändert und ich möchte das Verhalten der Dame (und ihres Kollegen) auch in keinster Weise rechtfertigen. 100€ für dich sind da zu wenig und die Zeit der Beamten sollte der DB zusätzlich in Rechnung gestellt werden. Es wird ohnehin viel zu wenig darüber gesprochen, welchen Anteil die DB an den (angeblich?) zunehmenden Konflikten zwischen Fahrgästen und Personal hat.

Danke für deinen Bericht.

Volker
16. September, 2026 09:50
Reply to  Torsten Dewi

Natürlich nicht. Aber „mangelhaft Freundlichkeit“ rechtfertigt ja kein Foto. Fotos sind in Deutschland ein ultra sensibles Thema und Menschen werden nie weniger aggressiv, wenn sie bei Scheiße bauen fotografiert werden.

Aber wie gesagt: das ist eine Kleinigkeit und ich bin beeindruckt, wie sachlich du geblieben bist.

Volker
16. September, 2026 16:05
Reply to  Torsten Dewi

Oder du liegst mit deiner Einschätzung zum Fotografieren anderer Personen (sowie deinem Tonfall mir gegenüber) ziemlich daneben. Du kannst so sehr im recht sein, wie du willst. Das Fotografieren hat seinen Teil zur Eskalation beigetragen.

Luc
21. September, 2026 09:11
Reply to  Torsten Dewi

Du hättest sicher erst einmal verlangen können, das Ticket mit dem Stempel zu fotografieren, bevor sie damit abrauscht, und erst bei Verweigerung ein Foto auch von ihr machen. Denn Zeitpunkt des Fotos wäre ausreichend Beweis gewesen, dass du im Zug über das Ticket verfügt hattest, unabhängig davon, wie absonderlich die Dame sich danach verhalten hätte. Aber das ist natürlich ein post-hoc-Gedanke aus der Fahrradketten-Abteilung.

heino
16. September, 2026 11:30
Reply to  Volker

Dass die Übergriffe zunehmen, bezweifle ich keine Sekunde. Wie schon gesagt, habe ich von 2020 – 2022 in dem Job gearbeitet und sehr viel Glück gehabt, dass mir nix passiert ist. Viele meiner damaligen Kollegen wurden schwer verletzt – oft ohne, aber so manches Mal auch durch eigenes Zutun – und z.T. psychisch traumatisiert. Man hat es ja nicht nur mit "normalen" Leuten zu tun, sondern auch mit Obdachlosen, Junkies, Alkoholikern, notorischen Bahnhassern usw. Da sind immer Leute bei, denen schnell die Sicherung durchbrennt. So wie es bei der Bahn immer Leute gibt, die sich einen auf ihre Uniform hobeln und glauben, sie könnten sich verhalten wie die Axt im Walde

Walter K. aus H.
16. September, 2026 18:11

Dass ich Max Goldt mal einer Korinthe überführen würde …

Der in der Karikatur genannte Forscher hieß nicht Daniel, sondern David Livingstone

Wienpirat
17. September, 2026 19:57

Ich lass mal meine lustigste Bahnkontrollengeschichte hier, vielleicht erheitert sie ja jemanden.

Ich fahre grundsätzlich wenn ich in die Firma muss mit der ersten S-Bahn am Morgen.
04:35. Die hat den Vorteil, dass sie selten bis fast nie ausfällt.

Eines schönen, von Eisregen und harten Minustemperaturen geprägten Morgen, tat sie es doch. Auch die 05:05er. Die 05:35er kam. Als Kurzzug. Für die Leute von 3 S-Bahnen.

Aus, wie die Durchsagen es mitteilten, "betriebsbedingten Gründen".

Nun standen wir da, dichtgedrängt, nass, frierend im Zug – als die Stimme erschallte "Fahrkartenkontrolle". Ein netter Herr neben mir lehnte die mit den Worten "fällt aus betriebsbedingten Gründen aus" ab.

Tat sie dann auch. Ich habe auch keine Ahnung, wie der Zugbegleiter überhaupt durch die Menschenmasse hätte durchkommen wollen.

Streichholzmann
17. September, 2026 23:30
Reply to  Wienpirat

Passiert hier aber regelmässig. Ausflügler zur Bastei, Rammstein in DD, Himmelfahrt oder Dynamo DD Heimspiel… zack ist die Hütte voll und der Schaffner lahm gelegt!
Gruss aus der Sächs. Schweiz!

gerrit
21. September, 2026 01:44

Herzlichen Glückwunsch zum Bloggeburtstag nachträglich.
Und auch noch mein Senf hierzu: Die falsche Person ist ausgestiegen. Alle Nase lang kommen Züge zu spät, es ist absolut nicht einsehbar, warum du nicht sofort den Spiess umgedreht hast und die Dame angezeigt hast. Ja, ich kann lesen, du wolltest keinen Stress. Aber so konnte diese unglaubliche Person andere Fahrgäste drangsalieren. Vielleicht hätte es ihr selbst auch nicht geschadet, mal runterzukommen. Wie ein Sportler, der sich zur Vermeidung eines Platzverweises auswechseln lässt. In meinem Job erlebe ich es häufig, dass die Bösen beim Anblick der Freunde und Helfer in die Offensive gehen und bis zum Videobeweis des Gegenteils behaupten, wir hätten sie geschlagen oder geschubst.