Wir unterbrechen das Fantasy Filmfest-Programm für… Kino-Kritik: RUNNER
Offizielle Synopsis: Der ehemalige Elitesoldat Hank Malone verdient sein Geld als Kurier für besonders heikle Frachten und macht dabei um Ärger stets lieber einen großen Bogen, bis ihn eines Tages ein besonders lukrativer Auftrag mitten in eine mörderische Verfolgungsjagd katapultiert. Gemeinsam mit dem medizinischen Kurier Ben soll Hank ein überlebenswichtiges Organ für ein todkrankes, siebenjähriges Mädchen transportieren. Doch ein skrupelloser Verbrecherboss hat es ebenfalls auf die wertvolle Fracht abgesehen. Die Mission eskaliert, als die brutale Gang vor nichts zurückschreckt, das Organ in ihre Gewalt zu bringen. Hank und Ben geraten plötzlich in einen gnadenlosen Wettlauf gegen die Zeit. Während die Straßen entlang der australischen Gold Coast immer mehr zum Schlachtfeld werden, muss sich Hank auch noch den Dämonen seiner eigenen Vergangenheit stellen.
Kritik: Damit hatte ich jetzt auch nicht gerechnet – RUNNER hat eigentlich ein Embargo bis zum 8.9., aber dieses wurde kurzfristig heute aufgehoben. Und weil Filmkritiken ungefähr das Haltbarkeitsdatum eines frischen Fisches haben, ziehe ich das vor Wochen geschriebene Review etwas vor.
Bei diesem Film hatte ich ein brutales Déjà-vu auf gleich mehreren Ebenen. Das Screening fand im GLORIA statt, einem Kino, das sehr selten für Pressevorführungen gebucht wird. In der internationalen Produktion tritt ein Midlevel-Actionstar gegen einen südamerikanischen Bösewicht an. Das Screening wurde zudem extrem früh abgehalten – fast zwei Monate vor dem Kinostart.
All das – und einiges mehr – ist deckungsgleich mit FREELANCE.
Hinzu kommt, dass die Story von RUNNER praktisch identisch mit meinem eigenen VOLLGAS ist – nicht dem Film, den ProSieben produziert hat, aber dem Entwurf, den ich dazu eingereicht hatte. Da sollte der Held nämlich ein Auftragsfahrer sein, der eines Tages ein Organ für ein todkrankes Kind in Rekordzeit zum Hospital bringen muss, dann aber Zielscheibe von Dutzenden von Gangstern wird, die das Organ lieber für einen sterbenden Mafiaboss sichern möchten.
Wenigstens zeigt RUNNER nun, wie VOLLGAS hätte aussehen können…
Zu FREELANCE schrieb ich vor drei Jahren:
Eine im besten wie im schlechtesten Sinne altmodische Actionkomödie im Cannon-Stil der 80er, die sich tonal nicht entscheiden kann und zu insgesamt zu wenig bietet, um einen Kinobesuch zu rechtfertigen.
Das kann man auch für RUNNER sagen. Ja, der Film hat ein solides Tempo, ein paar schmerzhafte Fights, viele Verfolgungsjagden durch Brisbane und einen sauber gesetzten Countdown für den McGuffin der Organkühlbox. Aber er wirkt dabei furchtbar generisch und uninspiriert. Früher hätte man unterstellt, dass der Autor einfach alle Actionklischees der 80er und 90er in den Mixer geworfen hat – heute ist das Äquivalent "der sieht nach KI-generiertem 08/15-Remmidemmi aus".
Klar ist Hank ein schweigsamer, beinharter Kerl. Ex-Elite-Soldat, natürlich. Persönliche Dämonen in Form von Alkohol und gescheiterter Ehe, sicher. Die Chance zur Überwindung seiner Traumata durch die Rettung der kleinen Ellie. Eine Hund & Katz-Beziehung zur Nervensäge Ben Bishop inbegriffen.
Das alles hängt sich so verzweifelt an die abgegriffensten Klischees, dass sich RUNNER als Paradebeispiel der Tropen anbietet, die man eben nicht mehr bedienen sollte. Alles hat ein Verfallsdatum – und praktisch jede Szene hier hat sie überschritten.
Dazu gehört, dass für die Rettung des Mädchens locker 50 Leute über die Klinge springen müssen, Polizisten und Passanten inklusive. The math won’t math.
Das heißt nicht, dass RUNNER wirklich schlecht ist. Er ist nur… meh. Den größten Teil seines Entertainments zieht er nicht aus den bestenfalls kompetent inszenierten Actionszenen, sondern aus dem selbst im Leerlauf spürbaren Charisma von Alan Ritchson und Owen Wilson (der im vergleichbaren NO ESCAPE deutlich mehr überzeugen konnte).
Unter dem Strich ist RUNNER erheblich besser als der hirntote FREELANCE, fühlt sich aber dennoch wie ein Steuerabschreibungsprojekt an, bei dem keiner der Beteiligten mehr als Dienst nach Vorschrift leisten wollte/konnte.
Vom Regisseur von Expend4bles – das mag euch Köder oder Warnung sein.
Fazit: Ein solider mid-budget Actioner für zwischendurch. Das Skript ist etwas hüftsteif und es fehlen die wirklichen Highlights, aber Alan Ritchson empfiehlt sich erneut als der nächste Jason Statham oder John Cena.
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Auch wenn die Meinung wahrscheinlich nicht oft geteilt wird, aber ich wäre nicht abgeneigt zu sehen, wie Alan als Batsy aussehen würde.
Der Vergleich mit Statham ist gut, ich schaue tatsächlich alles, was Ritchson so raushaut, genau wie bei Statham. Die Ergebnisse sind aber leider auch genau so unterschiedlich wie bei Statham – die "Reacher"-Serie ist großartig, "War Machine" fand ich okay, und "Playdate" sterbenslangweilig. Von "Runner" erhoffe ich mir zumindest solide Buddy-Action, die Kombi mit Wilson stelle ich mir unterhaltsam vor.
Und auch ich würde mich über Ritchson als grimmigen Batman-Klotz freuen. Ich mochte die Verfilmung mit Pattinson, aber in den Comics meiner Jugend war Batman immer eher ein breiter Schrank als ein schlanker Akrobat …
Den sprechenden Schinken als Batman? Nääääh.
Die lobenden Worte für Alan Ritchson irritieren mich – der Typ ist doch so hölzern, dass er in Verbindung mit seiner Muskelberg-Physis ziemlich weit oben auf meiner persönlichen "most likely to have always been AI"-Liste steht.
Das ist ja so schön an dieser Welt 🙂 Der eine mag etwas, der andere nicht. Und das gute daran: Keine der beiden Meinungen ist falsch.
Hölzern? Der Mann ist doch der pure Charmebolzen. Für "Reacher" hat er die gesamte zugrunde liegende Buchreihe durchgeackert und soll wohl, laut Kenner der Bücher, den Charakter ziemlich gut verkörpern (also, nicht nur von der zweifellos beneidenswerten Körperlichkeit her). Und ich hab eine Schwäche für Filme, in denen Unrecht gerächt wird, indem der größte Schrank mit den meisten Muskeln reihenweise die Bösewichte vermöbelt. Es ist ein simples Genre, aber hey, ich bin ein simpler Mann.
Ich gehöre auch zu den Ritchson-Fans – der hat massiv mehr Charisma als z.B. John Cena.
Ritchson hat dicke Pluspunkte bei mir gesammelt,seitdem er in diesem Jahr einem pöbelnden Nachbarn eine gelangt hat.
Nicht zu vergessen,das er es gewagt hat gegen den Orange-POS auszuteilen.
Ich finde ja interessant, daß hier hauptsächlich das Skript kritisiert wird und gleichzeitig war der Film auf der 2023er "Blacklist" (d.h. die laut Umfrage unter Studio Executives beliebtesten Skripts, die nicht produziert wurden). In der Kurzinhaltsangabe der Blacklist ist ja übrigens von LAX nach Santa Barbara die Rede – d.h. die Macher haben den ursprünglich in Los Angeles spielenden Film nach Australien umgesiedelt. Das wird wohl irgendwelche produktionstechnischen Gründe gehabt haben, aber ein US-Armeeveteran ausgerechnet in Australien finde ich jetzt auf den ersten Blick etwas seltsam.
Ich werde mir den Film sicher mal anschauen wenn er im streaming aufschlägt.
Finde hier aber tatsächlich das dahinterliegende Filmstudio fast noch spannender als den Film.
Angel Studios hat bisher eher rechtskonservativen christlich angehauchtes Klientelkino gemacht.
Neuerdings kaufen sie sich aber mit Richardson, Owen Wilson und Kevin James auch etwas grössere Schauspieler ein und schielen auf den Mainstream. Und die Filme erreichen so auch unsere Kinos.
Das ist in der Tat spannend. Vielleicht mache ich da irgendwann mal ein Thema draus.
Ich empfehle ergänzend falls Du noch tiefer in den Kaninchenbau eintauchen möchtest die Filme / Studios mit Beteiligung von David A. R. White auch mal zu durchleuchten.
Ihr erster größerer Erfolg war der Vertrieb von Sound of Freedom, den zwar Disney produziert hatte, aber nix damit anzufangen wußte. Richtet sich ganz klar an christlich/konservatives Publikum – Bibelstoffe, "Young Washington",… Der einzige Ausreißer war für mich der Animal Farm Animationsfilm.
Da kann man sich aber alternativ auch 2 beliebige Folgen von Jack Reacher anschauen, oder?
Ich nicht, ich schaue Serien UND Filme mit Ritchson.
Fand übrigens auch "The Ministry of Ungentlemanly Warfare" ziemlich unterhaltsam. Alan Ritchson und Henry Cavill spielen ein amüsantes Duo, und das ganze ist (mal wieder) leichtfüßig von Guy Ritchie inszeniert.
Gut, das mit „Runner“ und „The Runner“ zwei fast identisch klingende Titel zeitgleich ins Kino kommen – wobei letzterer ja wohl noch schlechter sein soll…
Der hier liest sich leider auch maximal generisch und nach dem lahmen „War Machine“ bin ich erstmal vorsichtig. Vielleicht dann im Stream.