Film-Kritik: BEWARE BOIÚNA


USA/Deutschland. Regie: Mike P. Nelson. Darsteller: Logan Marshall-Green, Kiana Madeira, Jessica Rothe,  Juan Pablo Shuk, Jaime Newball u.a.

Offizielle Synopsis: Ein junges Ärzteteam reist im Rahmen einer humanitären Mission mit einem Schiff tief in den Amazonas-Regenwald und macht sich damit nicht nur Freunde. Ihr Besuch ruft eine uralte Jägerin auf den Plan: die Boiúna. Diese mythische, aus dem kolumbianischen Volksglauben stammende Riesenschlange kehrt zurück, um ihr Territorium zu verteidigen. Sie entscheidet, wer lebt und wer stirbt. Mitten im dichten Dschungel entfacht ein unerbittlicher Kampf ums Überleben, in dem die Grenzen zwischen Jäger und Gejagtem immer mehr verschwimmen.

Kritik: Die Zahl der Filme, die ich nicht primär wegen ihrer Machart, sondern wegen ihrer alles durchdringenden Botschaft ablehne, nimmt zu. Man kann durchaus unterstellen, dass das Problem demnach bei mir liegt, dass sich meine Sicht der Dinge nicht mehr analog zum Zeitgeist weiterentwickelt.

Mike P. Nelson, dessen SILENT NIGHT DEADLY NIGHT-Remake mir letztes Jahr ganz gut gefallen hat, präsentiert seinen ANACONDA hart an den Klischees entlang: die Forscher im exotischen Gefahrengebiet, die Warnungen der Einheimischen, die mythische Gefahr aus dem Unterholz. Who will survive – and what will be left of them?

Darüber hinaus hat BEWARE BOIÚNA allerdings noch ganz andere Ambitionen. Es ist ein explizit anti-kolonialistischer und anti-kapitalistischer Film, der seine Protagonisten als schlimmstenfalls kriminelle, bestenfalls gutmenschlich-fehlgeleitete Eindringlinge darstellt, deren ausbeuterisches Verhalten das Auftauchen der Boiúna nicht nur heraufbeschwört, sondern rechtfertigt. Jenseits aller Tropen des Genres ist die Monsterschlange hier "das Gute" und ihre Massaker an den Menschen sind zudem von einer Art quasi-religiöser Beschützerrolle sanktioniert.

Das funktioniert eher so mittel, weil der Film halt nicht die Geschichte der Schlange erzählt, sondern der Mediziner auf dem Boot – und die sind wirklich ausgesucht doofe Arschlöcher, denen man bei aller zur Schau getragenen Wohltätigkeit augenblicklich den Tod an den Hals wünscht. Erst zur Hälfte wechselt der Fokus und wir begleiten alternative Figuren ins Finale.

Man spürt, dass der Film sehr mühsam versucht, die Standards des Genres zu bedienen, ohne nur Standard zu sein. Aber er bleibt dabei halbherzig, weil die fiesen Menschen eben die Attacken der Monsterschlange nicht wirklich vergolden und alle Kritik am Raubbau der Natur in den Klischees stecken bleibt.

Ich bin letztlich hin- und hergerissen. Einen 0815-Monsterfilm hätte ich als redundant abgekanzelt. Sollte mir dann nicht der Versuch zusagen, dem Plot eine neue Ebene einzuziehen, die veralteten Motive etwas aufzufrischen? Auch nicht. Weil ich das penetrant und transparent finde. Aber ich erwähnte es weiter oben: da mag der alte weiße Mann sprechen, der die Zeit nicht (mehr) versteht.

Wem es also aktuell an "man vs. nature"-Horrorfilmen mangelt, der ist mit BEWARE BOIÚNA durchaus gut bedient. Dass man sich mitunter an den Kopf fasst angesichts des Geschehens auf der Leinwand – nun gut, das ist ja so neu nicht.

Fazit: ANACONDA für die Fridays For Future-Generation. Erdig, schwitzig, schlammig, durchaus spannend, aber mit unsäglich nervigen Charakteren und permanent erhobenem Zeigefinger.

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A.A.R.G.U.S.
18. September, 2026 20:35

"Stupid German Money" oder was?

A.A.R.G.U.S.
18. September, 2026 23:29
Reply to  Torsten Dewi

Gar nichts! Ich habe mich nur gefragt, was denn nun der deutsche Beitrag zu diesem Film sein soll.
Und den Ausdruck "Clever German Money" gibt es in diesem Zusammenhang ja nicht, jedenfalls habe ich bisher nichts darüber gelesen.
Es werden ja immer nur die Negativbeispiele bundesdeutscher Filmfinanzierung im Ausland herausgepickt. Sollte es in diesem Fall hier tatsächlich anders sein?
Diese Gedanken trieben mich um.

23. September, 2026 16:55

Danke fürs warnen, von meiner Liste gestrichen.

5. Oktober, 2026 16:42

Mehr noch als am erhobenen Zeigefinger störte ich mich an der Inszenierung. Das Bild ist viel zu dunkel, die Kamera wackelt ständig herum, ist zu nah am Geschehen, und dann ist das alles auch noch hektisch geschnitten. Als folge daraus ist eigentlich nicht erkennbar, was hier vor sich geht. Dass ich – so wie du – an keine der Figuren andocken konnte (und mir dementsprechend ihr Schicksal egal war) kommt dann noch dazu. Und etwas weniger Ernst und mehr Humor und Ironie hätten auch nicht geschadet. Da kann selbst die Tatsache, dass man offensichtlich versucht hat, so weit als möglich auf CGI zu verzichten, nichts mehr retten.