Film-Kritik: RESIDENT EVIL 2026


USA/Deutschland 2026. Regie: Zach Cregger. Darsteller: Austin Abrams, Paul Walter Hauser, Zach Cherry, Kali Reis, Johnno Wilson u.a.

Story: Bryan hat keinen guten Tag. Seine Freundin ist ungewollt schwanger und er muss mit seiner Schrottkiste im tiefsten Winter eine Organbox nach Raccoon City transportieren. Zu allem Unglück überfährt er auch noch eine Frau und hat fast augenblicklich den Sheriff im Rückspiegel. Aber das ist erst der Anfang, denn weder befindet sich ein Organ in der Organbox, noch war die Frau auf der Straße ein Mensch…

Kritik: Wow – RESIDENT EVIL – WELCOME TO RACCOON CITY ist auch schon wieder fünf Jahre her? Die Zeit zerrinnt mir in der Hand wie der Sand in einer Sanduhr. Da bietet sich ein Kassensturz an.

RESIDENT EVIL ist die vermutlich potenteste "cash cow" im Bereich der Videospiel-Adaptionen. Neben den sechs Kinofilmen von Paul W.S. Anderson gab es fünf Animationsfilme, eine vierteilige TV-Trickserie, eine achtteilige Netflix-Serie, und nun den zweiten Reboot mit RESIDENT EVIL, fürderhin RE2026 genannt.

Das ist umso erstaunlicher, da keiner der RESIDENT EVIL-Kinofilme bei Metacritic jemals eine Wertung über 50 Prozent ergattern konnte.

Ich war nie ein Fan.

Manchmal erinnert mich das an MORTAL KOMBAT und Constantin an einen Junkie: Der erste Schuss war eine Offenbarung und fühlte sich so gut an, seither kann man nicht mehr davon lassen, auch wenn der Trip zunehmend unschöne Nebenwirkungen hat. Man hängt an der Nadel.

So war es nach dem Scheitern von RESIDENT EVIL – WELCOME TO RACCOON CITY nur eine Frage der Zeit, bis man erneut versuchen würde, wieder Leben in den Kadaver zu pumpen, der immer mehr aussieht wie die mutierten Monster aus dem Labor der Umbrella Corporation. Erstaunlich ist dabei lediglich, dass man dafür Zach Cregger an Bord holen konnte, der seit WEAPONS als neuer Hoffnungsträger des Genres gilt. Ich habe den stillen Verdacht, dass Cregger bei Constantin schon unterschrieben hatte, bevor WEAPONS sich zum Überraschungshit mauserte…

Und tatsächlich: Cregger schafft nicht nur einen unterhaltsamen Reboot, sondern auch eine komplette Neuausrichtung der Erzählperspektive. Statt wie bei einem Hollywood-Blockbuster mit dem ganz großen Pinsel zu malen und Dutzende Charaktere in die große Zombie-Schlacht zu schicken, bleibt Cregger konsequent bei Bryan. So konsequent, dass JEDE Szene aus seiner Perspektive erzählt wird. Wir verlassen nie seine Seite, sehen nur, was er sieht, wissen nur, was er weiß. Er ist der Fleisch gewordene "Player", dem wir durch die vier Level folgen (Wald, Farm, Stadt, Hospital), und mit dem zusammen wir das Chaos in Raccoon City entdecken.

Das ist im Ergebnis nicht neu und Cregger bedient alle Klischees, aber seine sichere Hand bei der Inszenierung macht die eskalierende Monsterhatz sehr effektiv und spannend. Wie im Videospiel führt jeder Erfolg von Bryan dazu, dass die Situation eskaliert und apokalyptischer wird.

Fehlerlos ist RE2026 deshalb allerdings nicht.

Man spürt, dass Constantin zunehmend weniger Geld riskieren will – sicher auch nach den Flops von Andersons IN THE LOST LANDS und MONSTER HUNTER. RE2026 ist klar im Midbugdet-Bereich angesiedelt, erkennbar in der tschechischen Republik gedreht mit einem weitgehend unbekannten Cast. Raccoon City wird mit ein paar CGI-Szenarien illustriert, die nicht immer überzeugen.

Ich weiß es zu schätzen, dass Cregger nach der "Superfrau" Milla Jovovich auf einen überforderten Normalo als Protagonisten setzt. Dabei schießt er allerdings übers Ziel hinaus, wenn Bryan seine komplette Odyssee permanent sarkastisch kommentiert und eigentlich nur Dauersalven aus "what the fuck?" raushaut. RE2026 hat sichtlich Mühe, sich selbst ernst zu nehmen – und wenn man der Presse glauben darf, war das in der ersten Schnittfassung noch deutlich krasser.

Darf ich außerdem fragen, seit wann es in Ordnung ist, einen Film nicht NACH dem Finale mit einem Cliffhanger zu enden, sondern STATT einem Finale mit einem Cliffhanger? Fortsetzungen sollte man sich verdienen, man sollte sie nicht erpressen. Ich gehe nicht ins Kino, um halbe Filme erzählt zu bekommen.

Aber das klingt schon wieder zu negativ, denn RE2026 ist prima als das, was er sein will und ist: rasante 94 Minuten Remmidemmi.

Letztlich setzt RE2026 auf ein ähnliches Schnittmuster wie kürzlich RETURN TO SILENT HILL – nur tut er es erheblich erfolgreicher.

Fazit: Straffer Midbudget-Monsterhorror mit viel Action, Humor, und einem präzisen Fokus, der sich nicht an einem überladenen "world building" versucht und tatsächlich den Reboot der RESIDENT EVIL-Franchise schaffen könnte.

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jimmy1138
17. September, 2026 08:38

"RESIDENT EVIL ist die vermutlich potenteste "cash cow" im Bereich der Videospiel-Adaptionen." Mit dem Zusatz "Live Action" absolut, ansonsten hat Super Mario Bros. die höchsten Einnahmen List of highest-grossing films based on video games – Wikipedia . Was mich ja wundert, daß die Filme von Teil zu Teil immer mehr eingenommen haben, obwohl die Filme selbst gefühlt immer schlechter geworden sind. Alleine die Ticketinflation kann’s nicht sein und selbst wenn – dann hätte die Franchise immer noch eine sehr treue Fangemeinschaft.

Edin Basic
19. September, 2026 11:04

Endlich hat die Neue Constantin wieder einen Box-Office-Hit.
https://deadline.com/2026/09/box-office-resident-evil-1237107316/
Dazu noch positive Kritiken und guten Score von den Kinobesuchern.

Edin Basic
21. September, 2026 17:03

Worldwide Box Office: $108,300,000
Nach dem ersten Wochenende,sind meiner Meinung nach überragende Zahlen.
Der Film scheint "legs" zu haben.

Magineer
21. September, 2026 19:48
Reply to  Torsten Dewi

Das stimmt zwar, aber dem ging ein globales Startwochenende von 35 Millionen voraus, also nur etwa ein Drittel des Cregger-Films. Danach hat China für die Explosion gesorgt. Aber Stand Startwochenende liegt RE2026 sehr sehr weit vorne. (Und Paul Anderson ist für mich eh ein Hack – there, I really said that.)

jimmy1138
23. September, 2026 12:17
Reply to  Edin Basic

"legs" kann man mMn erst nach dem zweiten Wochenende beurteilen.
Überraschend finde ich, daß der Cinemascore mit B+ eher nicht so toll ist.

Alex
23. September, 2026 09:09

Alex Scharpf
 
·

Den habe ich gestern gesehen und fand ihn schrecklich. NULL Spannung, Atmosphäre, Grusel… dafür mal wieder vollkommen deplatziert wirkender "Klamauk", ohne den es bei neuen und auf die GenZ ausgerichteten Filmen wohl nicht mehr geht. Vollkommen unlustige "one liner" die sich schon dem unterirdischen Marvel Humor anbiedern. Kein guter Score, kein Soundtrack, keine interessanten Schauspieler. Dazu lächerliche Gummitentakelmonster. Der schlechteste Film den ich bislang in 2026 sehen musste.

23. September, 2026 11:17

Cregger macht es einem wirklich nicht leicht mit seinem fast schon zwanghaften Humor. Die finale Eskalation in "Weapons" fand ich prima, aber halt auch gerade noch so okay für einen Horrorfilm. Bei "Resident Evil" war mir das am Ende zu viel. Die Verpeiltheit des sichtlich überforderten Paketbotens mit seinem ständigen Fluchen war für mich dabei aber gar nicht das Problem, die empfand ich sogar als ziemlich authentisch, wenn man Bryan als Blaupause eines Gamers vor der Konsole sieht. 

Tatsächlich ist es genau dieser Fokus auf Bryan, der den Film für mich nicht nur rettet, sondern genießen lässt, weil ich mich als "Resident Evil"-Spieler mit ihm identifizieren kann. Dazu der Level-Aufbau des Films, Haus, Stadt, Kanalisation, Labor. Die Reihenfolge der Waffen, die Bryan findet, Pistole, Shotgun, Automatik, spielgemäß brav jedesmal ein Upgrade. Die vielen Easter-Eggs aus den Spielen, Items (Schreibmaschine, Healspray) sowie Szenen (Hund, Raccoon City). Deswegen ist dies hier endlich mal eine Verfilmung, die mich als Zuschauer abgeholt hat – nicht perfekt, aber erkennbar liebe- und respektvoll umgesetzt. Das ganze ist ein bisschen so, als würde man einem "Let’s Play"-Streamer dabei zuschauen, wie er zum ersten Mal "Resident Evil" spielt, was sehr unterhaltsam sein kann, und deswegen ist das als absolutes Kompliment gemeint.