Fantasy Filmfest 2026: Was war, was ist, was bleibt
Ich habe einen Vorbericht geschrieben, jeden Film besprochen, und nun auch noch drei Nachträge produziert. Ich denke, damit ist das Festival ausreichend bedient. Nach dem Festival ist vor dem Festival und der Erfahrung nach geht es im Januar mit den White Nights weiter.
Ein paar Sachen möchte ich allerdings noch aufräumen.
Wie unscharf und letztlich hilflos die Bewertungen sind, kann man sehr schön an der Tatsache sehen, dass ich 18 von 29 Filmen mit einer grünen Ampel für "sehenswert" erklärt habe. Gerade mal drei Filme wurden mit einer roten Ampel abgestraft. Das entspricht nicht dem gefühlt schwachen Niveau dieses Festivals und es mag sein, dass ich da noch mal nachjustieren werde.
Gefühlt war es sowieso kein sehr gutes Festival, aber ich gestehe ein, dass das auch mit der gänzlich falschen Taktung zu tun haben mag. Es wurden in den ersten drei Tagen so viele Rohrkrepierer rausgehauen, dass die Stimmung nachhaltig versaut war. Der falsche Eröffnungsfilm, zu viele Midnight Movies in den Nachmittags-Slots, zu wenig Ausgleich für die drögeren Beiträge. Objektiv gesehen hat die zweite Hälfte des Festivals das mit vielen Highlights ausgeglichen, aber das war dann schon ein echter "uphill battle", der nicht immer gewonnen wurde. Die Macher des Festivals würden gut daran tun, die Filme etwas sorgfältiger zu kombinieren.
Es kommt vor, dass Leser sich fragen, wie es mir gelingt, alle Filme auf dem Festival nicht nur zu schauen, sondern auch binnen 24 Stunden zu besprechen. Im Fall von THE PLAGUE ging meine Kritik ja sogar vor dem Start des Films online.
Kein Geheimnis: Ich habe dank meiner Vergangenheit in der Branche sehr guten Zugriff auf Screener und Pressekopien. Vor zehn, fünfzehn Jahren kam es vor, dass ich die Hälfte aller Filme schon vorab sichten konnten. Was ich aber nicht tue. Ich will das Festival authentisch im Kino erleben. Darum beschränke ich die Vorab-Sichtungen auf eine Handvoll Filme, die es mir ermöglichen, Raum und Zeit für Kritiken freizuschaufeln. In diesem Jahr waren das LEVITICUS, THE PLAGUE, HOKUM, und CAROLINA CAROLINE. Hinzu kam HOPE, der vom Verleih am zweiten Tag des Festivals vormittags im Delphi Lux gezeigt wurde.
Meine Faustregel dabei: vorher gucken, aber nicht vorher drüber reden. Die Kritiken gehen erst online, wenn sie beim Festival durch sind. Bei THE PLAGUE ist mir lediglich die Terminplanung durcheinander geraten.
Davon abgesehen hat sich der Rhythmus bewährt, die Kritiken zu den Filmen des Vortags gleich am nächsten Vormittag nach dem Frühstück im Hotel zu schreiben. Was weg ist, ist weg – und schaufelt Platz im Hirn für die nächste Runde frei. Die Nachbetrachtungen über das gesamte Festival kann ich dann zeitnah in München schreiben – oder wie jetzt im Zug dorthin.
Zu den Sachen, die mich wirklich ankotzen, gehört die Arschigkeit vieler Dauerkarten-Besitzer in Berlin. Die belegen "ihre" Sitze (die nicht ihre Sitze sind, denn es gibt keine Platzkarten) kackfrech mit Handtüchern, als wären sie auf Malle. In München ist das nur vereinzelt der Fall, in Berlin ist es die Norm. Das Problem wird geschürt von den Veranstaltern, die keine konkreten Angaben machen. Es heißt immer nur: "Reihe D ist komplett für Dauerkartenbesitzer, Reihe E und F die Mitte". Was bitte ist die Mitte? Die mittleren vier, sechs, acht Plätze? Geht das ein bisschen genauer?
Die Sache eskalierte am dritten Tag, als ich feststellen musste, dass alle drei Reihen voll belegt (wenn auch nicht besetzt) waren und ich dumm rum stand, als der Saal dunkel wurde. Es stellte sich heraus, das manche Leute auch noch die Sitze neben sich für ihre Taschen und Jacken beanspruchen. Ich gestehe, dass ich eine Frau SEHR unangenehm angefahren habe, als sie erst nach Aufforderung genervt begann, ihren "Ablageplatz" freizuräumen. Manche Leute…
Es sollte nicht schwer sein. Für Dauerkartenbesitzer müssen so viele Sitze frei sein, wie Dauerkarten verkauft wurden. Jeder Dauerkartenbesitzer hat Anspruch auf einen dieser Sitze. Aber nicht auf zwei. Wenn alle sich daran halten, hat jeder einen Platz.
Was mir diesmal noch aufgefallen ist: war der Genrefilm immer schon so unerotisch? Ich meine damit keine Nackt- oder Sexszenen, sondern eine erotische Grundstimmung, ein Bekenntnis zur Intimität. Als ich NERVOUS geschaut habe, war ich so überrascht wie begeistert, dass der Film Raum lässt für eine sinnliche, aufgeladene Beziehung zwischen den beiden Protagonistinnen, ohne das gleich als Fleischbeschau auszuschlachten. Mir scheint, als wäre die Erotik eine der am wenigsten bedienten Komplementärstimmungen im Horror- und Fantasyfilm. Daran wurde ich auch wieder bei A CHINESE GHOST STORY erinnert.
Any thoughts?
Wer sich übrigens von den Filmemachern erklären lassen will, warum ich keine Ahnung habe und was ihre Filme wirklich bedeuten, der kann sich auf der Webseite und dem YouTube-Kanal des Festivals die Lang(eweile)fassungen der Interviews anschauen.
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Ich gestehe: für mich ist das nix. Ich halte die meisten Interviews für holperig geführt und wenig erkenntnisreich. Vor allem aber war ich nie ein Freund davon, mir Filme erklären zu lassen. Sie müssen für sich stehen und wirken.
Ich bin sehr stolz darauf, wie präzise sich die Filme der mehr als 40 Fantasy Filmfestivals dank der neuen Aufbereitung meines Sys-Admins suchen und finden lassen. Natürlich ist das System noch nicht perfekt, weil: garbage in, garbage out. Ich werde sicher noch bis Ende des Jahres brauchen, um ALLE Kategorien und Wertungen korrekt zu zu weisen. Bis dahin bitte ich um Geduld.
Im Zuge der Neuordnung werden auch alle anderen Beiträge neu sortiert. Es gibt die Sammeltasse "TV, Kino & Presse" nicht mehr, sie war immer nur eine Krücke. TV-Kritiken und Kino-Kritiken sind künftig mit einem Klick zu finden, ebenso Nachrufe, Katzengeschichten, die Arbeit an meinem Scan-Archiv und die "blog battles" mit den "Kreativen", die sich von meiner Inspektion ihrer Arbeit auf die Füße getreten fühlten.
Wie gesagt: das ist alles noch im Fluss. Ich habe ca. 1000 Beiträge, die ich zuordnen muss – andernfalls bleiben sie im "Mix", der auch noch einen neuen Namen bekommen wird. Auch die Anordnung in der Seitenleiste ist nicht fix. Früher oder später macht das Sinn, vertraut mir.
Wer bisher gut aufgepasst hat, der wird eine Unstimmigkeit in ALLEN meinen FFF-Wertungen bemerkt haben: 10 Punkte lassen sich nicht in drei Ampeln aufteilen. Darum galt bisher: 1-3 rot, 4-6 gelb, und 7 bis 10 grün. Grün deckt vier Punkte ab.
Schluss damit! Ich greife eine Idee auf, die ich fast zeitgleich mit ein paar Leser hatte: die 10 Punkte werden eine eigene Kategorie. Jeder Film, der die höchste Punktezahl erreicht, bekommt das Label "Diamant" verliehen:
Das gilt auch rückwirkend. Ich werde in den nächsten Wochen alle bisher besprochenen FFF-Topfilme einer kritischen Neubewertung unterziehen und die Elite für euch über das Menü suchbar auszeichnen. Ein echtes "best of the best".
Weil wir NERVOUS gerade hatten: besonders positiv möchte ich an dieser Stelle Abner Pastoll erwähnen, den Regisseur des von mir bedauernd nur mittelmäßig bewerteten Films. Er hat mir am nächsten Tag eine Email geschrieben. Nicht pissig, wie ich das von beleidigten Regisseuren mitunter gewohnt bin, sondern sehr freundlich und im ehrlichen Interesse, mir ein paar seiner Entscheidungen etwas genauer zu erklären. Es entspannte sich daraus ein sehr fruchtbarer Austausch von Filmkritiker zu Filmemacher, wie ich ihn mir häufiger wünschen würde.
Damit schließe ich das Kapitel Fantasy Filmfest für das Jahr 2026. Wer wissen will, was so eine Woche in Berlin aus mir macht:
Morgen geht voraussichtlich erstmals das neutrale neue Logo des Wortvogels online. Ich denke mal, das bleibt dann so bis in den Advent…

Eine Handtuchregelung? Interessant.
Dauerkartenbesitzer reservieren Plätze, die gar nicht reserviert sind, mit Handtüchern, Taschen und Jacken. Das ist keine Sitzordnung mehr, sondern eine sehr deutsche Form territorialer Expansion.
Dass ausgerechnet ein Fantasy Filmfest daran scheitert, wirkt fast passend.
Monster lassen sich programmieren.
Reihe E offenbar nicht. 🦌
Das war neben der manchmal zweifelhaften oder nachlassenden Qualität bzw. Eignung der Filme für das Festival der Grund, weshalb ich keine Dauerkarte für Berlin mehr gekauft habe: die Platzsuche. Kam man kurz vor Filmstart, musste man sich mühsam nach einem freien Platz durchfragen, weil fast alles belegt war oder freigehalten wurde. Lässt sich auch schlecht überprüfen, für wen. Der Saal musste zwischen zwei Filmen vollständig geräumt werden und da blieben Taschen und Jacken natürlich liegen. Wer das Kino verließ, stand einem Pulk von neuen Besuchern gegenüber, musste sich zum Klo durchdrängeln oder blieb gleich vorne stehen. Manche Besucher schafften sich Platz, indem sie die Taschen einfach auf andere Sitze umlagerten. Ich habe dann meine Tasche gesucht und seitdem keinen Platz mehr belegt. Es ist auch nervig, wenn riesige Gruppen zusammen sitzen wollen oder jemand auf "seinem" Stammplatz besteht. Alle Reihen bis auf die letzte haben den Nachteil, dass jemand mit langen Beinen die Rücklehne nutzt, um dagegen zu treten. Dann wird auch während der Vorführung auf das Telefon geschaut oder Popcorn gefuttert. Vom Schwatzen und Dauerkommentieren will ich gar nicht erst anfangen. Das schlechte Benehmen der Besucher ist ein echtes Elend. Es sind weniger die Hardcorefans, als vielmehr die Gelegenheitsbesucher, die mir den Spaß verdorben haben. Ich habe nichts vom Film, wenn ich währenddessen die anderen Besucher zu mehr Rücksichtnahme auffordern muss.
Thank you für your service!
Ich schaffe es leider seit Jahren nicht mehr in nennenswertem Umfang zum FFF und genieße deshalb deine Berichterstattung umso mehr. Dieses Jahr war glaub ich das erste Jahr in dem ich keinen einzigen Film auf die Watchlist gesetzt habe.
Ich wollte mich auch für deine ausdauernde FFF-Berichterstattung (und generelles Bloggen) bedanken! Als Hilfe bei der Filmauswahl kann ich deine Reviews leider nicht mehr nutzen, weil Hamburg auch eine der ersten Stationen ist, aber ich lese sie immer mit großem Interesse und um die persönliche "Watchliste" weiter zu füllen.
Zur Programmqualität kann ich mangels Gesamtüberblick nicht so viel sagen, aber gefühlt gab es dieses Jahr viele Filme, zu denen man in diesem Internet noch fast nix fand, was aber nicht immer ein gutes Zeichen war. Und die offiziellen Rosebud-Beschreibungen lese ich mir gar nicht mehr durch – danach hatte ich vor 25 Jahren noch komplett die Filme ausgewählt. 😀
Ich hadere mehr mit der Terminierung der Filme. Das ist natürlich stark von persönlichem Geschmack geprägt, aber aus Sicht von jemandem, der nicht mehr so sehr fürs Kino brennt, zig Filme hintereinander schafft oder extra fürs FFF frei macht (salopp gesagt: Arbeitnehmer-Perspektive), waren die Wochenendfilme und Primetime-Slots unter der Woche teils schlicht unvorteilhaft bis wenig nachvollziehbar. Daher dieses Jahr Negativrekord: Nur NEVER AFTER DARK gesehen (gehe mit deinem Review d’accord 🙂). Daher keine eigenen Impressionen zur Dauerkartensituation (aber wieder einige langjährige andere Besucher wiedererkannt, mit denen man gemeinsam alt wird).
Eine Festivalrahmung ist mir übrigens eher egal: Ich brauche keine Regisseurbesuche oder meist hingerotzten Grußvideos. Die Wiederkehr von Retrospektiven mag nett sein, aber zusammen mit den Kurzfilmen (die ich früher immer mitgenommen habe, nun nicht mehr) gingen am Samstag und Sonntag insg. vier Slots dafür drauf.
PS: Die KI-Bebilderung gefällt mir persönlich zwar nicht so 😁, aber die neue Kategorisierung bspw. vom FFF ist schon sehr cool. Ist ja noch work in progress und wirst du wissen, trotzdem: White Nights sollten eigene Gruppe bekommen. Die Ansicht "Text" wäre mit "Überschrift" o.ä. klarer benannt. Dir kann’s egal sein, aber eine direkte Verlinkung auf alle Artikel zu bspw. FFF 2026 ist nun ja nicht mehr möglich?
Da werden wir noch einiges im Detail verbessern.
Ich bewundere dein Durchhaltevermögen. Die spannende Frage ist, machst du freiwillig weiter mit dem FFF?
Ich bin weit über den Punkt hinaus, dass ich da noch rauskäme. Mittlerweile geht es nur noch um die Frage: wer geht früher ins Grab – ich oder das Festival?
Vielen Dank für die jährliche Berichterstattung. Muss mich urlaubsbedingt noch durch die Reviews ackern, in Frankfurt sind die interessantesten Filme (oder zeitlich passendsten) aber leider eh schon ausverkauft.
Nachdem das Nürnberger FFF jetzt auch durch ist, will ich mich auch verspätet für die diesjährige Berichterstattung bedanken. Immer wieder eine Freude!
Das mit den Handtüchern/Taschen auf den Sitzen ist ja allerhand! Hier scheint diese Unsitte noch nicht Einzug gehalten zu haben. Oder es passiert so dezent, dass ich es nicht mitbekomme – ich sitze ja immer 2-4 Reihen dahinter.
Ein neues Bewertungssystem klingt nach einer interessanten Idee. Bin gespannt, wie es aussehen wird.