Fantasy Filmfest 2026 (7): RECLUSE
Regie: Henry Chaisson
Darsteller: Sasha Frolova, Xander Berkeley, Mia Vallet, Toby Poser, Kimball Farley
Offizielle Synopsis:Nach einem mysteriösen Anruf kehrt Tonmeisterin Joan ins Haus ihrer Kindheit zurück. Ihr Vater, ein bekannter, kontroverser Maler, liegt mit starken Verbrennungen entstellt im Bett und kann kaum sprechen. Bewacht wird er von der langjährigen Haushälterin und ihrer Armbrust sowie von einer jungen Pflegerin. Die düsteren Kunstwerke und das unheilvolle Flüstern der Wände wecken Erinnerungen an den tragischen Tod ihres Bruders und das Verschwinden ihrer Mutter. Mithilfe alter Tonaufnahmen deckt Joan Stück für Stück ein erschreckendes Familiengeheimnis auf, das nun Rache fordert.
Kritik: Vorab – das war Großkampftag. Sechs Filme, der erste fast drei Stunden lang. 14 Stunden Kino ohne nennenswerte Pause. It’s my blessing, it’s my curse. Was für euch dabei rauskommt (und einen gewissen Spoiler darstellt): kauft Karten für HOPE. Kämpft um Karten für HOPE. Lasst euch nicht abwimmeln. Zahlt Mondpreise auf dem Schwarzmarkt. Versetzt den Schmuck der Oma und die Liebste am Hochzeitstag. HOPE.
Zurück zum Thema.
Der letzte Satz der Inhaltsangabe ist mal wieder barer Unfug – das ist vermutlich das, was Regisseur Chaisson abliefern wollte, aber letztlich nicht konnte.
Man merkt, dass hier versucht wurde, viel aus wenig zu machen. Es gibt nur eine Handvoll Darsteller, das große Haus als (bis auf den Prolog) einzige Location, und die Produktion arbeitet weitgehend mit dem, was sie vor Ort finden konnte. Geheimnisse werden gelüftet, Beziehungen enthüllt, und alles ist irgendwie verknüpft mit dem röchelnd im Bett liegenden Maler, der eine seltsame Gipsmaske trägt.
Das ist… okay. Okay für einen Erstling. Okay für den ersten Slot an einem Wochentag. Okay für das Budget und die Möglichkeiten. Langsamer, fast sedierter Grusel, jeder hat irgendwie Dreck am Stecken, und nach der Hälfte des Films verabschiedet sich die Hoffnung, dass es hier um tatsächlich übernatürliche Geschehnisse geht.
RECLUSE ist aber leider auch typisch für einen Erstling. Typisch für den ersten Slot an einem Wochentag. Typisch für das Budget und die Möglichkeiten. Jeder Dialog zu lang, jedes Innehalten der Figuren ein Versuch, 70 Minuten Story zu 104 Minuten zu strecken. Ein brauchbares Setup, aber keine wirkliche Ahnung, wo man damit hin will. Kaum Steigerung, kaum Überraschung.
Vor allem aber: Chaisson, der auch den Soundtrack geschrieben hat, LEBT als Regisseur primär auf der Tonspur. Er versucht gewaltsam, mit Soundeffekten und dissonanter Musik Spannung zu erzwingen, Unruhe, Paranoia. Das klappt allerdings nur so mittel, weil es a) sehr durchschaubar ist und b) selbst die ständige Hantiererei mit einem Profi-Aufnahmegerät von Joan letztlich zu nichts führt. Das hier ist nicht BLOW OUT oder DER DIALOG.
Es bleibt ein bemühter, sehr in den Kinderschuhen steckender Festivalfüller von der Sorte, die man hier mitnimmt, weil man eine Dauerkarte hat und die Veranstalter kein Interesse, die Slots mit interessanteren Beiträgen zu füllen.
BILD DES TAGES
Berlin ist bunt und erwacht des nachts zum Leben:

Bin ich jetzt enttäuscht oder erleichtert ? War nämlich einer der wenigen Filme, die ich unbedingt sehen wollte, weil genau mein Genre, aber nicht sehen können werde.
Da verpasst du nix. Danke, dass du auf Facebook UND hier kommentierst. Ich finde es immer schade, wenn Kommentare auf Facebook im Nichts verschwinden. Hier bleiben sie dauerhaft erhalten.
Dann werde ich das beibehalten.
Mit HOPE meinst du den koreanischen Film, der bald anläuft?
Hatte ich eh auf der Liste, aber jetzt noch mehr.
Witzigerweise läuft HOPE hier Tschechien bereits diese Woche an. Ich könnte ihn also sehen, bevor mein FFF überhaupt losgeht. Werde ich aber nicht, weil er nur auf koreanisch mit tschechischen Untertiteln läuft.
Aber die Karte für Nürnberg ist bereits gekauft!