Fantasy Filmfest 2026 (6): BLADES OF THE GUARDIANS
China 2026
Regie: Yuen Woo-ping
Darsteller: Wu Jing, Nicholas Tse, Yosh Yu, Chen Lijun, Sun Yizhou, Cisha, Li Yunxiao, Jet Li, Tony Leung Ka-Fei
Offizielle Synopsis: Das Reich droht zu zerfallen. Das Volk leidet unter einem despotischen Kaiser und korrupten Beamten, Clans liefern sich blutige Scharmützel. In dieser Zeit der Instabilität erhebt sich der Rebellenführer Zhishilang, um Frieden und Glück zurückzubringen. Mittendrin in diesem Chaos: der Kopfgeldjäger Dao Ma, ein einstiger kaiserlicher Elitewächter, bei dem noch einige Rechnungen offenstehen. Alles läuft auf eine alles entscheidende Schlacht hinaus.
Kritik: Ahhh, das asiatische Schlachten-Epos, bei dem Leute mit Schwertern durch die Luft fliegen, Tavernen zu Kleinholz zerlegt werden, und jede Bewegung die Kleidung rauschen lässt, als würde man Bettwäsche ausschlagen. Die perfekte Gelegenheit, meinen Platzhalter für diese Sorte Film rauszukramen:
Da geht es dann meistens um Regionalfürst Dings aus der Provinz Bums, der in der Dynastie Zicke den Herrscher Zacke mit Hilfe seiner Konkubine HeuHeuHeu stürzen will.
Kumpel Mark (der dieses Jahr clever genug ist, nur eine Handvoll Filme zu schauen) meinte nach den einführenden Erläuterungen des Vorspanns "und schwups habe ich es schon wieder vergessen". Kein Wunder – das hier flitzt in erheblich zu schnell wechselnden Untertiteln an uns vorbei:
In the final years of the Sui dynasty, power corrupts, the people suffered, and discontent spread across the empire. From the chaos emerged Zhishilang, who founded the Flower Rebellion. He vowed to sweep away the haze… and restore the light. The Emperor sent ministers to the far reaches of the Silk Road to capture Zhishilang, the most wanted man in the Empire. The Mo Clan and the Heiyi Clan led the Five Great Western Clans. Along with swordsmen, rangers, and Tokharian mercenaries, all fight for power and control of the desert land. Pressure builds… waiting for a spark.
Alles klar soweit?
Letztlich ist das natürlich alles Schall und Rauch. Wir sehen ungefähr zwei Dutzend Leute, die sich nicht grün sind, und deren Namen und Funktion nur kurz oben (!) am Bildschirmrand aufblitzt. Die reiten dann viel durch die Wüste, hauen sich mit Schwertern, beschießen sich mit Bögen, und dann und wann darf auch mal wer melodramatisch sterben. Warum die kämpfen? Warum eine Seite gut und die andere böse sein soll? Welche Folgen ihre Handlungen konkret haben?
Komplett wumpe.
Das klingt jetzt alles sehr hämisch und negativ, aber ich halte es für wichtig, dass man weiß, worauf man sich einlässt. It’s wuxia, baby!
Zurück zum Film. Wenn man also weiß, dass BLADES OF THE GUARDIANS ein auf einem manhua basierendes wuxia-Epos ist, dann ist man vom sturen Fokus auf Kämpfe, Schlachten und Verfolgungsjagden nicht mehr überrascht. Es ist, was das Genre verlangt. Der Background ist historische Seifenoper, die Charaktere so austauschbar wie die Locations.
Die mittlerweile 81 Jahre alte Action-Legende Yuen Woo-ping inszeniert das Remmidemmi mit sicherer Hand und ausreichend Augenzwinkern, um das Pathos erträglich zu machen. Die Darsteller haben sichtlich Spaß bei der Sache und sind gut unterscheidbar, auch wenn man bei jeder neuen Figur wieder "ist das nun ein Soldat, ein Kopfgeldjäger, oder ein Räuber?" spielen kann.
Natürlich ist ein wenig der Charme verloren gegangen, weil wuxia-Filme auch im Westen bekannt sind und die Zuhilfenahme von CGI den Respekt vor der Leistung der Beteiligten ein wenig schmälert. Gerade bei den ersten Kämpfen geht Woo-ping erheblich zu nah an die Action ran und zerschnippelt alles, bis jede Orientierung verloren geht. Mit zunehmender Laufzeit findet BLADES OF THE GUARDIANS dann aber einen groove und wird erheblich konsumierbarer.
Der Zuschauer, der sich darauf einlassen möchte, sei aber vorausgewarnt – es handelt sich wieder einmal um einen ersten Teil, der relativ entspannt irgendwann abbricht. Darum lautet der volle Titel auch BLADES OF THE GUARDIANS: WIND RISES IN THE DESERT. Er ist nur ein Kapitel der größeren Geschichte, die schon als Trickserie umgesetzt wurde:
In diesem Kontext habe ich übrigens gelernt, dass die chinesische Version des manga "manhua" heißt und und anime "donghua". The more you know…
Negativ sei noch angemerkt, dass hier SEHR viele Pferde schmerzhaft zu Fall gebracht werden und das nicht immer nach CGI aussieht… Tierfreunde beware.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
BILD DES TAGES (Nachtrag wegen vergessen)
Das Hotel mag nicht der Knaller sein, aber der Kiez ist wunderschön:

Glaubst du, dass eigenständige Wuxia-Filme noch ihren Platz haben, oder kommt das Genre mittlerweile besser durch Serienformate wie Zeichentrickserien zur Geltung?
Für eine Antwort habe ich schlicht zu wenig Ahnung von dem Genre.
Das einzige Genre das ich noch langweiliger finde, als die von Dir kritisierten Themen-Förderfilme mit Haltungsbotschaft.
Ich zweifle das "schwupps" an, wünsche gleichzeitig aber, es an der Stelle aus der hinteren Ecke meines Wortschatzes gekramt zu haben.
Ansonsten volle Zustimmung. Viel zu hektisch am Anfang, bei wirklich allem und im Besonderen den Untertiteln.
Aber seht viel Schauwerte bei Choreographie und Requisiten.
Hi Torsten, kein Bild des Tages? Die sind inzwischen der Hauptgrund warum ich bei den FFF-Kritiken noch reinschaue… lieber Gruß!
In der Eile vergessen! Wird nachgeholt.
Ja, man merkt dem Film die Comicvorlage stark an (nicht nur am Charakter-Design). Die Macher haben hier noch mehrere Nebenhandlungen mit reingequetscht, was dem Film nicht gut tut. Er hat sich für mich sogar länger als die 126 min angefühlt.
Dafür entschädigen die Kampfszenen, die gut gemacht und teilweise erstaunlich kreativ sind (ich sag nur: Sandsturm!). Ich würde also lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht gut unterhalten wurde.