Fantasy Filmfest 2026 (28): FUCK MY SON!
Regie: Todd Rohal
Darsteller: Tipper Newton, Steve Little, Robert Longstreet, Kynzie Colmery, George Sample III, Bryan Connolly u.a.
Offizielle Synopsis: Mutter Vermina hat einen Plan, den sie ohne Rücksicht auf Verluste verfolgt: Ihr Sohn soll endlich entjungfert werden. Aber es fällt ihr nicht leicht, eine Freiwillige für das Unterfangen zu finden. Mutant Fabian ist nämlich mit seiner extrem unappetitlichen Erscheinung nicht gerade das, was man eine gute Partie nennt. Also entführt die Alte kurzerhand eine Frau auf offener Straße, sperrt sie ein und brüllt ihr erbarmungslos ins Ohr: FUCK MY SON!
Kritik: Wurde ANOTHER WORLD als der traurigste Film des Festivals angekündigt, so warnte man uns bei FUCK MY SON! vor dem ekligsten Film des Festivals. Die Moderatorin schien selber nicht begeistert, ihn präsentieren zu müssen.
Vorab: FUCK MY SON! basiert auf einer "graphic novel", wobei man allerdings im Auge behalten muss, dass es sich dabei um gewollte "trash art" handelt:
In Sachen Story und Dialog, aber auch in Sachen rotziger Machart ist FUCK MY SON! eine durchaus angemessene Adaption davon.
Letztlich beschränkt sich der Film auf eine relevante Location – den Keller des Hauses von Vermina, in dem Sandi ihrem missformten Sohn Fabian sexuell zu Diensten sein soll. Nicht nur darin erinnert der Film an die alte Comic-Horror-Anthologieserie MONSTERS, die sich aus Budgetgründen ebenfalls meistens auf ein Studio-Set konzentrieren musste:
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Die Tatsache, dass Vermina von einem Schauspieler in Frauenkleidern gespielt wird, lässt ahnen, dass es nicht darum geht, ein realistisches Szenario zu bauen.
Ich erwähne das nur, weil ihr im Zweifelsfall darauf vorbereitet sein müsst, dass FUCK MY SON! wirklich nichts auslässt, um euch zu schockieren. Gewalt, Splatter, Vergewaltigung, Fäkalhumor, Folter von Kindern, Profanität – seit John Waters PINK FLAMINGOS und Peter Jacksons MEET THE FEEBLES hat es kein Film mehr so sehr darauf angelegt, den Zuschauer so absichtlich zu provozieren und die Toleranzgrenzen in Sachen schlechter Geschmack neu zu definieren.
Das Problem: Der Kaiser hat keine Kleider. FUCK MY SON! stapelt einfach nur Exzesse auf Exzesse, suhlt sich pubertär in der eigenen Scheiße und lacht dabei debil. Er hat keine wirkliche Geschichte zu erzählen, keine brauchbare Erkenntnis, nicht mal einen erkennbaren roten Faden. Er ist damit eher der Bühne des Grand Guignol verwandt. Für die weniger Eingeweihten:
Grand Guignol ist auch eine Gattungsbezeichnung für grotesk-triviale Grusel- und Horrorstücke.
Ich bin hin- und hergerissen. Gerade in seiner aggressiven Hirnrissigkeit ist FUCK MY SON! genau die Sorte Film, deren Verschwinden im Festivalprogramm ich immer wieder anklage. So etwas hätte in den 90er Jahren zu begeistertem Johlen im Saal geführt. Aber wir leben im Jahr 2026 und das Kino ist mit mir gealtert – die Reaktion im Zoopalast war bestenfalls verhalten und auch die Kritiken zum Film sind vernichtend. Man muss also unterstellen, dass der Horrorfilm (durchaus zu meinem Bedauern) aus solchen Sperenzchen herausgewachsen ist.
Ich gehe einen Schritt weiter: bei aller nostalgischen Liebe zum pubertären Kotzkino möchte ich niemanden kennenlernen, der den hier wirklich gut findet.
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BILD DES TAGES
Zum Abschluss und erstmals eine Bowl aus Schnitzel-Schnipseln, Mac & Cheese, Garlic Sauce und Röstzwiebeln bei der Schnitzery gekauft – damit könnte man auch eine Familie durch einen harschen Winter bringen:

Trotz aller Grenzüberschreitungen, der BH blieb an und ihren nackten Arsch gab es auch nicht zu sehen.
Ist mir auch aufgefallen und ich hätte es fast noch erwähnt – ich warte drauf, dass die Prüderie der Amis auch in ihren Pornos durchschlägt.
Kurios! Ich schätze Johnny Ryans One-Page-Comics wegen ihrer absurd übertriebenen Ekligkeit durchaus, aber ich bezweifle, dass das eine längere Geschichte oder gar einen Film tragen kann. Zudem würde ich sagen, dass der kritzelige Stil, durch den alles verfremdet und entschäft wird dazu gehört, dass es funktioniert – auch das fällt bei einem Film natürlich weg.
Aber noch kurioser: Für ein eigenes Projekt recherchiere ich gerade zum Grand Guignol und habe mir diesen Vormittag, wenige Stunden vor Lektüre dieses Artikels ein Buch dazu gekauft … und nun stoße ich hier wieder auf den Begriff.
Er ist vom 9.9.? Ja, da hatten meine Recherchen schon begonnen. Schräge kosmische Fügung!
Dabei sei angemerkt, dass viele Stücke des echten GG heute erstaunlich unaufregend sind. Bekannt ist es halt für seine extremen Splattermomente und oft verstörenden Enden (es gibt ein Stück, welches ziemlich exakt das legendäre Ende von "Der Nebel" vorweg nimmt), aber die sind doch dünner gesät, als man meinen möchte. Vieles sind einfache Sozialdramen, deren Schock ist, dass die Medizin manchmal hilflos ist oder arme Leute im Elend leben.