Fantasy Filmfest 2026 (26): THE BETTER ME


Frankreich 2025

Regie: Nicolas Charlet, Bruno Lavaine

Darsteller: Laurent Lafitte, Blanche Gardin, Olga Kurylenko, Marc Fraize, Zabou Breitman

Offizielle Synopsis: Mittvierziger Alex führt ein eher langweiliges Leben, das gelegentlich durch erotische Rollenspiele mit seiner Frau aufgepeppt wird. Doch plötzlich zieht der neue Nachbar Axel ein, der ihm fast bis aufs Haar gleicht – mal abgesehen von Alex’ Halbglatze. Auch sonst wirkt Axel wie sein aufgemotzter Doppelgänger: sportlicher, gutmenschlicher und mit dem größeren Weinkeller. Doch die Ähnlichkeit scheint nur Alex aufzufallen, was ihn in eine schwere Midlife-Crisis stürzt. Sein verzweifeltes Bemühen, besser als die perfekte Version seiner selbst zu sein, mündet bald in einer Katastrophe.

Kritik: Auch auf der Zielgeraden muss ich der Inhaltsangabe des Verleihers widersprechen. Alex versucht gar nicht erst, ein besserer Mensch zu werden – sein Hass auf Axel entspringt dem Unwillen, das zu tun. Er sieht Axel als persönlichen Affront, weil dieser das Fleisch gewordene schlechte Gewissen ist, sein Potenzial nie genutzt zu haben.

Davon ab ist THE BETTER ME eine dieser verführerisch simpel beginnenden Komödien, die immer weiter eskalieren, weil die Personen nicht in der Lage sind, selbst erkannte Defizite zu korrigieren. Alex wird sich sehenden Auges immer tiefer in die Scheiße reiten, das ist klar – darin ist er Aza aus SICKO ähnlich.

Seinen Reiz zieht A BETTER ME daraus, dass er die Frage, wie tief die Scheiße werden kann, deutlich radikaler beantwortet, als man am Anfang meinen möchte. Alex hasst Axel – weil er ihn beneidet. Er wird eben nicht alles tun, um wie Axel zu sein – er wird alles tun, um Axel auf sein Niveau herunter zu zerren.

Spätestens ab der zweiten Hälfte umschifft der Film alle Erwartungen, überrascht mit ständig neuen Twists und einer erfreulichen Rotzigkeit. Er kippt zwar nie ins Drama, aber zumindest ins Territorium der schwarzen Komödie. Die Darsteller hängen sich beeindruckend rein, das Tempo ist hoch, die Gagdichte auch. Viel mehr kann man nicht erwarten.

Olga Kurylenko gehört mittlerweile ebenfalls zu den "recurring leading ladies" des Festivals (zum fünften Mal dabei), sieht mit 46 weiterhin unverschämt gut aus, und dürfte hauptsächlich deshalb in THE BETTER ME gecastet worden sein, weil Netflix kofinanziert hat.

Fazit: Cringe-Comedy wie eine kommerzielle Umsetzung einer typischen Dupieux-Idee, bewusst spartanisch gespielt und inszeniert. Eine deutsche Version mit Christoph Maria Herbst und Karoline Herfurth scheint unausweichlich. 8 von 10 Punkten.

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2 Kommentare
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9. September, 2026 23:11

"Eine deutsche Version mit Christoph Maria Herbst und Karoline Herfurth scheint unausweichlich" – um Himmels Willen, beschrei es doch nicht 😶

Matts
24. September, 2026 10:07

Die Franzosen schaffen es dieses Jahr wirklich, durchgängig ein hohes Niveau zu halten! Mit der fortwährenden Eskalation der Neid-Spirale hat der Film mich gut bei der Stange gehalten.
Der Finale Twist ergibt für mich bei nochmaligem Nachdenken nicht so ganz viel Sinn – aber beim Schauen fand ich ihn so bizarr und komisch, dass es mich nicht gestört hat.