Fantasy Filmfest 2026 (24): SICKO
Regie: Aitore Zholdaskali
Darsteller: Ayan Utepbergen, Dilnaz Kurmangali, Azat Zhumadil, Aida Kurmangaliyeva
Offizielle Synopsis: Bei Aza jagt eine persönliche Katastrophe die nächste, hoch verschuldet ist er obendrein. Dann behauptet er, seine Frau habe Krebs im Endstadium. Eine Kopfrasur und ein herzzerreißendes Crowdfunding-Video später ist das ganze Land tief bewegt vom Schicksal der „schwer kranken“ Tancho und ihres „aufopferungsvollen“ Gatten. Medienstars sind geboren, die Spendengelder sprudeln.
Ein schwindelerregender Glücksritt baut sich auf, der aber unweigerlich auf einen gnadenlosen Fall zusteuert: Unstillbare Gier, ein korrupter Mediziner und ein ruchloses Junkiepärchen mit Mafia-Auftrag treiben die Eheleute in den Untergang.
Kritik: Es gibt Filme, bei denen der Horror mehr im Schmerz der Authentizität liegt. Schock ohne Katharsis. Kein Happy End. Kein Eskapismus. EX-DRUMMER. AN AMERICAN CRIME. MOTHER SCHMUCKERS. Wenn diese Filme angekündigt werden, winde ich mich im Kinosessel. Weil ich ein Genrefan klassischer Schule bin und nicht ins Kino gehe, um mir den Abend versauen zu lassen.
Das macht es auch sehr schwer, manche Filme zu bewerten. Kann Kino sehenswert und unerträglich zugleich sein? Worin liegt das Entertainment, mir die Laune verderben zu lassen? Bezahle ich Geld, um mich hinterher schlecht zu fühlen? Ist das für sich genommen eine Qualität, ein Maßstab?
SICKO ist genau diese Sorte Film. Er fängt vergleichsweise harmlos an. Aza ist kein Mann, sondern eine unheilige Kombination aus Gier, Gewalt, und Größenwahn, beschränkt im Geist und in der Kontrolle seiner Aggressionen. Energie und Ambition bringt er erstmals auf, als er DEN PLAN entwickelt – den kriminellen Betrug, der ihn und Tancho reich machen soll. Das Absurde daran: würde er den gleichen Einsatz für einen Job aufbringen, wäre all das vielleicht gar nicht nötig.
Es ist lustig anzusehen, wie die Situation eskaliert und aus dem Fake-Crowdfunding eine nationale Welle der Solidarität entsteht – bis es nicht mehr lustig anzusehen ist, dass Aza die letzte Illusion von Kontrolle entgleitet und auch Tancho ihn nicht mehr stoppen kann.
Aza reagiert, wie er auf jede Überforderung reagiert: mit Gewalt, mit Eskalation, mit der immer absurderen Überzeugung, dass er jedes Problem "fixen" kann – ohne zu sehen, dass er selbst das Problem ist.
Jedes Mal, wenn Aza innehält, könnte er umdrehen. Jedes Mal stapft er stur weiter. Und jedes Mal wird der Preis, den alle dafür zahlen werden, schmerzhafter. Wir ahnen schnell, dass es böse enden wird – nur wie böse, das ist kaum absehbar.
Regisseur Zholdaskali ist klug genug, diese schreckliche Mär mit ausreichend schrägen Charakteren und bitterbös komischen Momenten anzureichern, um sie nicht vollends unerträglich zu machen. Aber am Ende ist das hier keine schwarze Komödie – es ist ein Abend in der Hölle.
Toxic masculinity – the movie.
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