Fantasy Filmfest 2026 (23): YOU ARE THE FILM


Japan 2026

Regie: Makoto Ueda

Darsteller: Marika Ito, Kai Inowaki, Riko Fujitani, Shintaro Kanamaru

Offizielle Synopsis: Wer kennt es nicht, das Gefühl, im falschen Film zu sitzen? Madoka geht es genauso: Die Theaterautorin sitzt im Kino und schaut einen Film über den Musiker Kazuma – der im Kino sitzt und einen Film über Madoka schaut – die im Kino sitzt und einen Film über Kazuma schaut. Ungläubig starren sie einander über die Leinwand hinweg an. Wie ist das möglich? Was passiert da gerade? Doch dann beginnen sie, sich zu unterhalten und die offizielle Handlung zu verändern. Die Geschichte kommt immer mehr durcheinander und wird zunehmend fantastischer.

Kritik: Auf den hier haben wir uns alle gefreut, denn es ist der Debütfilm des Drehbuchautors von BEYOND THE INFINITY TWO MINUTES, der uns 2021 schwer begeistert hat. Ueda ist der König der schrägen Ideen, auf denen er folgerichtig (?) eine immer weiter eskalierende Story aufbaut.

So auch hier: Madoka und Kazuma merken nicht nur, dass sie einander im Kino über die Leinwand ins Leben schauen – sie merken auch, dass sie sich Tipps geben und helfen können. Aus dem passiven Konsum wird ein aktives Eingreifen, bei dem sich schnell zeigt, dass beider "Film" nicht ansatzweise so banal und ereignislos ist wie gedacht.

Wie INFINITE TWO MINUTES wird auch hier auf kleinstem Territorium gearbeitet: drei, vier Locations, die noch dazu in Gehweite voneinander liegen, flexibles Minimal-Equipment, einfache Spezialeffekte, kleiner Cast. Aber es funktioniert, weil YOU ARE THE FILM von der ersten Minute an den perfekten Rhythmus findet, die ideale Balance aus Running Gags und Twists.

Klar geht es letztlich um nix – weder Madoka noch Kazuma haben ein persönliches Drama, das es aufzulösen gilt. Es gibt keine große Liebesgeschichte. Es muss nichts erreicht werden. Das liegt in der Natur der Sache, denn YOU ARE THE FILM ist mehr daran interessiert, seine Grundidee immer absurder ausufern zu lassen. Es ist eine intellektuelle Fingerübung.

Selten genug, dass ich sogar das Fazit eines vorherigen Films übernehmen kann:

Als No Budget-Konzeptfilm sicher nicht jedermanns Sache, aber durchdrungen von einem Spaß am Filmemachen, der ansteckend ist. 

Wer allerdings kein Faible für asiatisches Kino hat, sollte den hier tunlichst meiden.

Fazit: Mehr Experiment als tatsächlicher Kinofilm – eine charmante, leichtfüßige, einfallsreiche Meditation über die Idee, dass wir alle die Hauptdarsteller in unserem eigenen Film sind und jeder "crossover" ungeahnte Chancen bietet. 8 von 10 Punkten.

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BILD DES TAGES

Schon wieder Event im Zoopalast – ich würde unterstellen, dass ein deutscher Film über einen Ruder-Achter mehr "Genre" ist als diverse Sachen, die beim Fantasy Filmfest laufen:



2 Kommentare

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2 Kommentare
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Matts
23. September, 2026 10:47

Unterschreibe ich! Ueda zeigt wieder mal, wie man mit minimalen Mitteln einen verdammt launigen Gimmick-Film macht. Hier gibt es diesmal sogar ein paar kleine Spezialeffekte, die aber in ihrer Beschränktheit auch schon wieder charmant sind.
BEYOND THE INIFINITE TWO MINUTES hat mir ein kleines bisschen besser gefallen – aber auch der Nachfolger ist ein würdiger Festivalbeitrag aus Japan!