Fantasy Filmfest 2026 (20): NERVOUS
Regie: Abner Pastoll
Darsteller: Sarah Bolger, Ko Asung, Sungsoo Yune u.a.
Offizielle Synopsis: Als Sungsoo seine Frau Sarah mit einem Hauskauf überrascht, löst der Umzug in die koreanische Provinz gemischte Gefühle in ihr aus. Das neue Zuhause fühlt sich unwirtlich an. Eine unheimliche Alte taucht aus dem Nichts auf und macht ihr Angst. Die attraktive junge Nachbarin Eynbyeol wirkt ein bisschen zu vertraut mit Sungsoo und auf dem Dachboden finden sie eine geheimnisvolle Vinylplatte, die außer dem Kratzen der Nadel keinen Laut wiedergibt.
Als Sarah kurz danach mit blutenden Ohren aufwacht, bemerkt sie, dass sie männliche Stimmen immer schwächer hört. Die Ärzte finden jedoch keine Erklärung dafür.
Kritik: Die Triples hören nicht auf – Abner Pastoll ist ebenso wie seine Hauptdarstellerin Sarah Bolger zum dritten Mal dabei, auch wenn sich nur zwei ihrer Filme überschneiden (Pastoll drehte ROAD GAMES ohne sie, Bolger war in EMELIE zu sehen). Bei Bolger könnte man zudem eine Nebenrolle in THINGS WILL BE DIFFERENT anführen.
Nicht gleich aufregen, da müsst ihr jetzt durch: NERVOUS handelt von einem jungen Paar mit Beziehungsproblemen, das in ein abgelegenes altes Haus der Familie zieht, in dem dunkle Geheimnisse lauern.
I can’t. I can not. I have lost the ability to can.
Trotz der zu Tode gelutschten Grundkonstellation ging ich NERVOUS guten Mutes an, denn Stoll hat ein Händchen für intensive Geschichten bewiesen und Bolger ist als Frau und Schauspielern in den letzten Jahren sehr erwachsen geworden.
Und so läuft NERVOUS auch ganz gut an – die mysteriösen Schallplatten, auf denen nichts zu hören ist, bauen ein solides Mystery. Sarahs plötzlicher "Hörschaden" ist eine schöne Metapher für die Kommunikationsprobleme in der Beziehung. Und die sich langsam intensivierende Beziehung zu Eunbyeol gibt dem zweiten Akt eine deutlich erotische Schwingung, die Stoll intensiv zu inszenieren weiß. Hier kann Bolger ihr Talent voll ausspielen und ich zähle sie mittlerweile zu den besten "recurring leading ladies" des FFF neben Samara Weaving, Lena Headey und Barbara Crampton.
Leider zerfällt der Film in der zweiten Hälfte völlig. Stoll zeigt sich unfähig, die Handlungsstränge irgendwie zu verquicken. Die Frage, woher die Platten kommen und was sie bedeuten, wird ebenso unbeantwortet gelassen wie die Frage nach dem Sinn und Unsinn der Beschwörungsformel auf dem Zettel. Es wird kein Kontext geliefert, kein roter Faden. Genau deshalb kann das Ende auch nichts anderes sein als ein willkürlich gesetztes Fragezeichen. Bei keinem anderen Film auf dem Festival habe ich zum Nachspann so laut "das war alles?!" gedacht. Er endet nicht, er trocknet aus.
Ein Zufall scheint das nicht. Abner Pastoll war für ein Q&A vor Ort und mir wurde zugetragen, er habe sich dahingehend geäußert, dass er versucht habe, Elemente wie die "leeren Schallplatten", den Serienkiller, und Sarahs Hörsturz irgendwie unter einen Hut zu bringen. In einer Email dem Erscheinen der ersten Version dieses Reviews widersprach Pastoll aber. Er meint, es sei für Zuschauer durchaus möglich, den roten Faden durch alle Elemente zu identifizieren. Damit war ich offensichtlich überfordert. Ich habe zu diesem Thema schon häufiger auf Hitchcock verwiesen, der zu Truffaut sagte: eine spannende Frage ist leicht zu stellen, eine spannende Antwort ist schwer zu finden. Pastoll hat in meinen Augen nicht sehr intensiv gesucht. You mileage may vary.
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BILD DES TAGES
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