Fantasy Filmfest 2026 (2): HEX
Regie: Maja Holand
Beteiligte: Johanna Holt Kleive, Victoria Fredrikke Schou Reising, Nikoline Josefine Spjelkavik, Olav Luksengård Mjelva
Offizielle Synopsis: Drei feministische Musikerinnen, zwar ohne Vorkenntnisse an den Instrumenten, aber mit einem radikalen Schwur: Innerhalb von drei Jahren wollen sie die kontroverseste Black-Metal-Band Norwegens sein! „Witch Club Satan“ ist geboren, ein okkultes, kompromissloses Gesamtkunstwerk, das mit unbeugsamer Haltung, musikalischer Urgewalt, rebellischen Texten und Menschenblut-Schockwellen durch die Szene jagt.
Kritik: Die Inhaltsangabe – und auch der komplette der Text des Programmhefts – drückt sich um ein wichtiges Detail, das zumindest ich hier nicht automatisch rausgelesen habe: HEX ist eine Dokumentation. Angeblich die erste auf dem Fantasy Filmfest.
Wir halten mal fest: Der erste Festivaltag zum 40. Jubiläum wird von einem "queer horror" und einer Dokumentation über das Kunstprojekt einer feministischen Black Metal-Band bestritten. Manchmal frage ich mich, ob die Jungs von Rosebud ihr Publikum insgeheim hassen oder sich diebisch freuen, wenn ihr Programm auf Widerstand stößt. Ist das alles ein seit 40 Jahren laufendes soziales Experiment – und ich bin das Meerschweinchen?
Meine Leser wissen es: Der Wortvogel hört lieber Barry Manilow als Black Metal. Blutiges Pathos ins Mikro brüllen und dabei auf der Gitarre schraddeln ist nicht meine Vorstellung von "Musik" – und ich bin endlich alt genug, dass das voll ins Spießer-Klischee passt. Für mich ist das Lärm. There, I said it.
Die erste halbe Stunde musste ich auch schwer an mich halten, weil das alles so furchtbar albern und selbstbesoffen ist. Drei Frauen üben Selbstverwirklichung ohne jegliche musikalische Vorbildung, die skandinavische Metal-Journaille fällt voll drauf rein, und nur Metal-Rentner fragen sich kopfschüttelnd: sollten die nicht wenigstens ihre Instrumente beherrschen?
Das Marketing siegt über die Musik, die Mädels steigen zu Stars der Szene auf – sicher auch, weil sie weitgehend nackt auf der Bühne stehen. Dahinter zicken sie sich an – immer vorsichtig in der Wortwahl, denn es ist das Konzept dieses Konzepts, dass sie sich permanent filmen lassen. Und da will man ja gut dastehen.
Manchmal ist HEX nur Millimeter von THIS IS SPINAL TAP entfernt.
Aber je länger die Doku dauert, desto standsicherer, ehrlicher und authentischer wird sie. Wir bekommen eine Ahnung davon, dass es wirklich nötig sein könnte, die Metal-Szene feministisch aufzumischen – und dass Witch Club Satan genau den richtigen Weg gewählt haben. Wir sehen die Ermüdung, mit den Erwartungen Schritt zu halten, in Sachen Instrumente und Songwriting aufzuholen. Die Risse in der Fassade, die unterschiedlichen Lebensentwürfe, sie werden sichtbar. So ist die gelebte Normalität und gute Laune der Drummerin ein geradezu hysterisch komischer Kontrast, genau so wie die Besuche bei den Eltern der Frauen.
Ich muss zu meinem eigenen Erstaunen sogar gestehen, dass mir die mit maximaler Energie vorgetragenen Texte in ihrem Einfallsreichtum gefallen haben. Die Sprachbilder, Metaphern und Assoziationen haben wirklich Power.
HEX ist sehr abwechslungsreich gefilmt, sehr bildstark. Allerdings finde ich den Kunstgriff des "Hexenprozesses", um ein paar externe Meinungen zu Satan Witch Club zu präsentieren, an den Haaren herbei gezogen und unnötig. Die klare Vorgabe, das Projekt filmisch zu begleiten, lässt viele Sequenzen auch zu offensichtlich inszeniert wirken – die Kamera ist nie heimlicher Beobachter, aber immer Komplize.
Dennoch ist HEX gefühlt mehr "Horror" als viele der Genrebeiträge, die auf dem Festival präsentiert werden. Macht die Doku mich zum Black Metal-Fan? Nein. Aber sie nötigt mir Respekt vor dem Satan Witch Club ab. Das ist mehr, als ich am Anfang erwartet hatte.
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BILD DES TAGES
Freudige Überraschung im "swag bag" für Dauerkartenbesitzer:

Van Damme – das nenne ich mal eine wertige Beilage. Wird es noch ein tägliches 2G2G-Update geben oder erst am Festivalende?