Fantasy Filmfest 2026 (18): THE ONES WHO GRIEVE


Frankreich 2026

Regie: Quarxx

Darsteller: Isabelle Anciaux, Fabien Houssaye, Antony Cinturino u.a.

Offizielle Synopsis: Ende des 19. Jahrhunderts lebt Zélie auf einer abgelegenen Farm im Würgegriff ihres Vaters Jacob. Er beruft sich auf seinen Glauben, doch das hält ihn nicht von seiner Grausamkeit ab: Unter frommen Worten hält er seine Tochter klein, während ihre Mutter längst an seiner Härte zerbrochen ist. Doch auch jenseits der Farm zerfällt die Welt. Eine rätselhafte Seuche, der „Schwarze Schleier“, breitet sich aus und raubt den Menschen den Verstand.

Kritik: Regisseur Quarxx ist auch zum dritten Mal dabei (bitte nicht wieder wählen). Seinen Erstling ALL THE GODS IN THE SKY bewertete ich 2019 folgendermaßen:

Ein beeindruckender, trotz aller Schrecken und Depression positiver Film über Liebe und den Preis, den wir für sie zahlen. Über zarte Gemüter, aber nichts für zarte Gemüter. 8 von 10 Punkten.

Darauf folgte PANDEMONIUM, mit ich 2023 schon harscher ins Gericht ging:

Ein Episodenfilm, bei dem nur der Prolog wirklich zu überzeugen weiß und der als freistehender Kurzfilm vermutlich besser funktioniert hätte. Dafür 7 von 10 Punkten, der Rest leider nur 5 bzw. 3 Punkte.

THE ONES WHO GRIEVE wird als Historiendrama erzählt, das in einer seltsamen Zwischenwelt spielt, oszillierend zwischen 19. und 20. Jahrhundert, geplagt von Krieg und Armut, mit dem "schwarzen Schleier" als Seuche, die Menschen zu Zombies macht, die nach Totenfleisch gieren. Doch was die Gesellschaft mit den Erkrankten macht, ist inhumaner und grausamer, als Zombies es je sein könnten.

Vor diesem Hintergrund wird das Schicksal der jungen Zélie erzählt, die mit ihrer Mutter unter der brutalen Fuchtel des Vaters steht, der als "Masker" das Werk Gottes tut – seinen eigenen Sadismus heuchlerisch frömmelnd verbrämend.

Das ist teilweise schwer anschaubar, gerade weil Quarxx die angedeuteten Wendungen und Widerstände nicht bedient – Jacob ist nicht nur grausam, er ist hoch intelligent und Zélie immer einen Schritt voraus. Wir merken schnell, dass die üblichen Tropen (Zélie bildet sich, verbündet sich mit Gabriel gegen ihren Vater, bricht seine Schreckensherrschaft) hier nicht greifen werden. Diverse Szenen müssen wir nicht anschauen, wir müssen sie ertragen.

Nun mäkel ich oft genug, dass das Fantasy Filmfest zu gerne triste Dramen zeigt, die den Zuschauer quälen und die zum Nachspann keine Partystimmung aufkommen lassen. Aber bei THE ONES WHO GRIEVE ist genau das der Vorteil – der Film ist nämlich schwer, aber nicht schwermütig. Er ist vollgepackt mit Story, mit interessanten Charakteren, mit packenden Szenen. Ein monumentaler Soundtrack liefert den passenden Hintergrund zur Tragödie.

Tatsächlich kann ich dem Programmheft in diesem Fall vollumfänglich zustimmen:

Es entsteht ein unerbittlicher Kampf Auge um Auge, in dem familiäre Gewalt, religiöser Wahn und eine tödliche Pandemie ineinandergreifen. Dieser Gothic-Horror ist ein fiebriger Abstieg in eine höllenhafte Welt, die nur in eine Richtung führt: in die Dunkelheit.

Wer sich für Filme wie FANNY LYE DELIVER’D und THE VVITCH begeistern kann, der bekommt hier Steigerung und Höhepunkt dieses "folk horrors".

Nach SPECIES der zweite Kracher aus dem Franzland – what’s happening?!

Fazit: Ein unfassbar grausames Drama vor einem fiktiven Hintergrund, das wütend gegen Religion, Patriarchat und Wissenschaft tritt und dabei wirklich gar keine Gefangenen macht. Von großer erzählerischer Reife und absolut den Schmerz wert, den man bei der Vorführung verspürt. 10 von 10 Punkten.

BILD DES TAGES

Jedes verdammte Mal stehe ich beim sonntäglichen Trödelmarkt an der Straße des 17. Juni vor diesen Tischchen und will sie haben. Und jedes Mal pfeife ich mich zurück, weil ich einfach keinen wirklichen Bedarf habe:



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