Fantasy Filmfest 2026 (16): THE PLAGUE
Regie: Charlie Polinger
Darsteller: Joel Edgerton, Everett Blunck, Kayo Martin, Kenny Rasmussen
Offizielle Synopsis: Der zwölfjährige Ben ist neu im Wasserball-Sommercamp und möchte unbedingt dazugehören. Doch der prahlerische und fiese Jake, Anführer der etablierten Clique, macht es ihm schwer. Er manipuliert die anderen Jungs und hetzt gegen den tollpatschigen Einzelgänger Eli, der unter einem ausgeprägten, eitrigen Hautausschlag leidet. Jake redet der Gruppe ein, Eli habe die „Pest“. Wer ihm zu nahe kommt, den wird es als Nächstes treffen.
Auch Ben wird von Jakes unbarmherziger Bande oft gepiesackt und fürchtet sich immer mehr vor Ansteckung. Plötzlich lauert die Angst vor der vermeintlichen Seuche in jedem Pickel. Als die zwei Außenseiter dennoch zusammenrücken, beginnt Jakes Hetzkampagne in eine immer brutalere Schikane auszuarten, die ihren blutigen Höhepunkt auf einer Discoparty mit den Mädchen findet.
Kritik: Das war ja klar. Kaum denke ich, das Festival hätte mit Beiträgen wie BUDDY, SPECIES und HOKUM eine Kehrtwende in Richtung klar definierter Genrebeiträge geschafft, muss so etwas wie THE PLAGUE laufen.
Kennt ihr den Spruch aus Monty Python’s Flying Circus? "Ich währde diese Plahte nicht kaufen, sie ist zärkrahtzt". Stellt euch den äquivalenten Tonfall vor, wenn ich sage: Ich währde diesen Film nicht besprechen, er ist zärkrahtzt.
THE PLAGUE ist eine Frechheit. Nicht der Macher oder der Darsteller, denn die haben vermutlich genau das gemacht, was sie sich vorgenommen haben. Sie haben ein schick kalt gefilmtes Jugenddrama über Mobbing in einem Wasserpolo-Ferienprogramm produziert, bei dem ein paar Kinder gemein sind zu ein paar anderen Kindern.
Ich sehe aber keine Möglichkeit mehr, das als Bestandteil des Fantasy Filmfest zu rechtfertigen und der Beschreibung so krassen Unfug durchgehen zu lassen wie
wird das Grauen des Erwachsenwerdens und des Ausgeschlossenseins auf verstörende Weise greifbar
und
… in immer brutalere Schikane auszuarten, die ihren blutigen Höhepunkt auf einer Discoparty mit den Mädchen findet.
Das ist zusammengelogener Scheiß, der ein Publikum ködern soll, das von diesem Film mit großer Sicherheit kalt erwischt wird. Und nach Jahren der Kritik und des entsprechenden Feedbacks können die Veranstalter auch nicht mehr für sich reklamieren, dass sie ja nicht ahnen konnten, damit an der Zielgruppe vorbei zu programmieren.
Nein nein, das hier ist kein Fehlgriff, kein Missverständnis, keine Fehleinschätzung, keine Auslotung einer Schmerzensgrenze: das hier ist die offene Verachtung großer Teile des Publikums, eine Bevorzugung des eigenen Geschmacks vor den Interessen der Zielgruppe. THE PLAGUE gehört nicht auf dieses Festival und die Macher wissen das auch – es schert sie nur nicht. Their festival, their rules.
Die Sache wird dadurch nicht besser, dass ich mich bei THE PLAGUE (und einem Blick in die bisherige Filmographie des Regisseurs) extrem unwohl gefühlt habe. Hier wird das Interesse an nur in Badehosen herum hüpfenden 12jährigen Jungs sehr deutlich in Szene gesetzt, ihre erwachende Sexualität permanent thematisiert. Es outet sich nicht als "queer cinema", aber vermutlich nur deshalb, weil man dann die falschen (richtigen?) Fragen stellen würde.
Ich will mich gar nicht weiter quälen. Es sei mir zum Schluss erlaubt, diese Absätze aus meiner Kritik zu VALLEY OF SHADOWS von 2018 ins Gedächtnis zu rufen:
Und das bringt mich zu einem Aspekt, der mir den eigentlich nur sehr trägen Streifen zusätzlich versauert hat: es liegt ein Hauch von Pädophilie in der Luft, wenn Aslak einen Großteil der Laufzeit nur in Unter- oder Schlafanzughose bestreitet, wenn die Scheinwerfer sich auf seinen Knabenkörper zu konzentrieren scheinen, wenn die Kamera sein Gesicht fixiert, als würde sie es liebevoll bewundern. Ich will nichts unterstellen, aber oft genug hat das was von unangemessener Huldigung.
Man muss diese Ahnung von Abseitigkeit nicht teilen, aber selbst dann bleibt "Valley of Shadows" ein träge-düsterer Kinderfilm, der nichts auf dem FFF verloren hat. Props aber zum Versuch, den zum Werwolf-Film hochzujazzen – dazu gehört eine gehörige Portion Kreativität, gepaart mit Kackfrechheit.
Die Filme ändern sich – die Mechanismen bleiben gleich.
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P.S.: Der nächste Film des Regisseurs ist eine starbesetzte Neuverfilmung von MASQUE OF THE RED DEATH. Vielleicht hätte man auf den warten sollen…
BILD DES TAGES
Was ich bei meiner wie immer überhasteten Abfahrt in München vergessen habe:
Demnach werde ich ab dem zweiten Tag auf meine Apple Watch verzichten müssen. Das iphone kann ich mit dem Kabel meiner externen Festplatte aufladen. Netzteil für Macbook habe ich. Einziges wirkliches Defizit: keine Earpods. Da werde ich wohl mal preiswerten Ersatz anschaffen müssen.

Bei vergessenen Kabeln einfach mal bei der Hotel-Rezeption nachfragen, ob sie dir was leihen können – ich habe schon Rezeptionen kennengelernt, die diesbezüglich mehr boten also so manche IT-Firmen…
Die Kopfhörer brauche ich im Zug. Ich habe mir jetzt bei Saturn ein preiswertes Paar gekauft.
Das klingt nach genau der Art von Film und vor allem genau der Art von Vermarktung und Programmierung, die mich vor ein paar Jahren dazu gebracht haben, dem FFF den Rücken zukehren. Schade, aber den bisherigen Rezensionen nach zu urteilen, ja wohl auch kein Einzelfall, sondern immer noch repräsentativ für die Programmzusammenstellung.