Fantasy Filmfest 2026 (11): TRISTES TROPIQUES
Regie: Park Hoon-jung
Darsteller: Lee Sin-young, Park Yu-rim, Kim Myung-min, Chen Yi-Wen, Wang Po-Chieh, Park Hae-soo, Austin Lin
Offizielle Synopsis: Der Meister ist tot. Aber wer hat den legendären Elite-Auftragsmörder Sage of the Jungle beseitigt? Die gesamte Unterwelt beschuldigt sich gegenseitig und versucht, das entstandene Machtvakuum mit kompromissloser Härte zu füllen.
Gleichzeitig metzelt sich eine Gruppe junger Profikiller durch die Reihen der Mafia. Sage hat sie von Kindesbeinen an zu einer ihm hörigen Privatarmee herangezüchtet. Nun kennen sie nur noch ein Ziel: gnadenlose Rache für ihren „Vater und Gott“.
Kritik: Es gehört zu den wenigen (relativ) sicheren Banken beim Fantasy Filmfest, dass die Koreaner das Festival immer dann raus reißen, wenn es mal wieder zu farblos und trist wird. Da wird das Adrenalin wieder hochgefahren und es besteht keine Gefahr mehr, in endlosen Dialogsequenzen wegzudösen. VOLLGAS!
Teilweise stimmt das auch für TRISTES TROPIQUES von Park Hoon-jung, von dem ich auf dem Festival bisher nur THE WITCH (1) gesehen habe. Hier werden wieder mal keine Gefangenen gemacht, Kugeln pfeifen, Blut spritzt, Klingen blitzen. Köpfe sind zum Spalten da, Kniescheiben zum Bersten, Zähne zum Brechen. Die Bösen schießen immer daneben, die Guten immer ins Schwarze.
Das Problem: TRISTES TROPIQUES ist erheblich mehr an seiner Backstory als an seiner eigentlichen Geschichte interessiert, was von der ersten Minute an klar wird, wenn die Geschichte der Terror-Elite "tristes tropique" ausschweifend und weitgehend unnötig detailliert erzählt wird. Es wird ein halbes Dutzend Machtfraktionen eingeführt, alles dreht sich im ein nie genauer erklärtes Bauprojekt, und minutenlang reden Roo und seine Gefährten darüber, wer nun vielleicht wen verraten hat.
Es mag angesichts der koreanischen Geschichte und der Struktur der asiatischen Unterwelt für Menschen aus diesem Kulturkreis interessant sein, einen Einblick in die Korruption und die Rotation der Gangsterbanden zu bekommen – als westlicher Zuschauer schert es mich wenig und die übertrieben suppige Weltsicht des geistig zurückgebliebenen Roo finde ich wenig reizvoll. Es bleibt auch sehr unglaubwürdig, dass ausgerechnet er der Megasuperduper-Killer ist, der mit leichter Hand Dutzende von schwer bewaffneten Unterweltlern massakriert.
Es stört auch merklich, wenn Darsteller verschiedener Nationalitäten als "Vermittlersprache" englisch reden und dabei an der phonetischen Aussprache krachend scheitern. Hier wären Untertitel besser gewesen.
In seinem Pathos gehört TRISTES TROPIQUES weniger in die Galerie des aktuellen koreanischen Spektakel-Kinos, sondern mehr in das fast vergessene "heroic bloodshed"-Genre der späten 80er Jahre.
Macht aber letztlich nix: Der Film ist erwartungsgemäß sehr schick und aufwändig, und wenn er aufdreht, dann dreht er richtig auf.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
BILD DES TAGES
Spooky – der Hinterhof meines Hotels könnte Schauplatz eines FFF-Films sein:

Er definiert das Genre eindeutig nicht neu aber: Gute Atmosphäre, gute Action, gute Härte – passt schon.
Die Sache mit Roo´s Charakter war für mich tatsächlich etwas, das mich die erste Hälfte über echt bei Stange gehalten hat. Immer wieder werden seine Fertigkeiten erwähnt und gleichzeitig denkt man sich: "DER soll Mitglied dieser Elite-Killer-Truppe sein?? Der wirkt, als hätte weder den Willen noch die Kraft, einer Fliege was zu Leide zu tun."
Und letztlich wird das auch nicht eingelöst.
Och naja…
Ja, aber letztlich blieben die ganz großen, bahnbrechenden Actionsequenzen, die man nach diesen Vorschusslorbeeren erwartet hätte, eben doch aus.