Fantasy Filmfest 2026 (1): LEVITICUS
Regie: Adrian Chiarella
Darsteller: Joe Bird, Stacy Clausen, Mia Wasikowska, Tyallah Bullock, Ewen Leslie
Offizielle Synopsis: In der flirrenden Hitze einer australischen Kleinstadt werden zwei Teenager von einem übernatürlichen Grauen heimgesucht. Dabei nimmt das Monster die Gestalt des jeweils anderen an. Jede Begegnung kann zur tödlichen Falle werden. Nie wissen Ryan und der gerade in die streng religiöse Gemeinde zugezogene Naim, wer vor ihnen steht. Ist es der Freund oder der Dämon? Kein Ort ist mehr sicher.
Kritik: Ich bin selten mit solcher Skepsis in den Eröffnungsfilm des FFF gegangen – LEVITICUS ist nämlich (wie der Bibelbezug des Titels schon impliziert) "queer horror", der mehr an seinem Thema als an einer tatsächlichen Geschichte interessiert ist. Es mag dem Zeitgeist und den literarischen Strömungen der letzten Jahre geschuldet sein, aber die vielen, vielen Aufnahmen von jungen Männern, die sich leidenschaftlich abschlabbern, scheinen Regisseur Chirarella erheblich wichtiger als der konkrete "body horror", dessen Background konsequent unerzählt bleibt.
Was der "Dämon" ist? Es gibt nur vage Ansätze. Es könnte die externalisierte und personifizierte Homophobie der Gesellschaft sein, die den Homosexuellen quält und die Partner auseinander zwingt. Nach einer nicht weniger legitimen Lesart ist es der toxische Selbsthass, der vielen Homosexuellen von der Gesellschaft injiziert wird. Oder vielleicht ist es ein Ausdruck der dunklen Seite der Homosexualität, die dem romantischen Ideal einer liebenden Beziehung im Weg steht.
Ich muss vorsichtig sein, denn ich bin nicht Zielgruppe dieser Art Drama, deren primäres Interesse die Befindlichkeit der Personen vor und hinter der Kamera ist. Filme wie THE STRANGE ONES und PERPETRATOR und LOVE LIES BLEEDING sind nicht für mich gemacht. Sie sind für ein jüngeres, liberales, und vermutlich auch queer-verständigeres Publikum, das ihre Codes und Mechanismen respektiert.
Als Alt-Nerd tue ich mich hingegen schwer mit der jammerlappigen Gefühligkeit, der alles andere ausschließenden Leidenschaft der jungen Protagonisten, die ihre Welt ausschließlich als queer-feindlich und empathielos wahrnehmen. Weil sie nur sich selbst wichtig nehmen, bleiben wir als Zuschauer völlig draußen. Die Welt von LEVITICUS ist braungrau, trist, bevölkert ausschließlich von Feinden, die der Liebe unserer Jungs Böses wollen. Ich sehe den Dämon nur als zweitgrößtes Problem.
Ich habe kürzlich ein Essay über die Probleme der aktuellen STAR TREK-Produktionen gelesen, in dem argumentiert wurde, dass die aktuellen Vorwürfe der "wokeness" bei Trek verfehlt seien, denn Trek sei immer "woke" im Sinne von liberal, progressiv, und aufgeklärt gewesen. Die neuen Serien machten aber den Fehler, Storys nur noch als Gerüste für die Proklamation der eigenen Befindlichkeit zu sehen. Früher konnte man die Folgen genießen, ohne sich mit dem unterliegenden Thema beschäftigen zu müssen. Heute ist das nicht mehr möglich.
LEVITICUS repräsentiert dieses Prinzip im Genre des Horrorfilm. Ohne sein alles durchdringendes Thema ist er ein Kaiser ohne Kleider, ein vager Bodyhorror, der weder konkret anfängt noch konkret endet. Er braucht die Themen Homosexualität, Homophobie, Ausgrenzung, und Isolation, um irgendwas sein zu können. Mir ist das zu wenig, aber hey – that’s just me. Your mileage may vary.
Nun it all das Schall und Rauch, wenn der Film funktioniert. Das gilt ja für jedes Genre und Subgenre. Es zählt, was hinten rauskommt. Es lässt sich kaum bestreiten, dass Regisseur Chiarella es versteht, sein bedrückendes Drama in intensive, sehr plastische und einschüchternde Bilder zu verpacken. Wie bei BACKROOMS oder den Filmen von Oz Perkins hat man das Gefühl, sich in einer mit Teppich ausgeschlagenen, leicht verstaubten Zwischenwelt zu bewegen, die nur die Protagonisten und mechanische NPCs kennt, die ihnen im Weg stehen. Spannung wird durch Desorientierung, durch Isolation erzeugt. Das ist bemerkenswert effektiv.
So mag ich von LEVITICUS nicht begeistert sein, gestehe aber zu, dass es in diesem seltenen Fall an mir liegen könnte. Das Genre entwickelt sich weiter und ich halte womöglich nicht mehr ausreichend Schritt. I just wasn’t made for these times.
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BILD DES TAGES:
Mein gut gelegenes und absolut okayes Hotelzimmer sieht aus, als hätte es schon die Weltwirtschaftskrise der 20er miterlebt. Ich komme mir vor wie ein versehrter Veteran der kaiserlichen Armee. Zum Frühstück gibt’s vermutlich Graupen. Und ja, das ist eine Badezimmermatte da an der Wand…

Das ist mal ein Zimmer! Von der Grundfläche ist das auch nicht viel mehr als in der Kapsel, oder?
Aber mit Schreibtisch und eigenem Bad. Weniger, als ich erwartet hatte, aber es reicht.
Mir war das auch mal wieder zuviel "Selbstzweck", aber Rosebud springt auf solche Filme grundsätzlich an und ich hab 6.5 Punkte gegeben, weil mir der Film dann doch gefallen hat.
Etwas Homophon ist die Kritik aber schon
Homophon bedeutet wörtlich etwa „gleich klingend“.
Je nach Zusammenhang:
In der Sprache: Wörter werden gleich ausgesprochen, haben aber eine unterschiedliche Bedeutung und oft auch eine andere Schreibweise.
Beispiel: Seite und Saite.
In der Musik: Eine homophone Struktur liegt vor, wenn eine Stimme bzw. Melodie im Vordergrund steht und die anderen Stimmen sie hauptsächlich harmonisch begleiten. Ein typisches Beispiel ist ein Lied mit Gesang und Akkorden auf dem Klavier.
Danke OWM
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