Kino Kritik: ICE CREAM MAN
Themen: Film, TV & Presse |
Story: Es ist ein heißer Sommer und die Kinder der Kleinstadt Bayleen Bay freuen sich, als ein rappeliger Eiswagen vorbei kommt. Doch die Süßspeisen des stumm lächelnden Verkäufers haben es in sich – sie verwandeln die Kinder in kleine Monster, die zur Jagd auf die Erwachsenen der Stadt blasen. Es folgt ein Massaker, das sich gewaschen hat…
Kritik:
Gebt den Kindern das Kommando
Sie berechnen nicht
Was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
Dem Trübsinn ein Ende
Wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die Macht.
(Herbert Grönemeyer)
Eli Roth ist wieder da! Nach dem Debakel von BORDERLANDS besinnt sich das ehemalige Horror-Wunderkind auf seine Stärken: alte Genres und Tropen nach Verwertbarem plündern und daraus hirnlose Gewaltstreifen basteln, die je nach Neigung als Hommage oder als fader Abklatsch gesehen werden können.
ICE CREAM MAN beruft sich dabei mit seinem Joe Dante/Steven Spielberg-esken Kleinstadt-Setting und dem mythenbeladenen Killer auf die 80er Jahre, auf Freddy Krueger, Jason Vorhees, aber auch den Psycho Cop und diverse blutrünstige Weihnachts- und Schneemänner.
Dass der Ice Cream Man dabei nur Staffage ist und als Katalysator dient? Geschenkt. Dass nach zehn Minuten schon die Hölle losbricht und Roth primär an klassischen, geradezu kindisch ausgewalzten Splatterszenen interessiert ist? Geschenkt. Dass jeder Versuch, die Ereignisse in einen Kontext zu setzen, den Film nur noch blöder und unlogischer macht? Geschenkt. It’s an Eli Roth joint.
ICE CREAM MAN ist wirklich selten dämlicher Plunder, der mit hoher Geschwindigkeit und übertriebenem Ekel versucht, seine knappe Laufzeit rumzubringen, bevor der Zuschauer auch nur eine Hirnzelle anwerfen kann.
Ungeschnitten ist der Film gerade mal 87 Minuten Minuten lang – die vielleicht einzige gelungene Verbeugung vor den Horrorfilmen der 80er, als man mit knappen Laufzeiten noch bares Geld sparte. Das Screening war uncut, aber ich würde nicht ausschließen, dass einige der Kills für den deutschen Release gekürzt werden. Was albern ist. ICE CREAM MAN ist viel zu hirnrissig, um zu schockieren.
Der Zynismus des Films kulminiert in einer Szene, in der ein Mädchen eingeflößte Eiskrem wieder ausspucken muss und es mit dem Satz tut:
"Ich bin ein 13jähriges Mädchen – natürlich weiß ich, wie man Essen auskotzt."
Davon abgesehen ist das Kernproblem des Films: er schert nicht. Nicht die Figuren, nicht die Story, nicht der Ice Cream Man-Mythos, nicht der Splatter. Er erzeugt keine Spannung, keine Erwartung, keinen Grusel. Er galoppiert von der ersten bis zur letzten Szene ohne etwas, in das wir uns einhaken können.
Angesichts der Fanbase von Roth mag das eine gewinnbringende Strategie sein – aber im Jahr von OBSESSION und BACKROOMS auch armselig. Eli Roth hat den Schritt von den Jungen Wilden des Genres zu den Alten Säcken gemacht.
Der hier war schon Schrott – und trotzdem besser:
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Gibt es irgendein Fleißkärtchen zu verteilen, irgendein entschuldigendes "wenigstens…"? Schon. Roth suhlt sich wirklich gekonnt im Blutmatsch alter Schule, von dessen FSK-Freigabe wir in den 80ern nur träumen konnten. Und am Ende versucht er mit einem Twist das gesamte Geschehen zu relativieren. Das WÄRE gar nicht schlecht – wenn es nicht wieder so doof wäre.
Es bleibt ein Film, der – wie bei Roth üblich – handwerklich ordentlich und vor allem ziemlich rasant ist, aber auch leer, zynisch und auf die niedersten Instinkte zielend. Da ist man entweder Zielgruppe… oder wie ich.
Ich zitiere mich ja gerne, in diesem Fall aus meiner Kritik zu Roths AFTERSHOCK:
Ich. Hab’s. So. Satt. Die Exzesse. Die Gewalt. Die Selbstbesoffenheit. Die Beherrschung der technischen Mittel bei gleichzeitiger Verweigerung klassischen Storytellings. "Aftershock" präsentiert eine kleine Gruppe hedonistischer Arschlöcher, die wir schon nach kurzer Zeit sterben sehen WOLLEN. Schockiert sind wir über ihren Tod nur ob der willkürlichen und entmenschlichenden Weisen, in denen er über sie kommt.
Nach ungefähr diesem Prinzip arbeitet ICE CREAM MAN auch.
Fazit: Ein beinharter, durchaus kurzweiliger Splatter-Film im Retro-Kostüm, der allerdings auch dumm wie Stulle ist und letztlich nur beweist, dass Eli Roth keine Filme macht, sondern nur einzelne Elemente besserer Filme kopiert.
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Mir war immer schleierhaft, warum Roth nach Cabin Fever als neues Horrogenie gepriesen wurde. Den fand ich schon …joa? Bei deinem Review musste ich daran denken, der beste Rat, den Jack Ketchum mit gegeben hatte, bezüglich, wie Horror funktioniert: Die Opfer müssen echte Charaktere, echte Menschen sein. Sonst kümmert es niemanden, wenn es stibt.
Der aktuelle Trailer ist schon sehr dämlich. Die alte Version ist zwar technisch nicht so fortgeschritten, dabei bleibt aber der Charakter eines B-Movies (naja, fast) erhalten. Als Betrachter verzeihe ich gerne die simple Machart, da sie, zumindest aus heutiger Sicht, humoristische Züge trägt.
Welche "alte Version"? Falls du den 1995er Film mit Clint Howard meinst, der hat außer dem Titel nichts mit diesem hier zu tun. Oder ist der allererste Teaser von diesem hier gemeint? Den fand ich technisch zumindest schon recht ähnlich.
Das Argument von netz10 ist dennoch stimmig – der alte Film hat den Charme eines "echten" B-Movies, der neue ist nur Pastiche.
Schon klar, aber jenseits des Titels kann man den ja schlecht vergleichen. Beziehungsweise, wenn der Anstoß zum Vergleich darin besteht, dass beide Filme den selben Namen haben, dann kann man durchaus schon von Beliebigkeit reden. Natürlich ist jedes B-Movie zwangsläufig besser als ein Eli-Roth-Film, aber dabei ist es halt ziemlich rille, wie der jeweilige Herausforderer heißt (im Falle von Roths ICM wäre das auch eher sowas wie The Children oder der spanische Kinderkiller-Film, dessen Namen ich grad nicht parat habe).
Magineer meinst du vielleicht, Ein Kind zu töten…Originaltitel „¿Quién puede matar a un niño?“?
(Hat sich erledigt.)