STAR TREK – STRANGE NEW WORLDS macht "buh!" (Spoiler!)
Themen: Film, TV & Presse, Neues |STAR TREK gönnt sich immer mal "Gruselepisoden", angefangen mit "Cat’s paw" zu Halloween 1967:
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We’ve come a long way, baby.
STRANGE NEW WORLDS tut sich dabei besonders hervor, denn man hat den Genre-Mix Horror/SciFi in die Checkliste jeder Staffel aufgenommen. Bisher sind die Ergebnisse allerdings sehr gemischt: hochwertig, atmosphärisch dicht, aber in Sachen Story oft dünn und in vagen Andeutungen versuppend.
"The Griffin Incident" verdient allerdings eine genauere Betrachtung. Nicht, weil die Episode besonders gut ist – sie ist es nicht -, sondern weil sie aus verschiedenen Gründen sehr bemerkenswert ist.
Inhaltlich ist das ein Mix aus der Legende um die Mary Celeste und EVENT HORIZON. La’An, Spock und Kirk stoßen in einem Shuttle auf eine vor neun Jahren verschollenes Föderationsschiff, auf dem etwas mit ihrer Wahrnehmung spielt und sie zu wahnsinnigen Taten provoziert.
Das ist extrem dünn und bemüht sich an keiner Stelle, irgendeiner inneren Logik zu folgen. Wie so oft ist das Mittel der Einbildung nur eine Ausrede, um eine plausible Erklärung der Ereignisse weiträumig zu umfahren. Am Ende heißt es: nix Genaues weiß man nicht. Die Tiefen des Alls sind unergründlich.
Vieles, was "The Griffin Incident" nur sehr halbgar erzählt, wurde in "The Pegasus" stringenter und spannender in das Serienkonzept eingebunden:
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Was überrascht: "The Griffin Incident" ist erstaunlich kanon-schwer und nicht ansatzweise so standalone, wie man bei einer solchen Episode erwarten darf.
Wir erfahren viel über die Beziehung und die Unterschiede zwischen Kirk und Ted Lasso – und ich hatte ein ums andere Mal das Gefühl, dass Dan Jeannotte ein besserer Kirk wäre als Paul Wesley. Er bringt mehr Charme und Menschlichkeit in die Rolle. Frustrierend, dass wir bereits wissen, dass sein Schicksal besiegelt ist.
Der Kanon sorgt für mehr Spoiler, als ich es kann – Kirks Beziehung zu Carol ist gescheitert und er wird von seinem Sohn David nur wenig zu sehen bekommen. Das schließt relativ sauber an STAR TREK II an.
Hier ahnt man schon meine grundlegende Kritik an der Episode. Es ist, wie ich befürchtet hatte: Paramount/CBS müht sich, SNW zu einem Proto-TOS umzubauen, um nahtlos mit "The Kirk Years" anschließen zu können. Der Grund, warum Kirk und nicht Pike mit La’An und Spock auf die Griffin stößt, ist an den Haaren herbei gezogen und ich würde allenfalls gelten lassen, dass Anson Mount mit Magen/Darm flach lag und man das Drehbuch umschreiben musste.
So wie diverse der leider eingestellten Short Treks einen Vorgeschmack gaben, wie SNW aussehen könnte, zeigt und "The Griffin Incident", wohin die Reise bei TKY geht. Man versteckt die nächste Serie in der aktuellen. Nur schade, dass dieser Plan nach dem momentanen Stand nicht aufgegangen ist.
Ich finde es auch bemerkenswert, dass die mysteriöse "Division 12" erstmals eine größere Bedeutung bekommt. Nach einem Geheimdienst unterhält die Förderation nun auch eine Art X-Files – was ich schön fände, wenn ich nicht fürchten würde, dass dabei wieder so ein Käse wie SECTION 31 rauskommt.
Atmosphärisch ist "The Griffin Incident" extrem gelungen, getragen von einer düsteren, bedrohlichen Atmosphäre und den vermutlich überraschendsten Splattereffekten seit der legendären TNG-Episode "Conspiracy":
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Kann ich an dieser Stelle verlangen, dass STAR TREK den Plot um die "Bluegills" wieder aufnimmt und weiter führt? Danke.
Bemerkenswert ist "The Griffin Incident" auch für das, was die Episode technisch repräsentiert. Sie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass STAR TREK immer noch in der Lage ist, ausgezeichnete "bottle shows" zu produzieren, die sich auf einen kleineren Cast und das notwendige Maß an Spezialeffekten konzentrieren, um Budget für die aufwändigeren Folgen (wie den Staffel-Opener) zu sparen.
STAR TREK kann, muss, darf nicht nur aus "eye candy" bestehen. Ich würde mir wünschen, dass die Macher diese Lektion wieder verinnerlichen.
"The Griffin Incident" fängt ohne Schnickschnack an, ohne Intro. Ein kurzes Voiceover, drei Charaktere in einem Shuttle. Die Griffin wird entdeckt. Primär umdekorierte und düster beleuchtete Sets der Enterprise. Keine Monster. Keine aufwändige CGI. Aufwand durch Spannung, durch Gefahr für unsere Helden. Stimmen aus dem Nichts.
Das hält die Episode fast bis zur Hälfte durch, dann wird der Non-Plot zu dünn und es werden weitere Personen von der Enterprise rüber gebeamt (oder?). Pike braucht nur ein fieses Grinsen, um mal wieder zu zeigen, wer in dieser Serie die Hosen an hat:
Paul Wesley mag irgendwann mal in einen guten Ersatz-Kirk reinwachsen, aber gegen Anson Mount wird er immer abstinken.
Egal: auch mit drei weiteren Personen bleibt "The Griffin Incident" ein Horror-Kammerspiel, ein blutiges Drama, mit dem SNW beweist, dass die Serie eine große Bandbreite an Storys bedienen kann und dass uns die Charaktere mittlerweile deutlich mehr ans Herz gewachsen sind als bei DISCO oder PIC.
Ich erwähnte es: keine gute Episode. Dafür ist das Drehbuch zu schwach und willkürlich. Aber eine erfreulich fettfreie Episode, die SNW in Sachen Charakterentwicklung voran bringt und neue interessante Wege aufzeigt – die man nicht mehr beschreiten wird. Paths not taken. It’s a shame, really.
Bei der ARD gibt es einen Podcast zur Mary Celeste:
https://www.ardsounds.de/sendung/mary-celeste-das-geheimnis-des-geisterschiffs/urn:ard:show:e88d8d1d0f4eb36e/
Hat jetzt eher wenig mit diesem Blogbeitrag zu tun, aber vielleicht interessiert es ja jemanden.
"und ich hatte ein ums andere Mal das Gefühl, dass Dan Jeannotte ein besserer Kirk wäre als Paul Wesley." Das ist nicht schwer. (Für mich ist und bleibt Wesley der größte Casting-Fehlgriff der New Trek-Ära).
"Nur schade, dass dieser Plan nach dem momentanen Stand nicht aufgegangen ist." Im Hinblick auf meine kritische Meinung zu Wesley bin ich darüber sehr froh. Und eben deshalb sehe ich diesen Trend, Strange New Worlds zu einem TOS-Prequel aufzubauen statt für sich selbst stehen zu lassen, sogar noch kritischer als du. Und das sage ich als jemand, der TOS trotz (oder wegen?) all seiner Fehler und Schwächen nach wie vor als seine Lieblings-Star Trek-Serie feiert.