30
Juli 2026

Reparaturgeschichten (3): Wasch geht?

Themen: Neues |

Kaputte Elektrogeräte nerven. Weniger, weil es Geld kostet, sie reparieren zu lassen – ich will mich einfach generell mit so etwas nicht befassen müssen. Stuff should just work. Das gilt besonders, wenn die Geräte groß, schwer und notwendig sind.

So ruft mich die LvA vor ein paar Wochen ins Bad, weil unsere Waschmaschine zickt – der Startknopf lässt sich rein drücken, springt aber nicht mehr raus.

Ich versuche, ihn ein wenig zu rütteln in der Hoffnung, dass er nur eingeklemmt ist, aber da tut sich gar nix. Seufz. Also muss ich das Gerät öffnen. Das ist gar nicht so einfach, denn auf der Waschmaschine steht ein großer Trockner, und beides steht eingeklemmt in einer Ecke auf einer Gummimatte.

Zu meiner Erleichterung finde ich auf YouTube einen begabten Briten, der unser Modell sehr gut erläutert auseinander baut:

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Mit viel Rödelei und Ruckelei können wir den Trockner beiseite stellen und die Waschmaschine hervor ziehen, weil die Schrauben zur Entfernung der Deckplatte natürlich an der Rückseite zu finden sind. Und ebenso natürlich sind es die einzigen beiden Schrauben an der Maschine, die sich nicht mit einem Schlitz- oder Kreuz-Schraubenzieher öffnen lassen:

Gottseidank haben wir einen handwerklich sehr begabten Nachbarn, der mir mit dem korrekten Bit aushelfen kann, um die Deckplatte abzuschrauben.

Leider bin ich in dieser Situation zu genervt, von den Innereien Bilder zu machen, aber ChatGPT hat mir gerade mal eine grob passende Zeichnung gemacht, anhand derer ich euch das schnell identifizierte Problem gut erklären kann:

Also: Der "Startknopf" ist nur ein Plastikriegel, der in einer kleinen Röhre steckt. Er drückt im Innern der Maschine mechanisch auf den tatsächlichen elektrischen Taster, der über Kunststoffclips an der Röhre befestigt ist.

Wer sich jemals mit dem Thema "geplante Obsoleszenz" beschäftigt hat, der wird das Problem ahnen – die gerade mal einen Millimeter dicken Kunststoffclips können sehr leicht brechen, und dann passiert genau das, was passiert ist: Der "Startknopf" trifft auf keinen Widerstand mehr und schiebt den elektrischen Taster einfach zurück ins Gerät.

In der Tat stelle ich fest, dass die Kunststoffclips nicht nur gebrochen sind – der Kunststoff ist auch total porös und zerbröselt zwischen meinen Fingern:

Es scheint wie ein winziger, gewollter Konstruktionsfehler, der im Extremfall die ganze Maschine in Elektroschrott verwandelt.

Natürlich kann man das nicht einfach reparieren. Die Verbindungsstellen sind zu klein und zu winkelig, um mit Industriekleber zu arbeiten – wobei auch fragwürdig ist, ob irgendein Kleber die starken Vibrationen des Schleudergangs übersteht. Ein Ersatzteil ist nicht zu bekommen, zumal die Clips fest mit der Röhre verbunden sind, die wiederum Bestandteil der Front der Maschine ist.

Was tun? Ich kann nur einen Versuch starten und auf das Beste hoffen: Röhre und Taster dick mit Industriekleber einschmieren, dann eine starke Schnur an der Innenseite der Waschmaschine festbinden und mit einer Schaumstoff-Unterlage als Puffer über den Kontakt spannen. Hoffen, dass die Schnur ausreichend physischen Druck ausübt, um den Taster am Rohr zu fixieren.

Ich verspreche der LvA keine Wunder.

Aber siehe da: es funktioniert. Der Taster in der Maschine hat wieder ausreichend Widerstand, um auf den Knopfdruck von außen zu reagieren.

Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits bin ich stolz, dass ich als absoluter Honk in Sachen Montage und Reparatur tatsächlich das Problem identifizieren und zumindest vorläufig beheben konnte. Andererseits nervt es mich maßlos, dass hier offensichtlich darauf gesetzt wurde, dass die Clips im Verlauf von ein paar Jahren brechen sollen.

Das ist aber nur die halbe Geschichte. Die LvA nimmt das Problem zum Anlass, die Diskussion über einen Neukauf anzustoßen, da sowohl die Waschmaschine als auch der Trockner über 12 Jahre auf dem Buckel haben und der Trockner auch mit viel Geduld keine wirklich getrocknete Wäsche mehr abliefert.

Angesichts der bevorstehenden Prime Days ziere ich mich zur Überraschung der Gattin nicht lang. Auf Ibiza konnten wir kürzlich eine Waschtrockner-Kombi von Samsung in Augenschein nehmen, die unseren Gerätepark im Bad reduzieren würde. Das erscheint uns praktisch. Ich recherchiere ein wenig und wähle einen exzellent beleumundeten Haushaltshelfer:

Wir zahlen (ohne Amazon-Rabatt) übrigens 130 Euro weniger.

Das Samsung ist ein unspektakuläres Gerät, das nette Melodien spielt, wenn es fertig ist und vor allem zeigt, wie sehr sich die Technik weiter entwickelt hat: weniger Vibration, weniger Lautstärke, bessere Waschleistung bei weniger Laufzeit. Und tatsächlich spuckt das Samsung die Wäsche auf Wunsch schranktrocken aus. Dauert aber je nach Einstellung bis zu sechs Stunden.

Ich bin sehr zufrieden, auch wenn ich die Hälfte der gebotenen Funktionen nicht nutze, weil ich sie nicht verstehe: Quickdrive? Ecobubble? AI Wash? SuperSpeed?

Es gehört zu den Geißeln unserer Zeit, dass unsere neue Waschmaschine wie unser neuer Backofen mit einer eigenen App kommt, über die man alle Funktionen einstellen kann.

Wozu sollte ich das brauchen?

 



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16 Kommentare
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Uli
30. Juli, 2026 09:20

Falls du es nicht eh schon kennst, zum Thema Apps und immer neue sinnlose Funktionen gibt es ein lesenswertes Buch von Gabriel Yoran "Die Verkrempelung der Welt":
https://www.suhrkamp.de/buch/gabriel-yoran-die-verkrempelung-der-welt-t-9783518030028

Oder man kann sich auch diesen Vortrag von der re:publica ansehen:
https://re-publica.com/de/session/die-entkrempelung-der-welt-warum-die-dinge-des-alltags-schlechter-werden-und-was-wir

bartdude
30. Juli, 2026 13:32
Reply to  Uli

"Verkrempelung" dürfte systematisch die Vorstufe zu dem sein, was Cory Doctorow als "Enshittification" bezeichnet: Wenn das Gerät nicht mehr wirklich einem selber gehört, sondern alles per App und über die Cloud gesteuert wird, der Hersteller auf dem Display ungewollte Werbung ausspielt (die App sowieso) und die besseren Features des Gerätes nur noch auf Abo-Basis gegen Einwurf kleiner Münzen funktionieren, obwohl hardwareseitig alles vorhanden und bereit ist. Da brauchen dann die Rotstifte auch nicht mehr solche Wackelkonstruktionen wie den Starttaster bauen zu lassen – nach 10-15 Jahren wird der Cloud-Server für diesen Gerätetyp ausgeknipst, und die Waschmaschine wird zum 50kg-Türstopper. Planned Obsolescence, Endboss-Level.

bartdude
30. Juli, 2026 13:41
Reply to  Torsten Dewi

Exakt. Die IoT-Branche hat das schon bis zum Ende durchgespielt. Die Weißware wird folgen.

Niquo
31. Juli, 2026 01:34
Reply to  bartdude

…ein lesenswertes Buch von Gabriel Yoran "Die Verkrempelung der Welt":
https://www.suhrkamp.de/buch/gabriel-yoran-die-verkrempelung-der-welt-t-9783518030028

den Tipp hast du von Holger Klein. 😉🙂

S-Man
30. Juli, 2026 10:17

Ich oute mich mal: Ich habe noch nie im Leben einen anderen Waschgang als "Buntwäsche" gewählt, weil ich mich schlicht nicht damit beschäftigen will, Wäsche zu trennen, dabei festzustellen, dass für einen Typen die Maschine nicht voll wird, etc. Ich schmeiß immer alles durcheinander. Der einzige Unterschied ist die ausgewählte Temperatur.

Die Anzahl an dadurch kaputt gegangenen Sachen ist an einer halben Hand abzuzählen.

Wobei, Moment… Ich habe mal ein Kletterseil nach einer sehr schlammigen Aktion beim Abseilen in einen Höhlenschacht mit Feinwäsche und ohne Schleudern gewaschen, weil das irgendwo so im Netz stand. Das Seil ist bis heute einigermaßen dreckig.

Sergej
30. Juli, 2026 10:47

"…weil ich sie nicht verstehe: Quickdrive? Ecobubble? AI Wash? SuperSpeed?"
Die alte Maschine hatte BabyProtect.
Aus Interesse, was war das für ein Programm?
Wird Babywäsche besonders stark gespült, dass kein Waschpulverfitzel mehr drin bleibt? Kann man die Luke nicht zu machen, dass sich Kinder nicht aus Versehen in der Maschine einsperren? Oder kann man verdreckte und verschissene Babys damit wieder sauber machen?

Manchmal sind es wirklich Kleinigkeiten, die die Nutzung eines Gerätes erschweren oder die Reparatur unnötig aufwändig/teuer machen. Beim älteren Herd meiner Mutter war vor vielen Jahren mal die Zeitanzeige kaputt. Display mit Uhrzeit, Timer und ich glaube Startzeiten für den Backofen konnte man damit auch noch vorwählen. Meine Mutter hat nur den Timer genutzt. Der Timer hat auch noch funktioniert, das konnte meine Mutter natürlich blind bedienen, aber mit Anzeige wäre es schon schöner gewesen. Als eine neue Spülmaschine geliefert wurde hat sie gefragt, ob einer der Monteure sich mal das Problem angucken konnte. Konnte der Monteur.
Ergebnis: ja, das kann man reparieren. Es reicht aber nicht ein neues Display einzubauen, das Display hatte noch eine Steuerung (bei vier Tasten braucht man das natürlich) und Display und Steuerung gab es nur gemeinsam. Ich weiß den Preis nicht mehr, meine Mutter fand ihn aber zu hoch. Der Monteur hat dann die Steuerung deaktiviert oder überbrückt damit man nicht unabsichtlich an den Tasten einen Timer auslöst oder sonst was verstellt.

Last edited 10 Tage zuvor by Sergej
30. Juli, 2026 11:23

Meine ausführlichen umfangreichen Kommentare scheinen im Nirvana zu verschwinden. Das ist sehr bedauerlich, da Webformulare mittlerweile zuverlässig funktionieren, bin ich es nicht mehr gewohnt den Text vor dem Absenden in die Zwischenablage zu retten. [Chrome Repost]

Das Problem tritt im Mac OS Safari auf. Chrome hat jetzt geklappt. Ich kommentiere dann halt zukünftig nicht mehr, oder bei Facebook.

Last edited 10 Tage zuvor by Martzell
Michaela S.
30. Juli, 2026 18:59

Auch wenn ich jetzt vermutlich late to the party bin, aber hier noch meine 2ct zum Thema.
Wir haben seit 6 Jahren einen Samsung Waschtrockner im Einsatz.
Kurz vorm zweiten Geburtstag versagte das Gerät die Trocknung und Wäsche konnte nur noch kalt gewaschen werden. Techniker kam, Teil getauscht, kaum zwei Monate später, wieder das gleiche Problem.
Anderer Techniker wechselt erneut ein Teil und macht zusätzlich auch noch den verfusselten Innenraum sauber.
Reperatur hielt exakt zwei Jahre. Seitdem ist der Trockner wieder hin. Immerhin wird das Wasser zum Waschen noch warm.
Reperatur würde 400€ kosten. Das haben wir uns gespart. Wir nutzen jetzt halt nur noch das, was geht.

Ich drücke euch die Daumen, dass ihr eine bessere Erfahrung mit einem Samsung-Gerät habt.
Ansonsten sehen wir uns hier in zwei Jahren zum erneuten Reperatur-Report.

Last edited 9 Tage zuvor by Michaela S.
Michaela S.
30. Juli, 2026 19:48
Reply to  Torsten Dewi

Noch eine Ergänzung: Es lohnt sich (vielleicht auch nur am Anfang) das Flusensieb häufiger sauber zu machen/zu prüfen.
Da hing im Vergleich zur "normalen" Waschmaschine, die wir vorher hatten extrem, viel Zeug drin.

Last edited 9 Tage zuvor by Michaela S.
Andy Simon
30. Juli, 2026 20:09

Hm. Aber der neue mit Energiestufe "D"? Bereut man das nicht aus anderen Gründen?

Hairy Ass Truman
2. August, 2026 09:18

Chade, nach der (genialen) Reparatur hätte das Gerät ein paar weitere Jahre machen sollen. Genau dafür sien diese dauerhaften Provisorien da. Und wenn ein Trockner „nicht mehr wirklich“ trocknet klingt das nach einem Wartungsproblem (lösbar) anstatt nach echtem Defekt.

ich habe gerade meine Spülmaschine (tatsächlich defekt) ersetzen müssen. Das neue deutsche „Markenprodukt“ ist eine sehr windige Plastikanhäufung, dem ich kein 10 Jahre gebe.