Reparaturgeschichten (2): Backwahn
Themen: Neues |Das hier ist ein Paradebeispiel, wie aus einem kleinen Problem (eher einer Lässlichkeit) nach dem Schneeballprinzip totales Chaos entstehen kann.
Unseren Backofen haben wir – wie die ganze Küche – beim Einzug übernommen. Er hat eine eingebaute Mikrowelle. Das war bei Miele 2012 nicht Standard. Funktioniert auch ganz gut, aber der Backofen backt relativ ungleichmäßig und ich führe das auf einen auffälligen Schlitz an der Klappe zurück, über den die Maschine womöglich Wärme verliert (links Dampfgarer, rechts Backofen):
Weil auch eine Warmhalte-Schublade nicht mehr schließt und die Spülmaschine verdächtig oft ein Problem beim Wasserablauf meldet, vereinbaren wir mit unserem Superduper-Vermieter, dass der Miele-Kundenservice helfen soll. Schon drei Tage später steht ein junger Mann mit Werkzeugkoffer bei uns auf der Matte.
Ich lerne viel: Die Warmhalte-Schublade hakt nicht, sondern hat einen Defekt bei der Hydraulik. Das ist mit einem einfachen Ersatzteil zu reparieren. In der Spülmaschine steckt ein kleines Plastikteil im Rückschlagventil.
Beim Backofen ist das Problem nicht der Schlitz, denn wir haben das erste Modell von Miele mit integrierter Mikrowelle, da ging das wohl nicht anders. Die ungleiche Wärmeverteilung führt der junge Mann darauf zurück, dass das Dichtungsgummi an der Innenseite der Klappe porös ist und teilweise sogar fehlt. Kein Problem: das Gummi kann er bestellen und ich kann es selber einsetzen.
Als er geht, bin ich sehr zufrieden. Die Fehler, die uns genervt haben, sind scheinbar behoben oder behebbar, die Küche wieder voll einsatzfähig.
Bis ich bemerke, dass nun die Mikrowelle im Backofen gar nicht mehr anspringt und die Spülmaschine noch häufiger mit F11 abbricht. Der Besuch des Monteurs hat unsere Probleme nicht gelöst, sondern verschlimmbessert.
Erfreulicherweise schickt mir Miele eine Befragung zu meiner Zufriedenheit und ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube. Außerdem fordere ich einen zeitnahen neuen Techniker-Termin, denn ohne Mikrowelle geht ja gar nicht und die Spülmaschine immer mit Hoffen und Bangen anzuwerfen, auch nicht.
Es kommt dann ein nicht ganz so junger Mann – Herkunft Erzgebirge. Er schaut erstmal nach, ob ich die nachgelieferte Gummidichtung vielleicht falsch eingesetzt habe – und zerreisst sie dabei prompt. Auch an den Sensoren, die der Mikrowelle zur Sicherheit melden "Klappe ist ordnungsgemäß geschlossen", liegt es augenscheinlich nicht. Da bleibt nur – das ganze Monster ausbauen.
Erfreulicherweise ist der Backofen nur mit zwei Schrauben an der Schrankwand befestigt und der Monteur hat eine ziemlich steile Hebebühne, die er so präzise einstellen kann, dass er den Ofen direkt nach vorne heraus ziehen kann, ohne heben, schleppen oder absetzen zu müssen:
Mit dem nun möglichen direkten Blick auf die Innereien ist der vermutliche Fehler schnell lokalisiert – die Sicherung der Mikrowelle (siehe Pfeil) ist durchgebrannt.
Leider hat der Monteur zwar ein Tütchen mit Sicherungen dabei – die richtige ist aber nicht darunter. Entweder zu groß oder zu schwach. Muss bestellt werden.
Ich möchte an dieser Stelle gerne die Frage stellen, warum man die Sicherung nicht an einer leichter zugänglichen Stelle verbaut, z.B. hinter einer Service-Klappe? Für so einen banalen Vorgang sollte man das Gerät nicht komplett ausbauen müssen.
Der Monteur schaut sich noch die Spülmaschine an und vermutet erst, die unregelmäßige Fehlermeldung läge an einem teilweise verstopften Siphon. Dem ist aber nicht so – die metallene Kugel im Rückschlagventil scheint sich immer wieder zu verkanten und dann das Abwasser nicht freizugeben.
Dieses Plastikteil kostet entspannte 42 Euro:
Nun gut, auch das. Was sein muss, muss sein.
Der Monteur bestellt die Sicherung, das Rückschlagventil und die neue Dichtung, lässt sich für die nächste Woche einen neuen Termin von der Dispo blocken, und verabschiedet sich mit dem Versprechen, dass bis auf das Rückschlagventil alle Teile, die Anfahrt, und die Arbeitszeit unter Gewährleistung fallen.
Solche Rechnungen lese ich gerne:
Das Problem: Der nächste Termin wird abgesagt, weil eins der Teile nicht geliefert wurde. Der zweite vorgeschlagene Termin liegt in unserem Urlaub auf Ibiza. Der dritte Termin fällt wegen einer Unpässlichkeit des Technikers aus.
Nach mehr als einem Monat trifft man sich endlich wieder. Das Rückschlagventil in der Spülmaschine ist schnell ausgewechselt (seither läuft das Gerät klaglos). Dann geht es an die Mikrowelle – und ans Eingemachte. Denn als die Sicherung ins Gerät eingebaut ist, haut es uns die Hauptsicherung der Wohnung raus. Es stellt sich heraus: die Sicherung war das Symptom, nicht die Ursache. Irgendetwas in der Mikrowelle ist massiv schadhaft und legt das ganze System lahm. Auch das Analyse-Gerät des Technikers kann keine endgültige Antwort geben.
Was nun, sprach der Scheich? Der Techniker ist am Ende seiner Fahnenstange. Ein Austausch der Innereien macht keinen Sinn, das würde über 1000 Euro kosten. Ein Austausch des gesamten Geräts macht auch keinen Sinn, denn dieses Modell wird seit Jahren nicht mehr hergestellt.
Der Techniker legt sich nun eine andere Strategie zurecht: er bestreitet einfach, dass sein Kollege beim ersten Termin den Ausfall der Mikrowelle verursacht hat. Das exakte Zusammenfallen von Technikerbesuch und Ausfall der Mikrowelle – ein blöder Zufall. Kann passieren. Lässt sich keine Haftung draus herleiten.
Ich habe ausgesuchte Worte für den ansonsten fleißigen und freundlichen Mann, der sich wenigstens bereit erklärt, seinen Chef wegen irgendeines Kulanz-Angebots zu informieren. Ich hingegen informiere meinen Vermieter, der am nächsten Tag einen geharnischten Brief an den Miele-Kundenservice schreibt, in dem er "dumm gelaufen" nicht als Quintessenz akzeptiert.
Ab da? Hören wir von Miele nichts mehr. Auch auf telefonische Nachfrage schaltet der Kundendienst auf stur, verspricht lediglich mehrfach, die Angelegenheit intern auf die Überholspur zu setzen. Zwei Monate lang Totenstille. Auch kein Kulanzangebot. Und wir sitzen da mit einem Backofen ohne Mikrowelle.
Klar könnten wir eine preiswerte Mikrowelle kaufen. Die kriegt man nachgeschmissen. Aber wir haben neben Sodastream, Pasta-Maschine, KitchenAid, Ninja Creami, Airfryer, Brotbackmaschine und Kaffee-Vollautomat keinen Platz mehr für ein weiteres Gerät. Das kommt nicht in Frage.
Ich schließe mich mit dem Vermieter kurz. Dieser sieht ein, dass was gemacht werden muss, und schickt mir dieses Gerät als Vorschlag:
Uiiihhhh, Airfryer inbegriffen! Das gibt es gerade von einem großen Elektro-Zwischenhändler als Rückläufer für einen wirklich fairen Preis. Wir freuen uns und der Vermieter schickt uns eine Kopie des Bestellprozederes.
Es widerstrebt mir, einen (wenn auch alten) Backofen nur wegen der fehlenden Mikrowelle auszutauschen, aber was sein muss, muss sein.
Letzte Woche kommt der Backofen, primär in Luftpolsterfolie verpackt und ohne gedrucktes Handbuch. Ist mir recht, ziehe ich halt aus dem Internet.
Der Vermieter packt beim Einbau selber mit an – und wir sind etwas verwirrt, als wir feststellen, dass auch das Stromkabel fehlt. Nun denn, das lässt sich über Amazon binnen eines Tages nachkaufen. Keine 20 Euro. Machbar.
Einen Tag später ist der Backofen fest in der Küche verbaut und läuft:
Farbbildschirm, Touchscreen, eine eigene App – das ist natürlich Overkill. Ich hätte gerne wieder einen physischen Drehknopf, um die Temperatur einzustellen. Warum sollte ich meinen Backofen mit meinem Smartphone steuern wollen?!
Egal. Eine Woche geht ins Land und der neue Backofen versieht klaglos seinen Dienst. Er heizt schnell und gleichmäßig, bringt es wenn nötig auf satte 300 Grad.
Dann will ich mir ein asiatisches Mikrowellen-Menü aufheizen und suche nach der "Heizart" für Mikrowelle. Ich finde sie nicht. Das ist doch nicht intuitiv! Entgegen meiner Gewohnheit konsultiere ich das Handbuch. Da steht drin, man soll bei den Heizarten einfach "Mikrowelle" anwählen – ein Icon mit drei horizontalen Wellen.
Ich finde das Icon mit den drei horizontalen Wellen nicht.
Mir kommt ein böser Verdacht.
Ich vergleiche die Typennummern des bestellten und des gelieferten Gerätes.
Gekauft hatte der Vermieter den Siemens CM724G1B1 iQ700. Das M steht für Mikrowelle. Geliefert wurde allerdings der Siemens CB734G1B1 iQ700. Kein M.
Da beide Geräte praktisch identisch aussehen, konnte das nicht sofort auffallen.
Wir haben unseren alten Miele-Backofen wegen der kaputten Mikrowelle entsorgt und gegen ein brandneues Siemens-Modell ohne Mikrowelle ausgetauscht!
Es tut mir in der Seele weh, aber ich muss den Vermieter im Urlaub anfunken. Auf meine Schilderung, was passiert ist, schickt er mir nach drei Minuten einen Abholungstermin für den falschen Backofen und ein Lieferdatum für den neuen (hoffentlich richtigen). Der Mann fackelt nicht lange!
Da der falsche Backofen keinen Karton hatte, hole ich beim OBI eine Rolle Luftpolsterfolie, um das Gerät sicher einzupacken. Nach der Abholung stehen uns wieder 48 Stunden ohne Backofen ins Haus. Thank heaven for the Airfryer!
Erfreulich an solchen Situationen ist, dass alles üblicherweise besser läuft, wenn man es zum zweiten Mal macht. Die korrekten Bohrungen sind bereits gebohrt, das Stromkabel liegt bereit, und ich weiß, wo ich das Gerät anheben muss, um es in die Einbauküche zu hieven. Respekt, wer’s selber macht! Und siehe da:
Der neue Backofen läuft, ist tatsächlich leiser, schneller, komfortabler und flexibler als der Vorgänger. Das grafische Interface ist allerdings eine absolute Frechheit und augenscheinlich von Ingenieuren entwickelt worden, die den Kunden hassen: wirklich JEDER Vorgang ist unnötig komplex, das Interface pottenhässlich, und die App erhöht nicht den Komfort, sondern die Verwirrung.
Das fängt bei den Grundlagen an: der abgebildete Farbbildschirm ist ein Touchscreen. Die darunter abgebildeten Symbole sind ebenfalls Sensortasten. Wenn man z.B. bei den Einstellungen einen Schritt weiter möchte, weiß man schlicht nicht, ob man dafür auf den Touchscreen drücken oder die Sensortasten benutzen muss.
What the hell? Wieso ist das nicht EIN Bildschirm mit klar platzierten, durch alle Menüs gleichen Funktionen?! Hat keiner von den Entwicklern einen Mac?!
Egal. Das Ergebnis zählt und ich habe gleich mal Shortbread gebacken.
Zu Miele habe ich meine ganz eigene Meinung. Wir hatten vor Jahren ein teures Ceranfeld‑Backofen‑Set für über 1800 Euro gekauft, und knapp drei Jahre später war die komplette Rückwand des Backofens verrostet. Das Problem war, dass an dieser Rückwand gleichzeitig die Einschübe befestigt waren, sprich die Seitenteile, in die die Roste/Bleche geschoben wurden, hielten nicht mehr, und die Seitenteile fielen zum Teil herunter, wenn man nicht aufgepasst hat. Die Garantie war abgelaufen, aber gut – es ist natürlich Miele, also haben wir eine Garantie-Kulanzanfrage gestellt. Das Ergebnis der Kulanzprüfung nach über einen Monat war: abgelehnt da angeblich falsche Bedienung. Ich hätte den Backofen nach jedem Gebrauch mindestens eine Stunde zum Austrocknen offen lassen sollen. Das ist sicher auch mit einem Kleinkind gut umsetzbar. Mein neuer Backofen, der deutlich günstiger war, pustet einfach eine Stunde lang Luft nach, sodass er danach ebenfalls staubtrocken ist und nichts verrostet. Daher ist Miele für mich tot und die finanziellen Schwierigkeiten wundern mich nicht.
Noch eine andere Info: 300 Grad sind bei unserem neuen Backofen absolut genial, und ich liebe die Pizza daraus. Mit dem Pizzastein und einem tollen Rezept für selbstgemachten Pizzateig bestellen wir nur noch super selten Pizza und ich backe fast nur noch selbst.
Schöner Bericht!
Ich hätte da allerdings mal kurz eine Verständnis- bzw. Sinnfrage dazu: Qas bringt denn ein Airfryer im Backofen? Ein Airfryer ist doch per se schon ein (Mini-)Backofen, der durch das geringere Volumen halt einfach stärkere Power/Hitzezirkulation und geringeren Verbrauch hat. Wenn der neue Backofen nun ein Airfryer-Programm inkludiert, wird das nicht durch die große Röhre gleich wieder ad absurdum geführt? Bzw. dann reden wir doch immer noch von einem normalen Backofen (mit ein paar zusätzlichen Einstellungen für bestimmte Arten von Gerichten).
Oder hab ich hier einen Denkfehler?
Du denkst richtig – wir haben auch keine Ahnung, was das soll. Unseren Airfryer wird es sicher nicht ersetzen.
Vielleicht nur ein fancy Name für das gute alte Heißluftprogramm? Oder hat er das zusätzlich?
Ok, ich seh schon, noyze hat die Fage weiter unten beantwortet. Weitergehen, hier gibt es nichts zu lesen. 😉
Ich hab in der Regel sehr gute Erfahrungen mit Werkskundendiensten gemacht, auch schon mal mit Miele, hatte aber eine ähnliche Odyssee mitgemacht: Der neue Miele-Trockner hat sich hartnäckig nicht mit dem W-LAN verbunden, die Miele-Waschmaschine direkt daneben schon, schien also nicht am Netzwerk zu liegen. Der Techniker war wirklich sehr freundlich und hat ein paar gute Tipps zur optimalen Nutzung der Geräte gegeben, hatte aber erkennbar keine Ahnung von Apps oder W-LAN. Also hat er nach und nach jeweils ein Bauteil geraten, an dem es liegen könnte und das getauscht werden muss, das aber natürlich jedes Mal bestellt werden musste. Dann hat er mich an den App-Support verwiesen, der das ein paar Wochen mit der "Fachabteilung" klären musste, die dann ein Update gefunden hat, das aber natürlich wieder ein Techniker installieren musste.
Das belegt sehr schön, warum ich dagegen bin, jeder Gerät App-Support zu geben. Zu viele Fehlerquellen.
Oder halt einfach einen offenen Standard wie Zigbee oder MQTT verwenden.
Diese ganze Eigebrötlerei macht jeden eventuellen Vorteil durch Netzanbindung kaputt.
Die Frage bleibt ja bestehen: wofür brauchen Waschmaschinen und Backöfen Apps?
Im konkreten Fall Waschmaschine und Trockner würde ich sie tatsächlich nicht mehr hergeben wollen, es ist (gerade wenn mehrere Wäschen hintereinander anstehen) enorm praktisch zu wissen, ob die Ladung fertig ist, bevor ich mich auf den Weg in den Keller mache. Freundlicher kleiner Hinweis von der Alexa und auf geht’s.
Mein Backofen hat noch keine App, einziger Use Case den ich mir spontan vorstellen könnte ist flexibles, zeitversetztes Starten: wenn der Braten 3h vor meiner Rückkehr starten soll, ich aber noch nicht genau weiß, wann das ist.
Mag alles sein, aber dieses "use cases" haben wir schlicht nicht.
Wie lange heizt denn so ein moderner Ofen auf, um auf 300 Grad zu kommen? Unser braucht schon für seine 250 inkl. Pizzastein fast eine Stunde…
Das scheint mir falsch gerechnet – euer Backofen dürfte binnen 15 Minuten auf 250 sein – aber der Pizzastein braucht länger, um durchzuheizen. Unser altes wie unser neues Gerät haben eine Schnellstart-Funktion, die in ein paar Minuten auf Touren kommt. Exakte Angaben habe ich aber noch keine.
Ja, mag sein. Ich brauche 250 Grad nie ohne Stein, deswegen habe ich da keine Zahl. Aber mit Stein piept er erst nach etwa 50min… (als Signal dass er fertig mit hochheizen ist)
zum Airfryer in Backöfen:
– Heißluft
– Oberhitze (Grill)
– schneller laufender Ventilator
– Feuchtigkeit wird abgeführt
In der regel haben die noch ein spezielles blech mit löchern drin für diese Funktionsweise
Das ist der Unterschied zu normaler Heißluft
Ich habe einen bosch mit mikrowelle und bin ziemlich zufrieden, der einzige Nachteil ist man kann nicht backen und dann mikrowellen weil der ofen erst runterkühlen muss. Dafür funktioniert der assi ganz gut – Gern genommen bei Frischteig Brötchen udn Pizzen. war sogar noch fleischthermometer dabei . Die App ist übrigens die einzige Möglichkeit den start des ofens vorzuwählen.
In der Tat liegt das gelochte Blech bei. Ich verstehe die Funktion, halte aber den "kleinen Airfryer" für die bessere Wahl, weil dessen Schublade auch einfach umgekehrt in die Spülmaschine gestellt werden kann.