Filmverbrechen-Fotostory (1): WENCKE, UDO… UND DER BLAUE DIAMANT oder: Alptraumschiff
Themen: Film, TV & Presse, Fotostory, Neues |Der hier braucht wieder ein wenig Kontext und einen Disclaimer. Es handelt sich um ein TV-Special, das am Tag vor Silvester 1979 ausgestrahlt wurde – und danach nie wieder. Es war weitgehend der Vergessenheit anheim gefallen, wurde nur noch in alten Archiven und Datenbanken erwähnt.
Vor ungefähr zwei Jahren (?) tauchte dann eine sehr maue Kopie im Netz auf – immer wieder hochgeladen, immer wieder gelöscht. 74 Minuten. Die erste Minute fehlt, am unteren Bildrand sind typische VHS-Tracking-Artefakte zu sehen.
Nun kann man fragen: was ist DARAN denn so spannend? Mehr als man glauben sollte. Die DNA von WENCKE, UDO… stammt aus den USA und findet sich später in vielfältigen anderen Produktionen wieder.
Grund genug, mir das mal genauer anzuschauen.
Das vorab: Dieses Special einen "TV-Film" zu nennen, ist eigentlich schon zu hoch gegriffen. Es ist ein Vehikel, eine Präsentationsfläche für Touristikwerbung, ein Kreuzfahrtunternehmen, seine Stars und deren Musik. Es ist eines dieser für das öffentlich-rechtliche Fernsehen eigentlich untersagten "win-win-win"-Konzepte, bei denen die Produktionsfirma billig auf einem großen Schiff drehen darf, das Reiseunternehmen kostenlose Werbung in der Primetime bekommt, und die Stars exakt ihre "Figuren" spiegeln – Unterhaltungskünstler, die für einen kostenlosen Urlaub ein paar Stunden "Arbeit" investieren.
Es ist auch wahrlich eine unheilige Mischung, die hier gemixt wird: Unterhaltungs-Superproduzent Rademann lässt Show-Genie Pfleghar von der Kette, damit dieser einen geradezu LISA-esk blöden Plot inszeniert – mit seiner späteren Ehefrau in der Hauptrolle. Ich bin sicher, der zuständige Redakteur vom ZDF durfte auch mal bei den Dreharbeiten auf Jamaica vorbeischauen. Spesen!
Wem das alles recht bekannt vorkommt: Ja, WENCKE, UDO… UND DER BLAUE DIAMANT ist das "missing link", die direkte Verbindung vom LOVE BOAT zum TRAUMSCHIFF, mehr noch als die üblicherweise kolportierte BRD-Serie DAS FERIENSCHIFF oder die DDR-Serie ZUR SEE. Hier laufen die Fäden zusammen, hier wird aus den Teilen ein Bild. Aber darüber wird hinterher noch zu sprechen sein.
Der oben angesprochene Disclaimer bezieht sich auf die Screenshots, die ihr in dieser Fotostory zu sehen bekommt. Ich gestehe: die im Internet kursierende Version des Films ist "drüber", da geht nix mehr. Miserable Auflösung, farbschwach, grieselig, soft, mit Bildstörungen und Aussetzern. Also habe ich das gute Stück komplett durch TOPAZ Video AI gejagt. Aber auch die KI kann nicht zaubern. Das Ergebnis: lauter verzerrte Monsterfratzen, sobald jemand mehr als zwei Meter von der Kamera entfernt steht. Dafür aber farbecht und weitgehend rauschfrei. Ich habe mich deshalb auf Nahaufnahmen und Szenerien konzentriert, deren digitale Retusche den Inhalt nicht allzu sehr verfälscht.
tl;dr: It is what it is. Eat or die.
Steigen wir mal ins laufende Geschehen ein und reimen uns zusammen, dass Wencke (als "Wencke") gerade dabei ist, wegen eines liegen gebliebenen Taxis das Kreuzfahrtschiff zu verpassen, auf dem sie mit ihrem Kollegen Udo (als "Udo") auftreten soll.
Wencke ist verzweifelt – sie hat sich doch verpflichtet. Und irgendwie winkt ja auch ein Urlaub. Da muss doch was zu retten sein!
Der Fahrer spricht mit der Stimme von Wolfgang Hess, also wie Bud Spencer. Er verspricht, Wencke zeitig zum Hafen zu bringen.
Zuerst einmal muss ordentlich getüftelt werden und ich finde die Unterstellung amüsant, die Schlager-Queen Wencke Myhre wäre in der Lage, am Motor irgendeiner alten Rostlaube zu schrauben:
So bleibt denn auch ein Kolben übrig, was ja nie ein gutes Zeichen ist.
Hier merken wir schon, dass ein kohärenter Plot oder irgendeine Form von Continuity kein Eckpfeiler der Produktion sein sollte. Der Fahrer meint nämlich, dass es auch ohne den Kolben ginge, solange Wencke den Wagen schiebe – was dann aber nicht passiert, denn in den Hafen fährt sie auf der Ladefläche ein. Hier wird dann auch der Titel eingeblendet:
Nein, ich verstehe nicht, warum da drei Punkte drin sind. Ist das so eine Drei ???-Nummer mit der Aussicht auf Fortsetzungen?
- WENCKE, UDO… UND DER OFFENE HOSENSTALL
- WENCKE, UDO… UND DAS KOKS IM MERCEDES
- WENCKE, UDO… UND DER GEKLAUTE ECHO
Wir kommen zur Werbung:
Man darf nicht vergessen, dass Kreuzfahrten damals für die Deutschen noch eine sehr exotische Sache waren. Ich würde zudem unterstellen, dass sich Regisseur Pfleghar und sein Trio an amerikanischen Autoren vom LOVE BOAT "inspirieren" ließen, das in den USA sicher "zufällig" im Jahr davor angelaufen war.
Wie dem auch sei: Wencke schafft es in letzter Sekunden an Bord.
Ein Fan will begeistert ein Autogramm und Wencke lässt sich nicht lumpen…
… aber der Fan will natürlich die Unterschrift von uns Udo. KREISCH!!!
Wencke hingegen wird von einem Matrosen aufgegriffen, der ihr keine Sekunde lang glaubt, dass sie DIE Wencke ist:
"Wenn du Wencke Myhre bist, dann bin ich Udo Jürgens. Jetzt zeige ich dir nicht deine Kabine, ich zeig' dir die Einzelkabine in unserem Bord-Gefängnis, du schnuckeliger Blinder Passagier!"
Dafür hat man DREI Autoren gebraucht, die eine respektable Filmographie bei amerikanischen Late Night-Shows und Sitcoms vorweisen konnten!
Und Wencke so: KREISCH!!!
Zeit für den von Fans bedrängten Udo Jürgens, gleich mal das Publikum direkt anzusprechen – allerdings nicht, um sich zu entschuldigen:
"So schön singt nur die Wencke!"
Weil die Laufzeit knapp bemessen ist, überspringen wir den Teil, in dem Udo Wencke aus dem Bordknast befreit. Wir blenden gleich in Wenckes Kabine, wo der Kollege ihr erklärt, wie an Bord der Hase läuft: man lässt sich den Arsch nachtragen, holt sich einen Sonnenbrand und eine Alkoholvergiftung, und an einem Abend haut man ein tausend mal gehörtes "best of"-Medley raus. Dienst nach Vorschrift und gegen gute Bezahlung.
Der Erste Offizier kommt vorbei und entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten. Das schert Udo aber wenig, denn er hat außerhalb der Kabine zwei lange Beine und einen üppigen Busen erspäht, denen es nachzustellen gilt. Dieser Teil dürfte sich ziemlich eng an der Lebensgeschichte des Sängers orientieren, wenn ihr versteht, was ich meine…
Der Erste Offizier wird von Jean-Pierre Cassel gespielt, einem damals dauerpräsenten französischen Schauspieler und ja – Vater von Vincent Cassel.
Die zwei Beine und der Busen gehören übrigens "Amanda", gespielt von der bayerischen Schauspiel-Ikone Michaela May, die damals schon in JERRY COTTON, LISA-Filmen und DERRICK-Episoden dabei gewesen war:
Der Erste Offizier stellt sich als Peter Maró vor (Maro? Mahro? Maroux?).
Wencke teilt ihm mit, dass sie nur eins wolle: "Ins Bett!"
Dieser Idee ist der schmierige Schnauzbartträger natürlich nicht abgeneigt. Allerdings gilt hier wie bei der LISA-Film: Die Freundin des Regisseurs ist für unzüchtige Bettspiele tabu! Das wäre ja noch schöner!
Nachdem in der Kabine demnach tote Hose herrschen wird, schalten wir um in die Bordbar. Dort ist Udo bereits dabei, die fesche Amanda klarzumachen:
Amanda scheint nicht abgeneigt, den Sänger für etwas griechischen Wein an die Auslage zu lassen und Udo weiß, was Frauen wollen:
Vor der Kür aber zuerst einmal die Pflicht – Udo wird "Professor Orlowski" vorgestellt, dem "wissenschaftlichen Berater der großen Museen dieser Welt". Tatsächlich sieht der alte Zausel aus, als käme er direkt aus KLIMBIM – und das nicht ohne Grund.
Als Peter Maró dazu kommt, entschuldigt sich Amanda auffällig hektisch. Sollten die Beteiligten etwa Halbgares im Schilde führen?!
Ich kann es nicht belegen, aber das sieht mir hier nicht wie eine Bordbar auf Hoher See aus, sondern wie die Berliner Kellerkneipe des Produzenten. Nachdreh?
Maró zeigt sich eines derben Späßchens fähig, als er auf die Frage nach den Plänen der Kreuzfahrt antwortet:
"Für morgen erwarten wir einen Orkan und der Kapitän liegt auf der Brücke – total besoffen."
Dafür hat man DREI Autoren gebraucht, die eine respektable Filmographie bei amerikanischen Late Night-Shows und Sitcoms vorweisen konnten!
Amelie, die biestige Krankenschwester des Professors, taucht auf, um ihn schnurstracks in seine Kabine zu rollern.
Natürlich ist Amelie Amanda und natürlich hätte die Frau in keiner uns bekannten Realität die Zeit gehabt, so schnell das Outfit zu wechseln und das Makeup zu entfernen. Aber es ist ja auch nicht davon auszugehen, dass WENCKE, UDO… in irgendeiner uns bekannten Realität spielt.
Weil auch Udo Jürgens blind wie ein Maulwurf ist, fragt er Maró, ob dieser bei der Lokalisierung der bezaubernden Amanda helfen könne. Der Erste Offizier verspricht es – dem Zeitgeist gemäß vermutlich auf "sloppy seconds" hoffend.
Auf diesem Bild passiert absolut gar nichts, aber ich fand die unbestreitbaren BACKROOMS-Vibes sehr interessant:
Zurück in der Kabine, befreit sich der "Professor" erstmal von Bart und Perücke:
Denn siehe, es ist der Trash-gestählte Pfleghar-Weggefährte Peer Augustinski, den wir in diesen heiligen Hallen schon im Rahmen von IS WAS, KANZLER und DREI GEGEN DREI begrüßen durften.
Wir bekommen etwas Exposition: "Amanda" ist vor Maró abgehauen, weil sie ihn für den Typen hält, dem sie mit dem "Professor" in Miami den "blauen Diamanten" abgenommen hat. Der "Professor" weiß es aber besser – der Geleimte war Paul Maró, der Zwillingsbruder des Ersten Offiziers. Erstmal Entwarnung also.
Die Gangsterbraut erklärt, dass sie die zweite Existenz als sexy "Amanda" braucht, um von der Gier der Männer zu zehren. Oli (so heißt er wohl) ist dem ja auch nicht abgeneigt und knurrt voreilig:
"Ich mach dich jede Nacht zur Frau."
Zum Dank darf Peer Augustinski eines schönen Todes sterben – death by snu snu!
No sex please, we’re öffentlich-rechtlich! Stattdessen reichlich Exposition: Die Gauner haben den geklauten blauen Diamanten zusammen mit anderem Schmuck bei einer Schmuckmacherin auf Jamaica deponiert. Von dort wollen sie ihn zurück holen, um ihn in Miami am Ende der Reise zu Geld zu machen.
Warum die einen Diamanten in Miami einsacken, ihn nach Jamaica bringen, nur um ihn dann wieder nach Miami zu holen? Warum er bei einer unwissenden Schmuckmacherin deponiert wird statt in einem Schließfach? Wieso sie Probleme sehen, das Schmuckstück durch den Zoll zu bringen, obwohl ja bei der Ein- wie Ausreise gar nichts deklariert wird? Das sind Fragen, die man sich nur stellt, wenn man hier irrigerweise mehr als Porno-Logik erwartet.
Dafür hat man DREI Autoren gebraucht, die eine respektable Filmographie bei amerikanischen Late Night-Shows und Sitcoms vorweisen konnten!
Wir blenden also zum nächsten Tag und Wencke händigt Udo ein Air-Akkordeon aus, damit man das erste gemeinsame Duett anstimmen kann:
Vom Hafen weit fort,
wir hier und er dort,
zwei Wochen auf Planken,
die immerzu schwanken –
was treibt man solange an Bord?
Ich geb dir Wort.
du lernst es sofort,
es gibt ziemlich viele
ganz lustige Spiele –
die treibt man an Bord wie ein Sport!
geht nie mehr aus der Sonne weg,
bis sie wie Backobst eingedorrt –
das treibt man so lange an Bord!
Die Dünne da,
so scheint es mir,
macht Jagd auf jedes Souvenir.
Aus jedem Port schleppt sie was fort –
das treibt man solange an Bord!
kann man essen essen essen,
dabei geht die Zeit herum.
Und zum Essen unterdessen
kleidet man sich angemessen,
um und um und um und um.
Und so weiter, und so fort. Lustiges Liedgut auf Kosten ungefragt gefilmter Pauschaltouristen. Wenigstens/hoffentlich sind die alle schon tot.
Ein Gutes hat die Singerei: Der tatsächliche "Spielfilm"-Anteil von WENCKE, UDO… reduziert sich auf eine knappe Stunde. Man darf auch mal Glück haben.
Derweil telefoniert Peter mit seinem Bruder Paul. Er soll Wencke in Montego Bay treffen und zu der Schmuckmacherin bringen, damit Wencke wiederum ein Schmuckstück kauft, das sie dann unbemerkt nach Miami schmuggelt.
Auch hier braucht man sich nicht merken, was sowieso keinen Sinn ergibt. Wenn ich mir das nach drei Sichtungen des Films richtig zusammen reime, dann ist der Plan von Peter und Paul, dass sie bei der Schmuckmacherin eine Kopie des verloren gegangenen blauen Diamanten anfertigen lassen – genau bei der Schmuckmackerin, bei der Oli zufällig den echten blauen Diamanten deponiert hat. What are the odds?!
Dafür hat man DREI Autoren gebraucht, die eine respektable Filmographie bei amerikanischen Late Night-Shows und Sitcoms vorweisen konnten!
Udo trifft den "Professor" und "Amelie" wieder und fragt erneut nach Amanda, mit der er gerne ins Bordkino möchte. Der Professor winkt ab: Amanda ist die Gespielin des Kapitäns und das gäbe sicher einen Haufen Ärger.
Udo ist enttäuscht, aber bereit, dem ranghöheren Seemann das Feld zu überlassen. Such is the code of men!
Was im Bordkino läuft, fragt der Professor. Udo: "Der alte Mann und das Meer."
Dafür hat man DREI Autoren gebraucht, die eine respektable Filmographie bei amerikanischen Late Night-Shows und Sitcoms vorweisen konnten!
Maró zeigt Wencke derweil die Brücke und macht ihr die Idee schmackhaft, sich von seinem Bruder zu der Schmuckmacherin von Jamaica bringen zu lassen.
Aber genug der Handlung. Die Hauptdarsteller müssen schließlich einlösen, wofür Produzent Rademann (vermutlich) die Drehgenehmigung bekommen hat – es ist Abend und Maró kündigt den Passagieren erstaunlich lustlos das Highlight der Kreuzfahrt an.
Ich frage mich, ob Wencke Myhre damals wirklich für Kreuzfahren buchbar war. Eigentlich ist das eine Sache, die Schlagerstars auf dem absteigenden Ast machen. Das galt für Myhre 1979 keinesfalls. Sie war bereits seit mehr als zehn Jahren Dauergast im europäischen Fernsehen und füllte locker die ganz großen Hallen.
Selbst auf der popeligen Showbühne der Vistafjord lässt sich das Charisma der Norwegerin nicht bestreiten – ein Vollprofi durch und durch, der hier nun drei Songs in leicht verkürzter Fassung darbietet, während das deutsche Publikum wie üblich erstarrt davor sitzt, als dürfe man sich bei keiner Emotion ertappen lassen.
Einzig erkennbar zufrieden mit der Performance – Kollege Udo.
Ich habe schon in indischen Restaurants mit mehr Showzauber gegessen:
Aber egal, Wencke gibt alles und schließt schmissig mit einer deutschen Version von Sinatras "The lady is a tramp" ab.
Udo beweist mal wieder, dass er primär mit dem denkt, was er in der Hose hat, denn ihm fällt schon auf, dass Amelie irgendwie der flotten Amanda ähnelt…
… aber ihr lustfeindlicher Blick lädt nicht zu weiteren "Recherchen" ein:
Wham, bam, thank you, mam!
Die Vistafjord legt am nächsten Morgen in Jamaica an und man achtet darauf, dass Schiff der Promotion zuliebe ordentlich in Szene zu setzen:
"Amelie" und der "Professor" rappeln von Bord, um den blauen Diamanten aus dem Versteck bei der Schmuckmacherin zu holen.
Peter Maró erklärt Wencke, dass sein Bruder direkt am Colonial House Hotel auf sie wartet – und ich bin sicher, die explizite Erwähnung des besten Hauses am Ort hat nichts damit zu tun, dass zumindest Teile der Crew dort unterkamen.
Ja, der karibische Tourismus hat sich seit 1970 ganz schön weiterentwickelt.
Da ist auch schon Paul, gekleidet wie ein Gaucho und ebenfalls gespielt von Jean-Pierre Cassel. Doppelrollen sparen schließlich Kosten bei der Besetzung.
Ich greife jetzt schon mal vor, aber es wirkt tatsächlich so, als hätte Rademann nur einen begrenzten Deal mit der Reederei aushandeln können – ALLE Darsteller spielen mindestens zwei Rollen und letztlich haben wir es auch nur mit fünf Personen zu tun: Wencke, Udo, Paul/Peter, der Professor und Amanda. Alle anderen Beteiligten sind Statisten, die vor Ort zu den Dreharbeiten überredet wurden.
Zehn Sekunden nach der Begrüßung stehen komplett andere Autos vor dem Hotel, aber was weiß ich schon – vielleicht ist Berufsverkehr in Montego Bay?
Ich bin übrigens dem Irrtum aufgesessen, es handele sich hier um Marigot Bay, die von der Gruppe Arabesque besungene Bucht (und ja, das in der Mitte ist Sandra):
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Marigot Bay, Montego Bay – wie soll man da nicht durcheinander kommen?!
In einer Hütte am Wegesrand ziehen sich der "Professor" und "Amelie" wieder zu "Oli" und "Amanda" um – auch wenn das eigentlich unnötig sein sollte.
Dann der Knaller: Der Rollstuhl hat einen Motor und kann mit locker 30km/h die Straße runterknattern:
So verschafft sich das Gaunerpärchen zu dramatischer Musik einen entscheidenden Zeitvorteil gegenüber unseren Helden!
Ist natürlich nur ein Scherz. Der Rollstuhl hat keinerlei Bedeutung, außer dass es ihn womöglich zufällig gab. Er wird nie für irgendwas eingesetzt, das nicht auch ein Taxi oder meinetwegen ein Spaziergang hätte erledigen können.
Zur Autofahrt über die Insel läuft "Jamaica Mama", wieder mal ein Song von Udo Jürgens über ein mutmaßlich minderjähriges Mädchen, mit dem er sich vergnügt hat. Wir hatten das ja neulich erst – es waren die 70er.
Den Song schrieb Jürgens übrigens auf der Basis dieser Dreharbeiten. Er wurde im Jahr darauf auf der Platte "Udo ’80" veröffentlicht. Wurde allerdings kein so großer Knaller wie diese zu Unrecht vergessene Nummer:
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Wencke und Udo sind ziemlich begeistert von der angebotenen Ware:
Paul schwatzt der Schmuckmacherin genau den "blauen Diamanten" ab, auf den er sein Auge geworfen hatte, und hängt ihn Wencke um:
Aufmerksame Zuschauer erkennen gleich, dass es sich im besten Fall um einen kleinen Diamanten in einem Silberanhänger handelt, der noch dazu nicht blau ist. Es ist davon auszugehen, dass die Produktion sich nicht die Mühe machen wollte, eine tatsächliche Requisite für den Film herzustellen.
Oli ist stinksauer, dass die Schmuckmacherin den blauen Diamanten einfach so verkauft hat – obwohl diese legitim davon ausgehen konnte, dass es sich nur um Modeschmuck handelt. Auch die Frage, warum Oli das Juwel nicht in einem irgendwie verschlossenen Behältnis gesichert hat, bleibt offen.
Aber es ist noch nicht alles verloren: Die Schmuckmacherin hat bereits eine Kopie angefertigt, die sie in den Hotels der Insel verkaufen wollte.
Puhhh, das waren jetzt bestimmt mehr als 30 Sekunden Handlung, da brauchen wir wieder etwas Musik! Sexistisch hatten wir gerade eben erst, wie wäre es also mit rassistisch-kolonialistisch? Udo und Wencke singen den kleinen schwarzen Kindern von Jamaica ein Loblied auf Deutschland vor.
Hoch vom Dachstein her,
wo die Rebe blüht,
bis zur Elbe, die gen Norden zieht,
liegt ein schönes Land,
liegt die Heimat mein.
Nix Tropen.
Nix Insel.
Nix Palmen steh’n wie Pinsel.
Nix heißer Strand.
Nix Sonnenbrand.
Ein wunderschönes Land.
Nix barfuß in Matte, ein jeder Mann Krawatte.
Nix Mittagsschlaf am Straßenrand.
Ein ordentliches Land.
Häuser alle riesig.
Himmel immer diesig.
Wasser in der Leitung.
Morde in der Zeitung.
Milch kommt aus der Dose.
Bauch hängt über Hose.
So ist unser Germany.
Autos jede Menge.
Parken im Gedränge.
Männer leicht chaotisch.
Kinderlein neurotisch.
Und die schönen Frau’n dann,
mal’n sich täglich braun an.
Die Natur ist aus Beton.
Beethoven war ein deutsches Genie – ba ba ba bamm.
Richard Wagner war ein deutsches Genie. Steuermann halt die Wacht!
Karl Meier und Gerd Müller. VW und Sepp Maier. Ostfriesen und Bayern. Die Alpen, der Rhein. Schunkeln beim Wein. Autobahn. NATO-Plan. Größenwahn. Reeperbahn. Lohengrin mit seinem Schwan. Gartenzwerg, Heidelberg, Sauerkraut, Schweinshaxn, Jodeln und Bier.
Dieses motorisierte, technifizierte, disziplinierte, organisierte, emanzipierte, voll registrierte Volk… sind wir!
Ja, da kann man schon mal ordentlich durchatmen. Aber was soll’s – halb Jamaica träumt jetzt von deutschen Schmerbäuchen und Dosenmilch.
Oli rekapituliert die Handlung bis hierher: jemand hat den echten blauen Diamanten geklaut, weiß aber nichts von der Kopie.
Amanda erwähnt zumindest, dass ein einfacher Koffer in einem Schmuckgeschäft vielleicht nicht das ideale Versteck für "Diebesgut" war:
Jetzt erspähen Oli und Amanda das muntere Sangespaar und beschließen, sich den blauen Diamanten notfalls mit Gewalt zurück zu holen.
Ich frage euch erneut: sieht das wie einer wertvoller "blauer Diamant" aus?!
Oli schnappt sich Wencke und verschleppt sie in einen bereitstehenden Wagen:
Die Schlagersängerin ist wenig begeistert, muss aber angesichts der vorgehaltenen Pistole erstmal Ruhe bewahren. Dummerweise geht dem Wagen nach 300 Metern das Benzin aus.
Oli betäubt Wencke mit einem Spray, das er praktischerweise dabei hat:
Dann macht er sich durch die Vegetation der Insel davon:
Udo wird mitgeteilt, dass seine Kollegen gekidnappt wurde. Er vertraut ausgerechnet auf Amanda, ihm bei der Rettungsaktion zu helfen.
Beide stehlen kurzerhand Fahrräder, obwohl sie versichern, gar nicht radfahren zu können. Aber auf Jamaica lernt man schnell.
Udo: "Und da sagen die Leute, so eine Kreuzfahrt sei eine Erholung. Hoffentlich knallt mich der Kerl nicht ab!"
Wencke: "Habe ich geträumt? Wo ist der Kerl? Mein Gott, ist mir schlecht! Was hat der mir nur ins Gesicht gesprüht? Und was wollte er von mir? Wo ist unser Schiff? Eine schöne Kreuzfahrt ist das!"
Keine Ahnung, vielleicht stellte man bei der Postproduktion fest, dass das Wort "Kreuzfahrt" noch nicht vertragsgemäß oft genug verwendet worden war.
Dafür hat man DREI Autoren gebraucht, die eine respektable Filmographie bei amerikanischen Late Night-Shows und Sitcoms vorweisen konnten!
Peer Augustinski zeigt wenigstens vollen Einsatz und rennt pitschnass durch die Straßen Jamaicas. No woman, no cry!
Dann springt er auch noch todesmutig auf einen fahrenden Zug auf – kein Wunder, dass für einen Stuntman bei dieser Produktion kein Budget da war.
Auf jeden Fall beginnt jetzt zur Halbzeit "die große Verfolgungsjagd" – und ich bitte euch alle, den Begriff nicht allzu sehr auf die Goldwaage zu legen.
Wir sehen uns voraussichtlich in 48 Stunden wieder!
Es ist kaum zu glauben, aber ich erinnere mich an den Film. Ich fand als 7-jährigen Udo ziemlich cool. Warum ich mir gerade den gemerkt habe, kann ich aber auch nicht sagen, aber langsam kommt die Erinnerung an die "Handlung" zurück. Die Szene, in der Udo Amelie/Amanda enttarnt oder aussen am Schiff klettert, hab ich konkret vor Augen. Daher harre ich in Vorfreude auf den nächsten Teil.
„Dafür hat man DREI Autoren gebraucht, die eine respektable Filmographie bei amerikanischen Late Night-Shows und Sitcoms vorweisen konnten!“
Das Deutschland-Lied könnte von Playlist des Bundeskanzlers stammen.
…und die Stars exakt ihre "Figuren" spiegeln – Unterhaltungskünstler, die für einen kostenlosen Urlaub ein paar Stunden "Arbeit" investieren.
Drehort vor Drehbuch.
Ich bin allein und habe keine respektable Filmographie irgendwo, aber die Frage, ob das wie ein wertvoller blauer Diamant aussieht, könnte man so beantworten:
Am Ende des Films kommen Udo und Wencke zusammen, der Diamant ist vollkommen egal weil "Wencke, deine Augen sind die schönsten blauen Diamanten dieser Welt." Und dazu läuft
https://m.youtube.com/watch?v=YIGLA_TqT9w
So ist es zwar nicht, aber ich halte dagegen:
https://www.youtube.com/watch?v=zbaTJDnDRuY
Wenn ich mich nicht täusche, hat Peer Augustinski blaue Augen. Er und Amanda?
Ohne Leerzeichen vor den Auslassungspunkten muss es sich bei "Udo" wohl um ein Wortfragment handeln. Vielleicht japanische Nudeln, Niederschlagsmessgeräte oder ein mir unbekanntes Schimpfwort …
Soso, du österreichischer Schauspieler, Sänger, Fernsehmoderator und Begründer des deutschsprachigen Rock ’n' Roll!
Hach ja. Das deutsche Fernsehen und ihre blauen Diamanten. Knapp 14 Jahre später ging es wieder um diese Klunker, in DER BLAUE DIAMANT, diesmal von unseren Freunden von der LISA Film, genauer gesagt vom Retzer Otto, dem alten Schmierbolzen, nach einem Drehbuch von Julia Kent. Ja, genau. Die. Und die weibliche Hauptrolle darf sie auch spielen, an der Seite von Winnetou, Dominic Santini und Petrocelli, sowie Harald Leipnitz, der Kirchberger, der Schuberth und dem zweiten großen Glatzenfürsten des deutschen Fernsehens – Wilfried Baasner. Ach, und Brent Huff, der "Smitty" aus THE ROOKIE, damals aber in erster Linie für seine Hauptrolle in GWENDOLINE und Bruno Mattei-Schlonz bekannt, ist auch mit dabei. Ein Film, quer durch die Bank gespickt mit Arbeitsverweigerung vor exotischer Kulisse. Wäre auch mal was für eine Fotostory…
Warum kannst du dir solche Kommentare nicht mal bis zum zweiten Teil verkneifen?
Weil ich alt bin, und nicht weiß, wieviel Zeit ich noch habe? :p
An den Film kann ich mich auch noch erinnern. Davor lief eine ,,VIP-Schaukel". Dort war ein Interview mit Peter Falk. Am Ende der Sendung hat Peter Falk die Ansage für ,,Wencke, Udo.." gemacht. Daran kann ich mich noch 100 % erinnern. Echt bekloppt.
Sorry, deine Kommentare waren im Spam hängen geblieben. Du hast Recht mit der VIP-Schaukel.
danke für die gruppe Arabesqueich habe mir gleich die doch 11 langspielplatten von victor records bestellt.
die werden meine gäste bei der nächsten sause in meinen partykeller bestimmt zum schwofen bringen.
leider war ihnen ihr angemessener erfolg in deutschland verwehrt geblieben,aber in japan waren sie der hit!