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Juni 2026

Kino Kritik: Supergirl (spoilerfrei)

Themen: Film, TV & Presse |

USA 2026. Regie: Craig Gillespie. Darsteller: Milly Alcock, Eve Ridley, Matthias Schoenaerts, Jason Momoa, David Corenswet, David Krumholtz, Emily Beecham, Ferdinand Kingsley, Diarmaid Murtagh, Alice Hewkin, Wil Coban, Emily Piggford u.a.

Story: Kara Zor-El treibt sich mit ihrem Hund Krypto in der Galaxis rum, besäuft sich in schmierigen Alien-Bars und versucht ihre Vergangenheit zu vergessen, ohne eine Zukunft zu haben. Bei einem Konflikt mit Krem von den gelben Hügeln wird Krypto vergiftet. Kara muss die Briganten finden, um das Gegenmittel zu sichern. Dabei trifft sie auf die junge Ruthye, die mit Krem eine ganz eigene Rechnung offen hat…

Kritik: Es ist nie gut, wenn man getriggert ins Kino geht. Im Fall von SUPERGIRL war ich entschlossen, den Film gut zu finden, einfach weil mich diese Hater aus dem Netz so ankotzen, die nicht nur schon wissen, dass der Film scheiße ist – sondern auch, dass Alcock und Gunn daran schuld sind:

Allein für so einen Dreck sollte der Film die Milliarde knacken. Ich bin ja selber ein alter Chauvi und erklärter Gegner der Woke-Attitüde, nach dem die Message die Story treibt und nicht umgekehrt, aber allein schon der Versuch, Milly Alcock bewusst als "hässlich" zu diskreditieren, zeigt sehr eindeutig, wes Geistes Kind die Macher solcher Videos sind. Fer shame!

Und in der Tat – scheiße ist SUPERGIRL nicht. Er ist aber auch nicht so gut, wie ich mir erhofft hatte, um den ganzen Idioten ins Gesicht spucken zu können. Ich kann an dieser Stelle nicht um der "galaktischen Balance" willen ein Loblied anstimmen, das ich nicht im Herzen trage.

SUPERGIRL ist… okay. Er ist aufwändig, bunt, augenzwinkernd, herzig, frech, dynamisch, schräg, und viele andere positive Sachen, die man mit einer gelungenen Comic-Verfilmung verbindet.

Das Problem ist nicht Gunn. Das Problem ist nicht Alcock. Das Problem ist nicht mal der sowieso sehr vage feminstische Ansatz, der wieder mal alle Männer (Superman ausgenommen) zu toxischen Dreckschweinen und alle Frauen zu Opfern erklärt, die sich endlich mal wehren müssen.

Das Problem ist das Drehbuch, das mechanisch versucht, den "Gunn style" der GUARDIANS zu imitieren, dafür aber weder den Witz noch die Kreativität besitzt. Der Hauptstrang ist so banal, dass er nicht mal erster Entwurf taugen dürfte: Krypto vergiftet, drei Tage bis zum Exitus, Bösewicht trägt Gegengift an einer Kette um den Hals. Das ist in einem Maße deppert, dass es mich fassungslos macht.

Ana Nogueiras Skript fehlt außerdem die Leichtigkeit, mit der Gunn eine große Menge an Figuren und Plots verwebt. Ich verstehe, was mit der Geschichte von Ruthye erreicht werden soll, aber faktisch bremst sie Supergirls Quest permanent aus. Lobo ist lediglich eine dem Comic abgepauste Nebenfigur, die kein Gewicht besitzt und schmerzfrei rausgeschnitten werden könnte.

Und Krem? Krem führt die Tradition der komplett charismabefreiten Marvel-Bösewichte fort. Erinnert sich noch jemand an Malekith? An Dar-Benn? Ronan? Kaecilius? Laufey? Eben.

So sieht das alles wie GUARDIANS aus, hört sich wie GUARDIANS an, bewegt sich wie GUARDIANS – und ist doch nur eine Kopie von einem Farbdrucker mit nachlassendem Toner.

Mit gerade mal 108 Minuten fühlt sich SUPERGIRL immer noch zu lang an, zu verhaspelnd in unnötige Subplots und Nebenfiguren.

Aber es ist mir wichtig, das zu sagen: Es liegt nicht an Milly Alcock. Sie ist klasse. Und ihr Supergirl bleibt eine sympathisch frische Neuinterpretation der Figur. Tatsächlich ist SUPERGIRL immer dann am besten, wenn Supergirl Supergirl-Dinge tun darf. Würde man sie durch eine generische andere Figur ersetzen, würde der Film zerbröseln. Alcock/Supergirl funktioniert als Kern, der den Film zusammen hält. Anders als frühere Versionen ist sie eben nicht nur Kal-Els Cousine.

So würde ich den Film Gunn/DC/Supergirl/Guardians-Fans durchaus empfehlen. Aber schraubt eure Erwartungen auf ein Normalmaß runter und lasst euren Frust nicht an der Hauptdarstellerin aus.

Den Rest besprechen wir nächste Woche in einer Spoilerzone.

Fazit: Genau das, was zu erwarten war – ein holperiger DC-Riff der GUARDIANS OF THE GALAXY, ziemlich unterhaltsam, aber auf fast jedem Level knapp unter der Perfektion, die man von Gunn gewohnt ist. 

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8 Kommentare
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Bjoern
25. Juni, 2026 09:26

Zum Thema feministischer Ansatz: Ich habe letztens einen Podcast gehört, dass die ursprüngliche Fassung des Alien Drehbuchs von Dan O’Bannon alle Charaktere ohne spezifisches Geschlecht beschrieben waren, also sowohl von einem Mann als auch einer Frau besetzt werden konnten. Als Sigourney Weaver als Ripley besetzt wurde, hat man keine Zeile verändert. Die Figur funktioniert dadurch einfach als Mensch extrem gut.

Ich frage mich, warum das nicht der Standard bei Drehbüchern ist, wenn es in dem Drehbuch nicht explizit um geschlechtsspezifische Themen geht.

jimmy1138
25. Juni, 2026 13:20

Irgendwie stehen Supergirl- Filmprojekte unter keinem guten Stern. Der Film in den 80ern hat effektiv die komplette Superman-Franchise gekillt, The Flash war ja auch ein Desaster an den Kassen und auch hier schaut’s nicht gut aus.
Leute wie Nerdrotic sind Grifter, die prinzipiell jedes Mainstream-Projekt schlechtreden – jedes einzelne Video auf seinem Kanal ist negativ, aber offensichtlich lohnt sich das für ihn.
Alcock häßlich? Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber für mich wirkt von den bisherigen Darstellerinnen von Kara Zor El noch am ehesten wie Super"girl" (nicht Super"woman")

heino
25. Juni, 2026 13:50
Reply to  jimmy1138

Helen Slater enstrach vom Alter als auch von Aussehen her dem damaligen Comic-Supergirl zu 100 %, das ging auch damals schon. Leider war das Script total grottig und der Film ein schlechter Witz

heino
25. Juni, 2026 13:47

Mir egal, ob das ein GotG-Abklatsch ist, was die Fanboys zetern oder wie woke der Streifen ist. Endlich macht das DCEU Spaß und deshalb wird der Streifen auf jeden Fall geguckt. Und Alcock war schon in ihren wenigen Szenen in "Superman" so gut, dass sich das auf jeden Fall lohnen wird.

Marcus
25. Juni, 2026 23:56
Reply to  heino

Jo, auf jeden Fall gucken.

Marcus
25. Juni, 2026 23:55

Da gehe ich im Wesentlichen mit. Ein paar Ergänzungen habe ich, aber die hebe ich mir besser für die Spoiler-Zone auf. Generell – es hätte in vielen Belangen besser sein können, hätte man sich enger an die Vorlage gehalten, was aber andere Baustellen aufgemacht hätte.

Unterm Strich: reingehen.

Matts
3. Juli, 2026 16:44

Nachdem ich ihn jetzt auch gesehen hab, gehe ich in praktisch allen Punkten mit: Das Script ist das Problem und nicht das Casting. Alcock ist toll als Supergirl und Momoa wurde praktisch geboren, um Lobo zu spielen.
Lustigerweise hab ich erst im Abspann geschnallt, dass Krem von Matthias Schoenaerts (den ich im wieder gerne sehe) gespielt wird. Unter dem ganzen Makeup und mit dem Stimmmodulator hab ich ihn nicht erkannt. Wenn man als guter Schaupieler (naja, eigentlich als Schauspieler allgemein) in einem Superheldenfilm auftritt, dreht man wirklich immer am Glücksrad: Man könnte ein Loki oder Killmonger sein – oder ein Kaecilius oder Krem…