Kino Kritik: SCARY MOVIE 6
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Offizielle Synopsis: Das Mädchen Tuesday wird von einem Ghostface-Killer angegriffen und kommt ins Krankenhaus, wovon ihre Schwester Sara in Anwesenheit ihres Partners Jack benachrichtigt wird. Die beiden suchen Saras und Tuesdays Mutter Cindy Campbell auf, die vor 26 Jahren mit einem Ghostface zu tun hatte und sich zurückgezogen bewaffnet und auf seine Rückkehr vorbereitet, währenddessen aber ihre Töchter vernachlässigt hat. Sara und Jack besuchen Tuesday im Krankenhaus, wo Sara von Ghostface angegriffen wird, und suchen anschließend Hilfe bei Sheriff Doofy, der beim ersten Mal der Ghostface war. Brenda Meeks ist mittlerweile die coole Ma der Teenager Dei und Brad. Zu deren Freundeskreis gehört auch Jess, Trans-Sohn von Sheriff Greg.
Kritik: Zu Verortung: Ich fand den ersten SCARY MOVIE scheiße. Dümmster hysterischer Kiffer-Humor, der keine Pointe ordentlich setzt und nur da (halbgar) funktioniert, wo er das Original fast bis zur Kopie durchpaust. Sämtliche Probleme haben einen Namen: Wayans. Der Humor des Clans ist mir fremd. Da passt gar nichts. Es ist eine Sache, wenn man einen Witz nicht komisch findet. Es ist eine andere Sache, wenn man nicht mal versteht, wo der Witz gewesen sein soll.
Aus diesem Grund war ich sehr froh, als man die Wayans-Brüder nach Teil 2 kickte und die Profis David Zucker und Pat Proft an Bord holte, die als Gottväter der Genreparodie das Schiff wieder auf Kurs brachten. SCARY MOVIE 3, 4, und 5 mögen keine Klassiker sein, aber sie liefern solide Schenkelklopfer für Filmnerds.
Ich gehöre zu den wenigen, die sogar SCARY MOVIE 5 ganz lustig fanden, obwohl der Streifen von 2013 gerne als der vorläufige Sargnagel der Franchise gesehen wird, die wie ihre Vorlage SCREAM ihren Zenit weit überschritten hatte.
Sicherlich motiviert von der Reanimation der SCREAM-Franchise hat sich Paramount nun entschlossen, auch SCARY MOVIE wieder neu zu starten – und das Projekt an die Wayans-Brüder zurück zu geben. Es mag damit zu tun haben, dass Zucker und Proft mittlerweile auf die 80 zugehen und man ihnen nicht zutraut, den Humor der aktuellen Generation zu verstehen.
Das mag stimmen. Und das teile ich mit ihnen.
SCARY MOVIE 6 ist vermutlich der traurigste, unambitionierteste, faulste und komplett humorbefreite Versuch einer Parodie, den ich seit den Spätwerken von Seltzer und Friedberg gesehen habe. Die maximalste Reaktion, die der Film bei mir hervorgerufen hat, war ein müdes Schmunzeln. Bei diversen der lose eingestreuten Szenen aus anderen Filmen habe ich mich zum Frankster gelehnt und geflüstert "ich verstehe nicht ganz, was daran jetzt lustig sein soll".
Besonders erschütternd ist die Erkenntnis, dass der Wayans-Clan sich kein Stück weiter entwickelt hat. Der Humor ist zu 100 Prozent "90s cringe", viel Kifferei, ein paar Dildos, Schwulenwitze und "hast du was gegen Neger?"-Niveau. Wären die Macher nicht schwarz, würde man sie für ein derartig aus der Zeit gefallenes Sammelsurium an pubertären Möchtegern-Frechheiten zur journalistischen Schlachtbank führen.
Es gibt keinen Versuch, jenseits der SCREAM-Filme andere Genreproduktionen in den Plot einzubauen. Es muss reichen, dass Szenen kopiert werden, ob mit "Pointe" oder nicht. Das Drehbuch arbeitet wie eine Checkliste. SINNERS? Hamma. LONGLEGS? Hamma. IT FOLLOWS? Hamma. Das ist umso ärgerlicher, da mit dem Boom des "schwarzen Horrors" der letzten Jahre wahrlich genug Material vorhanden wäre, um die Befindlichkeiten eines genuin afro-amerikanischen Ansatzes in Sachen Trauma und Verdrängung durch den Kakao zu ziehen.
Es gibt kein "wenigstens…", kein "immerhin…" – ich kann den kompletten Totalausfall SCARY MOVIE 6 nicht relativieren.
Null Punkte. Zero points. No points. Zéro point. Zero punti. Cero puntos. Zero pontos. Nul punten. Noll poäng. Null poeng. Nul point. Nolla pistettä. Zero punktów. Nula bodů. Nula bodov. Nulla pont. Zero puncte. Нула точки. Μηδέν βαθμοί. Sıfır puan. Nula bodova. Нула поена. Nič točk. Null punkti. Nulle punktu. Nulis taškų. Нуль балів. Ноль баллов. Núll stig. Nul points.
Aber, und damit schlage ich wieder den Bogen zum Anfang: Vielleicht bin ich auch nur ein alter Mann, der den Humor der aktuellen Generation nicht (mehr) versteht. Das Jungvolk im Kino hat gelacht, "lustige" Szenen auf dem Handy mitgefilmt, nebenher tik tok-Videos geschaut – und ein besonders prolliges Pärchen neben mir hat, als ich um etwas mehr Ruhe bat, gleich das Kino verlassen.
SCARY MOVIE 6 hat am ersten Wochenende in den USA fast doppelt so viel Geld eingespielt wie MASTERS OF THE UNIVERSE.
I just wasn’t made for these times.
Fazit: Ein Rohrkrepierer, inkompetent und impotent, dessen Konzeption so lange gebraucht haben dürfte wie seine Laufzeit und der vor allem auf ein Publikum zielt, das kiffen so lustig findet wie seine Macher.
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P.S.: Ich liebe Fake-"Kritiken":
Ich war schon raus, als der Trailer (den ich weiß Gott oft genug serviert bekommen habe) den Witz, wo die Transfigur, die gerade erstochen wird, auf ihre Pronomen besteht, 1:1 auf Deutsch bringt, obwohl es halt im Deutschen kein Äquivalent zu "they/them" gibt. Zugegeben eigentlich nicht sinnvoll übersetzbar, aber das grenzt an Arbeitsverweigerung.
In der Tat war ich genervt, dass wir nur die deutsche Version sehen konnte, bei der es in Sachen Synchro öfter hakt.
Der Trailer – der normalerweise ja zumindest einige der besseren Gags beinhalten sollte, um die Leute ins Kino zu locken – brachte mich kein einziges Mal auch nur zum Schmunzeln. Ich glaube, falls ich mir das jemals antun sollte, wird der beste "Gag" für mich auch schon die Meta-Anspielung mit Tuesday sein.
"I just wasn’t made for these times." Da bin ich echt sowas von dir. Einfach nur traurig, dass so etwas den super unterhaltsamen und mit viel Herzblut entstandenen "Masters of the Universe" schlägt.
Ach ja, und vorhin vergessen: Den ersten habe ich sogar noch als ansatzweise ok in Erinnerung (da mag mich eben diese aber auch trügen). Den zweiten habe ich damals schon nicht ausgehalten. Ich bin bei dir, dass der Ausstieg der Wayans und die Übernahme von Zucker/Proft dem Franchise tendenziell geholfen statt geschadet hat.
Schon traurig. Die Wayans haben mit ,,In living color“ einen absoluten Klassiker geschaffen. Wenn Fox nicht so dumm gewesen wäre, hätte das ihr ,,Saturday Night Live“ werden können und könnte sogar heute noch vieleicht laufen. Tja.
Das glaube ich nicht unbedingt – IN LIVING COLOR war klasse, aber auch ein Kind der "urban comedy culture" der 90er. Das hätte sich spätestens mit der Jahrtausendwende überlebt.
Immerhin einen vermutlich wahren Satz enthält die Fake-Kritik am Schluss:
> People were laughing historically in the room at the cinema.
Es ist in der Tat davon auszugehen, dass es zumindest irgendwann in der Vergangenheit mal einen Moment gab, an dem Menschen in jenem Kinosaal gelacht haben.
Auf Rottentomatoes 69% Audience Score, auf IMDB 5.5 und Cinemascore C+ – es sind nicht nur die professionellen Kritiker, die diesen Film nicht mögen…
Das ändert nix daran, dass doppelt so viele Leute den sehen wollten wie MOTU.
So frustriend das auch ist – ist das nicht bis zu einem gewissen Grad ein Marketingversagen seitens MOTU (dessen hardcore Fanbase großteils so zwischen 45 und 50 ist) bzw ein Marketingerfolg von Scary Movie mit dem Gimmick, daß man nach 25 Jahren praktisch den kompletten Originalcast zurückholt?
Das kann man hinterher natürlich immer mutmaßen. Aber drehen wir das doch mal um – wenn MOTU den SCARY MOVIE meilenweit geschlagen hätte, würde es heißen: "Ist das nicht bis zu einem gewissen Grad ein Marketingversagen seitens SM (dessen hardcore Fanbase großteils so zwischen 45 und 50 ist) bzw ein Marketingerfolg von MOTU mit dem Gimmick, daß man nach 40 Jahren eine legendäre Trickserie der 80er als Blockbuster neu auflegt?"
Der letzte Absatz ist der eigentlich traurige. Ich war so dermaßen angepisst, als mir das zum ersten Mal passierte. Warum können die Gören keine 2h mehr ohne ihr scheiß Telefon leben? Was ist gottverdammtnochmal so wichtig, dass man sich während des Films Tiktok reinziehen muss? Wie kann man auf die armselige Idee kommen, aus einem Kino heraus zu streamen, dass man in Kino sitzt?
Und wie kann auch nur jeglicher Funken von Anstand oder Verständnis dafür fehlen, dass man damit wortwörtlich jeden einzelnen, anderen Besucher stört?
Diese scheiß Selbstdarstellungen, diese Ignoranz, diese Egomanie ist einfach nur noch zum Kotzen und führt leider immer mehr dazu, dass ich mir sehr genau überlegen muss, ob ich den Film im Kino wirklich sehen will und wenn ja, ob er wenigstens uninteressant genug für diese Assis ist, dass ich meine Ruhe habe….
Ich habe da das Glück, dass mein Filmgeschmack und der des durchschnittlichen TikTok-Teenies ziemlich entgegengesetzt sind: Das meiste , was die interessiert, langweilt mich, und umgekehrt.
Wenn ich dann doch mal Bock auf Popcorn-Blockbuster habe, dann aber wirklich nur zuhause.
Heißt natürlich auch, dass ich von den aktuellen Massenerfolgen im Kino ungefähr so viel Ahnung habe wie von K-Pop, aber damit kann ich wunderbar leben.
Also erst einmal der ganze Scary Movie-Franchise geht mir am Allerwertesten vorbei.
Ich nutze diesen Kommentar um vielleicht vom Hausherr ein Daumen Hoch oder Roger Ebert-Thumbs-Down zu erhalten bezüglich Disclosure Day,bei dem ich grösste Lust verspüre morgen in die erste Vorstellung zu stürmen.
Die Pressevorführung war gestern, aber ich war schlicht nicht eingeladen.
Mal ganz ab vom "old man yells at cloud"-Aspekt: Welcher Achtjährige hat denn die "Offizielle Synopsis" verbrochen?? Die hast du, scheint eine kurze Google-Suche nahezulegen, von Wikipedia kopiert? Die ist ein noch größeres Verbrechen an allem, was gut und schön ist, als die Humorlosigkeit des Films selbst.
Es gibt zwei Gründe, warum ich in Reviews statt "Story" "Offizielle Synopsis" schreibe: Entweder ist der Review a priori vorbereitet (z.B. im Fall der Fantasy Filmfest-Kritiken) und die Inhaltsangabe wird dem Veranstaltungskatalog entnommen. Oder ich sehe mich außerstande, das Geschehen auf der Leinwand nachzuvollziehen, weshalb ich einen Text vom Verleiher oder der Wikipedia (was oft deckungsgleich ist) übernehme. Im Fall von SCARY MOVIE hätte ich selbst mit einer Pistole auf der Brust die Handlung nicht nacherzählen können.
Da hast du nochmal Glück gehabt dass sie dich nicht beim Awareness Team angezeigt haben.
Wir waren gestern im ganzen Saal zu sechst, und ich habe bis auf zwei, drei Kicherer auch keinerlei Reaktion vernommen. Nunja, auch bekifft war der Kiffer-Humor zwar nicht wirklich witzig, aber auch nicht brutal unangenehm. Die deutsche Synchro allerdings war wirklich mies.
Jep, der hat mich auch ziemlich kalt gelassen.
Guter Punkt. Da hätte man was wirklich cleveres aufziehen können – aber darauf haben die Wayans offenbar keinen Bock. Größtenteils. Denn in den letzten 5 Minuten hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass der Film ein, zwei interessante Kommentare anbringt, aber dann kam auch schon der Abspann. WTF…
Exakt. Ich sagte auch zum Frankster am Schluss, dass die Idee, dass hier die "next generation" als der natürliche Feind der Franchise-Veteranen identifiziert wird, eigentlich ganz hübsch ist.