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Juni 2026

Kino Kritik: MASTERS OF THE UNIVERSE

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

USA 2026. Regie: Travis Knight. Darsteller: Nicholas Galitzine, Camila Mendes, Jared Leto, Idris Elba, Alison Brie, Morena Baccarin, James Purefoy, Charlotte Riley, Jóhannes Haukur Jóhannesson u.a.

Story: Nachdem Eternia von den Horden Skeletors gestürmt wurde, flieht der kleine Adam mit dem Schwert der Macht zur Erde, verliert es dort aber. Nach 15 Jahren findet seine Jugendfreundin Teela ihn, damit er seine Heimat befreien und seine Bestimmung als He-Man finden kann.

Kritik: Ich gestehe – ich bin mit massiven Vorbehalten ins Kino gegangen. Die geradezu hysterische Lobeshymne des Neonzombie (friend of the family) klang verdächtig nach "ich bin begeistert, weil der Verleih mich zu einer fetten Party eingeladen hat":

heise.de, üblichweise recht kompetent und nüchtern in solchen Angelegengheiten, hat seine Kritik mit "Zum Fremdschämen platt und schlecht gespielt" überschrieben. Die SZ titelt "Als hätte ein Kleinkind Regie geführt". Auf Metacritic steht der Streifen aktuell bei 52 Prozent.

Hinzu kommt, dass die erste Verfilmung mit Lundgren zwar nicht der Bodensatz war, als der er heute gerne verunglimpft wird, aber doch ziemlicher Kappes. Und die Trailer zur Neuverfilmung sahen wie eine Fantasy-Variante der GUARDIANS OF THE GALAXY aus, optisch der bonbonbunten CGI der THOR-Filme verpflichtet.

Wenn nichts sonst, dann in MASTERS OF THE UNIVERSE zumindest der Beweis, dass ich mich umstimmen lasse, wenn das Endprodukt es rechtfertigt.

Denn wahrlich, viele der angebrachten Kritikpunkte sind absolut korrekt – und dennoch irrelevant. Dass der Film pubertär ist, dass er in bonbonbunter Harmlos-Action ersäuft, dass er dem Publikum permanent zuzwinkert, dass der Kern der Story mal wieder "the magic was inside you all along" ist – stimmt. Aber auch scheißegal.

MASTERS OF THE UNIVERSE ist "big fun" wie der erste SUPER MARIO BROS. Film vor ein paar Jahren. Er will nicht edgy sein, nicht zynisch, er will seinen Kindergarten an Figuren in Karnevalskostümen nicht dekonstruieren oder lächerlich machen – er feiert mit dem märchenhaften Eternia-Universum gleichzeitig die Unschuld der kindlichen Abenteuerlust wie die Unschuld der Cartoons der 80er Jahre. Die waren platt, die waren hohl. Aber sie waren auch magische Welten für die erste Generation von Videospielern, der Traum von Arnold-Muskeln und einem Tiger zwischen den Beinen.

Jeder der Beteiligten weiß, was hier die Stunde geschlagen. Die Darsteller spielen nicht nur Comic-Figuren, sie spielen als Comic-Figuren. Es regiert der breite Pinselstrich in der erfreulichsten Form und bei aller Action wird der Film niemals ernst oder grausam. Ja, die CGI erreicht kein Level an Realismus, dass uns die Genese im Computer vergessen lässt – aber das war bei der alten Zeichentrickserie ja auch nicht anders. Filme wie MOTU brauchen keine Perfektion, weil sie sich an keiner uns vertrauten Realität orientieren müssen.

Auf der Meta-Ebene wird nicht weniger rangeklotzt. MOTU ist ein Geschenk für Ostereier-Sucher, die mit Mattel-Spielzeug aufgewachsen sind. Die 80er werden referenziert, als gäbe es noch einen Sommerschlussverkauf: Star Wars, Flash Gordon, Big Jim, Highlander, die nervigen "was haben wir heute gelernt?"-Epiloge der Serie, und die banale Frage "was will Skeletor eigentlich"?

Besonders erfreulich: sogar die Musikauswahl ist perfekt aus Memes und anderen Blockbustern zusammen geklau(b)t – albern episch und zugleich augenzwinkernd ironisch. Ich kenne kaum einen Film der letzten Jahre, den mal als Noob so perfekt genießen kann, der für Altnerds aber einen so massiven Mehrwert mitbringt.

Müsste ich kritteln, würde ich allenfalls anmerken, dass man den Fehler macht, die beiden Figuren, die für das Sequel aufgespart werden, doch noch in den Nachspann zu schubsen. Da ist das Sitzenbleiben ein unnötiger Spoiler.

Versteht mich nicht falsch: Wenn ihr noch nie etwas mit MOTU anfangen konntet, wird euch der hier auch nicht bekehren. Aber wer ein Herz für Helden mit magischen Schwertern hat, der findet mehr Kino fürs Geld, als er verdient…

Fazit: Ein knallbuntes, pubertäres, positives, der Vorlage wie den modernen Blockbustern verpflichtetes Fantasy-Märchen, das die besten Eigenschaften von FLASH GORDON und JOHN CARTER vereint und dabei jung und alt begeistert. 

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20 Kommentare
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8. Juni, 2026 18:02

Freue mich, zu lesen, dass er dir sehr gut gefallen hat. Mich hat er ebenfalls bestens unterhalten; vor allem der von dir eh auch schon gebrachte Vergleich mit "Flash Gordon" drängt sich mir auf (und das nicht nur, weil Brian May Gitarren-Riffs beisteuert): Auch der war schon, nüchtern betrachtet, kein guter Film. Aber ein saumäßig unterhaltsamer. MOTU 2026 schlägt hier in die gleiche Kerbe.

Ich würde mir sehr wünschen, dass er erfolgreich genug wird, um das (wie schon beim 1987 erfolglos) angeteaserte Sequel zu rechtfertigen. Wenn nicht, können sich Travis Knight und alle Beteiligten zumindest damit trösten, einen künftigen Kult-Klassiker geschaffen zu haben, den eine eingeschworene Fangruppe bis zum Ende ihrer Tage lieben und (ver)ehren wird.

Marcus
8. Juni, 2026 18:15

"Nachdem Eternia von den Hoden Skeletors gestürmt wurde"… ich musste dreimal hingucken um zu merken, dass ich mich verlesen habe.

"der Traum von Arnold-Muskeln und einem Tiger zwischen den Beinen" – wenn der Autor nachträglich meinen Verleser noch rechtfertigt.

Der Film? Ach, lass ma. MOTU war nie mein Thema, deshalb kann ich den wohl auslassen, auch wenn ich unbesehen glaube, dass der besser ist als Mando und Grogu.

Stephan
8. Juni, 2026 18:54

Ich hatte es auf Facebook schon mal ähnlich geschrieben: Ich bin (fast) 45. Ich bin Familienvater. Ich bin Rechtsanwalt.

Alles egal. Als ich den Trailer gesehen habe, war ich wieder acht. Und hatte die Macht von Grayskull. Das reicht mir erstmal.

Jetzt muss ich nur noch den (tatsächlich achtjährigen) Junior irgendwie ins Kino schmuggeln….

jimmy1138
8. Juni, 2026 21:22

Das große Drama der MOTU-Franchise war ja, daß die Verkaufszahlen von einem Jahr aufs nächste (1986/87) komplett kollabiert sind. Das hat, wenn ich mich recht erinnere, ja auch den Film in Mitleidenschaft gezogen. Mit Golan/Globus schon mal nicht grad die seriöseste Produktionsfirma und dann soll angeblich Mattel ihre 50% der Produktionskosten nicht bezahlt haben. Denen ging dann die Kohle aus und der Regisseur hat das Ende aus eigener Tasche finanziert. Da verwundert es ja auch nicht, daß der Film großteils auf der Erde spielt. Jedenfalls ist für mich Langellas Performance – ebenso wie Raul Julia als M Bison in Streetfighter – ein Kandidat für "best acting performance in a bad movie".
Der andere Effekt der relativ kurzen, aber gleichzeitig massiven Popularität von MOTU ist in meinen Augen, daß es nur eine sehr kleine Altersgruppe (so um die 45) gibt, die echte Hardcore-Fans der Franchise sind.

8. Juni, 2026 21:34

Dass man mit dem Film als jemand, der MOTU nie gesehen hat, etwas anfangen kann, kann ich aus eigener Erfahrung ausdrücklich bestätigen.
Ich habe sicher nur 1/10 der Anspielungen verstanden, aber ich hatte richtig Spaß und hätte ohne Ohren im Kreis gegrinst.

Dirk "Babbe" Behnke
10. Juni, 2026 18:05

Ich bin Fan der ersten Stunden, wo an Prince Adam noch nicht mal zu denken und He-Man noch ein kriegerischer Barbar war.
Ich kann mit diesem Film nix anfangen. Dieses Material, die Charaktere, Eternia und seine Magie: all das hätte ein Epos sein sollen wie Herr der Ringe, oder Avatar. Und so hab ich das auch schon gesehen seit ich als Kind mit meinen ersten Figuren spielen konnte.
Was hab ich bekommen? 200 Mio. Trash. Ein untermuskulöser He-Man, der OHNE seinen Kampftiger in den Kampf zieht, einen schwarzen, versoffenen Man-at-Arms, eine Teela die bis an die Halskrause zugeknöpft ist, eine Zauberin die man nur aus dem Kontext erkennen konnte. WO war ORKO???
Was hab ich bekommen? Humor der keiner war, seichte Dialoge und einen nervenden Soundtrack.
Alles was während des Films gezeigt werden sollte, erschien in den letzten 2 Minuten. Auch der Sound aus der Zeichentrickserie aus den 80ern. Teure 2 Minuten.

Aber ich bin selbst schuld. Nach den ganzen Trailern hab ich wirklich bekommen was ich befürchtet hatte…

Alexander Freickmann
12. Juni, 2026 10:02
Reply to  Torsten Dewi

Persönlich hätte ich es aber schon bevorzugt, wenn sie zumindest bei Adam den Captain America Effekt eingesetzt hätten (wie bei He-Man 2002), er also als Adam zumindest nicht schon wie ein Schrank ausschaut. Halt genug, damit er eher wie ein normaler 20jähriger ausschaut. Dann wäre seine He-Man Figur für mich auch direkt in Ordnung gewesen. So aber war ich schon etwas irritiert am Anfang (1. Verwandlung). Da hätte ich persönlich dann wenigstens bei He-Man nen Arnie-Körper bevorzugt.
Aber wie so vieles im Film wars egal, weil der Film ja genug Spaß gemacht hat. Da hatte ich mehr First World Probleme mit dem dauernden Brian May (und nicht Shuki Levys und Haim Sabans Banger) "Gedudel".

12. Juni, 2026 12:35

Na ja, die Adam-Figur war ja auch schon immer so muskulös wie He-Man (kein Wunder, war ja die gleiche Grundform), insofern passt das genau genommen schon.

Und das Brian May-"Gedudel" war mir das beste am Film, du Banause :-p

jimmy1138
11. Juni, 2026 10:20

"Ein untermuskulöser He-Man"

He-Man war jahrelang in "development hell" und bei jedem neuen Hauptdarsteller gab’s die Beschwerde "Ist nicht muskulös genug". Selbst Lundgren war eigentlich nicht ausreichend "bulky". Wenn man davon ausgeht, daß He-Man inspiriert von Frazettas Conan-Bildern war, dann hätte es jemanden wie Schwarzenegger gebraucht. Und so jemanden findet man einmal in 40 Jahren.
Der andere Punkt ist He-Man vs Adam, konkret – soll Adam deutlich weniger muskulös aussehen als He-Man? Nach meinen Infos – ähnlich wie beim 1987er Film – macht man sich nicht die Mühe, eine Secret Identity-Situation Prince Adam/He-Man aufzubauen.

"eine Teela die bis an die Halskrause zugeknöpft"

Also wenn ich das mit dem Cartoon vergleiche, schaut das Outfit von Camilla Mendes eigentlich recht akkurat aus und wenn man#s mit den Actionfiguren vergleicht, hat die da so ein Schlangendingsbums am Kopf – die ist da wenn, sogar mehr zugeknöpft.

"WO war ORKO"

Wenn Orko im Film gewesen wäre, hätten vermutlich dieselben Personen, die ihn jetzt fordern, als Reinkarnation von Jar Jar Binks gebrandmarkt.

"einen schwarzen, versoffenen Man-at-Arms"

Man mag es mögen oder nicht, aber ein 100% weißer Cast fällt heutzutage unangenehm auf, das tut sich kein Castingdirektor an, wenn er einen Idris Elba besetzen kann, der schon oft gezeigt hat, daß Hautfarbe bei manchen Rollen egal ist.
Versoffen? Aufgrund der Umstände. Aber ja, warum zeigt man ebenso wie im 1987er Film ein Eternia, wo Skeletor gewonnen hat, und alles den Bach runtergegangen ist, anstatt ein Eternia, das He-Man als eine Art Superman (und Prince Adam als Clark Kent) erfolgreich vor Skeletor beschützt?

Ich fand es aber schon im Onlinediskurs interessant, daß es ein gewisses Fansegment gibt, das MOTU absolut bierernst nimmt. Nach meiner subjektiven Wahrnehmung primär jene, die damals v.a. mit den Actionfiguren gespielt haben.

12. Juni, 2026 12:40
Reply to  jimmy1138

"Ich fand es aber schon im Onlinediskurs interessant, daß es ein gewisses Fansegment gibt, das MOTU absolut bierernst nimmt." So geht es mir auch, was vor allem auch deshalb so unverständlich ist, als sich das Franchise selbst noch nie bierernst genommen hat.

S-Man
10. Juni, 2026 20:16

Ich feiere einfach alles an dem Film. Jedes. Verdammte. Detail.

Disclaimer: Fand die Zeichentrickserie immer doof.

Nikolai
11. Juni, 2026 09:28
Reply to  S-Man

Hast du den neuen Revelation und Revolution schon eine Chance gegeben?
Ich finde, es lohnt sich.

Last edited 1 Monat zuvor by Nikolai
Matts
11. Juni, 2026 12:54
Reply to  Nikolai

Endlich sagt´s mal einer!

Matts
11. Juni, 2026 12:54

Mein innerer 12-jähriger hatte einen Mordsspass, und daher hab ich kaum was worüber ich mich bei dem Film beschweren kann.
Und das Titel-Theme ist so ein übler Ohrwurm, dass ich es einfach nicht aus dem Kopf kriege.

Torsten
11. Juni, 2026 13:29

Fand den Film auch wirklich gelungen, vor allem deutlich besser als den damaligen mit Dolph Lundgren, da war ich damals als 10 jähriger schwer enttäuscht.
Eine Sache habe ich aber nicht ganz verstanden: wer war der Typ welcher Adam zum Schwert geführt hat? Hab ich da was nicht geblickt oder hatte der keine Bedeutung?

Torsten
11. Juni, 2026 14:40
Reply to  Torsten Dewi

Genau den. Da er so geheimnissvoll tat von wegen "ich war niemals hier / du hast mich nicht gesehen!"
Dachte der taucht nochmal auf.

Alexander Freickmann
12. Juni, 2026 09:51
Reply to  Torsten

Adam war ja massivst besessen von seinem Schwert (Dr Freud, bitte kommen!). Hatte das eher so interpretiert, das der halt ein normaler Nerd ist, der sich eigentlich freute, einen anderen Nerd zu helfen (und dazu Kohle zu verdienen), aber dann auch durch Adams Besessenheit absolut peinlich irritiert war. Daher auch das "ich war niemals hier", als Ausdruck der Abgrenzung und Nicht-Verantwortung.