Kino Kritik: KRAKEN – ERWACHEN DER TIEFE
Themen: Film, TV & Presse |
Offizielle Synopsis: Rätselhafte Vorfälle häufen sich im tiefsten Fjord Norwegens. Menschen verschwinden spurlos und Wildlachse sterben in großer Zahl. Als die Meeresbiologin Johanne eintrifft, um die Situation vor Ort zu untersuchen, wird aus ihrem Routineauftrag ein Alptraum: Zwei junge Männer auf einem Jetski sterben auf unerklärliche Weise, und kurz darauf tauchen verstümmelte Leichen auf. Johanne entdeckt schließlich etwas, das jede wissenschaftliche Erklärung übersteigt. Die für die Lachszucht eingesetzte Schalltechnologie hat den mythischen Kraken erweckt, ein uraltes Monster aus der Tiefe, das alles vernichtet, was sich bewegt oder einen Laut von sich gibt.
Kritik: Die Skandinavier sind ja immer mal für Überraschungen gut, was Genrefilme angeht: TROLL, THALE, BREAKING SURFACE, etc. Da nimmt man dann auch hin, dass die Erzählgeschwindigkeit gerne in Eiszeiten gerechnet wird.
KRAKEN ist anders. Er nutzt die Fjord-Landschaft und die kleine Fischerei-Gemeinde, um straff und kompakt einen klassischen Monsterfilm zu erzählen. In gerade mal 86 Minuten werden wirklich alle Tropen des Genres bedient: die Meeresforscherin, deren Erfindung zur kapitalistischen Gewinnmaximierung missbraucht wird, der Ex mit Gewissensbissen, die aufrechte Polizistin vor Ort, der skrupellose Unternehmer auf der Suche nach dem großen Deal.
Es ist nach fünf Minuten klar, wer überlebt, wer stirbt, wer geläutert und wer gerettet wird. Weil es immer so ist. Ihr würdet mir vermutlich nicht glauben, wie deckungsgleich KRAKEN z.B. mit BOA ist:
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Man könnte ChatGPT bitten, basierend auf Hunderten von SyFy-Produktionen der letzten 25 Jahre diese Figuren und diesen Plot zu filtern. Ach pfeif, drauf, ich mache es einfach mal: "ChatGPT, schreibe mir einen Absatz mit einer Story für einen typischen "Monster aus dem Meer"-Film, mit der typischen Rollenverteilung dieses Genres, dem erwartbaren Ablauf, und dem typischen Ende."
Im beschaulichen Küstenort Blackwater Cove bereitet Bürgermeister Richard Haines die Eröffnung eines luxuriösen Ferienresorts vor, als mehrere Taucher spurlos verschwinden und ein völlig zerfetzter Wal an den Strand gespült wird. Die junge Meeresbiologin Dr. Lena Foster untersucht die Bissspuren und erkennt, dass sie von keinem bekannten Tier stammen können. Unterstützung erhält sie vom charismatischen Küstenwächter Jake Mercer, während der ehrgeizige Investor Victor Lang alles daran setzt, die Vorfälle zu vertuschen, um die Touristen nicht zu verschrecken.
Die Ursache der Katastrophe ist der „Abyssodon“, ein 30 Meter langes Raubtier, das vor Millionen Jahren in einem abgeschlossenen Tiefseegraben überlebt hat. Durch illegale Tiefseebohrungen wurde sein Lebensraum zerstört, und eine Explosion öffnete den Zugang zur Küstenregion. Der Abyssodon besitzt einen mit biolumineszenten Organen gesäumten Kiefer, kann elektrische Impulse aussenden, um Beute zu orientieren, und jagt bevorzugt nachts aus der völligen Dunkelheit heraus. Während zunächst einzelne Fischerboote verschwinden, eskaliert die Lage bei einem Segelrennen und später bei der Eröffnungsparty des Resorts, die in einem Blutbad endet. Erst als Victor selbst dem Monster zum Opfer fällt, erkennen die Behörden den Ernst der Lage.
Im Finale verfolgen Lena und Jake das Wesen mit einem Forschungsschiff zu den unterseeischen Höhlen, in denen es seine Eier abgelegt hat. Dort entdeckt Lena, dass die elektrischen Organe des Abyssodon bei Überlastung explodieren können. Nach einer Reihe unvermeidlicher Opfer gelingt es Jake, einen improvisierten Hochspannungs-Sender in den Rachen des Monsters zu befördern. Der Abyssodon wird durch seine eigene Biologie zerstört und versinkt in einer gewaltigen Unterwasserexplosion. Monate später scheint Blackwater Cove gerettet, doch als Lena bei einer wissenschaftlichen Untersuchung eines geborgenen Eis ein leises Klopfen aus dessen Innerem hört, blendet der Film auf Schwarz aus.
Das ist nicht wie KRAKEN – das ist KRAKEN.
Diese sklavische Unterwerfung unter die Standards dieser Sorte Film führt dazu, dass KRAKEN relativ wenig Drive entwickelt. Wir wissen, was passieren wird – und es passiert. Er versucht an keiner Stelle, die Klischees zu brechen oder wenigstens zu variieren.
Hinzu kommt ein gewisser Unwillen, sich dem Thema zu verpflichten: in der ersten Hälfte wird der Großteil der Monstersichtungen abrupt abgebrochen, so dass man sich in der nächsten Szene fragt, wie die Protagonisten reagiert haben und wie sie der Situation entkommen sind.
Es lässt sich zudem nicht bestreiten, dass die "message" nervt. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass die vage, aber permanente Kritik an der kommerziellen Lachszucht primär dazu dienen sollte, klare Trennlinien zwischen den "Guten" und den "Bösen" zu ziehen und die Filmförderung zu sichern.
Auch bei den Dialogen wird immer nur gesagt, was der Zuschauer erklärt haben muss. Teilweise ist das ein rechter Kappes, wenn die junge Maria voiceovert, dass Johanne es für besser halte, dass nur fünf Prozent der Weltmeere erforscht seien. Wohlgemerkt, Johanne ist Meeresforscherin – und Maria sagt es, als sie loszieht, um die Meere zu erforschen.
Es sind genau zwei Aspekte, die KRAKEN halbwegs aus der Müllhalde des eigentlich längst entsorgten "creature features" heraus heben. Da ist zum einen der sehr erdige und skandinavische Look. Riesige Fjorde, idyllische Gemeinden, Fischfang und Tauchgang – das erzeugt einen anderen Realismus als Baywatch-Rettungsschwimmer, die von mutierten Haien gefressen werden. Da kann man gerade als Europäer besser dran andocken.
Zum Finale hin kann KRAKEN dann seine tatsächlichen Stärken ausspielen: Auch wenn die CGI nicht immer perfekt sein mag, ist der Anblick eines haushohen Kraken, der rot beleuchtet in dunkler Nacht vom Meeresboden aufsteigt und die Zuchtstation zerlegt, ziemlich fett und monströs – der europäische Film mag dem Cthulhu-Mythos nie näher gekommen sein als in diesen Szenen und ich möchte den Filmemacher gerne schütteln: "Du Honk! Warum hast du mit DEN Möglichkeiten nicht gleich einen skandinavischen Lovecraft-Film gedreht?"
Wer die Monster-Heuler des SyFy-Channels in den letzten 25 Jahren komplett gemieden hat, mag nicht ganz so desillusioniert an die Sichtung rangehen wie ich, aber unter dem Strich hier ist das allenfalls ein Füller für den Nachmittag oder den Mitternachts-Slot auf dem Fantasy Filmfest.
Fazit: Ein schick aussehender, kompakt inszenierter und in seinem Lovecraft-esken Finale beeindruckender "nature’s revenge"-Monsterfilm, dessen Öko-Botschaft zu aufgesetzt wirkt und der in Sachen Handlung und Charaktere leider nur die müdesten Klischees den Genres durchkaut.
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Als Twist dass statt des Kraken Cthullu auftaucht und dann entsprechend der Film die Richtung ändert hätte das wirklich was gerissen
Vielleicht ein bisschen spät, aber ja.
Die Tage hatte ich mal wieder Prophecy geguckt, ja sowas wie der Grandaddy des Links-Öko-Horrors. Der passt hier auch erstaunlich nahtlos dazu, bietet aber dazu noch den Lacher, uns Armand Assante als Indianer verkaufen zu wollen. 😆
Aus der Zeit, als es noch keine "cultural appropriation" gab und Joel Grey einen Koreaner spielen durfte.
Mickey Rooney gefällt das.
David Carradine approves!
Das hier ist wieder so ein Post, den ich eigentlich nur liken möchte, einfach nur einen "Gefällt mir"-Button drücken, weil ich nichts zu sagen habe, außer, dass die Filmkritik mir gefällt.
Ich bedanke mich ausdrücklich.
Schade, hatte gehofft, der könnte ganz spaßig werden. "The Tunnel" war aber aus genau diesen Gründen auch schon ziemlich mies, sehr enttäuschend, dass es keinerlei Weiterentwicklung gegeben hat.
Das Titelbild erinnert mich an dirses großartige Foto:
https://www.nationalgeographic.com/magazine/article/my-shark-photo-took-over-the-internet-inspiring-countless-fakes-and-real-awareness