Kino Kritik: BACKROOMS
Themen: Film, TV & Presse |
Story: Clarks Leben ist eine einzige Sackgasse: sein Möbelgeschäft läuft miserabel, seine Ehe ist gescheitert, und auch die Sitzungen bei der Therapeutin Mary bringen ihn nicht voran. Eines nachts entdeckt er im Untergeschoss seines Geschäfts einen "glitch" in der Wand, der es ihm erlaubt, in ein scheinbar endloses Labyrinth aus generischen Gängen mit bizarren Fehlinterpretationen tatsächlicher Räume und Gegenstände einzutreten. Je mehr Clark versucht, die "Hinterzimmer" zu verstehen, desto mehr verliert er sich in ihnen. Schließlich ist es Mary, die sich auf die Suche nach ihm macht in der bizarren Zwischenwelt, die eine andere Dimension, eine Manifestation des Geistes, oder vielleicht die Hölle sein könnte…
Kritik: Ein bisschen Background für die Uneingeweihten – BACKROOMS basiert auf kurzen, im Internet verbreiteten Gruselszenarien, die in diesem Fall das Thema der liminal spaces aufgreifen. Dabei handelt es sich um Räume, die uns vertraut scheinen, aber gleichzeitig fremd wirken. In denen etwas "off" ist und die keine erkennbare Verbindung zu einer Außenwelt zulassen. Ist man drin, kommt man nur schwer wieder raus. Diese Erklärung finde ich passend:
“If you’re not careful and you noclip out of reality in the wrong areas, you’ll end up in the Backrooms, where it’s nothing but the stink of old moist carpet, the madness of mono-yellow, the endless background noise of fluorescent lights at maximum hum-buzz, and approximately six hundred million square miles of randomly segmented empty rooms to be trapped in. God save you if you hear something wandering around nearby, because it sure as hell has heard you”
EXIT 8 ist ein Film, der mit diesem Konzept spielt. Ich würde aber noch weitergehen: Das Overlook Hotel in SHINING ist ein frühes Beispiel von liminal space, vielleicht sogar schon die Raumstation in 2001: A SPACE ODYSSEY. CUBE hat für mich ebenfalls Ansätze dieser Idee, auch NOTHING vom gleichen Regisseur.
BACKROOMS spielt nicht in liminal spaces, sondern er handelt von liminal spaces. Verlorene Figuren in endlosen Räumen, ständige Bedrohungen aus dem Augenwinkel, sich verändernde Merkwürdigkeiten, latente Kopfschmerzen.
Die Story bzw. die. Logik hinter dem Konzept ist nebensächlich, was sicher einige Zuschauer abschrecken mag. Es gibt vage Andeutungen, dass wir uns im traumatisierten Kopf von Clark befinden, oder in einem paranormalen Experiment – aber jeder Ansatz wird von Szenen konterkariert, die dem widersprechen. BACKROOMS funktioniert eher als "experience", als Abstieg in eine alptraumhaft klaustrophobische Vorhölle, die unserem Verstand keine Chance gibt, sie zu entschlüsseln.
Das ist… ziemlich großartig und extrem wirkungsvoll. BACKROOMS macht etwas mit dem Zuschauer. Er kriecht in ihn hinein und versetzt ihn in einen permanenten Zustand des Fluchttriebs. Während des Films fiel mir ein vergleichbarer unangenehmer Traum ein, den ich ein paar Tage zuvor gehabt hatte – und ich erinnere mich eigentlich nie an meine Träume. Was vermutlich besser ist.
Zuschauer mit empfindlichen Mägen seien allerdings vorgewarnt – das hektische Gerenne in den endlosen Gängen (teilweise auch als VHS-Aufzeichnung) verursachte bei mir eine mittelschwere Übelkeit, vergleichbar mit 3D-Computerspielen. Ich war zwischenzeitig nahe dran, den Saal verlassen zu müssen.
Nun ist BACKROOMS nicht nur als Film bemerkenswert, sondern auch als Regelbrecher, vergleichbar mit BLAIR WITCH PROJECT. Von Newcomern extrem preiswert gedreht, hat BACKROOMS (zusammen mit dem hier schon besprochenen OBSESSION) alle aktuellen Blockbuster hinter sich gelassen. Auguren murmeln schon von einem Paradigmenwechsel, der neu definiert, was die Menschen ins Kino treibt.
Ich bin da sehr skeptisch: BACKROOMS scheint mir kein Subgenre zu öffnen, das sich zumindest für eine Weile beliebig weiter bedienen lässt wie "found footage". Der Verzicht auf erzählerische Grundregeln kann sehr schnell zu einem beliebigen Narrativ führen, bei dem man stumpf Leuten zuschaut wie in einem Escape Room.
Dennoch: für sich genommen ist BACKROOMS ein genuin irritierender Streifen, der beweist, dass das Genre Horror doch noch nicht auserzählt ist und dass das Internet und seine Meme-Kultur frische Ansätze bieten.
Fazit: Ein im wahrsten Sinne verstörender Horrorfilm der neuen Welle, der mehr erlebt als gesehen werden muss und dessen Kraft nicht in der Story oder den Figuren liegt, sondern in der beunruhigenden Verschiebung des scheinbar Vertrauten, die man als Zuschauer instinktiv nachvollziehen kann.
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Ich hab das Spiel gezockt. "Backrooms" ist schon klasse. Man muss Rätsel lösen, um den Ausgang zu finden – und dabei möglichst den Monstern aus dem Weg gehen.
War nur eine Frage der Zeit, bis das verfilmt wird 🙂
Als prominentes Beispiel für liminal spaces würde ich noch das Upside Down in Stranger Things anführen.
Hätte ich vermutlich, wenn ich mir jemals Stranger Things angesehen hätte.
Gib season 1 mal ne Chance. Ich war auch nicht begeistert einem Kindercast folgen zu sollen, aber wie schon bei „ Stand By Me“ vergisst man das schnell. Du kannst auch gut nach der season aufhören weil die Cliffhanger sich in Grenzen halten. Für mich immer noch ein überdurchschnittliches Stück Fernsehen.
Das würde ich, aber es liegt nicht am Wollen, sondern am Können. Ich würde gerne auch mal BREAKING BAD schauen oder SUPERNATURAL.
Hab alles davon mal angefangen, fand alles langweilig. Hast nix verpasst.
Alles komplett durchgeschaut. STRANGER THINGS hat mich begeistert, SUPERNATURAL zumindest sehr gut unterhalten und bei BREAKING BAD dachte ich mehr als einmal ungläubig "Und DAS soll jetzt die beste Serie aller Zeiten sein???".
DIE beste ist diskutabel. EINE DER BESTEN meiner Ansicht nach nicht 😉
Das Upside Down geht für mich schon zu sehr in die offensichtliche Horror-Richtung um als Liminal Space zu funktionieren (dunkel, blutrote Blitze, überall liegt Gekröse…)
Definitiv eine frische Brise im Genre. Dieser Film hat mich gut abgeholt, und dass er von zwei guten Hauptdarstellern getragen wird, ist auch kein Schaden.
Als ich den und OBSESSION hier im Kino gesehen hab, waren die Säle voll wie schon lange nicht mehr. Die Mundpropaganda scheint bei beiden gut zu ziehen.
Der erste Film aus der CUBE Filmreihe (Ende der 90er Jahre) verfolgte ebenfalls ein ähnliches Konzept. Hier standen allerdings am Ende eher die sich zunehmend paranoid verhaltenen Personen im Vordergrund und weniger der namensgebende Würfel mit seiner rätselhaften Labyrinth-Struktur.
Und jetzt lesen wir den Artikel noch mal ordentlich.
Raumstation aus 2001? Da war doch alles normal. Meintest Du Solaris?
Nein.
Ah, das 60er-Flughafenambiente, aber in vertikal-rund?
BertholdB98 gefällt das.
Es geht um die antiseptische Atmosphäre, das Gefühl des eingesperrt seins, die Auslieferung an einen unsichtbaren Apparat im Hintergrund.
ahja, danke
Also zum 2001 Vergleich muss ich jetzt auch mal nachfragen: Ist tatsächlich die Raumstation (Space Station 5) gemeint, die als Zwischenstation zum Mond dient , auf dem der Quader gefunden wurde? Die fand ich jetzt nicht besonders furchteinflößend. Oder ist das Raumschiff Discovery One auf dem Flug zum Jupiter gemeint? Mit HAL 9000 an Bord.
Es ist MEIN Eindruck. You mileage may vary.
Moin,
vielleicht gefällt dieses passende Video von Kane Pixels.
https://youtu.be/EjY897CCu4g?si=t3NwOZQanvYuh61j
Schönen Gruß und schon mal ein schönes Wochenende gewünscht.
Die Büroräume in Severance haben auch diesen Vibe.
Der Film sieht wirklich interessant aus.
Ja, die Serie bedient sich vieler dieser Tropen.
Ich bin sehr gespannt auf den Film, weil alle anderen Filme und Medien, denen man da eine gewisse Ähnlichkeit zuspricht, so gar nicht auf mich gewirkt haben, zumindest nicht in Bezug auf dieses "Liminal Space"-Feeling. Ich mag "Cube", ich liebe die "Severance"-Serie, aber aus anderen Gründen, und dieses unangenehme Gefühl von… Räumen?… stellt sich bei mir einfach nicht ein. Da fand ich persönlich aktuell "Iron Lung" deutlich beunruhigender, der ganze Film spielt auf engstem Raum, und sowas macht mir viel mehr Angst. "Backrooms" muss ich natürlich trotzdem schauen, ich feiere es schon sehr, dass ein Kerl, der so alt ist wie mein Sohn, einfach mal einen Kinohit raushaut, basierend auf seinen Ideen. Was ich meinem Sohn natürlich schon unter die Nase gerieben habe ("Ey, wieso bist du nicht so?!").
Spaß. Also, ja, ich hab’s ihm unter die Nase gerieben, aber so ärgern wir uns halt immer gegenseitig.