Heiss-Zeit = Eis-Zeit
Themen: Neues |Das hier wird mal wieder so eine wirre Geschichte, bei der ich Aktuelles mit vagen Jugenderinnerungen verbinde, die runzelnden Fäuste gen Himmel schüttel und sowieso der Meinung bin, dass ich alles besser weiß. Be warned.
Eis ist ein Lebensmittel. Ein Lebens-Mittel. Göttliches Geschenk, Höhepunkt der zivilisatorischen Möglichkeiten, verbindendes Glied zwischen Kindheit und Erwachsensein, manniggeschmacklicher Genuss aus Waffel oder Becher. Wer kein Eis mag, ist kein guter Mensch – und tritt vermutlich kleine Hunde.
Als ich Anfang der 70er in Eller lebte, kostete in der Eisdiele in der Gumbertstraße (heute ein Sonnenstudio – o tempora, o mores!) ein Bällchen Eis 15 Pfennig. Das sind knapp 8 Cent, wenn ihr mit Internet, iPhone und OnlyFans aufgewachsen seid. Das war damals schon ein guter Preis – die meisten Eisdielen stellten Mitte der 70er auf 25 Pfennig pro Kugel um.
Man mag das komisch finden, aber das war nicht wenig Geld. Wir konnten uns das nicht täglich leisten, selbst in heißen Sommern. Speiseeis in den Supermärkten kaufen war keine wirklich Alternative. Da gab es nur in Pappe geschlagene Blöcke von Einfacheiskrem in den Geschmacksrichtungen Vanille und Fürst Pückler, das sich bestenfalls für Eiskaffee oder als Beilage zum Obstkuchen eignete.
Am häufigsten aß man damals Eis vom Kiosk, wo die großen Eistafeln von Schöller oder (besser noch) Langnese hingen:
Auch hier galt: haushalten! Kaufen, was sich lohnt. Maximale Menge für minimale Pfennige. Demnach Berry oder (an guten Tagen) Dolomiti. Für mich war es der Horror und ein Paradigmenwechsel, als Langnese irgendwann vom Block-Berry
auf das weniger volumige Stangen-Berry umstellte und den Preis dann noch auf satte 30 Cent anhob:
Da konnte man ja gleich Himmy Jimmy von der Konkurrenz essen!
Sei es, wie es sei – mit einer größeren Bandbreite an Speiseeis in den Supermärkten und einem wachsenden Wohlstand in den 80ern wurden die Trips zur Eisdiele seltener. Es ergab sich die Aufteilung: Eis in der Tiefkühltruhe für den Jieper, Eis von der Eisdiele für das wahre Wonnegefühl des Sommers.
Es hätte alles so schön sein können…
Ich habe kein Problem damit, dass auch Eis irgendwann immer teurer wurde. Die Bällchen stiegen auf 30 Pfennig, 50 Pfennig, mit dem Euro dann auf 50 Cent. Ich lebte in Speyer, als die dortige Eisdiele Café Hindenburg die Schallmauer von 1 Euro pro Kugel durchbrach. Man muss (sich) gönnen können.
Dieser Preis hielt sich erfreulich lange, bewegte sich zehn Jahre lang im Bereich 1 bis 1,50 Euro, je nachdem, ob man in der Dorf-Eisdiele bei Herrn Flockenweber anstand oder in der hippen "Gelateria" im Einkaufszentrum.
Vor zwei, drei Jahren dann der Schock: 2 Euro pro Bällchen waren plötzlich normal. Zum Vergleich: wenn man die Inflation einrechnet, entsprächen die 25 Pfennig von 1974 heute knapp 50 Cent. Wir zahlen das Vier-, mitunter das Fünffache.
Hinzu kommt, dass jetzt auch eine Variante um sich greift, die bisher nur aus Spanien, Finnland und Australien kannte: Staffelpreise. Die erste Kugel kostet dann absurde 4 Euro, die zweite nur noch 2 Euro, und erst mit drei Kugeln kommt man auf vertretbare 7 Euro. Wie finden wir das?
Ich kenne die Argumente, habe auch schon von steigenden Energie- und Rohstoffpreisen gehört, vom Mindestlohn und den verbesserten Rezepturen. Das Fazit allerorten: ist scheiße, geht aber nicht anders. Gewöhnt euch dran.
Und die Menschen haben sich gewöhnt. Eisesser sind wie Raucher. Meckern bei jeder Preiserhöhung, dass nun absolut die Schmerzgrenze überschritten ist, stehen dann aber doch wieder mit der Geldbörse in der Schlange.
Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob das alles so richtig ist. Die Diskrepanz zwischen Supermarkt und Kiosk/Eisdiele scheint mir verdächtig groß.
Aktuell kostet ein Magnum am Kiosk 2,90 Euro:
Im Supermarkt bekomme ich ein 6er-Pack Magnum regulär für 5,49 Euro – auch wenn diese etwas kleiner ausfallen. Im Angebot geht der Preis auch schon mal auf 3,99 Euro runter. Das sind dann keine 65 Cent pro Eis.
65 Cent vs. 2,90 Euro? Das ist schon prall.
Noch krasser wird der Preisunterschied, wenn es nicht das Original sein muss, sondern eine Discounter-Kopie reicht. Da kosten 6 "Magnum" nur 2,99 Euro, was nicht mal 50 Cent entspricht.
Mitunter gibt es sogar regelrechte Preisbrecher:
Das sind gerade mal gut 12 Cent pro Mini-"Magnum"! Oder anders gesagt: ich bekomme 12 Mini-Eis für weniger als den Preis EINES Bällchens in der Eisdiele.
Und es ist durchaus nicht so, dass dieses Eis nicht mit den Markenprodukten mithalten kann, wie die ARD gerade "gecheckt" hat:
Im Ergebnis: teilweise etwas weniger wertige Zutaten, geschmacklich kaum unterscheidbar, dafür aber z.B. mehr Schokolade drum herum.
Und so komme ich mit knapp 60 und durchaus mit so etwas wie Wohlstand gesegnet an den Punkt, an dem ich nicht mehr zur Eisdiele oder zum Kiosk gehen mag. Nicht, weil ich das Geld nicht hätte, sondern weil ich das Geld ausgeben möchte, ohne mich dabei über den mangelnden Gegenwert ärgern zu müssen.
1 Bällchen Haselnuss vs. 12 Mini-"Magnum" vom Discounter in vier verschiedenen Sorten – da siegt dann oft genug eben doch der Discounter.
Jetzt seid ihr dran. Ist das ein #firstworldproblem? Sollte jemand, der für ein Burger-Menü 18 Euro ausgibt, beim Eis nicht so pingelig sein? Lässt sich der absurde Preisunterschied zwischen Supermarkt und Eisdiele tatsächlich aus der Qualität und dem Aufwand herleiten? Was kommt bei euch auf den Stiel?
Redet mit mir!
Früher (Anfang/Mitte der 80er) kostete eine Kugel in der vorörtlichen Eisdiele 50 Pfennig. Die Eisdiele gibt es immer noch (wahrscheinlich anderer Besitzer), der Preis müsste bei 1,80 € liegen. In der Innenstadt geht es nicht unter 2 €.
Vor 2 oder 3 Jahren in einer anderen Stadt zum ersten Mal Staffelpreise gesehen. Wenn ich mich recht erinnere, waren ab der 3. Kugel die Kugelpreise konstant.
Vor ein paar Tagen morgens beim Einkaufen gedacht, ich kann mir doch bei der Hitze ein Eis für den Heimweg mitnehmen, warum nicht das neue Magnum mit Pistazien. War aber weniger Volumen als ein normales Magnum. Es wurde dann ein Cornetto Pistazie.
Als Magnum neu war, kostete es 2 oder 2,5 €?
Genau, aber DM, nicht Euro.
ich kaufe auch lieber im bei lidl oder wenn vergriffen im rewe
ben&jerry´s cookie dough
da können (auch im winter) mal schnell 2 becher an einem tag dran glauben,
ich liebe dieses eis!
und die einzige eisdiele, bei der ich der meinung bin, das sie für mich ein sehr gutes preis / leistungsverhältnis hat, sind die gestrichen vollen becher bei unbehaun in düsseldorf 🙂
Unbehaun ist natürlich legendär, aber ich moniere den Mangel an Sorten und die Tatsache, dass das Eis geschmacklich eher mittel ist (wg. rein natürlicher Zutaten).
Unbehaun hab ich rund um den Jahrtausendwechsel in meinen Düsseldorfer Jahren stark frequentiert, auch wenn es etwas abseits der Innenstadt lag, auch weil es in der Nähe des Flohmarkts am Aachener Platz lag.
Das Eis kennt aber jeder, der länger als 2 Wochen in Düsseldorf war.
Zur eigentlichen Diskussion. Eisdiele ist wie Restaurant. Und zumindest hier in Lübeck in meiner Lieblingseisdiele kostet die Kugel zwar 2 Euro, ist aber deutlich größer als die 80 Pfennig Kugel meiner Jugend.
Ja, die Kugeln sind etwas größer geworden, aber ich sehe das nicht äquivalent zum Restaurant, wo mein Essen frisch zubereitet und ich bedient werde. Außerdem verbringe ich da locker ein bis zwei Stunden. Wer mir einen Becher über den Tresen reicht und dann fünf Euro für zwei Bällchen will – warum?
Eine krasse, Sache, 2€ sind mir ehrlich gesagt zu teuer. Ich kenne aus der Jugend auch noch die 30 Pfennige für eine Kugel Eis, wurde dann immer mehr.
Staffelpreise gibt es bei uns im Kiez (noch) nicht.
Wenn ich Eis hole, dann gerne das Florida Eis (aus Spandau), gibt es im Supermarkt, oder direkt beim Hersteller.
Hier sind auch 500 ml = 460 g da keine Luft (Stickstoff) eingebracht wird.
Da es zu meinem Job gehört: Das ist das Phänomen der Preissensitivität, das hier über die Jahre gegriffen hat. Man hat gemerkt, dass bei Eis die Leute nicht so sehr aufs Geld schauen (krasses Gegenbeispiel: Fleisch, so traurig es ist), entsprechend wurde der Preis gestaltet.
DANKE! Genau das ist nämlich auch meine Beobachtungen – die Leute gehen zur Eisdiele. Weil sich das so gehört. Weil die Kinder quengeln. Weil man sich ja sonst nichts gönnt. Etc.
Das kann ich für mich eindeutig bestätigen. Haben hier im (Vor)Ort zwei gute Eisdielen quasi nebeneinander. Bin in den letzten 4 Jahren nicht einmal auf die Idee gekommen die Kugel-Preise zu vergleichen, oder mir auch nur grob zu merken.
Man geht halt ab und zu vorbei, Kind kriegt Eis, man zahlt irgendwas…
Ist definitiv auch ein Wohlstandsding.
Wenn man sich keine Sorgen machen muss am Monatsende noch Essen kaufen zu können, guckt man nicht überall so genau hin.
Witr waren 2017 in Barcelona und waren angesichts der dortigen Preise (€ 1,80 für die kleine Kugel, € 3 für die große) geradezu schockiert und haben es uns dann verkniffen, weil wir das für Abzocke hielten. Daheim gab es damals noch die Kugel für € 1 – € 1,30, Ice Cream United waren mit € 1,50 Spitzenreiter.
Heute haben wir am Neumarkt zentral in der Stadt eine Eisdiele mit €2/Kugel und eine mit € 2,50, wobei die Qualität absolut gleich ist. Mit Glück findet man in den Außenbezirken auch mal Eisdielen, die weniger als das nehmen, aber unter € 1,50 geht gar nichts mehr. Eisbecker fangen bei €9,90 an und gehen (das habe ich vorgestern erlebt) hoch bis zu €16, ohne dass sich an der Menge oder der Qualität etwas geändert hätte. Trotzdem ist Eis das einzige Luxusgut, das wir uns nach wie vor gönnen, aber halt nur in begrenzter Häufigkeit. Stattdessen kaufen wir regelmäßig Cremissimo von Langnese im Angebot, das ist gut und recht häufig für €1,49 – €1.79/Packung zu haben
Ich finde die Sundaes beim Mäckie nicht schlecht, aber gleichzeitig möcht ich nicht wissen, wie die hergestellt werden…
Eigenmarken? Sind die nicht generell großteils praktisch ident mit Markenprodukten? (D.h. von Markenherstellern produziert).
Und bei Unilever-Eis finde ich immer interessant, daß man an der internationalen Namensvielfalt festhält.
Was die Eigenmarken angeht: M.W. werden die zwar z.T. in den gleichen Betrieben produziert wie Markenprodukte, aber nicht unbedingt mit der gleichen Rezeptur. D.h. zumindest theoretisch ist es möglich, dass das Marken-Eis hochwertigere Zutaten enthält als die Discounter-Variante. Muss aber natürlich nicht der Fall sein.
Generell habe ich aber zumindest bei massiv beworbenen Markenprodukten wie Magnum und Co das Gefühl, dass Original und Kopie sich geschmacklich unterscheiden. Nicht im Sinne von besser und schlechter, sondern einfach nur anders. Ergibt ja auch Sinn: Irgendein Alleinstellungsmerkmal braucht es ja, um den höheren Preis verlangen zu können.
Ich bin kein regelmäßiger Besucher von Eisdielen, aber soweit ich das blicken kann, sind die Staffelpreise hier in der norddeutschen Provinz noch nicht angekommen. Das wäre aber auch ein Grund für mich, ein paar Meter weiter zum nächsten Softeis-Zapfhahn zu flanieren.
Zu Beginn meiner Konsumentenlaufbahn lagen die Preise auch bei 50, dann bald 60 Pfennig/Kugel. Auf den Sprung bis zu 50/60 ct hatte ich mich noch ohne zu großes Murren eingelassen.
Das folgende beruht ausschließlich auf eigener Beobachtung und hält sicherlich keiner objektiven Prüfung stand: Kiel war neben seiner Heimatstadt Hannover das erste Spielfeld, auf dem sich der High-End Eiscremeproduzent Giovanni L. ausgetobt hat. Innerhalb kurzer Zeit hatte er hier mehrere Standorte aufgemacht und wurde fix zum Talk of the Town, wegen der großen Auswahl, des geilen Geschmacks, der verwegenen Kreationen – und des exorbitant hohen Preises von über einem Euro pro Kugel (fast 2,- €, wenn es eine seiner Wettbewerbs-Sorten sein sollte). Mein Eindruck war, dass das den anderen Eisverkäufern in der Gegend das Signal gab, auch mit ihren Preisen höher zu gehen, weil die wirklich innerhalb von nur einem Jahr gut nachschossen, ohne wirklich etwas an Ihre Rezeptur zu ändern.
Sicher wären dort früher oder später auch teurer geworden, aber hier wirkt es seitdem immer, als würden sich alle an orientieren.
This! Das stelle ich bei mir (53) inzwischen auch immer öfter fest. Ich könnte es mir leisten, aber ich will diese Preistreiberei nicht unterstützen (und mich ärgern). Gerade am Wochenende war hier großes Musikfestival. Kleine Mantaplatte (Currywurst, Pommes) für 13 EUR. Kollege hat es bezahlt und musste danach nochmal Pommes für 7 EUR kaufen um satt zu werden. Ich habe quasi das ganze Gelände abgelaufen und oft nur ungläubig den Kopf geschüttelt (Erdbeerschälchen 8 EUR). Am Ende war es eine ordentliche Bratwurst mit Stück Brot für 5 EUR. Das war da geradezu ein Schnäppchen. Bin kurz davor, mir nächstes Jahres Stullen zu schmieren, das kenne ich nur noch aus meiner Kindheit sonst.
Meine günstigste Eiskugel-Erinnerung war 25 Pfenning. Ging dann rauf bis 70 Pfenning und es wurden dann zusätzlich größere Kugeln eingeführt für 1 DM. Irgendwann gab’s nur noch die großen. Das muss man bei der Preissteigerung wohl auch berücksichtigen. Bei der gleichen Eisdiele kostet die heute hier im Norden auf dem Dorf 1,50 EUR. Das ist noch vergleichsweise günstig.
Dieser YouTube-Kanal ist bestimmt was für dich:
https://www.youtube.com/watch?v=Rm82mlsBDLU
Demnach bin ich auch schon über 60 🙂
mir ist das auch alles zu teuer ich geh nur an die diele wenn die mal wirklich was aussergewöhnliches haben – wie zb safran softeis (das war echt lecker) in italien hab eich oft diesen milchkaffeslushy oder was auch immer das war gegessen auch lecker. Aber in italien ist es ja ähnlich wie hier kuegel kostet 2-3 euro aber die machen dann ein kilo eis rauf. ich habe in einer Eisdiele mal eine Eskalation bis zum Betreiber verursacht weil ich da kein Kilo drauf haben wollte, ich wollte nur malprobieren, preis hätte ich den gleichen bezahlt, das haben die nicht verstanden und es entstand kleinerer Tumult.
Hier in der Kleinstadt kostet die Kugel (in einer Qualität die es vor 30 Jahren definitiv noch nicht gab) noch 1,80 und des ist es mir allemal wert. Ich sehe das so: Ich rauche nicht und ich lehne Kaffee to go aus Überzeugung ab, alleine das gibt mir mehr als genug Budget um mehr Eis zu kaufen als ich möchte. Eis am Stil (vom gelegentlichen Nogger abgesehen) kann da nicht mithalten.
Was mich am (Marken-)Eis am Stil außerdem stört, ist dass es oft nur noch gerade so den Stil bedeckt. Ich bin mir sicher, dass ein heutiges Magnum so groß ist wie früher ein Magnum Mini und dass die heutigen Magnum Mini früher als Eiskonfekt verkauft worden wären.
Ich finde es interessant, wie viele von euch sich noch an die Preise für Eiskugeln während eurer Kindheit erinnern können.
Ich vermag dies nicht, aber das mag wohl daran liegen, dass ich mein damals sehr knapp bemessenes Taschengeld aufsparte und mir stattdessen Krieg der Sterne-Spielzeug (damals noch nicht Star Wars) gekauft habe.
Wenn der Eismann im Sommer einmal am Tag mit seinem Wagen vorfuhr und bimmelte, dann habe ich schnell bei Mama, Oma oder Opa gebettelt und die haben mir fast immer ein Eis gekauft, wofür ich Ihnen bis heute dankbar bin.
Wenn ich selbst mal schwach wurde und mir Eis gekauft habe, dann beim Tante-Emma-Laden 100 m von unserem Haus entfernt. Dann gab’s aber Wassereis für zehn Pfennig. (Da weiß ich den Preis also noch.)
Am besten war Waldmeister und Himbeer. Das hatte dann sogar noch den schönen Nebeneffekt, dass man sich gegenseitig die bunten Zungen rausstrecken konnte.
Schöne Kindheitserinnerungen.
Wenn Du Dein "Krieg der Sterne" Spielzeug aus den 70ern noch besitzen solltest kannst Du Dir vom Gegenwert eine ganze Eisdiele kaufen! Die Figuren haben einen sehr hohen Wert unter Sammlern.
Seit ne Eiskugel 1,50€ kostet, kann man meine Besuche in einer Eisdiele an einer Hand abzählen und in 100% der Fälle auf Socialzing bzw. gesellschaftliche Entscheidungen oder ebenjenen demokratisch Druck zurückführen.
Teure Burger lehne ich nicht per se ab, das kommt sehr darauf an, was auf dem Burger in welcher Qualität und Nachhaltigkeit drauf liegt.
Zuhause habe ich nie Eiscreme, weil ich mich, das gilt leider für so ziemlich alle Sorten von Süßkram, nicht beherschen kann, wenn ich sowas im Haus habe und es dann inhaliere. Als ich noch Eis gekauft habe, war es eigtl immer Hausmarke, das war für mich, geschmacklich, ausreichend.
Soll es mal etwas edler sein bzw wenn ich halt unterwegs bin, dann wirds meist ein Cornetto King Cone.
Und wenn ich mal wirklich Lust habe, dann gehts in die örtliche Eisdiele, seit über 40 Jahren in Familienbesitz, zig fach Preisgekrönt etc pp und gönne mir dann für 7€ ein Spaghettieis. Wenn der gute Mann in den Ruhestand geht, seine Kinder wollen die Eisdiele nicht weiterführen, wird mir hier was fehlen.
Wenn die Preise für alle Lebensmittel im gleichen Maße gestiegen wären, müssten wir heute z.B. für ein Schnitzel im Lokal € 100,– zahlen. Man kann das, sofern die Preise von "damals" noch bekannt, ja für sämtliche Produkte skalieren. Ich bin auch Deiner Meinung, das die Preise für Speiseeis, vor allem in den Eisdielen, überdurchschnittlich gestiegen sind. Das ist kein "Bauchgefühl", das ist Fakt.
Als Jugendlicher Anfang der 80er konnte ich hier in Thüringen mit 50 Pfennig in die (wirklich) italienische Eisdiele gehen und kam mit 3 (in Worten: drei) Kugeln Eis wieder heraus: Vanille 15 Pf., Erdbeer 15 Pf., Schoko 20 Pf. oder man aß das Eis in der Eisdiele aus den damals weit verbreiteten schalenartigen eloxierten Eisbechern … the times they are a-changin'
Nach der Wende und nach der Euro-Umstellung passte man sich dann resignierend an schleichend immer höhere Preise an.
Irgendwann vor ein paar Jahren war dann die Schmerzgrenze erreicht. Seitdem kein Eisdielen-Eis mehr und aus dem Supermarkt im Prinzip nur noch Florida-Eis – eine wirkliche Empfehlung, wenn man den völlig überfetteten und zu süßen Langnese-, Mövenpieck- und ähnlichen Kram satt hat.
Ich wollte hier gerade einen spöttischen Kommentar reinsetzen, aber eine kurze Google-Recherche bestätigt, dass es zumindest in Gera tatsächlich "echte" italienische Eisdielen gab und immer noch gibt. War mir so auch noch nicht bewusst.
"Wer kein Eis mag, ist kein guter Mensch – und tritt vermutlich kleine Hunde."
Als Milchshake-Käufer und Slushi-Connaisseur fühle ich mich hier ungerechtfertigt diskriminiert.
aber…aber…slushi ist doch ein eisgetränk, hunde sind vor dir sicher!
Ob es sich wirklich nur um Nepp/Wucher/Abzocke/Preistreiberei handelt, möchte ich zumindest zum Teil bezweifeln.
Wenn ich mich mal erinnere: Eine Kugel Eis kostete in den Achtzigern beim örtlichen Dolomiteneismann 50 Pfennig. Heute, beim gleichen Dolomiteneismann, nur zwei Generationen weiter, 2,20 Euro. Das scheint happig, aber in meiner Erinnerung hatten die damals als Eislöffel einen besseren Melonenausstecher und die einzelnen Kugeln waren entsprechend klein, wogegen die Kugeln heute bestimmt doppelt so groß sind. Keine Ahnung, wie das woanders ist, aber für mich relativiert das schon so einiges.
Hinzu kommen die heftig gestiegenen Energiekosten. Weniges frisst so viel Strom wie eine Eistheke im heißen Sommer dauerhaft kühl zu halten. Vor allem wenn die Eisdiele nicht in einem klimatisierten Einkaufszentrum liegt oder so.
Weiterhin kann man noch anmerken, dass eine inhabergeführte Eisdiele, die mit frischen Milchprodukten und Früchten arbeitet, evtl. mehr Verluste durch Verderb einkalkulieren muss als eine Kettenfiliale, die ewig haltbare Pülverchen zusammenrührt.
Da sehe ich einige Denkunschärfen. Zuerst einmal IST ein Anstieg von 50 Pfennig (also 25 Cent) auf das fast Zehnfache eine Preisexplosion, die mit kaum einem anderen Lebensmittel zu vergleichen ist. Mag sein, dass die Kugeln größer sind, aber dafür müsste man empirische Daten haben, um das genau gegenzurechnen. Vor allem aber: die Eistheken haben IMMER verhältnismäßig viel Strom verbraucht. Das hat sich seit den 70ern nicht geändert. Das rechtfertigt keine unverhältnismäßige Preissteigerung.
Was ich gerade spannend finde: Erst durch diesen Beitrag ist mir aufgefallen, dass wir diesen Sommer noch keinmal im Eiscafé waren.
Vermutlich eine unterbewusste Entscheidung. Wir sind keine Menschen, die wegen 6 Euro für drei Kugeln ins Jammern verfielen, aber offensichtlich hat das für uns auch überhaupt keine Priorität.
Was das Preisgefüge angeht, passt das für mich aber an sich schon. In drei Kugeln hausgemachtem Eis sehe ich schon mehr Wert als in einer aus einer Kiste aus dem Kühlhaus entnommen Flasche alkoholfreiem Weizen zum selben Preis.
Hier könnte ich mal ein paar interessante Fakten zum Thema "hausgemachtes Eis in den meisten Eisdielen" auspacken…
Anhand der Liste der Inhaltsstoffe, die ja genauso gut zu finden sind wie die Pläne der Umgehungsstraße aus The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy lässt sich schon ganz gut erkennen wer sein Eis klassisch herstellt und wer auf Pülverchen setzt.
Leider sind viele Leute synthetische Aromen so sehr gewöhnt, dass sie mit einem handwerklich hergestelltem Eis wenig anfangen können.
Das schmeckt dann fad, weil nicht so intensiv.
Der Trick ist, vor dem Eiskonsum einen Eierkarton (Recyclingmaterial, Eier unbedingt Bioqualität!!) zu verspeisen, um die Geschmacksnerven auf das "handwerklich hergestellte Eis" vorzubreiten
Vielleicht nicht so extrem, aber rasante Inflation gibt’s auch in anderen Bereichen der Gastronomie. Man könnte auch über Döner-Inflation sprechen, im letzten Winter hab ich beim Blick auf die Langos-Preise am Weihnachtsmarkt fast einen Herzinfarkt bekommen.
Neben den bereits genannten Gründen wie Strom, Personal, usw… – in der heutigen Zeit ist es wohl wesentlich schwerer geworden Einnahmen am Finanzamt vorbeizuschleusen. Auch das wird an die Kunden weitergegeben…
Da ich mich für Süßkram wenig begeistern kann, stellt sich Eisfrage weniger.
Aber: Durch Eis bin ich vor Jahren auf den Wortvogel gestoßen. Keine Ahnung, wonach ich explizit gesucht habe, um dann auf den Beitrag https://wortvogel.de/2019/04/eis-eis-baby/ zu stoßen. Seitdem bin ich treue Leserin und kann sagen, dass mir Eis mehr gebracht als mich gekostet hat 😄
Bällchen???
Mh, bin da relativ emotionslos, weil wir superselten Eis essen gehen. Und wenn wir es mal machen, dann kostet halt, was es kostet. Gestern in Mainz zwei Kugeln für 4,60€ – schon teuer, aber auch sehr lecker. Für daheim gibt‘s höchstens mal ein Häagen Dasz – Becher, wenn er im Angebot ist (für 3,50€ geht das schon mal klar).