Die Comics meiner Jugend – die Bilder meines Lebens
Themen: Film, TV & Presse, Neues |Angesichts von SUPERGIRL kam das Bedürfnis auf, mich noch einmal näher mit meiner Affinität zu DC und insbesondere Superman auseinander zu setzen.
Comics sind seit den 90ern erwachsen geworden, als hätten sie sich entschieden, mit ihren Lesern meiner Generation zu altern. Immer teurer, immer aufwändiger, immer mehr Sammlerobjekt als Wegwerfware, teilweise erschütternd angefüllt mit sex & violence. Das gab es "zu meiner Zeit" nur im Schwermetall. Der Rest war Micky Maus, Superman und Asterix.
Das heißt aber nicht, dass die Comics keine Moral hatte, keine tiefere Erkenntnis, die man auch für sich als Knirps übernehmen konnte.
Meine Sozialisation als Comic-Nerd in den 70er war etwas holperig: meine Eltern kauften mir dann und wann Micky Maus-Hefte (und mein Onkel sammelte die Taschenbücher), die ich bei meinem Kumpel Tomislav irgendwann gegen Superman und Batman eintauschte, weil die einfach cooler waren. Meinen Vorrat vergrößerte ich mangels monetären Möglichkeiten am ehesten auf dem Trödelmarkt, wo ich querbeet alte und abgegriffene Hefte stapelweise kaufte. Man kann das wahrlich nicht "sammeln" nennen.
In der Pubertät stieg ich wieder auf Micky Maus um, weil ich den Humor der Disney-Comics zu schätzen lernte und vor dem Reboot von Superman 1984 auch langsam die Glaubwürdigkeit der Figur überdehnt wurde.
Es lässt sich aber nicht bestreiten, dass es in den "Superbänden" von Ehapa damals Storys gab, die hängen geblieben sind, weil sie mich entweder fasziniert, erschreckt, oder nachhaltig beeinflusst haben.
Der KI und einer großartigen Facebook-Gruppe namens "YPS, ZACK & Co – Comic-Magazine der 70er und 80er" ist es zu verdanken, dass ich sieben dieser prägenden Storys ausfindig machen konnte, um sie euch hier zu präsentieren. Ich greife dabei auf die amerikanischen Originale zurück, die besser gelettert sind.
Den Anfang macht die im Original zweiteilige Story "The Claws of the Emperor Eagle" von 1976, gezeichnet vom großen Jim Aparo:
Es ist eine dieser großartigen globalen Abenteuer-Storys, in denen Batman mehr als James Bond agiert – oder in diesem Fall als Indiana Jones. Oliver Queen (Green Arrow) ist besessen davon, eine riesige Adler-Statue zu finden, die ihm gestohlen wurde. Batman und Atom sind mit dabei und bald nicht mehr sicher, ob Oliver nicht vielleicht den Verstand verloren hat.
Hier gibt es ganz großes Kino im Heftchenformat – Batman bescheißt mit Hilfe von Atom bei einem Turnier, um Oliver das Leben zu retten:
Oliver wiederum findet ganz im Stil von Excalibur den Bogen von Alexander dem Großen, den angeblich seit 2000 Jahren niemand spannen kann:
Aber Oliver Queen ist der größte Spanner von allen – was für eine Dynamik!
Warum der ganze Wirbel? Der chronisch klamme Oliver glaubt, dass die Statue mit Schätzen gefüllt ist – und Atom ist gar nicht begeistert, dass der Bogenschütze dafür (scheinbar) seine Freunde ans Messer zu liefern bereit ist:
Dieser Konflikt zwischen den Helden war für mich damals neu und spannend – und die Idee, dass Oliver Queen womöglich massiv einen an der Waffel hat.
Das exotische Abenteuer setzt zum Finale auch noch mal richtig auf Drama:
Erfreulicherweise stellt sich heraus, dass Batman und Green Arrow einen gemeinsamen Plan hatten und der Joker am Ende dumm aus der Wäsche schaut:
Wie gesagt: Ganz großes Kino sogar in dem Sinne, dass man diese Story als Blockbuster verfilmen könnte. Das hat mich Ende der 70er echt auf die Reise mitgenommen.
Nächster Halt: Die Story "Unhappy Anniversary" von 1974, geschrieben von Gerry Conway und gezeichnet von Bob Oksner für diesen Jubiläumsband:
Klar hat Curt Swan in seinem Abschiedscomic "Whatever happened to the Man of Tomorrow?" eine deutlich bessere Variante dieser Elseworld-Story abgeliefert, aber "Unhappy Anniversary" hat mich primär wegen seines Ausblicks in eine Zukunft begeistert, die wir heute an der Wirklichkeit messen können.
Auf Wolken kann man schlafen?! Superman geht mit Kostüm ins Bett?!
Lois und Clark sind verheiratet und haben eine Tochter. Lara besitzt allerdings keine Superkräfte wie der Papa:
Diese Idee wurde immer mal wieder aufgegriffen. Spannender ist allerdings die Technologie der Story, die wohl vage um die Jahrtausendwende spielt. So ist Lois begeistert von ihrem E-Scooter, der endlich nicht mehr die Umwelt verpestet. Eine Art von Smartphone und Internet scheint ebenfalls Standard:
Clark arbeitet immer noch als TV-Reporter und lässt seine Reportagen und Interviews von einer Kameradrohne dokumentieren:
Metropolis liegt mittlerweile unter einem klimatisierten Dom und die Bürger haben eine hervorragende medizinische Versorgung – Science Fiction!
Man könnte meinen, dass mein eigener SUMURU sich hier hat inspirieren lassen:
Am Ende ist die große Überraschung, dass pünktlich zum Geburtstag der Tochter doch noch Superkräfte aktiv werden – und Lois erneut schwanger ist:
Das Comic begeistert mich heute wie damals, weil es eine positive Zukunft zeigt, deren technische Besonderheiten durchaus wahr geworden sind. Respekt dafür.
Der großmäulige Steve Lombard war immer eine der nervigeren neuen Figuren, die Superman für die 70er fit machen sollten, als Clark Kent beim Daily Planet kündigte und stattdessen TV-Reporter wurde. Der ehemalige Football-Spieler ist selten mehr als ein Sprücheklopfer, der Clark gut aussehen lässt – mit einer Ausnahme: In der Füllergeschichte "Paper Heroes" von 1976 beweist er erstaunliche Tiefe. Das hat mich damals derart beeindruckt, dass ich den deutschen Titel nie vergessen habe: "Helden zweiter Garnitur".
Zuerst einmal begrüßt uns allerdings der Stählerne im Kampf mit der futuristischen Variante von Lex Luthor, die ich immer geliebt habe und die angeblich im nächsten Superman-Film endlich mal umgesetzt wird:
Die Aufmacher-Story ist für sich genommen schon ein Brüller – Batman und Flash tauchen plötzlich als Kinder auf!
Lex Luthor hat einen Power Glove! Take that, Nintendo!
Aber es soll hier ja um Steve Lombard gehen. Der bekommt von einem Buchverlag das Angebot, ein Vorwort zur Biographie seines verstorbenen Football-Trainers zu schreiben, was ihm gar nicht behagt:
Auf dem Spielfeld hatte Lombard dem Coach einst das Leben gerettet, als die eiserne Torkonstruktion einstürzte. Der Coach erklärte darauf hin, dass er Lombard den Gefallen gerne erwidern würde. Dazu kam es aber nie.
Nach dem Besuch beim Verleger mischt sich Lombard bei einem Überfall ein und mischt die Gauner auf – mangels Superkräften erwischt ihn dabei eine Kugel direkt in die Brust.
Doch es ist wie ein Wunder – das Manuskript der Biographie hat die Kugel abgefangen. Der Coach hat Lombard posthum das Leben gerettet.
Das mag heute suppig und melodramatisch wirken, aber ich kann euch versichern, dass der vielleicht 12jährige Torsten massiv davon beeindruckt war…
Deutlich düsterer ist da schon "The secret guardian of Smallville", eine Story, die mich seinerzeit in meinen Grundfesten erschütterte, weil sie nicht nur die Moral Supermans in Frage stellt – sondern das am Ende auch nicht relativiert. Das Cover verrät den Grundkonflikt leider schon:
Die Aufmacherseite ist deutlich vager und cleverer:
Die Story in kurz: Obwohl Clark seit Jahren als Superman Metropolis beschützt, vermisst man ihn in Smallville kaum, weil die Stadt einen neuen heimlichen Helden hat, der ein verdächtig rotblaues Kostüm trägt. Da der Mann aus Stahl keine Konkurrenz mag, will er den "Doppelgänger" ausfindig machen. Der stellt sich als ein altes Modell der Superboy-Roboter heraus:
Die Story lässt Superman nicht gerade gut aussehen – er hat die durchaus zu rationalem Denken fähigen Roboter absichtlich in den sicheren "Tod" geschickt, nur um sich ihrer zu entledigen, weil sie seinem Äußeren nicht mehr entsprachen:
Das Problem: Der Super-Roboter hat Recht, wenn er auf sein Recht auf Leben pocht – zumal er ja nur Gutes tut. Er ist immer noch eine ideale B-Besetzung.
Der Kampf der beiden "Supermänner" ist von Curt Swan ziemlich fett inszeniert:
Und was macht Superman? Er trickst den Roboter zu glauben, er habe den Tod eines Menschen verursacht – woraufhin der Roboter Suizid begeht:
Was für eine armselige, grausame Tat des angeblichen "boyscouts". Damit hatte ich damals ziemlich zu kämpfen. Finde ich bis heute nicht gut.
Machen wir weiter mit einer Story der Legion der Superhelden von 1973. Alter, ich LIEBE die Legion der Superhelden. Zeichner Mike Grell war ein Gott unter Menschen und der Mix aus Superhelden und Science Fiction hat mich auf ewig angefixt.
Hier denkt man schon bei der Aufmacherseite "what the fuck?!":
Die Story ist durchaus spannend und handelt von einer Unterwanderung der Legion durch einen Gedanken kontrollierenden Bösewicht. Wie üblich bei Grell ist die physische Inszenierung der Action in "The Legion of Super Executioners" makellos:
Ein Knaller, wie Ultraboy von Karate Kid aufs Parkett gefegt wird:
Die Auflösung, wie Superboy hinzu kommt und die Exekution seines Freundes und seiner Kindheitsfreundin verhindert, soll hier nicht verraten werden…
Noch dramatischer geht es nur vier Ausgaben später weiter: In "Who can save the Princess?" droht Princess Projectra an einer "pain plague" zu sterben. Das lässt sich nur verhindern, in dem einzelnen Legionäre für kurze Zeit ihre Schmerzen übernehmen. Aber die physischen Qualen können für Leib und Seele tödlich sein:
Das fängt schon Knaller an, mit einer Rettungsaktion von Timber Wolf, der neben Wildfire immer einer meiner liebsten "rebellischen" Legionäre war:
Als Timber Wolf die Schmerzen der Prinzessin übernimmt, kommt es zu einem folgenreichen Fight mit Karate Kid – er zerfetzt seinem Freund das Kostüm:
Und das, liebe Leser, führte zu etwas, das ich als Knirps total steil fand – Karate Kid bekam sein neues Kostüm, das ihn eine ganze Generation lang begleiten sollte. Scharfe Stiefeletten, Val Armorr!
Bei der überfälligen Ankunft Superboys darf Mike Grell mal wieder sein Händchen für Bewegung und Dynamik voll ausspielen:
Letztlich ist "Who can save the Princess?" so etwas wie eine "bottle show" bei Science Fiction-Serien: konzentriert auf eine Location und wenige Charaktere. Aber die Interaktion und die Opferbereitschaft sind absolut hypnotisch.
Kommen wir zu einer der kontroversesten Legion-Storys, die Mike Grell jemals gezeichnet hat. Sie stammt von 1975 und trägt den Titel "The Rookie Who Betrayed the Legion":
Für mich gehörte die "Science Police" neben dem futuristischen Lex Luthor-Kostüm dieser Ära zu den absoluten Design-Highlights. Und niemand konnte sie eleganter und dynamischer inszenieren als Mike Grell – man schaue sich nur mal das Panel an, in dem die Hand von Colossal Boy über dem jungen Polizisten Dvron auftaucht:
Ich sag’s, wie ist – das finale Panel auf dieser Seite würde ich mir gerne separieren und als gigantische Fototapete an meine Arbeitszimmerwand kleistern:
Das Design, die Perspektiven, die Flächen, die Geometrie – die Welt der Legion ist bei Mike Grell Science Fiction in purster Pulp-Form. Golden age, indeed. Aber die Story hat mehr zu bieten als nur "eye candy". Ich kann mich nicht erinnern, dass die Reihe jemals davor oder danach einen "Guten" zu einer bösen Tat und einen "Bösen" zu einer guten Tat verführen konnte, ohne dass es nachträglich wieder dekonstruiert wurde.
Denn tatsächlich: Dvron verrät die Legion, weil der Schurke Univsero ihn einmal mit dem bemerkenswerten Satz "niemand sollte so jung sterben" hat davonkommen lassen. Er sieht sich in der Pflicht. Es ist ein quid pro quo. Als er seine Schuld beglichen sieht, hilft er der Legion, Universo so fassen – und beweist dabei einen bemerkenswerten kriminalistischen Instinkt.
Das war er auch schon, der Ausflug in die Comic-Geschichten, an die ich mich auch nach fast 50 Jahren problemlos noch erinnern konnte – weil sie "special" waren und mich etwas lehrten.
Zum Abschluss aber noch etwas aus der deutschen Wühlkiste – für gerade mal vier Mark konnte man damals den "Superband Nr. 7" kaufen, der auf dem Titel schon versprach, ALLES über die Legion der Superhelden zu erzählen:
Das Versprechen wurde in gewissem Maße sogar eingehalten – auf mehreren Seiten präsentierte Ehapa zwischen den einzelnen Storys Kurzbiografien der Legionäre, die ich nach einer Weile praktisch auswendig konnte:
In diesem Band tauchte auch erstmals Tyroc auf, die offensichtliche Reaktion von DC auf die "black power"-Bewegung – ich tue mich schwer, den virilen Afro-Träger als "Teenager" zu sehen, der er für die Legion eigentlich sein musste. Man beachte auch dringend die Fußnote des deutschen Verlages:
Und schließlich – der "silver age Superman" hatte wahrlich ein paar obskure Tricks drauf. In der hier gezeigten Szene verkleidet sich Clark als Gangster – was aufzufallen droht, weil der echte Gauner durch ein auffälliges Tattoo am Arm identifiziert werden kann. Was Clark sich einfallen lässt, muss man lesen, um es zu glauben – und selbst dann glaubt man es womöglich nicht:
Darauf muss man erstmal kommen!
Wie sieht’s bei euch auch? Gibt es Comics, die sich – aus was für Gründen auch immer – in eurem Gehirn festgebissen haben?
Wundervoll! Das alles weckt auch bei mir ganz viel Nostalgie. In den 80ern hatte ich die Superhelden-Comics von Ehapa gesammelt und geliebt. Hängen geblieben sind bei mir insbesondere die Crossover-Bände, die fand ich faszinierend. "Superman gegen Muhammad Ali", "Superman gegen Super-Spider" (ja, das war Spider-Man) und "Superman gegen Roter Blitz" (heute "The Flash"). Diese Bände waren nochmal etwas großformatiger als die normalen Superbände, ich fand die großartig. Später hatte sich, auch dank Aparo, Batman als mein Favorit entwickelt, zumal der dann auch von anderen Verlagen sehr schön veröffentlicht wurde. Die letzte Superheldenreihe, die ich damals gesammelt hatte, waren die "Teen Titans", die waren erstaunlich düster und hatten tolle Charaktere. Danach bin ich dann allerdings abgesprungen – "Elfenwelt", "Camelot 3000", "Thorgal", "Die große Macht des kleinen Schninkel", das alles war ja noch vor den "Lord of the Rings"-Filmen und zu einer Zeit, als der (großartige) "Willow"-Film das Fantasy-Genre im Kino anführte, will sagen: Wir hatten ja nix! Da waren Comics ideal, um sich bildgewaltige Fantasy zumindest als Bildergeschichten nach Hause holen zu können…
Sowohl die Crossover als auch Camelot 3000 hätte ich hier locker auch reinnehmen können. Es kommt voraussichtlich nächste Woche auch noch ein Nachzügler.
Ja, nostalgische Erinnerungen aus Kinder- oder Jugendtagen sind etwas schönes… manches ist sogar wirklich gut und kann mit der Erinnerung mithalten, manch anderes wurde bei mir mit der Zeit verklärt und hält einer erneuten Sichtung leider nicht immer stand.
Manches ist gar lustig.
Green Arrow spannt oben mit zwei Armen den unfassbar schwer zu spannenden Bogen und zieht danach einen Pfeil aus dem Köcher…. vermutlich mit einem dritten Arm oder einer Wimper….?
Ich habe in den 70ern bei einem Nachbarjungen eine Comicreihe gelesen, in welcher sich zwei Kulturen bekämpften.
Die ultimative Waffe der einen Zivilisation: ein lebendiger Riesen-Gorilla.
Das Gegenmittel der zweiten Kriegspartei: ein dem Riesen-Gorilla in Größe und Statur ebenbürtiger Roboter, in dessen Kopf zwei Soldaten saßen, welche den Roboter steuerten.
Hab viele Jahre später versucht herauszufinden, was das für eine Comicreihe war, bislang erfolglos.
Möglicherweise ist das besser so, so bleibt es in meiner Erinnerung immer großartig.
Mit Superman konnte ich nie groß bonden, da war mir Batman immer lieber. Wobei mein Favorit bei den Superhelden damals Swamp Thing war.
Aber wenn ich an Comics denke, die sich damals in mein Gehirn gefressen haben, dann dürfte das DIE META BARONE , einem Spin Off von DER INCAL von Alejandro Jodorowsky gewesen sein. Die Mutter meines damaligen besten Freundes hatte die örtliche Buchhandlung, wo zeitgleich auch meine Mutter als Buchhalterin arbeitete. Auch hatte sie ein Ferienhaus in den Burgunder Weinbergen, wo wir immer regelmäßig, gerne auch zur Weinlese im Herbst hingefahren sind. Und für die Fahrt, die mit Pause und je nach Verkehr zwischen dreieeinhalb und vier Stunden dauerte, durften wir uns immer einen Comic aus dem Sortiment für die Fahrt aussuchen. Zuerst waren das immer SPIROU & FANTASIO, aber irgendwann wollte ich dann lieber die Alben von DIE META BARONE, die ich, zu meinem Leidwesen nicht bekommen habe. Erst viel viel später habe ich mir dann den US Omnibus davon , und von Bouncer, angeschafft.
Was mich damals, ich dürfte wohl so 10 oder 11 gewesen sein, daran wohl so fasziniert hat, war die Tatsache, das mich der Comic mich komplett überfordert hat. Jodorowsky war halt nie einfach, aber die Geschichte mit dem seltsamen Ehrenkodex, den rituellen Verstümmlungen der Söhne, Vatermord, Inzest und was weiss ich noch war echt zu viel damals. Und zeichentechnisch war das halt auch ganz ganz groß. Die Welt war gigantisch, grimmig und finster, da kam einem STAR WARS, STAR TREK und ALIEN wie Kleinkinderkacke vor.
Die "Incal"-Bände und alle Spinoffs dazu liebe ich auch sehr, und ja, als Jugendlicher war ich auch ziemlich geplättet von dem Ausmaß an Gewalt, Sex und Philosophie, das mir da plötzlich um die Ohren gehauen wurde. Sowas war damals alles andere als üblich.
Wünsche mir bis heute, dass die Incal-Saga mal verfilmt wird, die ist sooo gewaltig. HBO, mach mal ne Serie draus!
Laut imdb arbeitet Jodorowky derzeit an irgendwas INCAL bezogenem
Seit Jahrzehnten.
Darauf eine Homöogeisha und ein Glas Quisky!
Ich bin ja nun auf der anderen Seite der Mauer aufgewachsen. Und das ohne Verwandtschaft auf der anderen Seite, die eventuell unter Gefahr der Beschlagnahmung mal etwas hätte einschmuggeln können. Daher ist mir das gesamte Superheldengenre – egal ob Comic oder Film – bis heute sehr fremd geblieben. Einzig und allein mit den Batmanfilmen habe ich mich anfreunden können, was wohl auch daran liegt, dass der erste Burton mit der damals immensen Marketingkampgane genau in die Zeit des Mauerfalls und meiner ersten Besuche im Westen fiel.
Was habe ich also davor mitbekommen? Micky Mouse und Donald Duck durch die Kurzfilme bei "Spaß am Montag/Dienstag". Asterix war auch politisch unverdächtig, da kamen schon mal illegal ein paar Bände ins Land und ab den 80ern liefen die Trickverfilmungen auch in den DDR-Kinos. Aber sonst? ich bin mit dem – noch heute existierenden – MOSAIK aufgewachsen. Das seit den 60ern existierende Abo meiner Oma war ein gut gehüteter Familienschatz, neue gab’s nämlich aufgrund der Papierknappheit keine. Die Geschichte mit den 1976 komplett ausgetauschten Hauptfiguren ist sicherlich einigen hier bekannt, falls nicht:
https://de.wikipedia.org/wiki/Digedags
https://de.wikipedia.org/wiki/Abrafaxe
Die Digedags galten und gelten als die populäreren Figuren, vielleicht hat man deshalb mit ihnen mehr mitgefiebert. Mich hat besonders die kurz vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg spielende Amerika-Serie begeistert.
Einen guten Überblick über die DDR-Comicszene gibt es hier.
ich bin ja mit DDR Comics aufgewachsen und hier da einem geschmuggeltem Asterix. Später nach der Wende bin ich grosser Fan von Frank Miller und Geof Darrow geworden Hard Boiled ist immer noch einer meiner Lieblingscomics, aber fällt vermutlich eher unter graphic novel. Aber der einzige Comic Zeichner dem ich wirklich treu geblieben bin ist Édika. damals im U-comix entdeckt, habe ich ihn in meinem Auslandsjahr in Spanien richtig lieb gewonnen, dort gab es 14 tätige Ausgaben seiner Comics. Ich hoffe ja immer noch, dass sich jemand erbarmt und die 6-bändige französische Gesamtausgabe mal auf Deutsch rausbringt.
Im Prinzip habe ich inzwischen fast meine gesamte Bibliothek auf ebooks umgestellt, mit Ausnahme der Comics/Graphic Novels, da geht das nicht. Die muss man einfach auf Papier genießen. Die großen Formate mit mehreren Panels pro Seite, die knalligen Farben, die z. B. auch ein Pocketbook Inkpad Color3 einfach noch nicht bringt, die Haptik des Papiers – das muss man einfach "in Natura" genießen.
Aber auch in diesem Bereich habe ich ausgedünnt. Und so sind nach mehreren Reduktionsdurchläufen nur noch noch sechs "Größen" übriggeblieben:
Bei jedem der Obengenannten kann ich jeweils irgendeinen Band aus dem Regal nehmen, aufschlagen und schon wird es schwer, wieder "loszulassen" …
Von Leser S-Man, bei dem die Kommentarfunktion gerade zickt:
_Naturgemäß bin ich später in die Welt der Comics eingestiegen und somit wird für mich immer die Jahrtausend-Wende als Maß stab dienen. Ich war damals primär auf DC gepolt und hab fast alles an Taschengeld in den kleinen Comicladen in Cottbus geschleppt, der sich genau so lange gehalten wie ich ihn brauchte. Böse Zungen behaupten, mein Taschengeld hat ihn am Leben erhalten.
Natürlich steht Batman an vorderster Front bei mir, gefolgt von Green Lantern, von dem ich wirklich endlich mal ne gute Verfilmung sehen will! Mit Superman wurde ich nie warm. Wie kann ein Mann ohne Schwäche (ja, ok, kleine grüne Steinchen, die halt immer dann auftauchen, wenn die Story es notwendig macht), irgendwie interessant sein?
Also klarer Augenöffner dient mir primär die Knightfall Serie (als Paperback-Bände aus der Bibliothek gelsen) sowie spät die No Man’s Land Serie (jede einzelne Ausgabe, jeder einzelne Side Plot vom Mittagessen-Geld abgespart), die mir Batman so tief in meine Seele hämmerten wie nur irgendwie möglich.
Ansonsten bin und war ich immer großer Crossover Fan (Batman vs. Daredevil!!!). Vor wenigen Jahren habe ich mich sehr amüsiert mit Batman vs. Elmar Fudd und Transformers vs. My Little Pony. Natürlich war es dann bei mir eher die JLA als die Legion oder die Titans.
Gruppe X: Zukunft ist Vergangenheit.
Beim Googeln wurden mir neue Gruppe X Comics angezeigt, die ich als Jugendlicher sicher auch sehr interessant gefunden hätte: https://www.ebay.de/itm/127613749893?_skw=gruppe+x&itmmeta=01KWA88ZFP63YB0YB0T6NDQND9&hash=item1db65f4a85:g:57wAAeSwELdpYRxo&itmprp=enc%3AAQALAAAA0DKQclQvzFwZQpmMrsO4LupHdUHjlP8xHC%2F58RFFXv8naQ6N%2BurAvPOKBB1m5HFbQO4WoIgFLH5RSuQR6CVw87PuwXvxU1ggt7tprq%2Fl%2F%2BGA8c2C1AyaSiKW4oPHMz4hJaRPyADwlhwtS8ntyIsrGNA9OZav6%2BigWwFFXA4GVu%2BuGzeCPRIGfcFgQWSOIOQPltanu3n%2BDhjXpeirUwxh9DU2oAWFrGGhotOSMN5FKreprQPpfKqC8ZtxdLs0VRUqrMNVYMxt05MdGmp4MPtAKUk%3D%7Ctkp%3ABk9SR4b4o8jiZw
Die Story um den unglücksbringenden Adler Alexanders des Großen hat mich als Kind absolut gefesselt, und zwar exakt wegen der Elemente, die hier aufgezählt werden. Und Oliver Queen, der ja als Ersatz-Batman (mit Arrowcave!) startete und später der politisch nach links tendierende Kontrast zur konservativen Green Lantern Hal Jordan wurde, kommt hier wirklich nicht gut weg. Die Bilderstrecke, in der er von Atom dafür eins in die Fresse kriegt, hat mich damals schon erschüttert.
Ich erinnere mich an eine Szene, in der Oliver Queen mal wieder seine miesen Finanzen durchrechnet und konstatiert, dass er den Monat vielleicht überstehen könnte, wenn er "von Pellkartoffeln und Quark" lebt.
Nix gegen Pellkartoffeln und Quark! 🙂 Das ist ein Lausitzer Regionalheiligtum! 🙂 Neben Nudeln, könnte ich davon sehr wohl einen Monat leben – nur das Leinöl muss da in Litermengen drüber und rein 😀
Ich weiß das, ich habe Reportagen im Spreewald produziert.
Um herauszufinden, was Oliver Queen im Original als Sparspeise plant, gab ich spontan bei Google "Pellkartoffeln und Quark Oliver Queen" ein. Und siehe da, was bereits die KI ausspuckt: "Dieser Ausspruch bezieht sich auf die ikonischen DC-Comics der 1970er Jahre. Damals verlor Oliver Queen (Green Arrow) sein gesamtes Vermögen und lebte als politisch engagierter Sozialist am Rande des Existenzminimums.Diese bodenständige, arme Phase der Figur wird oft scherzhaft—unter anderem in der deutschsprachigen Comic-Blogosphäre, wie dem Wortvogel—auf die einfache Mahlzeit Pellkartoffeln und Quark reduziert. Sie symbolisiert seinen Wandel vom arroganten Milliardär zum bodenständigen Straßenhelden und Sprachrohr der Arbeiterklasse." Und der erste Google-Eintrag führt zu einem Eintrag hier im Blog zum Start der Serie "Arrow" (mit eher negativer Prognose für deren Zukunft 😉 ).
Ha!
Als Jahrgang 1967 bin ich ja ähnlich alt. Aber und da wundere ich mich immer wieder über mich selbst, Superhelden haben bei mir nie gezündet. Null Interesse, nada, nüscht, zilch. Ich kann nicht mal sagen warum. Hatte ein paar Mickey und Donald-Hefte, aber keinen einzigen Superman, Batman oder jeden anderen -man.
Mein allererster selbst gekaufter Comicband war tatsächlich… Asterix (und dieses Heft habe ich heute noch).
Aber… hat hier eigentlich keiner ZACK gelesen? Blueberry, Rick Masters, Mick Tangy, Michel Vaillant usw? Im Nachhinein witzig, das ich maßgeblich nicht vom amerikanischen Superheldengenre geprägt wurde, sondern vom frankobelgischen. Ich Snob, ich. 😉
Du bist kein Snob. ZACK habe ich auch gelesen. Absurderweise gerne Kai Falke.
Man mag sich vorstellen, als ich im Kino "The Dark Knight rises" gesehen habe und zum Schluss Thalia al Ghul "auftaucht". Es gibt ein Batman Taschenbuch aus den 80ern, in dem Ras al Ghul stirbt und Thalia sich in Batman verliebt.
Für jemanden, der Anfang der 80er aus Batman ausgestiegen ist, war die Inkarnation von Thalia im Film quasi augenöffnend.
Du meinst vermutlich das hier – auch legendär: