02
Juni 2026

Cat Highway im Eigenbau

Themen: Neues |

Keine Überraschung: Wir lieben unsere Katzen. Was aber mindestens genauso viel zählt: wir vertrauen unseren Katzen. Das ist wichtig, weil wir im zweiten Stock mit umlaufender Terrasse und vielen Vögeln in der Umgebung wohnen.

Es würde Becky und Rufus nur einen entspannten Sprung kosten, um aufs Flachdach zu kommen oder in Richtung Gemeinschaftsgarten zu flüchten.

Machen sie aber nicht. Die beiden haben null Jagd- oder Fluchttrieb. Das ist eine höfliche Umschreibung für: sie sind ein faules Pack.

Nun sind Katzen dämmerungs- und nachtaktiv und wir haben festgestellt, dass die Geschwister Rübennase sich auch gerne auf der Terrasse herumtreiben, wenn wir schlafen oder nicht zu Hause sind. Ganz besonders im Sommer. Dafür ständig eine Terrassentür offen zu lassen, fanden wir etwas übertrieben, und ist in den kälteren Jahreszeiten auch energetisch keine gute Idee.

Eine Katzenklappe einbauen? Theoretisch möglich. Ist aber teuer und würde die Terrassentür dauerhaft verändern. Bei einem etwaigen Auszug müssten wir dann den Rückbau bezahlen. No way. Das depperte Duo ist teuer genug.

Also habe ich vor zwei Jahren eine Eigenbau-Lösung ersonnen. Zuerst habe ich ein weiß laminiertes Holzbrett gekauft, ausgesägt, und mit einer preiswerten Katzenklappe von temu ausgestattet. Das Brett konnte ich dann in einer der schmaleren Terrassentüren unten einklemmen. Die elektrischen Rollläden außen hielten das Konstrukt sicher fest.

Die Sache artete allerdings aus. Als absoluter Honk in Sachen Handwerk machte ich das Projekt immer komplizierter und ausladender. Ein paar Wochen später baute ich zur Energieeinsparung eine Platte von 200 x 80x cm dahinter ein. Diese bestand aus zwei dünnen MDF-Platten und einer fünf Zentimeter dicken Schaumstoff-Matratze (!). Ich schraubte alles mit wenig Talent, aber viel Schweiß aneinander.

Der Gedanke dahinter: Dieses wuchtige Teil würde im Winter dafür sorgen, dass wir nur über die Katzenklappe selbst Wärme verlieren.

Am Ende sah die gesamte Konstruktion von Laienhand so aus – was aber kein Problem war, weil wir sowieso immer die Gardine davor zogen:

Zugeben: ein echter Verhau. I created a monster. Aber letztlich hat das ganze System gerade mal 70 Euro gekostet und es lässt sich mit einem Handgriff entfernen, ohne die Terrassentür zu beschädigen.

Die Katzen lernten schnell, dass sie nun einen Exklusivzugang zur Terrasse hatten, den sie auch gerne und ausgiebig nutzten. Nur die Klappe mussten wir arretieren, weil die beiden sich konsequent weigerten, mit dem Kopf dagegen zu drücken. Die sollte gefälligst dauerhaft geöffnet sein!

Von außen sorgt der elektrische Rolladen dafür, dass die "Katzenwand" an Ort und Stelle gehalten wird, ohne fest montiert zu sein.

Es zeigte sich jedoch schon im ersten Winter, dass die von mir verwendeten Materialien und Bauteile nicht mal bedingt outdoor-tauglich waren. Farbe blätterte ab, Spanholz quillte auf, aufgeklebte Folie wellte sich. Bei der Katzenklappe löste sich die Dichtung. Hinter dem Rolladen sah die Konstruktion echt elend aus:

Scheiße, ich weiß. Aber ich wusste es nicht besser und nehme mich da selber in Schutz. Es hat funktioniert, das musste für diesen Erstversuch ausreichen. Ich machte mir allerdings zunehmend Sorgen, dass sich in den Spalten zwischen Schaumstoff und Platten Ungeziefer ansiedeln könnte:

Also entschied ich in diesem Frühjahr, eine Katzentür 2.0 zu bauen, basierend auf meinen Erkenntnissen und Erfahrungen mit dem Prototyp. Dabei war zuerst einmal klar, dass es diesmal einfacher sein würde: eine Klappe war schlicht nicht nötig, weil Rufus und Becky sie nicht nutzten. Ein simpler Durchgang reichte.

Das bedeutete, dass die ganze Platte keine Dicke von vier Zentimetern mehr brauchte, um die Katzenklappe sicher rahmen zu können.

Ich sichtete jede Menge Dämmplatten, Holzbretter und sogar Zimmertüren, um die perfekte Grundlage zu finden. Leider sind die meisten Dämmplatten auf 60cm Breite ausgelegt und selten outdoor-tauglich. Ich spielte mit dem Gedanken, zwei Gipsplatten von 2cm Dicke aufeinander zu kleben und dann großflächig mit Folie zu bekleben, um sie wasserdicht zu machen.

Letzte Woche stieß ich aber beim OBI um die Ecke auf diese Hohlkammerplatten aus transparentem Kunststoff:

Keine Ahnung, für was die eigentlich gedacht sind. Aber das erschien mir spontan als die perfekte Lösung. Das ließ Licht durch. Das war leicht (und leicht zu schneiden). Das dämmte dank der Hohlklammern nicht schlecht. Und als komplette Kunststoffkonstruktion war es absolut wetterfest.

Ich fragte vorsichtig nach, ob man mir die 98cm Breite im Baumarkt auf die benötigten 80cm kürzen könne, wurde aber belehrt, dass man wegen der Hitzeentwicklung Kunststoff nicht sägen könnte. Und weil unser Wagen gerade in der Werkstatt war, musste ich das riesige Teil auch noch zu Fuß nach Hause schleppen. Erfreulich dabei, dass die Platte gerade mal ca. drei Kilo wog.

Daheim stellte ich die Platte vor ein Fenster und stellte fest: perfekt.

Mit einem Teppichmesser und ein wenig Körpereinsatz gelang es mir, die Platte an einer Seite nicht nur auf 80cm zu kürzen – ich schaffte es sogar, den Ausschnitt der alten Katzenklappe exakt so zu kopieren, dass unsere beiden Racker sich nicht umgewöhnen müssen. Die Kanten klebte ich dann mit weichem Kunstleder ab, um Verletzungen der Katzen zu verhindern.

Ich entfernte die Altplatte, die nicht transparent war, um die 10kg wog, und putzte den Rahmen der Terrassentür sorgfältig. Dann setzte ich den "Nachfolger" von gerade mal zwei Kilo ein. Passte zu meiner Überraschung perfekt. Eine Verbesserung in jeder Beziehung. Becky kam augenblicklich zur Abnahme des Katzentors vorbei:

"Oh, das ist aber schick! Dankeschön!"

Als Abschluss habe ich die ganze Hohlkammerplatte mit zwei Klett-Aufklebern am Türrahmen fixiert, damit sie nicht wackelt. Mehr ist gar nicht nötig.

Ich überlege allerdings, ob es Spaß machen könnte, einen Sensor zu kaufen, der bei einer Nutzung des Katzentors eine triumphierende Fanfare abspielt…

Mittlerweile habe ich auch recherchiert, was Sinn und Zweck dieser Hohlklammerplatten ist: Sie sind als Wand- und Deckenelemente u.a. für Gewächshäuser, Pools und Carports gedacht, weil sie extrem leicht, gut zu verarbeiten und lichtdurchlässig (85 Prozent) sind. Ideal für mein kleines Projekt.

Ich bin nicht nur stolz auf den gelungenen Austausch, der mich letztlich 32 Euro und eine Stunde Arbeit gekostet hat. Ich bin auch stolz darauf, dass ich nach dem unhandlichen Erstling diesmal eine deutlich bessere Lösung gefunden habe. Es ist ein Lernerfolg. Ich kriege normalerweise ja nicht mal einen Nagel in die Wand.

Ich bin zuversichtlich, dass die neue Konstruktion deutlich länger halten wird als die alte und dabei nicht Gefahr läuft, zu versiffen oder auseinander zu fallen.

Kann ich mal etwas Applaus kriegen?



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8 Kommentare
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2. Juni, 2026 08:38

Uuii, volle Bewunderung. ich selbst habe seinerzeit für unsere zwei Katzen die Zerstörung der Terassentür in Kauf genommen und bekommen. Zwei Jahre später waren beide Katzen verschieden und wir hatten ein 30×30 cm großes Loch in der Tür.

Michael Hoppe
2. Juni, 2026 09:10

Herzliche Gratulation zu diesem super umgesetzten Projekt! Da ich selbst der Typ bin,der sich beim Eindrehen von Glühbirnen schwer verletzt oder das haus abreisst, habe ich grossen Respekt davor,das du nicht aufgegeben und stattdessen die lernerfahrungen umgesetzt hast.

minkymietze
2. Juni, 2026 10:08

YEAH! 👏👏👏👏

tokra
2. Juni, 2026 11:24

Respekt! Ich selber bewundere ja immer, wie einfach das bei Handwerkern aussieht, aber wenn man selber mal was macht und sich genau an die Anleitung hält ist nachher trotzdem alles schief (trotz Anzeichnen und Wasserwaage). Und dann gibt’s ja noch so Sachen, die man wissen muss, die einem aber keiner sagt. Wenn z. B. bei neuen einem Spiegel, den man aufhängen will Dübel schon beiliegen: Die darf man natürlich auf keinen Fall nehmen, die sind immer Schrott. Man nimmt selbstverständlich seine eigenen Fischer-Dübel.

2. Juni, 2026 13:05

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Last edited 9 Tage zuvor by Marko
Flossensauger
2. Juni, 2026 23:01

Keine Ahnung, für was die eigentlich gedacht sind.

Die sind dazu gedacht um mal eben schnell auf diverse Aquarien gelegt zu werden, wo man immer mal wieder 'ran muss (Jungfische füttern, Moos herausnehmen, auswringen und zurücklegen etc.) und Glas zu unhandlich und klirr gefährdet wäre.

Eine einfache LED-Leiste (die ohne grosse Wärmeentwicklung) kann man da auch fix drauf schmeissen, ohne sonderliche Basteleien und Aufbauten.

War so ein Einfall während der Corona-Langeweile und mein (inhabergeführter) Baumarkt hat mir die auch zugeschnitten.

Machen mittlerweile so einige meiner Plattschmerlenfreunde.

Selle
3. Juni, 2026 08:21

Applaus!

Man kann elektrische Rolläden sehr leicht und reversibel smart machen. Ein Shelly 2PM hinter den Schalter und auf jeder Seite ein Bewegungsmelder und ihr habt eine Katzen-Star-Trek-Tür. Einziges Problem: Spielerei macht süchtig und ruck zuck habt ihr 30 Stück verbaut.