15
Juni 2026

2 Cent: Trinkgeld – Lohnzuschlag oder weiche Erpresssung?

Themen: 2 Cent, Neues |

Heute geht es um diesen Artikel im SPIEGEL über die um sich greifende Nötigung zur Zahlung von Trinkgeldern auch bei kleineren Handreichungen. Ich stimme der Meinung zu, möchte es aber nicht nur dabei belassen.

Der Kapitalismus hat eine bemerkenswerte Eigenschaft: Er findet immer neue Wege, dir das Gefühl zu geben, ein schlechter Mensch zu sein.

Früher war Trinkgeld simpel. Du warst essen, der Service war gut, du hast aufgerundet. ”Stimmt so.” Zwei Worte, die gleichzeitig Dankbarkeit ausdrückten und signalisierten: Ich möchte jetzt bitte einfach gehen. Niemand musste darüber diskutieren, ob zwölf Prozent angemessen sind oder ob der Kellner emotional verletzt ist, weil man nur drei Euro statt fünf gegeben hat.

Heute dagegen fühlt sich der Bezahlvorgang an wie eine moralische Geiselnahme.

Das Kartenlesegerät wird dir hingehalten wie die Bibel beim Amtseid in den USA. Auf dem Display leuchten drei Buttons: 5%. 15%. 20%. Und ganz unten, irgendwo zwischen Displayrand und Existenzangst: ”Kein Trinkgeld”.

Der Kellner schaut zu. Die Leute hinter dir schauen zu. Wahrscheinlich schaut sogar Gott kurz runter und denkt: ”Na, Torsten, heute geizig?”

In den USA ist diese Entwicklung längst komplett entgleist. Ich erinnere mich, dass bei meinem ersten USA-Besuch in Washington der Kellner allen Ernstes auf der Straße hinter mir her gerannt ist und wissen wollte, ob der Service nicht in Ordnung war. Ich hatte nur (deutsch) 10% Trinkgeld gegeben und nicht (amerikanisch) 25%.

Besonders absurd wird das Ganze, weil diese aggressive Trinkgeld-Bettelei längst Bereiche erreicht hat, in denen früher nicht mal jemand auf die Idee gekommen wäre. Der Typ drückt mir einen Muffin in die Hand, dreht das iPad um und nun soll ich ihm 20% Bonus zahlen, weil er erfolgreich ein Backstück aus einer Vitrine geholt hat.

Selbstbedienungskiosk? Trinkgeld. Coffee to go? Trinkgeld. Ein Typ reicht dir eine Papiertüte über den Tresen? Trinkgeld.

Ich sehe das Problem analog zu den Behörden, die von unseren Steuergeldern finanziert sind, aber für jede Amtshandlung noch einmal Gebühren erheben. Als wäre nur ihre Existenz von den Steuergeldern gedeckt, ihre tatsächliche Arbeit aber nicht im Preis inbegriffen. Vor ein paar Tagen musste ich für eine digitale Flurkarte 15 Euro bezahlen, obwohl es sich um einen über das Internet-Portal der Stadt automatisierten Vorgang ohne menschlichen Eingriff handelt.

Zurück zum Trinkgeld. Das Perfide daran ist: Alle wissen inzwischen, dass das eigentliche Problem nicht die (mangelnde?) Großzügigkeit der Gäste ist, sondern die beschissene Bezahlung des Personals. Trinkgeld war mal ein Bonus. Heute ist es ein inoffizieller Lohnbestandteil per emotionaler Erpressung.

Solche Bilder gehen im Netz rum und machen mich fasssungslos:

Hier werden die Hosen runtergelassen: Trinkgeld ist keine Entscheidung, sondern eine Verpflichtung. Ich würde gerne mal in so einem Lokal gut speisen und dann bei der Rechnung konkret fragen: "MUSS ich Trinkgeld geben?". Wenn die Antwort selbstverständlich "nein" lautet, würde ich konstatieren, dass man sich augenscheinlich auch ohne Trinkgeld einen Abend im Restaurant erlauben kann.

Die Gastronomie hat über Jahrzehnte stillschweigend akzeptiert, dass der Gast die Lücke stopft, die Arbeitgeber und Branche selbst nicht schließen wollen. In Amerika ist das System komplett institutionalisiert; dort kalkulieren ganze Geschäftsmodelle mit der sozialen Erpressbarkeit des Kunden. Statt den Lohn zu erhöhen, wird einfach der Mindest-Trinkgeldbutton auf dem Lesegerät von 15% auf 20% hochgeschaltet.

Nervig finde ich dabei dieses psychologische Druckszenario. Natürlich ist das kein Zufall. Natürlich stehen die Trinkgeld-Optionen fett und zuerst auf dem Display. Natürlich ist der ”Kein Trinkgeld”-Button erst die letzte Option. Es fehlt nur noch, dass eine Fanfare laut verkündet, wer das "angemessene" Trinkgeld gewählt hat.

Und nein, das Argument ”Aber es zwingt dich doch niemand!” zieht nicht. Niemand zwingt mich, beim Bäcker Hosen zu tragen. Trotzdem existiert sozialer Druck.

"Schuld" hat sicher auch der Siegeszug des kontaktlosen Bezahlens. Der führte erst zu einer Reduktion des Trinkgelds, weil die Leute kein Bargeld mehr in die Hand nehmen mussten und dabei auch kein Wechselgeld bekamen, das sich als Trinkgeld anbot. Ein paar Euro, die man sonst wieder in die Geldbörse schieben musste, konnte man bis dahin gönnerhaft auf das Tischtuch legen. Das sah jeder, das zeigte Wirkung.

Kontaktlos zahlen reduzierte die Sichtbarkeit des Trinkgelds und führt oft genug zu dessen Wegfall. Darum die Buttons. Darum der Druck, den Kunden auch ohne den Stolz der lässig hinterlassenen Münzen zur Großzügigkeit zu bewegen.

Aber ich habe ja schon öfter über Pendel geschrieben – und auch hier ist das Pendel in die falsche Richtung zu weit ausgeschlagen. Die Trinkgeld-Buttons beenden jedes Essen mit einer Gewissensfrage und den Optionen einer Gameshow: 1, 2, oder 3 – du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei…

Wir sollen ja auch nach dem Motto "andere Länder, andere Sitten" immer im Kopf haben, dass Trinkgeld sehr verschieden berechnet werden kann. So ist es bei den Skandinaviern weitgehend unüblich, bei den Amerikanern unverzichtbar, und bei den Deutschen je nach Region variierend. Ich erinnere mich an einen Kneipenbesuch in Düsseldorf, bei dem ich das für München typische Trinkgeld zahlte. Die Kellnerin strahlte mich an. Ich fragte meinen Bruder, warum das eine große Sache sei. Er murmelte nur: "Du hast gerade vermutlich ihre halbe Monatsmiete bezahlt."

Je mehr Menschen begreifen, dass dieses System gänzlich kaputt ist, desto aggressiver scheint es zu werden. Die Akzeptanz sinkt bereits seit vielen Jahren deutlich; Kunden empfinden die Trinkgeld-Prompts als nervig oder manipulativ. In immer mehr Artikeln wird die implizierte Forderung als Gängelung von Gast UND Personal identifiziert. Aber anstatt zurückzurudern, eskaliert die Branche weiter.

Ich sehe ehrlich gesagt nicht mehr, wie sich das Problem freiwillig lösen lässt. Die Gastronomie wird diese Gängelung nicht selbst beenden, weil sie hervorragend funktioniert und die Lohnkosten drückt. Der Kunde zahlt mehr, der Arbeitgeber weniger, und die moralische Verantwortung wird elegant weitergereicht.

Also bleibt vermutlich nur die Politik.

Ja, ich weiß. Was könnte da schon schiefgehen?

Wie sehr sich die Politik darum drückt, Verantwortung zu übernehmen, kann man wieder schön an den USA sehen. Dort wird nicht etwa der fast schon kriminell niedrige Mindestlohn angegangen oder das Trinkgeld vom Lohn abgekoppelt – das Maximum des Erreichbaren ist das Versprechen, Trinkgelder könnten von der Steuer befreit werden.

Das bedeutet: der Staat (also der Steuerzahler) bezahlt die Entlastung des Personals, nicht der Arbeitgeber. Und weil Trinkgelder dadurch "lohnender" sind als der Lohn selbst, hat das Personal noch mehr Interesse daran, wenig zu verdienen, aber umso mehr Trinkgeld einzustreichen.

Das ist, gelinde gesagt, pervers.

Bei uns würde das anders laufen. Wahrscheinlich schlägt irgendein Staatssekretär bald nach Absprache mit den Ausschüssen ein ”Transparenzgesetz für digitale Trinkgeldabfragen” vor, inklusive einer verpflichtenden ”Kein Trinkgeld”-Taste in Mindestgröße. Dann wird verkündet, dass der Markt den Rest schon regeln werde.

Ganz am Ende des Gesetzesentwurfs steht voraussichtlich: ”Für die Bearbeitung fällt eine freiwillige EU-normenkonforme Servicepauschale an.”



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50 Kommentare
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Alexander Freickmann
15. Juni, 2026 10:49

Zumindest das deutsche Recht unterscheidet btw zwischen Trinkgeld in bar direkt geben und dem 10% Sachen, die heute geläufig sind. Der Mitarbeiter muss das Trinkgeld, das elektronisch gegeben wird VOLL versteuern, während das bar gegebene erst ab ner bestimmten Summe versteuert werden muss. Das ist schon einmal ein Unterscheid.
Ich hatte für meine Frau auch so ein SumUp eingerichtet, da wird auch diese Trinkgeldsache vorgeschlagen und man muss OptOut machen – es geht schon, aber man müsste sich mit beschäftigen.
Daher habe ich auch zwei Theorien, wieso die Dinger jetzt auch hier so überhand genommen haben und es ist NICHT um das Gehalt der Mitarbeiter auszugleichen:

  1. Der Zuständige beschäftigt sich absolut null mit den Einstellungen und deaktiviert es nur nicht, weil sie einfach "zu faul zu RTFM sind". -> zumindest bei Mittagsessen passiert es häufig, dass dieser Trinkgeldbutton von Mitarbeitern bewusst weggeklickt wird.
  2. Für elektronische Bezahlungen fallen schwarz auf weiß Kosten an, die man bei Barzahlung nicht sieht. Aber diese Trinkgeldauszahlung sieht normalerweise KEINER der Kellner. Ein Essen für 18,50 kostet knapp 26Cent Gebühren. Bei 10% Trinkgeld sind wir dann bei 20,35 – davon sind dann 28 Cent Gebühren. Was meint ihr wohl, ob der Herr Geschäftsführer 2 Cent Gebühren vom Trinkgeld abzieht oder vielleicht doch gleich die ganzen 28 Cent?
noyse
15. Juni, 2026 12:26

das ist Humburg:
Sowohl das bare als auch das elektronische Trinkgeld ist für denjegien, der es bekommt, voll steuerfrei.  § 3 Nr. 51 EStG: Trinkgeld ist steuerfrei, solange es sich um eine freiwillige Zahlung eines Dritten direkt an den Arbeitnehmer handelt. Wenn der Arbeitgeber diesen Betrag 100% an den Mitarbeiter weitergibt ist das kein Problem. wichtig ist aber das im Z-Bon das Trinkgeld separat ausgewiesen wird. Bei den Transaktionsgebühren wird es etwas tricky da gibt es keine richtige Rechtsprechung, ob man die vom Trinkgeld abziehen kann, es wird daher empfohlen einfach die Transaktionskosten als Betriebskosten abzusetzen und das Trinkgeld komplett weiterzugeben.

Last edited 1 Monat zuvor by noyse
S-Man
15. Juni, 2026 14:50

Ich habe schon oft gehört – auch von Angestellten selbst, dass das elektronische Trinkgeld nicht an die Angestellten weiter gereicht wird. Seit dem frage ich immer, ob sie das Trinkgeld erhalten, wenn ich das anklicke. Manche bestätigen das, aber es kommt auch hin und wieder vor, dass dann sowas kommt wie "das mit dem Trinkgeld geht hier nicht elektronisch" – da weiß man dann Bescheid und muss hoffen, irgendwo noch Bargeld in einer Ritze der Hose zu finden.

noyse
25. Juni, 2026 15:26
Reply to  S-Man

dann sollte man mal dem Betrieb ne Prüfung ins Haus schicken, kann mir kaum glauben dass der Betreiber die "Trinkgelder" versteuert, dass muss nämlich wenn er sie behält.

jimmy1138
15. Juni, 2026 12:56

Die "Scheißfreundlichkeit" von US-Kellnern war für mich ein echter Kulturschock – ich komm aus Wien, da sind Kellner, die einen ignorieren und/oder grantig sind, sowas wie ein Kulturerbe.

Wienpirat
17. Juni, 2026 08:03
Reply to  jimmy1138

Wobei das imho in den letzten 10 Jahren auch anders wird. Wir sind langsam auf einem "annehmbar freundlichen" Niveau bei dem man als Gast zumindest nicht das Gefühl hat zu sehr zur Last zu fallen.

McCluskey
18. Juni, 2026 12:08
Reply to  Wienpirat

Würde ich bestätigen. Ich hab da im letzten Jahr durchgehend gute Erfahrungen gemacht.

PabloD
15. Juni, 2026 13:48

Ich war letztes Jahr zum ersten Mal in den USA.
Ich WUSSTE, wie es dort läuft. Ich KANNTE die Facebook-/Youtube-Diskussionen (z.B. unter den Videos der Trinkgeld-Szene aus Reservoir Dogs), die eine europäische und amerikanische Sicht unvereinbar scheinen lässt. Ich war sicher, dass ich schlau genug bin, um widerstandsfähig zu sein. Ich war so naiv.
Natürlich hat es nicht gerade geholfen von Tag 1 an mit dem amerikanischen Schwager unterwegs zu sein, der das ganze System komplett verinnerlicht hat. Aber ich habe mich nach 2 Wochen selber dafür gehasst, für Banalitäten horrendes Trinkgeld an Leute zu verschwenden, die mich im Leben nie wiedersehen werden. In Woche 3 kam dann glücklicherweise in mir der deutsche Geizhals wieder hervor (a.k.a. "gesunder Menschenverstand"), der die Reisekasse dann trotz z.T. mürrischer Blicke wieder etwas ins Lot brachte.
Es war wirklich erschreckend, wie schnell und einfacher dieser soziale Druck funktioniert, auch wenn es keinen offiziellen Zwang dazu gibt.

Heinrich42
15. Juni, 2026 17:34

"Alle Preise in Euro, inkl. gesetzlicher MwSt und Bedienung."

Das waren noch Zeiten…

Ben
15. Juni, 2026 20:02

Ich mache mich damit zwar gänzlich unbeliebt und wahrscheinlich wird mir inzwischen sehr oft ins Essen gespuckt, aber da, wo es der Button von mir erzwingen will, gebe ich quasi nie etwas. Das fühlt sich tatsächlich nie gut an, weil exakt dieser Druck da ist, den Du beschrieben hast.

Ich rechtfertige mich dann aber vor mir selbst damit, dass ich dort, wo ich sehr zufrieden bin und alles wirklich freiwillig läuft, auch mal gerne 20 Prozent gebe.

Wie man das Grundproblem lösen kann? Wahrscheinlich können das nur die Kunden selbst, aber dazu müssten viel, viel mehr diesen sozialen Druck aushalten können.

Kosar34
15. Juni, 2026 22:44
Reply to  Ben

Das habe ich zum ersten Mal beim Konzertbesuch in der Uber Music Hall in Berlin erlebt. Wollte mir noch schnell eine Cola holen und dann kam die Trinkgeldanzeige in der Kasse. War völlig baff und habe dann ,,ja“ gesagt. Habe mich total unter Druck gefühlt und wollte nicht vor der Servicefrau als geiziges Arschloch auftreten. Am Platz habe ich mir aber gedacht: Moment mal. Im Restaurant ist Trinkgeld völlig ok. Aber im Konzert für eine völlig überteuerte Cola??!! Ja, klar. Viele dieser Servicemenschen sind wahrscheinlich Studenten, die sich was dazuverdienen wollen. In teuren Städten wie Berlin völlig verständlich. Aber Trinkgeld für Cola und Bratwurst bei Konzerten?? Bei machen Hallen gibt es solche Trinkgelddosen. Da habe ich immer was reingelegt. Das finde ich ok. Das ist ja freiwillig.

gerrit
17. Juni, 2026 03:37
Reply to  Kosar34

Berlin ist doch keine teure Stadt. München ist eine. Im Biergarten steht neben der Kasse ein Masskrug als Trinkgeldglas, was ich als besonders absurd finde. Die Kassenkraft hat quasi keine Möglichkeit, schlecht zu arbeiten. Bier kostet um die 14 € der Liter, Leute zahlen bar mit einem Zwanziger und stopfen mehrheitlich den 5er in den Masskrug.

Robert
16. Juni, 2026 01:03

Danke, volle Zustimmung. Hier in Neuseeland sind höhere Trinkgelder übrigens die absolute Ausnahme, abgesehen von einigen wenigen Restaurants, die das anders handhaben.

heino
16. Juni, 2026 06:36

Ich habe das zum ersten Mal bei Shows im Kölner Gloria erlebt und war überrascht, aber da ich eh fast immer Trinkgeld gebe, sah ich es dort als praktisch an, weil ich nicht selbst rechnen musste. In Bäckereien ist mir das noch nie begegnet, da würde ich mich aber auch weigern

Volker
16. Juni, 2026 11:05

„Ich sehe ehrlich gesagt nicht mehr, wie sich das Problem freiwillig lösen lässt.“

Was spricht dagegen, einfach nicht mitzumachen?

Wenn mich diese Art der Trinkgeldzahlung stört, gehe ich dort nicht mehr essen. Ich kaufe mit meinem Geld keine Kalorien sondern eine schöne Zeit. Wenn ich die nicht bekomme, gebe ich mein Geld halt woanders aus.

Volker
16. Juni, 2026 11:42
Reply to  Torsten Dewi

Das war unklar ausgedrückt: ich meinte damit, garnicht erst in Läden zu gehen, die auf solch ein System setzen. Vorausgesetzt, es stört einen so sehr, dass es den Abend überschattet. Ich gehe auch in keine Restaurants mit lauter Musik und in keine Filme mit 3D.

Volker
16. Juni, 2026 21:28
Reply to  Torsten Dewi

Ja gut, dann scheint es ja auch nicht so schlimm zu sein, oder? Ich hatte schon Trinkgeldsituationen, die mir im Nachhinein etwas den Abend verdorben haben. Dachte, das wäre für dich in dieser Gewichtsklasse.

Serienfan
16. Juni, 2026 12:02

xxx

Last edited 1 Monat zuvor by Serienfan
Axel Kugler
16. Juni, 2026 13:53

Meine Antwort auf diese Frage ist schon seit Jahren: Wir kaufen bessere Lebensmittel, die wir selber zubereiten. Kein Drama, Herr Wirt…wir kommen einfach garnicht mehr….Sie werden es nichtmal bemerken, was für Geizhälse wir sind

Basilisk
18. Juni, 2026 11:23
Reply to  Torsten Dewi

Und genau deshalb ist es ja leicht, eben diese Betriebe zu meiden.

Ich sage auch schon mal, dass ich wegen aufdringlichen Einforderns von Trinkgeld nicht wiederkommen werde.

Stephan
16. Juni, 2026 14:59

Ich halte auch die (rein) prozentuale Berechnung des Trinkgelds für ziemlichen Humbug.
Wenn ein Kellner viermal für meine Kinder Ketchup nachholt, ihnen unaufgefordert neue Malsachen bringt und sich allgemein gut um einen Gast kümmert, hat der mehr geleistet (und mehr Trinkgeld verdient) als einer, der zweimal eine Flasche entkorkt und ansonsten erst wieder zum bezahlen vorbei kommt – auch wenn die Rechnung beim ersten "nur" EUR 150 sind und beim zweiten EUR 400.

Daniel
17. Juni, 2026 06:06

Was mir fehlt ist eine gesellschaftliche akzeptierte Definition für das Trinkgeld.

Zum Beispiel im Gastrobereich:
Essen war gut -> ich habe auf gerundet. Wieso bekommt der Kellner dann das Trinkgeld?
Warum Prozente? Weil ich eine Flasche Wein trinke, anstatt Wasser, bekommt der Service mehr Trinkgeld?

Mein Diskussionsvorschlag:
Bei Trinkgeld für den Service/Kellner:
Service war schlecht oder erwartbar (0,00) (z.B. auch ToGo)
Service war gut (1,50€ * Anz. der Gäste)
Service war individuell und man hat sich sehr wohl gefühlt (2,50€ * Anz. der Gäste)

Das ganze kann jeder für sich anpassen (sowohl die Stufen, die Definitionien als auch die Faktoren).

Früher wurde Trinkgeld auch häufig zur Vermeidung von Kleingeld eingesetzt. Wenn man jetzt elektronisch bezahlt, spielt das keine Rolle mehr. Daher kann der Faktor z.B. auch 1,30€ sein. Zählen muss das ja keiner mehr.

Wienpirat
17. Juni, 2026 08:01

Bei uns kam letzthin der Autohändler auf die Idee, die 10/15/20% Option beim Kartenlesegerät einzuschalten.

Voll die witzige Idee bei ner Reperatur von 1500€. Ich war kurz davor ihn an den Ohren über den Tresen zu ziehen, es gibt nicht mal einen "kein Trinkgeld"-Button, das muss durch die Kassenkraft auf ihrer Seite gemacht werden…

Steuernzahlende Kartoffel
17. Juni, 2026 20:42

Uns ist in jüngerer Zeit verstärkt aufgefallen, dass man inzwischen in sehr vielen Arztpraxen & Therapie-Einrichtungen gleichfalls wenig subtil zur (Trinkgeld-) Kasse gebeten wird. Nicht zu übersehende Sparschweine mitten auf der Anmeldung, Patienten, die für einen menschlich selbstverständlichen Taxiruf gleich einen Zwanziger rüberreichen & entsprechend hofiert werden während man selbst links liegen gelassen wird etc. Wir meinen dass die Bredouille, die Drucksituation sich hier noch empfindlicher darstellt als im – Verzeihung – popeligen Restaurant, wo es "nur" ums Futter geht und man praktisch problemlos ausweichen kann. Und die Beschäftigten im hochregulierten GKV-System sind sicher weniger prekär als Kellner, und von den (extra bezahlten) Igel- oder (hoch honorierten) PKV-Leistungen die teilweise auch dem Personal zugute kommen rede ich erst gar nicht.

Steuernzahlende Kartoffel
17. Juni, 2026 22:11
Reply to  Torsten Dewi

Im Krankenhaus/bei stationärer Behandlung wiederum habe ich selbst aktuelle positive Erfahrungen. Dort sind manche Leistungen auch an Subunternehmer ausgegliedert weshalb es doch prekär zugehen könnte. Frage nach Kaffeekasse = wir dürfen nichts nehmen. Wir haben dann zur Entlassung ein Kuchentablett spendiert.

18. Juni, 2026 08:33

Umso günstiger die Rechnung im Restaurant umso größer ist mein Trinkgeld (wenn der Service mindestens okay war). Üblicherweise in bar, auf dem Tisch liegen lassen, für die Servicekraft die nur Tische abräumt, obwohl ich bevorzugt elektronisch bezahle (Finanzamt so unsympathisch und Steuern so himmelschreiend ungerecht gestaltet, zugunsten Überreichen, dass ich mich über Steuerhinterziehung des kleinen Mannes freue, was bar einfacher ist). Auch im Hotel Geld liegen lassen für die Reinigungskräfte.

Tom
18. Juni, 2026 09:39
Reply to  Torsten Dewi

Ich lasse immer einen Euro pro Nacht im Zimmer liegen. Reinigungskräfte (von Subunternehmen) werden in der Regel noch schlechter bezahlt als
Gastromitarbeiter.

18. Juni, 2026 20:30
Reply to  Torsten Dewi

Warum wird das Trinkgeld größer, wenn die Rechnung kleiner wird? Warum wirkt sich die Preisgestaltung des Restaurants in Sachen Speisen auf das Trinkgeld aus?

Von einem teuren Restaurant erwarte ich dass auch die Mitarbeiter besser bezahlt werden. Außerdem habe ich mehr Geld für Trinkgeld übrig bei günstigeren Preisen. Auch finde ich 3 bis 8 Euro [1] ein angemessenes Trinkgeld und prozentuale Bezahlung für die selbe Leistung finde ich merkwürdig.

1: Natürlich stark abhängig davon ob ich alleine oder mit der Familie Essen bin. Mit Kleinkind kann ich gar nicht genug Trinkgeld geben und schäme mich trotzdem noch dass der Platz meiner Tochter inklusive Boden völlig eingesaut ist.

Lutz
18. Juni, 2026 09:57

Zu der Zeit, als ich mir noch ein Zubrot als Lieferant für ein Restaurant verdient habe, hatten die geldgierigen Betreiber festgelegt, dass am Ende des Tages 20% des erworbenen Trinkgelds bei der Endabrechnung abzuziehen waren, die dann angeblich an die Köche gehen sollten. Für diese jedoch war im Arbeitsvertrag ein niedrig angesetzter Festbetrag an Trinkgeld festgehalten, denn sie monatlich ausgezahlt bekamen. Den Rest strich sich das feine Paar selbst ein.
Natürlich war allen bewusst, dass das Trinkgeld dem gehört, dem es übergeben wurde, aber man hatte halt keine Wahl, entweder, man machte mit oder man ging.
Bei bar ausgezahltem Trinkgeld hatte ich zumindest noch die Möglichkeit, die Restsumme zu meinen Gunsten zu manipulieren.
Das Ganze ist natürlich lange her und nicht jeder Restaurantbesitzer ist so ein Raffzahn. Aber da man als Gast nicht überblicken kann, wie die internen Vorgaben diesbezüglich sind, habe ich es für mich beibehalten, das Trinkgeld grundsätzlich nur bar zu übergeben, dadurch ist die Chance, dass es dort ankommt, wo ich es möchte, wesentlich größer. Das ist momentan fast der einzige Grund, warum ich mich bemühe, immer ein paar Münzen und kleine Scheine auf Tasche zu halten.

Basilisk
18. Juni, 2026 11:21
Reply to  Torsten Dewi

Aus demselben Grund, warum alle anderen Menschen auch freundlich sind? Aus Freundlichkeit?

Oder weil ein Arbeitgeber diese schon mit dem Arbeitslohn bezahlt?

Oder weil einem etwas daran liegt, dass der Betrieb, in dem man arbeitet, weiter existiert?

PabloD
18. Juni, 2026 13:38
Reply to  Torsten Dewi

Das ist aber auch die falsche Herangehensweise:
Ich erkaufe mir doch nicht die Freundlichkeit des Kellners durch Trinkgeld. Ich setze diese voraus! So, wie ich auch voraussetze dass der Busfahrer nicht besoffen zum Dienst erscheint oder der Zoofachgeschäftsmitarbeiter die Wellensittiche nicht mit ’nem Döner füttert.
Wenn der Service überaus freundlich war – dann gibt’s Trinkgeld. Die Basisfreundlichkeit wird aber bereits über den (Mindest-)Lohn abgegolten. Sie wie im Übrigen bei der ALDI-Kassiererin und vergleichbaren Jobs auch.

Streichholzmann
19. Juni, 2026 03:07
Reply to  Torsten Dewi

Ich seh das auch als vorbereitende Massnahme für den nächsten Besuch! Wer wird wohl eher den letzten Tisch bekommen?…
Ich hab das damals zu meiner aktiven Kellnerzeit auch so gehandhabt, wer gut Trinkgeld gibt bekommt auch mehr Zuwendung!

PabloD
19. Juni, 2026 09:49

Diese Theorie funktioniert aber auch nur, wenn ich als Gast beim nächsten Restaurantbesauch genau das gleiche Lokal mit genau dem gleichen Kellner nehme. Und der sich dann auch noch an mich erinnert.
Fällt also in 99,99% der üblichen Fälle weg (wir reden ja hier nicht von der Konstellation "Stamm-Italiener, den ich seit 20 Jahren regelmäßig besuche und wo der Chef noch selber bedient").

dermax
18. Juni, 2026 19:30
Reply to  PabloD

Der Busfahrer hat eine klar definierte Aufgabe, da gibts keinen Spielraum. Beim Verkäufer kann man tatsächlich diskutieren, ob sich Trinkgeld rechtfertigen lässt, wenn er besonders gut berät. Der Kellner kann schnell, freundlich, hilfreich sein, muss er aber nicht. Gastronomie ist nunmal zu einem relevanten Teil auch Erlebnis.

Basilisk
18. Juni, 2026 10:58

Vielleicht bin ich einfach übermäßig geizig oder ich bin überdurchschnittlich resistent gegen Druck: Ich klicke lächelnd auf den "Kein Trinkgeld"-Button, wenn mir keins angemessen scheint.

Wer sich bewusst für einen Arbeitgeber entscheidet, bei dem Trinkgeld quasi als unverzichtbarer Einkommensbestandteil vorausgesetzt wird, der muss sich der Unsicherheit der Trinkgeldmenge bewusst sein. Außerdem gibt es einen Mindestlohn. Und den bekommen auch Menschen, die nicht das Glück haben, im Kundenkontakt etwas quasi einfordern zu können.

Selle
18. Juni, 2026 21:37

Trinkgeld hat aus meiner Perspektive zwei "Aufgaben": Zum einen soll es eine Belohnung und ein Anreiz für (besonders) gute Dienste sein. Zum anderen ist es eine Art Absprache zwischen Kunde, Arbeitgeber und Arbeitnehmer der durch die Steuerfreiheit des Trinkgelds alle Beteiligten ceteris paribus zu einer Variante ohne Trinkgeld mit höheren Löhnen profitieren lässt: Der Mitarbeiter verdient mehr, der Kunde zahlt weniger und für den Arbeitgeber sind die reinen Transaktionen zwar neutral, er kann aber einen günstigeren und damit potenziell attraktiveren Preis verlangen. Aufgabe 1 ist die klassisch deutsche, Aufgabe 2 ist seit langem der Standard in den USA. Das funktioniert dort (oder hat funktioniert?) aber vor allem deshalb, weil es eine klare und allgemein akzeptierte Konvention gibt (gab?), in welcher Höhe Trinkgeld gezahlt wird. Momentan sickert bei uns die zweite Variante in die erste ohne dass es auch nur einen Ansatz einer Konvention gäbe ob und wann ja in welcher Höhe wir dieses Modell umsetzen sollten.

19. Juni, 2026 13:57

Diese Trinkgeld-Buttons boykottiere ich aus Prinzip. Ich gebe dann vielleicht dennoch Trinkgeld aber nicht über diesen Weg.
Und ich hoffe, dass ich damit einen Beitrag leiste, dass sie verschwinden. Denn sie sind, aus genau den von dir vorgebrachten Gründen, Scheiße.

Mencken
20. Juni, 2026 00:55
Reply to  flippah

Mache ich auch so, Trinkgeld nur in Form von Bargeld.

Mike
26. Juni, 2026 11:16

„Früher war Trinkgeld simpel. Du warst essen, der Service war gut, du hast aufgerundet.”

So einfach ist es für mich zumindest in Deutschland immer noch. Ich zahle in Restaurants generell bar und gebe dann einen kleinen Euro Betrag als Trinkgeld.
Somit musste ich noch nie irgendwelche Trinkgeld-Buttons drücken.
Beschwert hat sich tatsächlich noch nie jemand, stattdessen gab es bisher immer ein freundliches Danke.

Deinen Eindrücken bezüglich der USA kann ich dagegen uneingeschränkt zustimmen. Ein weiterer Grund – neben anderen – warum ich nicht mehr gerne in die USA reise.

Auswärts essen gehen, gehört für mich einfach dazu. Ich würde sagen im Schnitt gehen wir mindestens zweimal die Woche in ein Restaurant. Ich hatte noch nie ein Problem damit Trinkgeld zu geben, aber ich möchte dabei nicht zu irgendetwas genötigt werden.