2 Cent: Gastautor Christian Lukas
Themen: 2 Cent, Film, TV & Presse, Neues |Ihr erinnert euch vielleicht an meinen Beitrag von neulich, in dem ich die Nabelschau der Medienschaffenden beklagte und die perfide Angewohnheit der Presse, zu zündeln und dann das brennende Haus zu beklagen.
Kollege Christian Lukas, den ich früher schon als exzellenten Wortschmied loben durfte, hat dazu auf Facebook einen Kommentar verfasst, der das Problem perfekter auf den Punkt bringt, als ich es könnte. Er bezieht sich dabei auf die Medienmüdigkeit meiner Generation, die keine Lust mehr hat, für alles der Buhmann zu sein, der eh nix kapiert und der auf den Komposthaufen der Geschichte gehört – wenn es nach den Gen X/Y/Z-ern geht, die prima von den Freiheiten und dem Wohlstand leben, die für sie erkämpft und erarbeitet wurden.
Mit seiner Erlaubnis republiziere ich das hier zur Gänze:
Ich glaube ja, und ja, glauben heißt nicht wissen, dass es oft die eher nebensächlichen Momente sind, die eine aufgeladene Atmosphäre zum Platzen bringen können. Du sprichst die großen Themen an. Doch manchmal reicht ein Schluckauf, um zu sagen: Leck mich jetzt rund, verdammt nochmal. Bei mir war es der Moment, in dem in den ZDF-Nachrichten begonnen wurde von Bürger Innen, Ukrainer Innen, Handwerker Innen zu sprechen. Dieser Inklusionsrülpser einer akademischen Blase, die wenig Interesse daran hat, andere Positionen ernsthaft auszuhalten. Denn worum geht es dabei eigentlich?
Nicht um ein paar zusätzliche Silben. Es ist diese Überzeugung, dass man auf der richtigen Seite steht, dass die korrekte Verwendung der Sprache deine Position bestimmt, nicht der Inhalt.
Und das ist Arroganz. Man behauptet, niemand ausschließen zu wollen, sendet aber gleichzeitig ein permanentes Signal der Zugehörigkeit. Wer so spricht, gehört zu den Korrekten. Wer anders spricht, nicht. Es entsteht ein kulturelles Passwort, an dem man/frau erkennt, wer Teil des Milieus ist und wer draußen steht.
Ausgerechnet eine Sprache, die inklusiv sein sollte (und journalistische Sprache sollte dies sein), erzeugt damit ein neues Wir und Die. Die Aufgeklärten hier. Die Nachhilfeschüler dort. Viele Menschen nehmen das wahr. Nicht unbedingt bewusst, nicht unbedingt politisch. Aber sie spüren den Unterton. Sie spüren, dass hier nicht mit ihnen diskutiert wird, sondern dass ihnen etwas vorgemacht wird, das sie gefälligst übernehmen sollen.
Und wenn Menschen das Gefühl bekommen, dass ihre Ansichten nicht diskutiert, sondern lediglich als Rückständigkeit einsortiert werden, dann entsteht kein Konsens.
Dann entsteht Trotz.
Nennt mich Trotzvogel…
Danke für diesen Beitrag.
Die Trotzreaktion kann ich gut nachvollziehen, bei mir ist dies inzwischen auch der Fall.
Wird in einem Artikel oder Beitrag zu sehr gegendert, dann verliere ich recht schnell das Interesse am Weiterlesen.
Ich kann es nicht überprüfen, aber angeblich soll ja die Unperson mit dem Bärtchen der Taufpate des Gendern gewesen sein.
Auf welt.de wurde dies schon 2025 mit einem Artikel behandelt („Gendern wie Hitler“).
Unabhängig vom Ursprung, fragen sich natürlich viele zurecht, was das Ganze bezwecken soll. Wozu brauchen wir einen orwellschen Neusprech?
Wo Sprache ihren Hauptzweck, nämlich den der Kommunikation, verliert und stattdessen eine Einsortierung in DIE und WIR vorgenommen wird (die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen) da bin ich raus.
Sprache sollte etwas verbindendes sein und die Menschen nicht spalten.
Schön, zumindest zu wissen, dass in fast allen Umfragen die Mehrheit der Menschen sich gegen das Gendern ausspricht.
Und trotzdem ist eine Minderheit so laut, dass sich dem gebeugt wird.
Die Welt schreibt da natürlich mal wieder Unfug – der GröFaZ hat das Gendern nicht erfunden, sondern wie viele andere Dinge, die ihm bzw. den Nazis zugerechnet werden, schlicht und einfach nur geklaut. Die Doppelansprache ("liebe Volksgenossen und Volksgenossinen") haben z.B. bereits Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg verwendet, und auch die spätere Verwendung in der NSDAP vom substantivierten Partizip Präsens ("Studierende") wurde bereits im 19. Jahrhundert an preußischen Unis verwendet. Die "modernen" Formen mit irgendwelchen Sonderzeichen mitten im Wort haben die indes nie benutzt.
Das substantivierte Partizip Präsens ist sowieso eine der dümmsten Genderformen überhaupt: zum einen hat auch der Studierende einen Genus (wird aber da halt in der Pluralform versteckt) – und zum wird bei der Verwendung die Bedeutung u.U. geändert – der Student ist auch abends zuhause noch ein solcher, aber wenn ein Studierender den Vorlesungsraum verlassen und sich in der Kneipe vollaufen läßt, ist er dann immer noch Studierender?
"Men trip not on mountains, they stumble upon stones."
Deinen Artikel konnte ich nachvollziehen. Konnte nicht allem zustimmen, in der Quintessenz waren das interessante und nachvollziehbare Beobachtungen mit vielen guten Punkten. Damit bin ich fein. Nicht jeder hat zu allem die gleiche Meinung.
Aber dieser Text hier – sorry, ist in meinen Augen eine unfaire, geradezu spaltende Verkürzung. Ich ginge noch mit, wenn die Aussage hieße "wer inkludiert und verlangt, dass das jeder tut, der exkludiert". Aber Christian schreibt sinngemäß "wer inkludiert, exkludiert", interpretiert in die reine Nutzung einer inkludierenden Sprache eine Ideologie, Abwertung, Gatekeeping. Nicht, dass es das alles nicht auch irgendwo gäbe. Aber derjenige, der da "Wir und Die" erzeugt, ist er selbst und nicht das ZDF.
Das sehe ich anders. Nach meiner Interpretation sagt Christian nicht "wer inkludiert, exkludiert", sondern "wer inkludiert, setzt eine Demarkationslinie". Davon abgesehen geschieht das ja schon durch die Verwendung des Begriffes Inklusion, die ein hehres Verhalten unterstellt, dass nach unserer Wahrnehmung oft genug eine Variante von Exklusion einschließt, die aber bestritten wird. Letztlich ist das ja auch eine Rezeptionsfrage – Christian fühlt sich durch die Gendersprache auf eine "falsche" Seite gestellt. Niemand unterstellt, dass dahinter ein großer Masterplan steckt. Aber man sollte sich eben auch Gedanken machen, wen man für die gute Sache vor den Kopf stößt.
Dann eben "setzt eine Demarkationslinie". Das besagt doch fast dasselbe. Das ist ja weder Sinn noch Absicht von Gendersprache. Das ZDF will damit weder exkludieren, noch eine Demarkationslinie setzen. Trotzdem nimmt Christian Lukas das nicht nur so wahr, sondern unterstellt Absicht. Er nennt es "Arroganz", "Signal der Zugehörigkeit", eine Trennung zwischen "Aufgeklären" und "Nachhilfeschülern".
Das sind doch Probleme, die (zumindest in diesem Fall) im Kopf des Rezipienten entstehen und nicht in der Sache selbst.
Es wird eine Absicht unterstellt, die nicht vorhanden ist. Das Gefühl, dass die Gegenwart sich ändert in einer Weise, wie man sie nicht gelernt hat, wird übersetzt in "DIE wollen mir das Leben schwer machen!", "DIE wollen mich ausschließen!", "DIE sind niederträchtig!". Da entsteht erst das "WIR gegen DIE". Nicht beim Gendern.
Nicht, dass ich selber super happy damit wäre. Die häufig gebrauchten Partizipialformen finde ich einen missverständlichen und inkonsistenten Graus, Sonderformen wie das Gendersternchen, die explizit den Effekt haben sollen, den "Lesefluss zwecks Innehalten zu stören" völlig fehlgeleitet. In gesprochener Sprache tragen die meisten Varianten imo nicht gerade zu einem besseren Verständnis bei. Und in geschriebener entstehen neue Barrieren für Menschen mit schwachen Sprachkenntnissen.
Aber diese Art, das geradezu persönlich zu nehmen und Verschwörungen zu wittern, ist mir völlig fremd.
"Dann eben "setzt eine Demarkationslinie". Das besagt doch fast dasselbe. Das ist ja weder Sinn noch Absicht von Gendersprache." – du wirst hinnehmen müssen, dass es legitim ist, das anders zu sehen. Manchmal haben gute Absichten auch negative Folgen.
"Binnen I be gone" ist meine liebste Erweiterung für mobile Safari auf iOS. Man kann recht frei einstellen was automatisch ersetzt werden soll. Also z.B. alle Gender-Sternchen Variante mit dem generischen Maskulinum. Klappt wunderbar und man kann sogar taz.de wieder lesen.
Gibt es auch für Chrome.
Da gehe ich nicht mit. Denn, ganz ehrlich, es ist mir wurscht, wer gendert und wer nicht. Ich finde Sternchen, Sprechpausen und Binnen-I unästhetisch, darum verwende ich sie nicht. Wenn ich wirklich mal das Gefühl habe, dass das generische Maskulinum nicht ausreicht, nutze ich andere Formulierungen. Wenn andere Leute/Institutionen das anders machen wollen: Bitteschön. Kratzt mich schlicht nicht.
Das Ganze kommt mir vor wie die zeitgenössische Fortsetzung der Schokokuss-/Zigeunersoßen-Debatte.
Ganz genau, so ist das. Und diese Formulierung, die viele Politiker nutzen "Bürgerinnen und Bürgern" ist so lang und umständlich, dass mit da sogar das BürgerInnen lieber ist
Gendern zum Kulturkampf machen nicht die die gendern sondern einige wenige die behaupten es gäbe eine linke akademische Verschwörung und woke, also achtsam miteinander umgehen, sei was schlimmes. Von denen kommt die Spaltung in wir und die. In Wirklichkeit ist es fast allen egal ob gegendert wird oder nicht. Damit erhält Gendern den Stellenwert den es verdient. Nebensächlich.
"In Wirklichkeit ist es fast allen egal ob gegendert wird oder nicht." – das ist schlicht falsch, sogar bei der jüngeren Generation:
"Eher dafür/dagegen" ist jetzt nicht so eindeutig. Leider weiß man nicht, wie viele klar dafür/dagegen sind. Aber ich vermute Mal stark, dass es insgesamt höchstens 20% mit klarer Meinung dazu sind. Dem Rest ist es egal oder eher dafür/dagegen.
Dann hast du die Statistik nicht richtig gelesen: über praktisch alle Gruppen sind zwischen 20 und 30 Prozent nur eher oder sehr dafür. Das heißt zuerst einmal, zwischen 70 und 80 Prozent sind nicht eher oder sehr dafür. Und von denen sind grob die Hälfte eher oder sogar sehr dagegen. Das sind eindeutige Zahlen.
Zwei dazu komplementäre Gedanken von mir:
Erstens: Mich triggert es maßlos, wenn im ÖRR gegendet wird. Wenn man meint, im privaten Leben so reden zu müssen, geschenkt. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, der alte Fritz II und so. Aber der ÖRR wird ja zwangsweise durch die Öffentlichkeit finanziert – die das Gendern auch nach Jahren mehrheitlich ablehnt. Mit welcher Arroganz nimmt man sich da heraus, seine persönliche Einstellung so in die Welt zu tragen? Würde ein Nachrichtensprecher anfangen, in seiner Sendung jedes erste Wort pro Satz auf Plattdeutsch auszusprechen (meinetwegen aus dem moralisch hochwertigen Grund, die deutsche Minderheit in Dänemark sichtbar zu machen) würde er sofort hochkant rausfliegen. Weil es einfach nicht der richtige Ort ist, um seine Partikularinteressen zu präsentieren. Und hier müssen wir (naja: ihr – ich ja nicht) es einfach hinnehmen und auch noch klaglos weiter dafür bezahlen. Finde ich nicht okay und fügt dem ganzen Konstrukt ÖRR enormen Schaden zu.
Zweitens: Deutsch ist eine sehr schöne Sprache. Deutsch ist aber auch eine sauschwere Sprache. Sie wird nicht einfacher dadurch, dass man grammatikalisch unsinnige Konstrukte einbaut. Was Christian als Inklusionsrülpser der akademischen Blase bezeichnet, ist am Ende eine knallharte Exklusion von: Ausländern, die dem ganzen sprachlich nicht folgen können. Und geistig weniger priviligierten Menschen (und das meine ich nicht degorativ), die dem Bumms kognitiv nicht folgen können. Es hat halt nunmal nicht jeder an der Humbold-Uni studiert. Die werden durch die Kunstsprache vom gesellschaftlichen Diskurs ausgeschlossen. Und das ist nicht okay.
@Feivel
Schön beschrieben.
Selbst für Deutsche (nicht nur für Ausländer) ist das Gender-Sprachgewirr auch fast nicht mehr nachzuvollziehen. Mir sind schon Artikel aufgefallen, in welcher derselbe Autor mehrere unterschiedliche Genderformen parallel verwendet.
Im Deutschen gibt es derzeit keine einheitliche Regel für geschlechtergerechte Sprache. Deshalb begegnet man in Texten unterschiedlichen Schreibweisen, zum Beispiel mit Sternchen, Doppelpunkt oder Binnen-I.
Am Beispiel des Wortes „Lehrer“ gibt es unter anderem folgende Möglichkeiten:
* Lehrer (generisches Maskulinum)
* Lehrer und Lehrerinnen (Paarform)
* Lehrerinnen und Lehrer (Paarform, umgekehrte Reihenfolge)
* Lehrer/Lehrerinnen
* Lehrer/-innen
* Lehrer*innen (Gendersternchen)
* Lehrer:innen (Gender-Doppelpunkt)
* Lehrer_innen (Gender-Gap)
* LehrerInnen (Binnen-I)
* Lehrende (Partizipialform)
* Lehrkräfte (geschlechtsneutrale Bezeichnung)
* das Lehrpersonal (Sammelbegriff)
Weitere Verwirrung kommt durch das Suffix „-ende“ zustande.
Was bedeutet zum Beispiel „Schreibende“?
Das Ende des Schreibens?
Der Schreiber?
Es heißt "die Lehrkraft" womit das generisch feminin und nicht neutral ist.
Der Lehrkrafter würde mir gefallen.
Auch wenn du das natürlich als Spaß meintest, manche bringen ähnlichen Quatsch tatsächlich als ernstgemeinten Vorschlag ins Gespräch.
Interessanterweise ist gerade heute ein Blogartikel bei Hadmut Danisch erschienen.
Anlass war der Redebeitrag einer Dame in einem Talk, in welchem diese ernsthaft forderte, dass man neben „Journalistin“ als eindeutige Bezeichnung für Frauen, und „Journalist“ als neutrale Bezeichnung, zur Unterscheidung noch die explizit männliche Form „Journalisterich“ stellen sollte.
Ich petitiere, den Hausherrn hier ab jetzt nur noch als Schreiberich zu adressieren.
Das finde ich nicht einmal unlogisch. Wenn es Bezeichnungen gibt, die Angehörende einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe als eindeutig weiblich ausweist (was ich für das eigentliche Problem halte), muss es in einer geschlechtergerechten Sprache auch welche für eindeutig männliche Personeriche geben. Und natürlich auch weitere für nichtbinäre, wobei ich nicht sicher bin, ob sich all deren Unterformen unter einem Sammelbegriff genügend mitgemeint fühlen.
Ist doch nur ein alter Witz aus dem Postillion:
https://www.der-postillon.com/2017/11/gleichberechtigung-er.html
Ich finde Partizipialformen ziemlich gut tbh. "Studierende" und "Forschende" klingt für mich deutlich entspannter als "Studentinnen und Studenten" oder "Forscherinnen und Forscher". Wird natürlich schwierig, wenn es nicht um Tätigkeiten, sondern um konkrete Jobs geht; für "Apothekerinnen und Apotheker" bspw. ist partizipial halt nicht machbar.
Ansonsten geht das ganze Gegendere an mir ziemlich vorbei, bzw. es fällt mir kaum auf. Weder stört es mich, wenn ich es lese, noch fehlt es mir, wenn nicht. Ich selbst gendere nicht. Nicht aus Trotz, sondern weil ich schlicht zu faul dafür bin.
Ich bin für "Apothekernde".
Apothekendierende!
Apothekendierender*in!
Der nervige Spruch am Ende von Arzneimittelwerbungen wie zum Beispiel Kopfschmerztabletten könnte somit noch erweitert werden.
„ zu Risiken oder Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage, fragen Sie Ihren Ärzterich oder ihre Ärztin oder fragen Sie Ihre Apothekendierender*in!“
Nachdem man das ein paarmal gehört hat, braucht man die Kopfschmerztablette garantiert…
Partizipalformen sind für mich eine Vergewaltigung der Sprache. Ein Student ist jemand, der als solcher eingeschrieben ist, egal, was er gerade macht. Ein Studierender ist eine Person, der sich gerade einer Sache intensiv widmet. Ein Student kann auch gerade schlafen, Semesterurlaub machen oder einen Nebenjob bei McDonalds ausüben. Dasselbe funktioniert sprachlich für Studierende nicht wirklich. Es gibt keine toten Fahrendfahrende, aber ein toter Fahrradfahrer ist im Verkehr leider durchaus möglich. Und lesbarer oder besser sprachbar sind die Formen wirklich nicht. Frauen sind in der deutschen Sprache privilegiert – eine Ärztin ist eine Frau, die als Arzt arbeitet, ein Arzt ist jemand, der als Arzt arbeitet. Ärzte sind eine Gruppe aus x Männern, y Frauen und z Intersexuellen, Ärztinnen sind zu 100% Frauen. Nur duch das konstante Lügen über "unsichtbar machen" hat man es geschafft, dass der einfache Plural zum politischen Eiertanz wurde.
Ich kann deiner Argumentation folgen, aber mir ist das ziemlich egal, ob ein Student streng genommen was anderes ist als ein Studierender, weil ich im umgangssprachlichen Kontext ja weiß, dass "Studierende" auch schlafen und essen und dabei als "Schlafende" und "Essende" nicht automatisch den "Studierend"-Status verlieren, nur weil sie grad nicht studieren.
Aber ehrlich gesagt, ich war nach "Vergewaltigung der Sprache" schon raus.
Bei „Studierende“ finde ich es zwar wenig elegant aber nicht so schlimm weil hat ausschließlich „Studenten und Studentinnen“ als „Studierende“ bezeichnet werden. Niemand würde den in die Anleitung der Wärmepumpe vertiefen Installateur als „Studierenden“ bezeichnen.
Anders z.B. bei „Pflegerinnen und Pfleger“ denn die Tochter, die sich um die alte Mutter kümmert würde ich im alltäglichen Sprachgebrauch schon als „Pflegende“ beschreiben.
Alles in allem zeigen diese ganzen Versuche, die Sprache sich nicht entwickeln zu lassen sondern sie hinzubiegen für mich aber auf, wie unorganisch und verkrampft das Gendern halt ist.
Danke. Für den ersten Teil. Ab "Frauen sind in der deutschen Sprache privilegiert" gehe ich nicht mehr mit, das stimmt nur noch sprachwissenschaftlich/-historisch.
Aber Partizipalformen sind einfach eine grammatische Form mit einer völlig anderen Bedeutung, die missbräuchlich verwendet wird, einfach weil sie per Konstruktion genderneutral ist. Aber je nach Kontext verschwimmt nun komplett, was eigentlich gemeint ist, weil zwei Semantiken gegeneinander stehen. Studierende? Das sind Studenten. Radfahrende? Öhm.. schwierig. Backende? Das wird wohl eher die Hausfrau sein, die gerade Kuchen bereitet. Das macht Sprache keinen Deut besser, sondern opfert sehr viel Verständnis, Präzision und Einfachheit für einen minimalen Zuwachs an Sichtbarkeit.
Nein, das „Backende“ ist für mich nicht der Bäcker, sondern das Ende der Backzeit, also dann, wenn man den Kuchen aus dem Ofen holen kann. 🙂
Huch? Ich denke, "das Backende" ist das Teil, das gerade im Ofen vor sich hin bäckt!? Das Wütende in mir ist nämlich auch nicht das Ende von meinem Wüt.
Die weibliche Movierung ist und war nie ein Privileg, ganz im Gegenteil. Selbst wenn sie aus bester Absicht eingeführt worden sein sollte, lädt sie doch nur dazu ein, Vorurteile zu kultivieren. Mir ist völlig schleierhaft, warum Feministinnen und Feministen nicht deren Abschaffung fordern.
Man stelle sich mal vor, es gänge nicht um Geschlechter sondern um Hautfarben, und wir würden ein movierendes Suffix erfinden, das einen Bäcker, Taxifahrer oder Richter als dunkelhäutig ausweist. Käme irgendjemand auf die Idee, dies als Inklusion aufzufassen?
das ist natürlich rein anekdotisch (und nur die beiden Enden des Spektrums, für die meisten ist das einfach kein Thema) – aber in meinem Umfeld ist es so: die, die gendern, machen das einfach. Die, die nicht gendern müssen einen ständig belehren, warum gendern hässlich/sinnlos/dumm/falsch ist. Wenigstens haben die dämlichen Witze mittlerweile aufgehört (Muss ich jetzt Kugelschreiberin sagen? Hö, hö, hö!).
Ich wurde noch NIE von jemandem darauf hingewiesen, wenn ich nicht gegendert habe; ich wurde schon unzählige Male darauf hingewiesen, dass man früher auch nicht gegendert hat und das die Sprache verhunzt (und dabei gendere ich gar nicht oft, glaube ich).
Was in dem Kommentar in die Verwendung der Form hineininterpretiert (bzw. hineingesteigert) wird, ist für mich höchst amüsant.
"Es ist diese Überzeugung, dass man auf der richtigen Seite steht[…]"
Ernsthaft? Woher kommt das? So ein Quark…
Aber manchmal sieht man die eigene Nase vor lauter Strohmännern nicht – oder so ähnlich.
"das ist natürlich rein anekdotisch (und nur die beiden Enden des Spektrums, für die meisten ist das einfach kein Thema) – aber in meinem Umfeld ist es so: die, die gendern, machen das einfach." – und ich erlebe das genaue Gegenteil. Gendern ist eine Entscheidung. Dahinter steht ein Bewusstsein. Ich denke auch, dass Christian sehr klar gemacht hat, dass es ihm um das GEFÜHL geht, ausgegrenzt zu werden.
Bei mir ist es ähnlich wie bei Thomas. Ich gendere nicht, lebe nicht vegan und trinke quasi nichts mehr mit Zucker. Und noch nie hat mich ein Genderer belehrt, noch nie ein Veganer persönliche Probleme mit meinem Fleischkonsum gehabt, und noch nie ein Süßstoffkonsument versucht, mir Zucker als böse darzustellen. Anhören darf ich mir aber von Nichtgenderern, wie schlimm belehrend die Genderer doch sind, von Fleischessern, wie radikal Veganer doch immer darauf hinweisen müssen, dass man kein Fleisch essen soll, und von Zuckeranhängern, wie die Süßstoffmafia uns angeblich den guten Zucker madig machen will. Naja, vielleicht habe ich einfach zu viele Mario-Barth-Fans in meinem Umfeld.
Ich glaube, die persönliche Sicht hilft hier nicht weiter. Stell dir einfach mal vor, du willst als Redakteur beim ZDF anfangen. Dann heißt es schlicht: hier wird gegendert. Es gibt kein Gesetz, das ZDF hat keine Sprachhoheit, du hast dich nicht dazu bereit erklärt – aber der Konflikt, den du verlieren wirst, ist vorprogrammiert.
Zugegeben, das ist was anderes, und da hätte ich dann meine Probleme mit, tatsächlich.
Ich muss nicht arbeiten, wo es mir nicht gefällt – und vorher muss ich mich dort auch nicht bewerben. Ich gucke das ZDF nicht mehr – sicher, dass das Gendern überall und immer stattfindet? So weit ich das mitbekommen habe, trifft es die 19 Uhr Sendung in erster Linie. IMHO sollen und dürfen die das machen, wie immer sie wollen – bei weit über 300 Sender muss man das ZDF nicht in der Favoritenleiste haben.
Das war ein hypothetisches Beispiel.
Ich bin Radiomoderator in der ARD in einer Randzeit. Ich nutze *innen on air, weil es inkludiert und ich mir denke, wenn ich durch so was Kleines helfen kann, dass sich Menschen zugehörig fühlen, kann ich das machen. Ich verliere nichts, andere gewinnen aber etwas. Daher wundere ich mich immer darüber, wie sehr Menschen dagegen wettern. Sprache verändert sich halt und das Bewusstsein in manchen Ding (oft zum Glück) auch.
Wen es interessiert: Eine redaktionelle Vorgabe gibt es dazu nicht.
Wer das privat oder öffentlich anders handhabt, ist mir egal. Ich zwinge auch niemanden zu Mülltrennung, E-Auto oder Veganismus. Auch wenn ich es in manchen Themen manchmal gerne würde.
Es steht dir frei, das so zu handhaben. Ich bezweifle allerdings, ob irgendwer was dabei gewinnt außer denen, deren Agenda es ist. Sprache verändert sich, das ist richtig – allerdings als Prozess, der von der Minderheit harmonisch in die Mehrheit schwappt, nicht aufoktroyiert von einer Minderheit. Die Statistiken sprechen eine klare Sprache – und letztlich sprichst du damit als Moderator gegen die Interessen deiner Hörer an.
Und allen anderen steht es frei, es *nicht* so zu handhaben. Ich verstehe die "Agenda"-Bedenken bei dem Thema nicht.
Anderes Beispiel: Jüngere Menschen in meinem Arbeitsumfeld nutzen Anglizismen wie "Da war ich low-key genervt". Find ich albern und oft passt der englische Begriff gar nicht. Ich möchte nicht so reden und tue es auch nicht. Ich habe auch redaktionelle Verantwortung, lese also Radioskripte dieser Menschen, bevor sie on air gehen. Anfangs habe ich solche Stellen rausgestrichen, weil ich gedacht habe, ich müsse für die Nutzung anständiger Sprache einstehen. Mittlerweile denke ich, wenn sie so auch privat reden, ist es authentisch – und wer bin ich, dass ich jemandes Ausdrucksweise beschneide?
"und wer bin ich, dass ich jemandes Ausdrucksweise beschneide?" – eben. Du merkst nicht, dass wir hier nicht von "einer spricht so, der andere spricht so" reden. Das wäre in der Tat normal. Wir reden von einem massiven Druck, der u.a. dazu geführt hat, dass an sehr vielen Stellen in diesem Land das Gendern vorausgesetzt wird, OBWOHL die Mehrheit der Menschen es explizit ablehnt. Wäre es so, wie du behauptet (jeder kann, wie er will), hätte niemand ein Problem damit.
Wo genau wird denn "massiver Druck" von wem genau ausgeübt? Und was soll dahinterstecken?
Du bist Autor. Wird dir das Gendern befohlen und mit Entzug des Auftrags gedroht?
Zu den Organisationen, in denen gendergerechte Sprache in der internen oder externen Kommunikation weitgehend verbindlich ist oder durch verbindliche Leitfäden erwartet wird, gehören beispielsweise:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Umweltbundesamt
Robert Koch-Institut
Bundeszentrale für politische Bildung
Senatskanzlei Berlin
Freie und Hansestadt Hamburg
Landesregierung Nordrhein-Westfalen (mit unterschiedlichen Regelungen je nach Ministerium)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Freie Universität Berlin
Universität Hamburg
Universität zu Köln
Deutsche Telekom
SAP
Otto Group
Allianz
Deutsche Bahn
Okay, aber warum beschneidet *dich* das, wenn du keine Texte für die Genannten schreibst oder dort angestellt bist? Ernst gemeinte Frage.
An welcher Stelle habe ich behauptet, dass es MICH persönlich betreffen muss, um relevant zu sein? Mir reichen Leute wie du, die wider alle Gegenbelege heucheln "kann doch jeder, wie er will" – und gleichzeitig andeuten, dass ihnen bloß die Macht fehlt, ihren Willen auch gegen Andere durchzusetzen: "Ich zwinge auch niemanden zu Mülltrennung, E-Auto oder Veganismus. Auch wenn ich es in manchen Themen manchmal gerne würde."
Puh. Ich schätze deine Inhalte hier sehr. Hier kommen wir nicht zusammen. Macht ja nix. Dafür ist mir das Gendern nicht wichtig genug.
Aber Sprachregelungen sind doch nun auch nichts Neues und Unbekanntes. Jede mittelgroße Firma hat auch Firmengrundsätze, Verhaltenskodex, Designvorgaben etc. pp.
Weil du als Mitarbeiter nun mal das Unternehmen repräsentierst und nicht deine Persönlichkeit. Ich kann Firmenpräsentationen nicht einfach in Regenbogenfarben machen, nur weil ich das meinen freien Ausdruck sehe. Genauso wie das Unternehmen (ist sogar TV, allerdings nicht das ZDF) befürwortet zu gendern, es aber nicht einmal vorschreibt. Ich mache das daher in Firmenunterlagen, privat nicht und im Gespräch mit Kollegen auch nicht.
Sprachkultur im Unternehmenskontext als Beispiele "massiven Drucks" anzuführen, ist völlig absurd.
Bei den Universitäten, sofern sie das den Studenten für Arbeiten vorschreiben und bei der Benotung berücksichtigen, gehe ich hingegen sogar mit. Da ist man mMn weit übers das Ziel hinausgeschossen und hat tatsächlich ohne Mandat in die Sprachfreiheit des Einzelnen eingegriffen.
Firmenkultur und Verhaltenskodex sind keine Sprachpolizei, bei der ich Sanktionen fürchten muss, wenn ich mich an die Neudefinitionen einer MINDERHEIT nicht halten will. Die Verwendung der korrekten deutschen Sprache ist eben KEIN "freier Ausdruck", sondern der Standard, von dem hier abgewichen wird.
Übertragen wir das mal auf die Web-Präsenzen des ÖRR. Warum halten wir uns da an Rechtschreibregeln? Wer bist du, den Leuten ihre schriftliche Ausdrucksweise vorzuschreiben? Warum gibt es keine Tagesschau-Artikel, in denen das Wort "lol" vorkommt? Das nutzen privat auch ganz viele.
Radiobeiträge und Onlineartikel sind nicht 1:1 übertragbar. Erst recht nicht, wenn sich wie bei mir die einen Formate an jüngeres Publikum richten, andere aber auch deren Großeltern ansprechen sollen.
Ich glaube, dass du da den eigentlich Kern der Aussage etwas verfehlst. Wenn jemand gendert, dann tut er das ja entweder Aus Opportunismus oder aus Überzeugung. Und die Überzeugung ist in diesem Fall: "Normale Sprache ist diskriminierend, und ich mache das besser als die, die normal sprechen". Was ist daran Quark?
Vor ein paar Wochen im Radio eine Dame gehört, die auf "Ermittlerinnen" gegendert hat, aber von "Verbrechern" gesprochen hat.
Hallo beisammen! Hier, gute kritische Darstellung des Themas:
https://youtu.be/aZaBzeVbLnQ?si=QTzYn4FNiDpPEMwT
Trotzdem ein Käse-Kanal.
Wait, what? Alicia Joe? Die ist doch voll stabil, was an dem Kanal ist denn Käse?
Ich habe nix gegen die Frau, aber mir sind die Themen zu reißerisch und naheliegend.